Atlantis in Nigeria - Leo Frobenius und das Yorubaland

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Abb. 1 Der Afrikaforscher und Atlantologe Leo Frobenius (1873 - 1938), vermutl. in den 1930er Jahren aufgenommen

(bb) Der deutsche Afrika- und Atlantisforscher Leo Frobenius (1873 - 1938) nimmt unter den Afro-Atlantologen des frühen 20. Jahrhunderts eine Sonderstellung ein, denn er suchte Platons versunkenes Reich nicht, wie die meisten seiner damaligen Kollegen, im Großraum der nordafrikanischen Mittelmeer-Küsten. "Zwischen 1908 und 1926 entwickelten Captain Elgee in England und Leo Frobenius in Deutschland eine andere Theorie, nämlich die, daß Atlantis in Nigeria, an der westafrikanischen Küste, einige hundert Kilometer nördlich des Äquators, gelegen habe." [1]

Geboren wurde Leo Frobenius (Abb. 1) im Jahr 1873 als Sohn eines preußischen Festungsbau-Ingenieurs beim Militär. "Bedingt durch den Beruf seines Vaters musste er häufig umziehen und bekam keinen >anständigen< Schulabschluss. Schon in jungen Jahren beeindruckten ihn die großen deutschen Afrikaforscher: Heinrich Barth, Gerhard Rohlfs, Gustav Nachtigal, Georg Schweinfurth. Sie wurden seine wahren Lehrmeister, und die hervorragendsten ethnographischen Museen dieser Zeit, in Bremen, Basel und Leipzig, waren >seine Universitäten< [...] Als seine, für die damalige Zeit unorthodoxe, Dissertation über afrikanische Geheimgesellschaften von einer deutschen Fakultät zurückgewiesen wurde, wandte er der Universität resolut den Rücken. Von da an ging er eigene Wege. Es ist richtig, dass er im Alter den Titel eines Honorarprofessors der Universität Frankfurt bekam, aber er hielt niemals eine öffentliche Vorlesung." [2]

Im Alter von 25 Jahren verfaßte der Autodidakt seine erste wissenschaftlich bedeutsame Arbeit 'Der Ursprung der afrikanischen Kulturen' (1898). "Im selben Jahr gründete er - auf sich alleine gestellt - mit minimalen Mitteln ein Afrika-Forschungs-Institut, welches zu dieser Zeit lediglich aus einem Zimmer, einer für diese Zeit bemerkenswerten Bibliothek und seinem Archiv bestand, das in den folgenden Jahren immer weiter wachsen sollte." [3] Afrika sollte ihn zeitlebens nicht mehr loslassen.

Abb. 2 Yorubaland im westafrikanischen Nigeria - laut Leo Frobenius das Atlantis aus Platons Bericht

Frobenius war vermutlich der erste europäische Forscher, der die Historizität und Gleichberechtigung afrikanischer Kulturen (an)erkannte, während Afrika von westlichen Historikern noch in kolonialistischer Manier als "geschichtslos" oder "rückständig" betrachtet wurde. Seine damalige Popularität verdankte der Afrikaforscher vor allem den zahlreichen Expeditionen, die er ins Innere des 'Schwarzen Kontinents' unternahm: "Die erste Expedition führte Frobenius von 1904-1906 in das Kongogebiet. Von 1907- 1912 bereiste er den Westsudan, die Gebiete der heutigen Staaten Senegal, Niger und Togo. Ein kurzer Algerienbesuch im Jahr 1910 ging seiner 4. großen Unternehmung von 1910-1912 nach Nigeria und Kamerun voraus. Bis 1915 besuchte Frobenius noch Gebiete des heutigen Sudans (1912), Marokkos (1912- 1914) und Äthiopiens (1915). Der 1. Weltkrieg unterbrach seine Forschungsarbeiten. Insbesondere seine Äthiopienfahrt war vom Kriegsgeschehen beeinflußt, denn er sollte sich hier als kaiserlicher Spion betätigen. Allerdings verhinderte das auffällige Verhalten von Frobenius einen erfolgreichen Abschluß seiner Mission. [...] Erst 1926 wurde mit einer Expedition nach Libyen wieder 'im Feld' geforscht. In den Jahren 1928-30 folgte die 9. Reise nach Südafrika und 1932 und 1933 weitere Fahrten nach Libyen. 1934-1937 wurden Forschungsfahrten nach Jordanien und nochmals in die Sahara, Abessinien sowie nach Spanien, Südfrankreich, Italien, Norwegen und Schweden unternommen. Im Vordergrund stand die Aufnahme von Felsbildern aus den verschiedenen Ländern." [4]

Die Forschungsergebnisse seiner frühen West-Afrika Expeditionen (1907-1909 und 1910-1912) publizierte Frobenius seinerzeit in drei voluminösen Bänden 'Auf den Trümmern des klassischen Atlantis', 'An der Schwelle des verehrungswürdigen Byzanz' und Unter den unsträflichen Äthiopern. Ihnen folgte ein Kompendium mit Namen 'Das unbekannte Africa - Aufhellung der Schicksale eines Erdteils', das u. a. eine beeindruckende Sammlung afrikanischer Mythen und Legenden enthält, die er durch seine Arbeit nicht selten vor dem Vergessen bewahrt hat. [5]

Abb. 3 Ein geschnitzter Holzstab der Yoruba. Unten die Darstellung eines Shango-Priesters mit traditionellem Schwert u. Axt, einem kleinen Bata-Trommler mit seinem Instrument (in der Mitte) und mit einer betenden Frau (oben), aus deren Kopf Shangos heilige Stein-Axt wächst.

"Frobenius entdeckte in Yourubaland (einem Teil von Nigeria) einige Objekte, die ihn davon überzeugten, daß er Atlantis gefunden hätte - komplett mit Elefanten, üppiger Vegetation in Blau gekleideten Eingeborenen und Kupfergegenständen. Er setzte den nigerianischen Gott Olokon [richtig: Olokun; d. Red.] mit Poseidon gleich und wies darauf hin, daß das Land mindestens seit dem 13. Jahrhundert die Heimat mächtiger seefahrender Völker gewesen sei. Der Deutsche war davon überzeugt, daß die Yoruba-Kultur eine Menge nichtafrikanischer Elemente enthalte, so den kurzen Bogen, die Tätowierung, Zahlenmagie und den geheiligten Schirm des Königs." [6]

In 'Die atlantische Götterlehre' formulierte es Frobenius selber so: "Ich behauptete, daß dieses Atlantis die letzte rege Vorstellung von einem Kulturbereiche sein müsse, der vor der Zeit der Griechen an den Küsten Westafrikas entstanden sein müsse ... Atlantis ... , das nach dem solon-platonischen Bericht aus Saïs draußen vor den Säulen des Herakles einst blühte und dann untergegangen war ... Atlantis mit den Palmen, die dem Menschen Speise, Getränk und Kleidung gewährten, das ... Burgen mit Gelbgußplatten hatte, [das] ferne Land der Elefanten..." [7]

Die "menschliche Zivilisation, so war seine Meinung, sei auf einem versunkenen Kontinent im Pazifischen Ozean [8] entstanden, von wo aus sie sich über Asien westwärts ausgebreitet und das Aufblühen solcher Kulturen wie der ägyptischen oder der atlanto-nigerianischen bewirkt habe. Tartessos in Spanien sei ein Außenposten des afrikanischen Atlantis gewesen, und mit Uphaz, das in der Bibel zusammen mit Tartessos ('Tarschisch') als Umschlagplatz für Gold und Handelsware genannt wird, sei nichts anderes als Yorubaland gemeint. Dessen Hauptstadt habe an der Stelle des heutigen Ilife gelegen." [9]

Der Afrikaforscher "stützte sich mit seiner Theorie des nigerianischen Atlantis auf ethnologische Symbolik, daß heißt auf den Gebrauch von Symbolen, die mehrere Volksstämme miteinander gemein haben, wie unter anderem das Hakenkreuz, den Kult des Meeresgottes Olokun, eine straffe Stammesorganisation, bestimmte Artefakte, Werkzeuge Geräte und Waffen, Tätowierungen, Sexualriten und Bestattungsgebräuche. Bei seinen Vergleichen bringt er viele unerwartete Ähnlichkeiten mit anderen Kulturen, so auch zur etruskischen Kultur, zur prähistorischen iberischen, libyschen, griechischen und assyrischen." [10]

Als Leo Frobenius 1938, nach einem rastlosen Arbeitsleben, im italienischen Biganzolo (Verbania) am Lago Maggiore verstarb (er war bis zum Schluss aktiv in der Forschung tätig), hinterließ er ein kolossales Werk. Sein wissenschaftlicher Nachlass enthält mehr als 250 000 Texte, Bilder und Karten. Die Anzahl seiner Bücher und Essays ist Legion. Ein wesentlicher Teil von Frobenius´ Arbeiten wurden in zwölf Bänden unter dem Titel 'Atlantis' vom Eugen Diedrichs-Verlag herausgegeben.


Materialien zu Leo Frobenius & Atlantis

Bei Atlantisforschung.de:

Abb. 4 Von Atlantis nach Aethiopien - Ausstellung der Frobenius-Expeditionen. Litographie von Julius Klinger, Berlin 1912 (© Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin)

Externa:

Literaturhinweise:

Abb. 5 Das Frontcover von Leo Frobenius´ Werk "Auf dem Wege nach Atlantis"
  • Leo Frobenius, "Atlantis: Die atlantische Götterlehre" (Band 10 der Reihe Atlantis – Volksmärchen und Volksdichtungen Afrikas. Veröffentlichungen des Instituts für Kulturmorphologie. Herausgegeben von Leo Frobenius. 12 Bände. Jena, 1921–1928), E. Diederichs, 1926


Zur Prähistorie der Niger-Region siehe bei Atlantisforschung.de auch:


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Lyon Sprague de Camp, Versunkene Kontinente, Heyne 1977, S. 196
  2. Quelle: Frobenius-Institut, unter: http://www.frobenius-institut.de/index2_en.htm?frobenius_en.htm
  3. Quelle: ebd.
  4. Quelle: http://www.aib.uni-linz.ac.at/AFRIKA/katalog/node14.htm (nicht mehr online)
  5. Siehe dazu auch: Leo und Hermann Frobenius, Auf dem Wege nach Atlantis (1911)
  6. Quelle: Lyon Sprague de Camp, Versunkene Kontinente, Heyne 1977, S. 196
  7. Quelle: Charles Berlitz, Das Atlantis Rätsel, Wien/Hamburg 1976, S. 56
  8. Anmerkung: Frobenius erscheint hier in gewisser Weise als Vorlaufer von R. Buckminster Fuller und seiner Theorie von der "Austronesischen Expansion". Vergl. dazu: Prof. William Lauritzen, "Atlantis: Der verlorene Kontinent"
  9. Quelle: Lyon Sprague de Camp, op. cit., S. 197
  10. Quelle: Charles Berlitz, op. cit., S. 56

Bild-Quellen:

Abb. 6 Leo Frobenius in mittleren Jahren
1) Bild-Archiv des Frobenius-Instituts, Frankfurt
2) http://www.batadrums.com/background/yoruba.htm (nicht mehr online)
3) ebd. (nicht mehr online)
4) Deutsche Digitale Bibliothek, unter: Von Atlantis nach Äthiopien. Ausstellung der Frobenius-Expedition
5) archive.org / Bild-Archiv Atlantisforschung.de
6) Katpatuka und Cecil bei Wikimedia Commons, unter: File:Leo Frobenius.jpg


Forschungs-Kontakt

Frobenius-Institut, Frankfurt(Main)