Albert Ludwig Herrmann: Ein friesisches Atlantis in Tunesien

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Abb. 1 Die Hauptstadt der Atlantier in Süd-Tunesien. Illustration aus A. L. Herrmanns „Unsere Ahnen und Atlantis“ von 1934

(bb) Albert Ludwig Herrmann (andere erwähnte Namensform: L. Albert Herrmann; 1886-1945), Lehrer, Schriftsteller, Historiker und Geograph, muss zu den völkisch orientierten, akademischen Atlantisten aus Deutschland gerechnet werden, die in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zur Entwicklung des rassistischen Geschichtsbilds beitrugen, das später wesentliches Element der "NS-Weltanschauung" werden sollte. Zwar gehörte er nicht direkt zum Kreis nationalsozialistischer Thule- / Hyperborea-Atlantisten, kommt aber letztlich zu ganz ähnlichen "Forschungsergebnissen" wie Hermann Wirth und die NS-"Ario-Atlantisten": Natürlich sieht auch Herrmann in den Atlantis-Bewohnern Angehörige einer überlegenen, nordisch-arischen Rasse; bei ihm lassen sich ebenfalls die ariozentrischen Impulse nachweisen, die auch Wirth & Co. kennzeichnen.

Geboren wurde Herrmann am 20.01.1886 in Hannover. "Sein Vater, Konrad Herrmann war Direktor eines Gymnasiums, seine Mutter hieß Betta H., geb. Engelhard. Von 1895 - 1904 besuchte er ein Gymnasium in Lingen/Ems, anschließend von 1904 - 1911 Studium in Göttingen und Berlin. Am 18.01.1911 verteidigt er in Göttingen seine Dissertation zum Thema "Die alten Seidenstraßen". Im Juli 1911 legt er dann sein Staatsexamen in Geographie und deutscher Geschichte ab um danach bis 1912 als Schulamtskandidat in Hannover zu wirken. Dort bekommt er eine Anstellung als wissenschaftlicher Hilfslehrer, die er bis Ostern 1913 ausübt. Bis Mitte 1915 läßt er sich beurlauben, um sich in Berlin auf sein Diplom vorzubereiten. Nach Bestehen des Examens ist er seit Mitte 1916 Studienrat in Charlottenburg, das damals wohl noch nicht zu Berlin gehörte. Im Juli 1923 erfolgt schließlich seine Habilitation an der Uni. Berlin., an der er seit dem 29.10.1923 als Privatdozent und seit dem 10.07.1934 als außerordentlicher Professor für historische Geographie wirkt. Am 28.09.1923 heiratet er Elisabeth Knaak und am 04.06.1924 wird dann ihr Sohn Gerhard geboren. Im April 1945 stirbt er schließlich in Pilsen, wohin ihn eventuell die Kriegswirren verschlagen haben." [1]

Über belletristische Literatur von Herrmann ist kaum etwas bekannt. Lediglich der Band "Endlos empor! Ausstrahlungen eines Marsgefallenen", den er als junger Mann im Jahr 1906 unter dem Pseudonym "L. Albert" veröffentlichte, enthält vermutlich lyrische oder phantastische Literatur. Von 1921 bis 1926, schon im Bann völkisch-rassistischen Gedankenguts, publizierte er ein angeblich von ihm „wiederentdecktes und erläutertes“ Manuskript mit dem Titel "Die Urbibel der Indo-Germanen". (Abb. 2) Vermutlich ist aber schon sein 1908 erschienenen Werk, "Die Bücher des Eolus" ein früher Versuch gewesen, seine später postulierte "Urbibel-Theorie" bekannt zu machen. [2]

Abb. 2 Die dubiose 'Ur-Bibel der Ario-Germanen' betrachtete Herrmann als Beweis für „das Bewußtsein von der germanischen Überlegenheit und Führerrolle“.

Die indogermanische Ur-Bibel soll "aus der Zeit von 5357 - 578 v. Chr. stammen und ist eine Chronologie der >sumero-skythischen Dynastie Ardfear-Noah<. In den Chroniken wird die Geschichte und Ausbreitung der >sumero-kaukasischen Edelrasse< vom Ursprungsgebiet östlich des Kaspischen Meeres über Armenien nach Spanien und bis zu ihrer Eroberung Irlands im Jahre 1006 v. Chr. beschrieben. Der Teil 2 endet dann im Jahr 578 v. Chr. Diese Chronik soll nun über verschiedene Umwege das Vorbild für die Erzählungen des Alten Testaments gewesen sein (deshalb der Titel >Urbibel<). Die Semiten hätten sich des Stoffes einfach bemächtigt, ihn ab- und umgeschrieben und für ihre Zwecke >verfälscht<. So ist z.B. der Noah der Bibel in Wirklichkeit der >sumero-skythische König Ardfear< usw." [3]

1934, ein Jahr nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland, "nun nicht mehr von der >internationalen Priester- und Gelehrten-Verschwörung< behindert und endlich Professor geworden (die Zeiten haben sich gewandelt!), erscheint ein weiteres Buch von ihm, >Unsere Ahnen und Atlantis<, in dem er anhand eines anderen obskuren Manuskripts, der sogenannten >Ura-Linda-Chronik< (1867 von dem Holländer Cornelis Over de Linden „entdeckt“) und ähnlicher Theorien den Beweis führt, daß Atlantis in Tunesien, am Schott el-Djerid lag." [4]

Die ehemalige Atlanterhauptstadt, die Platon in seinen Dialogen beschreibt, meinte Herrmann bei dem südtunesischen Dorf Rhelissa wiedergefunden zu haben, "wo er Spuren von Bewässerungsanlagen entdeckte, die auf das einstmalige Vorhandensein einer höheren Zivilisation als der heutigen Rhelissa-Bewohner hindeutete. Er führte an, daß Plato in drei Punkten irrte. Erstens übernahm er Herodots Bedeutung für >Atlantis<, anstatt der vermeintlich älteren, die sich auf den Triton-See bezog. Zweitens fiel Atlantis nicht um 9600, sondern um 1400 oder 1300 v. Chr. Drittens und letztens kamen Solon und sein Priester, die über einen Übersetzer miteinander verkehrten [5] beim Umrechnen der ägyptischen und griechischen Maße durcheinander, so daß alles dreißigmal zu groß geriet. Aufgrund der Korrektur schrumpft Platos Atlantis auf bescheidene Maße zusammen und würde, die bewässerte Ebene samt allem, bequem in eine Ecke von Tunesien passen." [6]

Ganz auf Linie des Oera- oder Ura-Linda-Buches, sah Herrmann die eigentliche Urheimat seiner arischen Atlanter jedoch nicht in Nordafrika, sondern in einem nordatlantischen Friesenreich der Vorzeit. "Herrmann ging so weit, jegliche Zivilisation auf Friesland zurückzuführen, von dem Atlantis in den Tagen friesischer Glorie lediglich eine Kolonie gewesen sei." [7]


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Klaus Bernstein, "Autoren - Albert Ludwig Herrmann", bei Phantastik-Autoren.de. Der Artikel ist dort nicht mehr online, aber eine im wesentlichen unveränderte Version - allerdings ohne Illustrationen - findet sich nun (Stand: 21. Juni 2016) bei fictionfantasy.de, unter: Bio- und Bibliografien: Albert Ludwig Herrmann
  2. Quelle: ebd.
  3. Quelle: ebd.
  4. Quelle: ebd.
  5. Anmerkung: In Platons 'Originaltext' (Timaios, 21e, ff.) findet sich tatsächlich kein Wort von einem "Übersetzer", der in Saïs für Solon gedolmetscht haben soll. Platon stellt sogar ausdrücklich fest (Kritias 112e, 113a), dass Solon selber aus dem Ägyptischen übersetzen konnte.
  6. Quelle: Lyon Sprague de Camp, Versunkene Kontinente, Heyne 1977, Seite 198
  7. Quelle: ebd.

Bild-Quellen:

1) Albert Herrmann, "Unsere Ahnen und Atlantis", Klinkhardt & Biermann, 1934; Bild-Archiv Atlantisforschung.de
2) Klaus Bernstein, "Autoren - Albert Ludwig Herrmann", bei Phantastik-Autoren.de (nicht mehr online)