Agartha

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Ein mysteriöses, unterirdisches Königreich

(red) Agartha (hindustanisch) oder Agarthi (mongolisch) ist in in alten Überlieferungen der Völker Zentralasiens der Name eines sagenhaften bzw. mythisch-legendären, unterirdischen Reiches, dessen Hauptstadt Shambala [1] (Abb. 1) genannt und auch als "Quell des Glücks" bezeichnet wird. [2] Der dort residierende Herrscher soll den Titel "Rigden-Jyepo" (König der Welt) tragen. Angeblich soll der jeweils amtierende Dalai Lama auch als oberidischer Repräsentant von Agartha und "Schlüsselbewahrer" eines geheimen Zugangs zu diesem Reich fungieren, der sich, wie der Volksmund in Tibet behauptet, im Potala-Palast in Lhasa, dem vormaligen Regierungssitz der Dalai Lamas befindet.

In Agartha sollen sich zudem "Reste einer vorsintflutlichen Menschheit erhalten" haben, "die noch rechtzeitig von einem versunkenen Kontinent geflüchtet sei. Auch soll dieses Höhlensystem mit anderen, in weit entfernten Gegenden, in Verbindung stehen. [...] Im tiefsten Innern [von Agartha] werde das alte Wissen gehütet, das der unbekannten und der bekannten Menschheiten, das der unbekannten und der bekannten Welten, alle Antworten der unbekannten und der bekannten Fragen..." [3] Dies macht Agartha / Agarthi - üblicherweise ein Thema, das vor allem in esoterischen Kreisen auf Interesse stößt - auch zu einem Forschungsgegenstand der Primhistorik und einem Randgebiet der Atlantisforschung.


Rezeption in Europa

Abb. 6 Eine alte tibetische Darstellung der Stadt Shambala mit dem 'König der Welt'

In seinem Online-Essay "Woher kommt die moderne Esoterik" bemerkt der Philologe Dr. Roland Müller: "Das Reich Agharta unter dem Himalaja und unter der Wüste Gobi, mit der Hauptstadt Sambhala oder Schamballa [...] wurde zuerst (um 1880) beschrieben von J. A. Saint-Yves d'Alveydre und dann von Karl Haushofer [...] Spätere Beschreibungen stammen von René Guénon in seinem Werk >Der König der Welt< (frz. 1927; dt. 1956) und von Nicholas Roerich in "Heart of Asia - Shambala" (1930). [...] 1933 beschrieb der englische Schriftsteller James Hilton in seinem Roman >Lost Horizon< das vergessene Land Shangri-La im Himalaja." [4] In die westliche Esoterik implantiert hatte Agarthi und Shambala neben Saint-Yves d'Alveydre übrigens auch Helena Petrovna Blavatsky [5]

Im deutschsprachigen Raum machte vor allem der aus Polen stammende "Schriftsteller, Journalist, Reisende, Globetrotter, Explorer und Universitätsprofessor" [6] Ferdynand A. Ossendowski Agartha mit seinem - 1924 in Deutschland [7] - erschienenen, Buch "Tiere, Menschen und Götter - Das Rätsel des Königs der Welt" bekannt. Darin schrieb er über das unterirdische Reich und seine Herrscher unter anderem: "Das Land unter der Erde ist ein großes Königreich. Zu ihm gehören Millionen von Menschen. Sein Herrscher ist der König der Welt. Dieser kennt alle Kräfte und vermag in die Seelen der Menschheit und in dem großen Buch ihres Geschickes zu lesen. Dieses Königreich ist Agarthi. Alle unterirdischen Völker und unter der Erde befindlichen Räume werden von Herrschern regiert, die dem König der Welt Untertan sind. [...] Die Hauptstadt Agarthi ist von Städten umgeben, die von Hohepriestern und Männern der Wissenschaft umgeben sind. Wenn die wahnsinnige Menschheit einen Krieg gegen das unterirdische Königreich beginnen sollte, so wäre dieses imstande, die ganze Oberfläche in die Luft zu sprengen und sie in eine Einöde zu verwandeln." [8]

Abb. 2 Der polnische Autor und Globetrotter Ferdynand Antoni Ossendowski (1876-1945) poularisierte die Legende von Agartha im deutschsprachigen Raum.

Schon bald nach Erscheinen des Buches wurde Ossendowski scharf angegriffen. Beispielsweise versuchte der bekannte Forschungsreisende Sven Hedin nachzuweisen, dass Ossendowski gar nicht in Tibet gewesen sein könne, und dass Teile seines Berichts ein Plagiat des Werkes von Alexandre Saint-Yves d'Alveydre seien. [9] Ossendowskis Anhänger oder Nachfolger dagegen, wie etwa René Guénon, "brachten den Agharta-Mythos mit der Gralslegende in Verbindung und konstruierten eine chiliastische Vorstellung, in der der >König der Welt< die guten gegen die bösen Menschen in den Kampf führen wird." [10]

In der Nachfolge Karl Haushofers und aus dem Dunstkreis der Thule-Gesellschaft heraus entwickelte sich in der frühen Rechten Esoterik und im Ario-Atlantismus eine Rezeptionslinie zur Agartha-Legende, in der sie im Sinne ariozentrischer Ideologie instrumentalisiert wurde. In diesem Zusammenhang wurde das zentralasiatische, unterirdische Reich neben einem 'nordisierten' Atlantis und mythologisch-geographischen Entitäten wie 'Thule' bzw. 'Hyperborea' oder 'Arktogäa' zu einem zentralen Bezugspunkt auf der Suche nach einer vermeintlichen Urheimat der angeblichen "arischen Herrenrasse". [11] Während des 'Dritten Reichs' [12] fand diese Suche ihre Fortsetzung u.a. in den Aktivitäten des 'Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe', die insgesamt drei Expeditionen nach Tibet (1930, 1934, 1938/1939) organisierte, wo nach Meinung der Ario-Atlantisten um Heinrich Himmler ebenfalls Relikte 'ältesten Ariertums' zu finden sein sollten. Während es argumentativ belegbar ist, dass diese Expeditionen und die Gründung einer speziellen Abteilung ("Forschungsstätte für Innerasien und Expeditionen") innerhalb des 'Ahnenerbe' nicht zuletzt dem Nachweis einer verschollenen ur-arischen Hochkultur in Tibet galten [13], erscheinen Annahmen, die NS-Emissäre und ihre Aufraggeber hätten dort gezielt nach Agartha oder Relikten dieses vermuteten Reichs (z.B. technologischer Natur) gesucht, bisher rein spekulativ.

In einem anderen, wenig bekannten Fall ideologisch basierter Forschung gegen Mitte des 20. Jahrhunderts war dies allerdings anders. Interessanter Weise gab es nämlich schon einige Jahre vor den Tibet-Aktivitäten des 'Ahnenerbe' konkrete Versuche verdeckt agierender Okkultisten in der UdSSR, in Zusammenarbeit mit GPU-Kräften und protegiert von Gleb Iwanowitsch Bokij, dem Leiter der mächtigen "Sonderabteilung" des damaligen sowjetischen Geheimdienstes, Agartha zu finden. Ihnen ging es definitiv darum, vermutete Hightech-Hinterlassenschaften oder parapsychologische Geheimnisse einer angenommenen, längst untergegangen Uraltkultur wiederzuentdecken, die Bokij und sein Zirkel zum Aufbau einer spirituell erleuchteten, kommunistischen Weltgemeinschaft nutzen wollten. [14]


Diverse Lokalisierungsansätze

Abb. 3 Das Reich Agartha als Machtzentrum innerhalb einer irdischen Hohlwelt

Neben der streng religiösen Auslegung, bei Agartha handele es sich um eine rein geistige, ausschließlich spirituell zu erfassende 'Anderswelt' und skurrilen Vorschlägen, dass es im Zentrum des angeblich hohlen Inneren unseres Planeten zu finden sei (Abb. 3) [15], hat es unter der Annahme, dieses sagenhafte Reich existiere tatsächlich auch als geographische Entität (oder es habe zumindest in einer mehr oder weniger fernen Vergangenheit in dieser Form existiert), immer wieder Ansätze zu seiner Lokalisierung gegeben. So vermutete Ossendowsky es im bzw. unterhalb des Himalaya. Der russische Künstler, Schriftsteller, Wissenschaftler, Forschungreisende und Philosoph Nicholas Roerich (1874-1947), der Agartha bzw. Shambala auf seinen Reisen zu finden versuchte, vermutete es im Altai-Gebirge.

Der Alternativhistoriker David Hatcher Childress hält es für möglich, dass Agartha sich tatsächlich in Tibet (respektive im Grenzgebiet von Tibet und Nepal) befindet, und zwar entweder im den Höhlen des Arun-Flusstals, an der Nordseite des Kangchendzönga, oder unter der Klosterzitadelle von Trashilhünpo in Shigatse, dem traditionellen Sitz des Penchen Lama. Diese Orte liegen weniger als 100 km voneinander entfernt. "Es ist also gut möglich, dass diese beiden Stätten durch ein Tunnelsystem miteinander verbunden sind, und das ist nun einmal Teil der Mythe." [16] Aussichtsreiche Kandidaten für eine Suche sind, dem Asienreisenden W. Stevens zufolge, auch die noch immer wenig erforschten Gebiete der Taklamakan-Wüste, des Altyntag-Gebirges, des Kuenlun-Gebirges [17], der Wüste Gobi, Bhutans, und schließlich das unwirtliche Gebirgsland Afghanistans. [18]

Einen im Nachhinein (!) eher amüsanten Charakter weist schließlich die Hypothese auf, bei Shambala habe es sich um Japan gehandelt. Mit dieser Behauptung versuchte in den 1930er Jahren die japanische Besatzungsmacht, die Unterstützung der Mongolen (zumeist tibetische Buddhisten) in der Inneren Mongolei zu gewinnen, die sie annektiert und ihrem Marionettenstaat Manchukuo einverleibt hatte. Mit deren Hilfe sollte eine Invasion der Äußeren Mongolei und Sibiriens durchgeführt werden, um danach eine gesamtmongolische Föderation als japanisches Protektorat zu bilden. [19]


Externa


sowie:

Ritter-Der Mythos von Agartha.jpg
Thomas Ritter, Der Mythos von Agartha (PDF-Datei, 61,58 KB; auch als e-Book erhältlich)

Anmerkungen und Quellen

Einzelnachweise:

  1. Anmerkung zu alternativen Schreibweisen: Shamballa, Shamballah, Sambhala, Schambala oder Shambhala
  2. Anmerkung: In einer anderen Überlieferung des tibetischen Buddhismus wird Shambala (tibetisch: བདེ་འབྱུང་; Wylie: bde 'byung, ausgesprochen De-jang) ebenfalls als ein verborgenes Königreich betrachtet, das sich irgendwo in Zentralasien befinden soll. Erwähnung findet dieses Reich in diversen antiken Texten, wie dem Kalachakra und einigen Schriften des antiken Reiches von Shangshung. Auch in den Texten des Bön finden sich Hinweise auf ein solches Königreich, das dort Olmolungring genannt wird. (Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: Shambhala (Königreich); abgerufen: 13.09.2013)
  3. Quelle: Wilfried Stevens, "Das Mysterium Agarthi", in: EFODON NEWS Nr. 13/1993 (Online-Version abgerufen: 13.09.2013)
  4. Quelle: Dr. phil Roland Müller, "Woher kommt die moderne Esoterik? - Eine kleine Kulturgeschichte"
  5. Anmerkung: Höchst aufschlussreich ist hierzu der Artikel "Falsche fremdländische Mythen über Shambhala" von Dr. Alexander Berzin
  6. Quelle: Wikipedia - The free Encyclopedia, unter: "Ferdynand Antoni Ossendowski"; Stand: 05.04.2012
  7. Anmerkung: Erstveröffentlichung unter "Beasts, Men and Gods" (englischsprachiger Orginaltitel) im Jahr 1921; freier Download bei Projekt Gutenberg (siehe Link)
  8. Zitiert nach: Heiner Gehring, "Abenteuer Innere Erde - Über die Theorie, dass unsere Erde innen hohl sei", Amun-Verlag, ISBN: 3-935095-19-8; als Auszug bei: hohle-erde.de, Abenteuer Innere Erde (Leseprobe)
  9. Siehe: Sven Hedin, "Ossendowski und die Wahrheit", Leipzig (Brockhaus), 1925; quasi als Gegenrede dazu siehe: René Guénon, "The King of the World" -> WESTERN IDEAS ABOUT AGARTTHA, S.2ff. (Leseprobe bei Google Books; abgerufen: 15.09.2013)
  10. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: Agartha; abgerufen: 13.09.2013
  11. Anmerkung: Agartha, stellt somit neben der "arisierten", nordischen Version von Platons Atlantis und Thule/Hyperborea/Arktogäa das dritte mytho-geographische Hauptelement okkult-ariozentrischer Pseudo-Urgeschichte dar. Vergl. dazu bei Atlantisforschung.de: Stichwort: Ario-Atlantismus (Zur Genese des Ario-Atlantismus) (red)
  12. Vergl. dazu bei Atlantisforschung.de: Der Ario-Atlantismus im 'Dritten Reich' (red)
  13. Siehe: Victor und Victoria Trimondi, "Was interessierte die Nazis an Tibet?", Kapitel 7, Einsatz der Tibetologen für den Nachweis einer verschollenen 'ur-arischen' Hochkultur in Tibet (abgerufen: 13.09.2013)
  14. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de: "Alexander Bartschenko - Ein Esoteriker und Tschekisten auf der gemeinsamen Suche nach Agartha" von Anatoliy Sauschkin und Bernhard Beier
  15. Anmerkung: Zum Thema Hohlwelt-Hypothesen siehe bei Atlantisforschung.de auch: "Die hohle Welt der Nationalsozialisten" von Louis Pauwels und Jaques Bergier
  16. Quelle: David Hatcher Childress, "Lost Cities of China, Central Asia and India", Adventures Unlimited Press, 1991, S. 36
  17. Anmerkung: Zur Mythologie des Kuenlun heißt es bei der Wikipedia: "Das Gebirge ist in der chinesischen Mythologie auch als daoistisches Paradies bekannt. Die erste überlieferte Reise dorthin unternahm nach der Legende der König Mu Wang (1001 bis 946 v. Chr.) aus der Zhou-Dynastie. Er entdeckte dort angeblich den Jade-Palast des Huáng Dì, des mythischen Gelben Kaisers und traf Xiwangmu, die Königliche Mutter des Westens, die ebenfalls dort ihren mythologischen Aufenthaltsort hatte. Das Kunlun-Gebirge wurde deshalb als der Ort angesehen, an dem man Unsterblichkeit erlangen konnte. Der Mythologie zufolge lebten hier unter anderem die Xian, die Unsterblichen."
  18. Siehe: Wilfried Stevens, "Das Mysterium Agarthi", in: EFODON NEWS Nr. 13/1993 (Online-Version abgerufen: 13.09.2013)
  19. Quelle: Alexander Berzin, "Die Verbindung der Nazis mit Shambala und Tibet",, 2003 (abgerufen: 13.09.)

Bild-Quellen:

(1) SOLO-LOST.NET - SITO DEDICATO ALLA SERIE TV LOST

(2) Halibutt und Szczebrzeszynski bei Wikimedia Commons, unter: File:Ferdynand Ossendowski.jpg

(3) David Hatcher Childress, "Lost Cities of China, Central Asia and India", Adventures Unlimited Press, 1991