Isaac Casaubon

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Historisches Forscherportrait
Abb. 1 Isaac Casaubon (1559-1614)

Isaac Casaubon (latinisiert: Isacus Casaubonus; * 18. Februar 1559 in Genf; † 1. Juli 1614 in London) war ein Philosoph, Klassischer Philologe (Gräzistik) und bedeutender Vertreter des Humanismus. Auf eine fehlerhafte Interpretation eines seiner Kommentare zu Strabons Werken geht die noch heute weit verbreitete, aber irrige Ansicht zurück, Aristoteles habe den Atlantisbericht des Platon für fiktional gehalten.

Biographische Notizen

Über Isaac Casaubons Leben und Werk heißt es in der deutschsprachigen Wikipedia: "Isaac Casaubon wurde in Genf als Sohn hugenottischer Flüchtlinge geboren. Nach Erlass des Edikts von Nantes übersiedelte die Familie wieder nach Frankreich. Seine ersten Griechisch-Lektionen bekam er angeblich nach der sog. Bartholomäusnacht auf der Flucht vor katholischen Verfolgern in einer Höhle von seinem Vater. Er studierte dann in Genf und Leiden, heiratete eine Tochter des bedeutenden humanistischen Druckers Henri Estienne, und folgte 1596 einem Ruf an die Universität Montpellier. Danach war er in Lyon und bis 1610 in Paris. Seine letzten Jahre verbrachte er in London.

Casaubon ist unter Philologen und Philosophiehistorikern heute vor allem durch seinen in De rebus sacris et ecclesiasticis exercitationes XVI (1614, London) erbrachten Nachweis bekannt, dass das sogenannte Corpus Hermeticum nicht früher als im 1. nachchristlichen Jahrhundert entstanden sein konnte. Für die aufgeklärten Geister des 17. und aller späteren Jahrhunderte musste damit ein Glaube, der noch viele der großen freien Renaissancehumanisten (von Marsilio Ficino bis Giordano Bruno) inspiriert hatte, ad acta gelegt werden: dass es nämlich eine außerbiblische uralte Weisheit aus mosaischer und vormosaischer Zeit gebe, die die Grundlage aller wahren Philosophie abgeben könne. Als Ersatz dafür >entdeckte< die europäische Intelligenz jedoch bald die außerbiblischen Traditionen Indiens und Chinas." [1]

Casaubon, Aristoteles und Platons Atlantis

Zur atlantologischen 'Causa Casaubon' bemerkt Tony O’Connell in seiner Atlantipedia: "In seinem Kommentar zu Strabon 2.3.6 erwähnt Casaubon Aristoteles´ Zweifel an der Existenz der Wälle der Achäer, von denen Homer in seiner Ilias berichtet. Casaubon vermerkt, dass diese Aussage von Poseidonios übernommen wurde, der dann Platos Atlantis anstelle der Wälle der Achäer einfügte." Thorwald C. Franke [2] erkläre jedoch, "dass dies geschah, um >dieses Gleichnis zu verwerfen<. An keiner Stelle schreibe Casaubon dem Aristoteles irgendeine Behauptung zu, dass Atlantis eine Erfindung Platos gewesen sei.

Doch 1816 missinterpretierte Jean Baptiste Joseph Delambre, als er auf Casaubons Kommentar Bezug nahm, eilfertig diese Passage und stellte Atlantis als Gegenstand des Zweifels von Aristoteles dar. Dieser Fehler wurde dann von späteren Autoren wiederholt [3], und nach und nach erreichte diese Ansicht eine 'kritische Masse', sodass sie im 20. Jahrhundert zu >anerkanntem Wissen< wurde." [4]

Nach der Veröffentlichung von Thorwald C. Frankes umfassender und Augen öffnender Abhandlung "Aristoteles und Atlantis" im Jahr 2010 [5] sollte dieser 'Jahrhundert-Irrtum' der Gräzistik - an dem Casaubon völlig unschuldig war - eigentlich vom Tisch sein, doch die akademische Fachwelt zeigt offenbar wenig Neigung, mit dieser kollektiven Fehlleistung adäquat umzugehen. [6]





Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzylopädie, unter: "Isaac Casaubon" (Stand: 23. November 2016)
  2. Siehe dazu umfassend: Thorwald C. Franke, "Aristoteles und Atlantis - Was dachte der Philosoph wirklich über das Inselreich des Platon?", , Norderstedt (Books on Demand GmbH). Erschienen: März 2010, 2. erweiterte Auflage: Juli 2016 ISBN 978-3-7412-5559-5
  3. Red. Anmerkung: Genauer gesagt, sollte man hier von einem höchst erstaunlichen Fall ungeprüfter, über fast 200 Jahre hinweg erfolgter Kolportage dieser Fehlinterpretation durch die betreffenden Gelehrten und Fachwissenschaftler sprechen.
  4. Quelle: Tony O’Connell, "Casaubon, Isaac (N)", 13. Dezember 2012, bei Atlantipedia.ie (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  5. Red. Anmerkung: Zu einer im Ergebnis von Frankes Meinung abweichenenden atlantologischen Untersuchung des Sachverhalts siehe: Peter Nowak, "Was Sie schon immer über Atlantis wissen wollten: Behauptungen und Gegenargumente", Books on Demand, 2016, S. 64 ff. (4. Gegenargument: Das "Aristotele-Zitat") --- Zu einer diesbezüglichen Diskussion (dokumentierte Korrespondenz) zwischen Franke und Nowak aus dem Jahr 2010 siehe: Thorwald C. Franke, "Aristoteles und Atlantis - Rezensionen & Reaktionen", IV. Diskissionen, bei Atlantis-Scout (online als PDF-Datei)
  6. Anmerkung: Zu den - mit Verlaub gesagt - erbärmlich wenigen - Reaktionen aus der 'Fachwelt' siehe: Thorwald C. Franke, "Aristoteles und Atlantis - Rezensionen & Reaktionen", II. Atlantis- bzw. Aristoteles-Forscher, bei Atlantis-Scout (online als PDF-Datei)

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