Marcello Cosci

Aus Atlantisforschung
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...und seine Atlantis-Lokalisierung auf der westafrikanischen Insel Sherbro

von Sandra Schreiner

Abb. 1 Marcello Cosci, gut gelaunt, bei der Präsentation seiner Atlantis-Lokalisierung im Juni 2007

Hat der italienische Wissenschaftler Marcello Cosci (Abb. 1) (1929-2009), vormals Leiter der Abteilung für archäologische Fotoauswertung an der Universität Siena, im Jahr 2007 die Überreste von Atlantis entdeckt?

Dies verkündete Prof. Cosci jedenfalls auf einer Pressekonferenz im Juni jenes Jahres in Pisa, unter Bezugnahme auf aktuelle Satelliten-Bilder, die eine atlantoide [1] Ringstruktur (Abb. 2, rechts) auf der westafrikanischen Atlantikinsel Sherbro, vor der Küste des heutigen Staates Sierra Leone zeigen. "Ich habe mich während der jüngsten drei Jahre, Insel für Insel, intensiv mit Satelliten-Bildern befasst, wobei ich GoogleMap and Quickbird verwendete" [2], meinte Cosci dazu.

Der italienische Fachwissenschaftler führt ins Feld, dass Sherbro Schlüssel-Merkmale aufweist, die in Platons Beschreibung der Hauptstadt von Atlantis zu finden sind. So etwa die drei konzentrischen Gräben, welche das Zentrum der Anlage umgeben, ein Kanal, der die Insel und die Struktur durchschneidet, sowie Spuren von Siedlungen (Abb. 3).

Abb. 2 Links: Die Lage der von Marcello Cosci entdeckten Ringstruktur auf der Insel Sherbro; rechts: Die rätselhafte Ringstruktur in höherer Auflösung

Natürlich stellt sich die Frage, ob das lediglich durch den Sherbro River im Norden und eine schmale Wasserstraße im Osten vom Festland getrennte Eiland Sherbro, das nur ca. 52 km lang und 18 km breit ist und eine Fläche von rund 600 km² aufweist, tatsächlich eine geeignete Kandidatin für Atlantis ist. Immerhin liegt es, von Athen oder auch Saïs aus gesehen, deutlich jenseits der Säulen des Herakles, wie von Platon beschrieben wird, aber als Zentrum eines mächtigen Reiches der Vorzeit kann man sie sich kaum vorstellen. Und hatte der greise Philosoph nicht geschrieben, Atlantis sei "innerhalb eines schlimmen Tages und einer schlimmen Nacht" (Timaios, 24e-25d) im Meer versunken?

Abb. 3 Die Überreste alter Bauwerke auf Sherbro, auf die Marcello Cosci bei seiner Suche stieß (Foto: QuickBird)

Nun war und ist Cosci, der seine Forschungsergebnisse kurz nach besagter Pressekonferenz auch in Buchform [3] und auf der Atlantis-Konferenz 2008 in Athen als Papier [4] vorgelegt hat, nicht der einzige Atlantisforscher, der den (im Wortsinn) Untergang der Insel im Meer für unhistorisch hält - und auch andere haben Atlantis an und vor den atlantischen Küsten Westafrikas lokalisiert.

Wenn wir z.B. die Forschungsresultate des deutschen Ethnologen und Afrikaforschers Leo Frobenius zugrundelegen [5], so muss es spätstens in der Bronzezeit intensiven Handelsbeziehungen und kulturelle Diffusion entlang der Atlantikküsten Europas und Afrikas gegeben haben. Diesen, zumeist von Megalithiker-Kulturen bewohnten Raum, der sich von Skandinavien im Norden bis zum Gebiet der heutigen Staaten Nigeria, Togo und Benin im Süden erstreckte, bezeichnete Frobenius als >Größeres Atlantis<. [6] Da sich Sherbro in der südlichen Peripherie dieses >Größeren Atlantis< befindet, sollte aus atlantologischem Blickwinkel auch dir Frage statthaft sein, ob es sich bei den anzunehmenden Ruinen der Insel - wenn schon nicht um Überbleibsel der Atlantier-Metropolis - womöglich um Relikte einer atlantidischen Kolonie oder eines Handelspostens handelt, dessen Zitadelle nach dem Vorbild der heimatlichen Hauptstadt errichtet wurde.

Nach schulwissenschaftlicher Auffassung wurde Sherbro erst gegen 500 v.Chr. dauerhaft von den ursprünglichsten bekannten (!) Bewohnern der Insel, den Bullom-Sherbro, besiedelt. Der Kontakt mit modernen Europäern begann 1462 mit der Ankunft des portugiesischen Seefahrers Pedro da Sintra, und schon bald wurde die Insel zu einem europäischen Handels-Stützpunkt, der leider vorwiegend dem Sklavenhandel diente. Aber waren die Bullom-Sherbro tatsächlich die ersten Bewohner der Insel?

Womöglich war Sherbro auch schon ein Stützpunkt der Karthager. Immerhin wurde bereits die Frage zum Gegenstand kontroverser Diskussionen, ob der karthagische Admiral Hanno gegen 520 v.Chr. Sherbro besuchte und möglicherweise Gorillas begegnete. [7] Klarheit über den Ursprung der rätselhaften Strukturen auf der Insel - das war auch Marcello Cosci, ihrem Entdecker, bewusst - kann nur durch archäologische Grabungen gewonnen werden.


Anmerkungen und Quellen

Vorwiegend verwendetes Material:

Abb. 4 Das Frontcover von Marcello Coscis Buch "Dai satelliti le prime immagini della mitica Atlantide" aus dem Jahr 2007

Fußnoten:

Bild-Quellen:

1) o.A., "Atlantis off Africa, Italian says", 28. Juni 2007, bei: italy magazine.com
2) Marcello Cosci, "Relazione della ipotesi di lavoro elaborata da Marcello Cosci e presentata al 2° Convegno Internazionale THE ATLANTIS HYPOTHESIS tenutosi ad Atene l’ 11-12 Novembre 2008.", bei Associazione Marcello Cosci (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
3) ebd.
4) Associazione Marcello Cosci / Bild-Archiv Atlantisforschung.de