Frederik Klee

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Historisches Forscherportrait

Abb. 1 Der Privatgelehrte Frederik Klee (1808-1864), ein Pionier der Theorie der Erdkrusten-Verschiebung

(red) Frederik Alexander Gottlieb Klee (Abb. 1) (* 26. November 1808 in Rørvig; † 13. März 1864) war ein leitender dänischer Postbeamter, Privatgelehrter und Buchautor sowie von 1858 bis zu seinem Ableben Parlamentarier. Als Forscher und Autor befasste Klee sich vor allem mit Fragen der Geschichte, Prähistorie und Geologie, wobei er sich als profilierter Verfechter des Katastrophismus zeigte. Klee war einer der ersten Gelehrten, die eine Verlagerung der Erdpole durch Verschiebung der Erdkruste vorschlugen. Man könnte ihn somit als historischen Vorläufer von Charles H. Hapgood und dessen Mitte des 20. Jahrhunderts entwickeltem Modell des Earth Crust Displacement bezeichnen. [1]

Biographische Notizen

Frederik Klee war das einzige Kind von Heinrich Gottlieb von Klee, dem Sproß einer deutschstämmigen baltischen Familie und Offizier in russischen Diensten, und seiner Gattin Anna Elizabeth Fabritius. Im Jahr 1826 begann er sein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Kopenhagen, wo er 1831 sein Staatsexamen (degree exam) ablegte. 1837 heiratete er Caroline Sophie Frederikke Marie Nicoline Moth. 1840 wurde er für das Generaldirektorat des dänischen Postdienstes tätig, und 1847 zum Leiter von dessen Büro für Neuregelungen (postal service's revisions office) ernannt. 1852 erwarb er den Titel eines Justizrats.

Abb. 2 Das Titelblatt der Pariser Ausgabe von F. Klees katastrophistischem Schlüsselwerk

Von 1842 bis 1843 war Frederik Klee damit beauftragt, im Land umher zu reisen, um einen Entwurf für die Neugestaltung der Postverbindungen zu erstellen. Gemeinsam mit Dr. C.M. Poulsen arbeitete er bis 1850 ein modernes, praxisorientiertes Modell für den Posttransport aus, das sowohl Eisenbahn als auch Dampfschiffe sowie ein Telegraphensystem für Dänemark und Schleswig einbezog. 1854 führte er den Gebrauch von Briefmarken im dänischen Postwesen ein. 1862 wurde Klee zum Regierungs-Finanzverwalter für die Eisenbahn von Jütland und Fünen ernannt. Bereits seit 1858 vertrat Klee den zweiten Bezirk des Randers-Distrikt im dänischen Parlament, ein Amt, das er bis zu seinem Tod im Jahr 1864 innehatte. [2]

Klee und der 'Urzustand der Erde'

Wie bereits bemerkt, widmete sich Klee als Privatforscher und Autor vor allem historischen (z.B. "Europa seit 1815", 1837; "Geschichte der europäischen Staaten seit 1815", 4 Bände, 1860-1863) und prähistorischen ("Relikte der Stein-, Bronze- und Eisen-Zeitalter", 1854) Gegenständen. Aus dem Blickwinkel alternativer Ur- und Frühgeschichtsforschung von besonderem Interesse ist sein nach wie vor wohl bekanntestes Werk "Die Sintflut", das 1842 zunächst in seiner dänischen Muttersprache, später aber auch in schwedischer, deutscher (1843) (Abb. 3) und französischer Sprache (1847) (Abb. 2) erschien.

Mit dieser Publikation präsentierte Frederik Klee sich als erstaunlich fortschrittlicher Denker und akribisch arbeitender Gelehrter, der seiner Zeit in vieler Hinsicht weit voraus war, z.B. als einer der Pioniere der Geo-Mythologie. Dazu heißt es bei Joscelyn Godwin: "Klees Herangehensweise verbindet Geologie mit dem Studium mythologischer Quellen; seine Haltung gegenüber der Bibel ist respektvoll, aber nicht fundamentalistisch." [3] Klee war zwar ein gläubiger Christ, ging aber - wie auch die meisten anderen Katastrophisten des 18. und 19. Jahrhunderts - durchaus auf 'Gegenkurs' zu üblichen bibeltreu-klerikalen Vorstellungen zur Menschheits- und Erdgeschichte. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch in seinen Vorstellungen zur Sintflut, obwohl auch er sie (ähnlich wie zeitgenössische Kleriker) einem Zeitraum von vor etwa 4000 Jahren zuordnete.

Abb. 3 Das Deckblatt der im Jahr 1843 erschienenen Ausgabe von Klees Werk in deutscher Sprache

Kyle Bennett stellt dazu fest: "In Bezug auf die Sintflut war Klee sehr kritisch gegenüber einigen der früheren, fantasievollen Theorien der Gelehrten, die, wie er meinte, auf übermäßig wörtlichen Interpretationen der Bibel beruhten. Er aber war mehr an einigen der späteren Theorien interessiert, wie an jener, die von einem Abt namens Pluche vorgeschlagen wurde, der in einem 1739 veröffentlichen Buch mit dem Titel 'Spectacle de la Nature' >behauptete, dass die Sintflut durch eine Verschiebung der Erdachse verursacht wurde, begleitet von einem Absinken der Erdoberfläche<! Somit ist dies, wenn man so will, eine Proto-Theorie der Polwanderung, und der Vater des Earth Cust Displacement war ein Abt des achtzehnten Jahrhunderts." [4]

Gewissermaßen darf Klee auch als Vorläufer der Theorie zur Wanderung der Kontinente und vormaligen Existenz eines urtümlichen 'Superkontinents' (Pangäa) betrachtet werden, die Alfred Wegener 1912 vorstellte. [5] Hören wir dazu noch einmal Joscelyn Godwin: "Aus Gründen, die sich stark von jenen heutiger Wissenschaftler unterscheiden, gelangte er nichtsdestotrotz zur Schlussfolgerung, dass die Landgebiete der Erde ursprünglich einen einzigen Kontinent gebildet hatten: >Europa, Asien und Nordamerika waren am Nordpol so miteinander verbunden, dass sie einen Kontinent von ungeheuurer Größe bildeten, der sich zum Südpol hin in drei Halbinseln ertreckte: Südamerika, Afrika und Ozeana.< Nachdem er die Länder besprochen hat, die seit jener Zeit als Resultat der Sintflut verschwunden sind, kommt Klee zu dem Ergebnis, die einzig zufriedenstellende Erklärung, um all diesen Veränderungen Rechnung zu tragen, sei, dass es eine Verlagerung der Rotationsachse der Erde gegeben habe. Vormals lag sie, wie er sagt, vermutlich am [heutigen] Äquator, zwischen dem Längengrad der Insel Hierro (18° W) und dem gegenüberliegenden Punkt, während die heutigen Pole damals äquatorial waren.

Klee meint [allerdings] keine axiale Verschiebung, sondern eine Veränderung der Örtlichkeiten auf der Erde, durch welche die Achse hindurchläuft. Was den Grund für diese Verschiebung betrifft, die er für plötzlich und ziemlich brachial hielt, war Klee nicht in der Lage, sie zu spezifizieren. In der französischen Ausgabe seines Buches räumt er der Theorie des Barons René de Boucheporn viel Platz ein, der 1844 vorgeschlagen hatte, ein Komet sei die Ursache für die Verlagerung der Erdachse gewesen. Nichtsdestotrotz war er selber sicher, dass der Grund dafür eher in der Erde als außerhalb von ihr zu finden sei." [6]

Da uns Frederick Klees Werk noch nicht vorliegt, können wir leider nur wenig dazu sagen, welche Vorstellungen er zum Charakter der prädiluvialen Menschheit vertrat. Zumindest findet sich jedoch bei Joscelyn Godwin der Hinweis, Klee habe die Phase vor dem Kataklysmus zwar nicht als 'Goldenes Zeitalter' betrachtet, die damaligen Menschen aber für "hoch zivisisiert" gehalten. [7]


Externum (Update)


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Hapgood scheint seinerseits keinen Bezug auf Klees Arbeit genommen zu haben, sehr wohl aber William Fairfield Warren (1833-1929), ein anderer früher Vertreter der Polverschiebungs-Theorien, der ihn in seinem Buch "Paradise Found" zitiert: "Il est de même vraisemblable que les Chaldéens ont eu l’idée d’une destruction et d’un renouvellement du monde, c’est-à-dire, de la surface de notre globe, et conjointement avec cette destruction, d’un déplacement des corps célestes du firmament. ... Diverses inscriptions dans les temples Égyptiens et des hiéroglyphes ... me paraissent aussi être des essais de représenter distinctement la catastrophe du déluge et le changement qui alors s’est opéré dans l’ancien ciel." (Quelle)
    In der neo-katastrophistischen Literatur aus jüngerer Vergangenheit findet Klee z.B. kurze Erwähnug bei Derek S. Allan und J. Bernard Delair in ihrem Magnum Opus "Cataclysm!", in welchem sie seine Annahme zitieren, "dass bestimmte altertümliche Hieroglyphen sich auf eine Verschiebung des Himmels zur Zeit der Sintflut beziehen." (Quelle) Ausführlich abgehandelt werden Klee und sein Werk in: Kyle Bennett, "Polar Wandering and the Cycle of Ages"
  2. Quelle: Dr. med. G.D. Klee, "Frederik A.G. Klee" (online as PDF-Datei; abgerufen: 21. Juli 2015)
  3. Quelle: Joscelyn Godwin, "Arktos: The Polar Myth in Science, Symbolism, and Nazi Survival", Adventures Unlimited Press, 1996, S. 215-216
  4. Quelle: Kyle Bennett, "Frederik Klee: The Unsung Hero of Earth Crust Displacement", 22. Juli 2011, bei: WORLD-MYSTERIES BLOG (abgerufen: 21. Juli 2015; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  5. Siehe: Alfred Wegener, "Die Entstehung der Kontinente", bei Dr. A. Petermann's Mitteilungen aus Justus Perthes' Geographischer Anstalt, 58(1), Gotha 1912
  6. Quelle: Joscelyn Godwin, "Arktos: The Polar Myth in Science, Symbolism, and Nazi Survival", Adventures Unlimited Press, 1996, S. 215-216
  7. Quelle: Joscelyn Godwin, op. cit., S. 216

Bild-Quellen:

1) Kyle Bennett, "Frederik Klee: The Unsung Hero of Earth Crust Displacement", bei: WORLD-MYSTERIES BLOG (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforshung.de)
2) Google Books, unter: Frederik Klee, Le déluge: considérations géologiques et historiques sur les derniers cataclysmes du globe (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforshung.de)
3) Dr. med. G.D. Klee, "Frederik A.G. Klee" (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforshung.de)