Johann Georg Justus Ballenstedt

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Historisches Forscher- und Autorenportrait

Abb. 2 Das Titelblatt von Ballenstedts Werk "Die neue und jetzige Welt als Gegenstück zur Urwelt" (Teil 2) aus dem Jahr 1821 (Foto: BSB/MDZ)

(bb) Johann Georg Justus Ballenstedt (* 11. August 1756 in Schöningen, Kreis Helmstedt; † 19. Dezember 1840 in Pabstorf bei Quedlinburg) war, wie wir in der Allgemeinen Deutschen Biographie von 1875 erfahren, ein "evangelischer Prediger und speculativer Geologe". Er "widmete sich zunächst dem Studium der Theologie, bei welchem die rationalistische Richtung seines Lehrers Joh. Friedr. Wilh. Jerusalem von entscheidendem Einflusse war. Gleichzeitig wurde sein Geist, schon angeregt durch die bei seiner Geburtsstadt befindlichen Salinen und Braunkohlenbergwerke, auf geologische Erforschung hingelenkt. Als Prediger zu Pabstorf angestellt, verwendete er seine Muße ganz vorzüglich zu geologischen Studien und war besonders eifrig bemüht, die theologischen Vorstellungen von der Schöpfungsgeschichte, wie sie die Genesis mittheilt, in rationalistischem Sinne aufzuklären.

Zu dieser Richtung sind seine zahlreichen Schriften verfaßt [...], unter welchen als die hervorragendsten zu nennen sind: >Die Urwelt oder Beweis von Dasein und Untergang von mehr als einer Welt<, 3 Th. Quedlinburg 1818. 3. Aufl. 1819; >Archiv für die neuesten Entdeckungen aus der Urwelt< (mit Krüger herausgegeben) 1819–1825; >Die neue und jetzige Welt als Gegenstück zur Urwelt<, Hannover 1820 (Abb. 1); >Die Vorwelt und die Mitwelt<, 2 Bde. Braunschweig 1824. Hierin suchte er den Beweis eines voradamischen Bestandes der Erde zu führen und erklärte die Abstammung des Menschengeschlechtes von einem Paare, das Paradies, den Sündenfall der ersten Menschen, die Sündfluth, die Arche Noahs für Mythen des Alterthums, welche sich mit Anwendung der Vernunft und der Erfahrungen der Wissenschaft auf natürlichem Wege erklären ließen. Er vertheidigte gegen Cuvier’s und Blumenbach’s Ansicht das höhere Alter des Menschengeschlechtes ohne jedoch die Beweiskraft der hierfür angeführten Beispiele von aufgefundenen Menschenresten aus der Vorzeit mit kritischer Schärfe zu prüfen, wie er auch durch die mährchenhaften Erzählungen von Wassermenschen und dem Einhorn getäuscht, sich verleiten ließ, deren Existenz nachweisen zu wollen." [1]

J.G.J. Ballenstedt und Atlantis

In seiner oben bereits erwähnten Publikations-Reihe Archiv für die neuesten Entdeckungen aus der Urwelt (Abb. 2) ging Ballenstedt 1824 in Form eines Essays mit dem Titel "Verschwinden der Insel Atlantis" auch auf das Atlantis-Problem ein. Darin befasste er sich deskriptiv, aber der Annahme einer zumindest teilweisen Historizität von Platons Atlantisbericht deutlich positiv gegenüberstehend, vor dem Wissensstand seiner Zeit mit diesem Gegenstand.

Abb. 2 Das Titelblatt von Heft Nr. 1 des sechsten Bandes (1824) von Ballenstedts "Archiv für die neuesten Entdeckungen aus der Urwelt", in welcher er sein Essay "Verschwinden der Insel Atlantis" vorstellte

Johann G.J. Ballenstedt, der die durch Platon angegebene Überlieferungskette des Atlantisberichts akzeptierte und von einem sehr weit zurückliegenden, in "dunkle Perioden" zurückreichenden Ursprung der Erzählung ausging, schloss daraus, dass die Weitergabe ihres Inhalts sowohl in ihrer frühen als auch in der letzten Phase mündlich erfolgte. Dies erkläre anzunehmende Verfremdungen und Übertreibungen in Platons Version der Geschichte: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass durch diese mündlichen Überlieferungen, so wie durch absichtliche Verschönerung und Ausschmückung durch Plato selbst viele unzuverlässige Nebenumstände der zum Grunde liegenden wahren Geschichte zugegeben sind. Zu diesen Übertreibungen mag gehören, was von der Größe der Insel, die Lybien und Asien zugleich an Umfang übertroffen, desgleichen von der auch über andere Länder ausgebreiteten Herrschaft derselben erzählt wird." [2]

Für Ballenstedt lag der 'harte Kern' des Atlantisberichts eindeutig im Bereich prähistorischer geologischer Umwälzungen im Gebiet des Atlantiks: "Wir halten uns an die Umstände, daß eine sehr große, außerhalb der Säulen des Hercules in den ältesten Zeiten belegene und sehr bewohnte, Insel vorhanden gewesen und durch feurige Revolutionen, wenigstens großentheils zerstört und versunken sey." [3]

Eine eigene Atlantis-Theorie legte Ballenstedt in seinem Essay von 1824 zwar nicht vor, präsentierte aber zumindest ansatzweise eine spezifische Lokalisierungs-Hypothese. Diesbezüglich erklärte er zurückhaltend und bescheiden: "Dürften wir die Menge der Hypothesen über das Verschwinden der Insel Atlantis noch mit einer neuen vermehren, so würden wir die Vermuthung wagen, daß einst das südliche Amerika durch gewaltige vulkanische Revolutionen von Afrika losgerissen und durch Gewalt des unterirdischen Feuers und des sich zwischendrängenden Meeres (ignis aquae pugnax) fortgeschleudert sey, und sich mit der Zeit in der Gegend der jetzigen Landenge Darien, mit dem nördlichen Amerika von diesem angezogen vereinigt habe." [4]

Gewissermaßen einschränkend fügte er jedoch an: "Freilich von der Gewalt der einen ganzen Welttheil versetzenden Naturkräfte haben wir gar keinen Begriff, daher sie uns unglaublich erscheint. Daß aber wenigstens im Kleinen (und was ist für die Natur zu groß?) dergleichen Wegschleuderungen Statt gefunden haben, lässt sich geschichtlich nachweisen. Die Gestalt der Küsten beider Länder hat diese, vielleicht zu gewagt scheinende Vermuthung, bloß veranlaßt; welche aber, durch die Verwandtschaft der Thiere und anderer Naturprodukte beider Länder, so wie durch die aufgefundenen Denkmäler alter Kunst einige Wahrscheinlichkeit erhält." [5]

Dazu steht keineswegs im Widerspruch, dass Ballenstedt abschließend die gängige Erklärung zur Gleichsetzung von Atlantis mit Amerika bzw. Südamerika verwarf, wozu er erklärte: "Dass übrigens die verschwundene Insel Atlantis für das jetzige südliche Amerika anzunehmen sey, zu welchem vormals einzelne über das Meer verschlagene Schiffe gelangt, und Kunde von dort wieder zurückgebracht hätten, ist schon durch Silberschlag (Geogonie 2 Th. S. 203.) für sehr unwahrscheinlich erklärt worden." [6]


Siehe auch:





Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Wilhelm von Gümbel, "Ballenstedt, Johann Georg Justus", in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 22 (online bei Wikisource)
  2. Quelle: Johann Georg Justus Ballenstedt, "Verschwinden der Insel Atlantis", in: Archiv für die neuesten Entdeckungen aus der Urwelt (Band 6, Heft 1), Quedlinburg und Leipzig, 1824, S. 55
  3. Quelle: ebd. S. 55-56
  4. Quelle: ebd., S. 57
  5. Quelle: ebd., S. 57-58
  6. Quelle: ebd., S. 58

Bild-Quellen:

1) Bayerische Staatsbibliothek digital (BSB) / Münchener Digitalisierungs-Zentrum (DGZ) (Digitale Sammlungen), unter: Die neue oder die jetzige Welt: ein Gegenstück zur Urwelt
2) Google Books, unter: Archiv für die neuesten Entdeckungen aus der Urwelt, Band 6 (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)