Die ägyptische 'Münze von Cairns' (Australien) wiedergefunden

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Wird jetzt die Frage nach Besuchen der alten Ägypter in Australien wiederbelebt?

Abb. 1 Der aktuelle Artikel zur 'Regenwald-Münze', der Anfang Juni 2018 bei ABC Far North erschien, liefert auch die erste Farbaufnachme dieses mysteriösen Spezimens.

(bb) Erfreuliche Neuigkeiten aus Australien gibt es in Sachen der antiken ägyptischen 'Münze von Cairns' - auch als - "rainforest coin" (Regenwald-Münze) bekannt -, über die wir bereits vor mehr als zehn Jahren berichtet haben. [1] Wie der Journalist Mark Rigby kürzlich in seinem Artikel "Ancient Egyptian visitors to Australia or miner's mishap? Riddle of the rainforest coin" [2] bei ABC Far North (Abb. 1) meldete, ist dieses lange als verschollen geltende 'Out-of-place Artefakt' wieder aufgetaucht!

Über die Geschichte der 1912 - nach anderen Angaben 1909 - in der Wildnis von Queensland entdeckten Münze berichtet Rigby das Folgende, wozu er vorausschickt, "die Geschichte hinter der Entdeckung einer alten ägyptischen Münze im fernen Norden von Queensland" sei "fast so mysteriös, wie [die Frage,] wie sie dorthin kam." Weiter heißt es bei ihm: "Die Bronzemünze - etwa so groß wie ein 50-Cent-Stück - wurde während der Herrschaft von Ptolemaios IV., zwischen 221 und 204 v. Chr. geprägt. Mehr als zwei Jahrtausende später wurde sie etwa sieben Zentimeter unter der Erde in den Tiefen des Regenwaldes im Norden von Queensland gefunden. Der Mann, der sie fand, Andrew Henderson, hatte die Goldminenfelder von Victoria eines wärmeren Klimas wegen verlassen."

Nachfolgend zitiert Rigby den auf australische Geschichte spezialisierten Historiker Dr. Dave Phoenix: "Henderson besaß ein Stück Land im Busch und er wurde ein Siedler. [...] Eines Tages im Jahr 1912 baute er einen Zaun, und als er ein Loch für einen Zaunpfosten grub, traf seine Schaufel etwas metallisches. Zu dieser Zeit schenkte Henderson der Münze wenig Beachtung; Als er nach Hause kam, legte er sie in eine Schublade und vergaß sie für die nächsten 40 Jahre. In seinen späten 70ern, als er ein alter Mann war, begann er, sich von seinen Besitztümern zu trennen [...] Er gab die Münze dem 10-jährigen Sohn seines Nachbarn, einem Typen namens Hank Gilmore. [...] Anfang dieses Jahres hat Herr Gilmore dem Museum in Cairns die Münze und seine Geschichte angeboten und damit eine Untersuchung dazu initiiert, wie sie ihren Weg durch die Welt gefunden hat."

Paradigmentreue Überlegungen zur Fundgeschichte der Münze

Die diesbezüglichen Überlegungen verliefen bisher offenbar in genau jenen Bahnen, die wir bei 'paradigmentreuen' Wissenschaftlern erwarten dürfen. So hat z.B. Dr. Phoenix, wie es bei Mark Rigby weiter heißt, "über mehrere Möglichkeiten nachgedacht, einschließlich Theorien von Ägyptologen [sic!; bb], die glauben, dass Australien vor der europäischen Besiedlung von ägyptischen Seeleuten kolonisiert oder zumindest besucht wurde."

Diese Option auf der Basis der 'häretischen' Annahme präkolumbischer transozeanischer Kontakte zwischen Alter und Neuer Welt verwirft der Historiker natürlich umgehend: "Angesichts der Tatsache, dass die Djabugay-Leute und die Yirrganydji-Leute, auf deren Land die Münze gefunden wurde, keine mündlichen Aufzeichnungen von ägyptischen Leuten haben, und vorausgesetzt, dass, wenn es eine Kolonie gab, das einzige, was sie zurück ließen, eine Münze war [3], klingt das ein bisschen weit hergeholt".

Abb. 2 Diese historische Aufnahme mangelhafter Qualität - vermutlich die Kopie eines Pressefotos - war zuvor die einzige zugängliche Abbildung der Münze.

Weiter meinte der Historiker: Jenes "Gebiet, in dem Henderson die Münze gefunden hat, befand sich entlang eines Pfades der Aborigines, sodass sie von einer Aborigine-Person fallen gelassen worden sein könnte. [...] Aber wie ein Aborigine die Münze bekommen hätte, ist wieder interessant. [...] Sie "wird entweder aus Papua-Neuguinea gekommen und über die Torres-Straße oder durch einen anderen Teil von Australien gehandelt worden sein [...] Aber noch einmal, wofür hätte ein Ureinwohner einen Brocken Bronze herumgeschleppt?"

Doch auch die Fernhandels-Hypothese, die indirekte Verbindungen antiker Ägypter über Mittelsmänner (Zwischenhändler) und Zwischenstationen mit Menschen in Australien impliziert, scheint aus Sicht der Historiker zu heikel zu sein. So greift man - einmal mehr - auf die beliebte Annahme zurück, dieses - wie auch andere vergleichbare - Spezimen sei erst von modernen Einwanderern 'importiert' und dann an seinem späteren Fundort verloren worden.

Dies legt, was den vorliegenden Fall betrifft, auch Dr. Phoenix nahe: "Zu den wahrscheinlichsten Theorien gehört, dass die Münze einem Bergmann aus der Tasche fiel, als er auf dem Pfad der Aborigines auf dem Weg zu den Hodgkinson-Goldfeldern westlich von Cairns war. [...] In der Macalister Range und den umliegenden Bergen war es bis 1876 sehr ruhig in Bezug auf die europäische Inbesitznahme [...] Als dann Gold gefunden wurde, kamen Tausende von Menschen aus der ganzen Welt hierher. In Cairns war das eine wirklich multikulturelle Angelegenheit, und die Leute haben solche Münzen als Schmuckstücke und Souvenirs mit sich herumgetragen." [4]

Auch für den Althistoriker und Papyrologen Dr. Andrew Connor von der Monash University in Melbourne, der sich auf die ptolemäischen und römischen Perioden in Ägypten spezialisiert hat, ist laut Rigby klar, die "plausibelste" aller Hypothesen "rund um die Entdeckung der ptolemäischen Münze im hohen Norden von Queensland", sei jene, dass sie in jüngerer Vergangenheit "von einem Bergarbeiter fallen gelassen wurde". Dazu erklärt er mit einer - mit Verlaub gesagt - gewissen Weltfremdheit, die viele Statements von Fachwissenschaftlern auszeichnet, wenn es um die Eliminierung unerwünschter Annahmen zur Vor- und Frühgeschichte geht: "Wir wissen, dass dies [d.h. die Münze; d.Ü.] genau die Art von Dingen ist, die Menschen mit sich bringen würden, wenn sie im 19. Jahrhundert nach Australien auswanderten [...] Diese Art von Dingen war im 19. Jahrhundert eine Möglichkeit, um Vornehmheit oder Kultur zu demonstrieren [...] Vor allem für Leute, die daran arbeiteten, Metalle aus der Erde zu graben, um auf die Früchte solcher Arbeit vor 2200 Jahren zu schauen."

"Aber klar!", möchte man dazu ironisch ausrufen. "Wir wissen doch, dass alle modernen Einwanderer in Australien, die etwas auf sich hielten - und natürlich speziell die Bergarbeiter -, stets eine antike Münze als Statussymbol bei sich trugen." Leider stellen viel zu wenig historisch interessierte Menschen derart hanebüchene Statements universitärer Forscher im Rahmen kritisch-reflektiver Betrachtungen infrage. So konnte seit Jahrzehnten mittels der >Das haben moderne Einwanderer aus der Alten Welt mitgebracht<-Hypothese auch jeder missliebige, das isolationistische Paradigma bedrohende Fund altertümlich-altweltlicher Artefakte auf Feldern und Wiesen sowie in Wäldern und an oder in Flüssen Amerikas 'entschärft' werden. Zu diesen Funden gehören auch dort unter anderem antike Münzen - zu Beginn der 1980er Jahre waren es bereits mehr als 40 solche Fundstücke -, die der universitäre Mainstream auf diese Weise 'entsorgt' hat. [5] - und an dieser Praxis wird sich in Bälde wohl kaum etwas ändern. Ein konsequenter und ergebnisoffener Diskurs über archäologische Anomalien, wie die Münze von Cairns, ist im universitären Bezirk in absehbarer Zeit jedenfalls nicht zu erwarten.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Siehe: Bernhard Beier, "Eine Anzahl weiterer nonkonformer Funde in Nordost-Australien"
  2. Siehe: Mark Rigby, "Ancient Egyptian visitors to Australia or miner's mishap? Riddle of the rainforest coin", (updated) 3. Juni 2018, bei ABC Far North (abgerufen: 09. Juni 2018)
  3. Red. Anmerkung: Diese Münze scheint durchaus nicht das einzige zu sein, was altertümliche Ägypter in Australien zurückließen. Siehe dazu z.B.: Bernhard Beier, "Die vergessene Vorgeschichte Australiens, Teil II: "Die ägyptisch/phönizische Australien-Connection" und Teil IV: "Eine Anzahl weiterer nonkonformer Funde in Nordost-Australien"; sowie: William R. Corliss, "Ein altägyptisches Schiff in Australien?" (1991)
  4. Red. Anmerkung: Für die Validität der im letzten Teil des oben zitierten Satzes aufgestellten Behauptung ("...die Leute haben solche Münzen als Schmuckstücke und Souvenirs mit sich herumgetragen") würde der Verfasser dieses Beitrags (bb) gerne wissenschaftlich belastbare Beweise sehen!
  5. Siehe dazu z.B.: Jeremiah F. Epstein et al., "Pre-Columbian Old World Coins in America: An Examination of the Evidence (and Comments and Reply)", in Current Anthropology Vol. 21, No. 1 (Feb., 1980), pp. 1-20; Red. Anmerkung: Beachtenswert sind dort insbesondere die im Artikel enthaltenen Reaktionen und Kommentare von Diffusionisten, wie Donal B. Buchanan, George F. Carter, Cyclone Covey, Stephen C. Jett und Norman Totten.


Bild-Quellen:

1) Mark Rigby, "Ancient Egyptian visitors to Australia or miner's mishap? Riddle of the rainforest coin", (updated) 3. Juni 2018, bei ABC Far North (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
2) Original-Quelle unbekannt; Bild-Archiv Atlantisforschung.de, via: http://www.alien.de/tai/australien/australien.html (nicht mehr online)