Cyril Hammond Elgee

Aus Atlantisforschung
Wechseln zu:Navigation, Suche

Kurzportrait

Abb. 1 Angehörige der britischen Defense Force auf Montserrat, 1915. Im Vordergrund, auf Stühlen sitzend, von links nach rechts: Lieut. Dyett, Capt. Elgee (Acting Commissioner), Capt. Ruane und Chorherr Hayens

(red) Cyril Hammond Elgee (* 18. Oktober 1871 in Otterbourne, England; † 17. August 1917) war der zu eben jener Zeit in Ibadan residierende britische Kolonialverwalter für Nigeria, in welcher dort die wesentlichen kolonialen Institutionen etabliert wurden. Danach, während des Ersten Weltkriegs (1914–1918), war er zeitweilig amtierender Kron-Kommissar auf der Karibikinsel Montserrat. In Erinnerung geblieben ist er jedoch vor allem als Privatforscher, der als Erster eine Atlantis-Lokalisierung im Raum des modernen Nigeria vorschlug.

Biographische Notizen

Geboren als Cyril Hammond Elgie (er änderte später die Schreibweise seines Nachnamens in Elgee ab) kam Cyril 1871 als ältester Sohn des Reverend Walter Francis Elgie zur Welt [1] [2]. Seine Mutter war Catherine, verwitwete Webber, die bereits am 25. Februar 1881 verstarb. Von Mai 1885 bis Juli 1889 besuchte er das Lancing College. [3] 1890 wurde er zum Studium an der Royal Military Academy Sandhurst zugelassen, wo er sich auf seine spätere Berufslaufbahn als Offizier vorbereitete. [4]

Abb. 2 Eine zeitgenössische Karte des Niger-Gebiets aus dem Jahr 1898

Diese Laufbahn verlief durchaus zufriedenstellend für Elgee: 1892 wurde er im Bedfordshire Regiment zum Unterleutnant (second lieutenant) befördert [5], 1893 zum Leutnant. 1895 nahm er an der Chitral Relief Expedition teil und 1899 stieg er schließlich zum Hauptmann (captain) auf. [6] Im Februar 1903 trat er in Ibadan die Nachfolge von F.C. Fuller als britischer Resident in Nigeria an, eine gut dokumentierte Tätigkeit, die er mit einigem Erfolg bis 1913 ausübte. [7]

Über Elgees Arbeit als Kommissar auf Montserrat im Jahr 1915 scheint dagegen wenig bekannt zu sein. Immerhin plante er dort augenscheinlich einen längeren Aufenthalt, denn es ist Korrespondenz aus dem Jahr 1916 über eine mögliche Beschäftigung Captain Elgees bei der Regierung in Montserrat erhalten geblieben. [8] Jedenfalls verstarb Elgee schon 1917 im Alter von nur 45 Jahren. [9] In der Kirche St. Mathew's - in seiner Vaterstadt Otterbourne - befindet sich eine Wandtafel aus Messing zum Gedenken an ihn und seinen Bruder Hugh Francis Elgee, der 1915 in der Schlacht bei Gallipoli fiel. Ihr Vater war Vikar der Gemeinde. [10]

Elgees Atlantis in Nigeria - und viele Fragezeichen

Abb. 3 Welche Argumente C.H. Elgee seinerzeit dafür vorbrachte, die geographischen und andere Angaben im Atlantisbericht des Athener Philosophen Platon mit dem Yorubaland in Verbindung zu bringen ist derzeit unklar. Diese Frage kann erst nach Auswertung der bisher ermittelten Primär- und Sekundär-Literatur beantwortet werden.

Obwohl Cyril Hammond Elgees Atlantis-Lokalisierung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in diversen populär- und fachwissenschaftlichen Publikationen Erwähnung fand [11], ist heute ohne größeren Recherche-Aufwand kaum noch etwas über sie in Erfahrung zu bringen. Dies liegt offenbar daran, dass besagte Publikationen zumeist noch nicht digitalisiert sind und in Archiven sowie Bibliotheken 'schlummern'; zum anderen scheint auch Elgee selbst nicht gerade viel in schriftlicher Form zu seiner Auslegung des Atlantisberichts hinterlassen zu haben.

Selbst in der atlantologischen Fachliteratur ist nicht mehr als das Wenige zu finden, was Alexander Bessmertny bereits 1932 zu berichten wusste: "Die Hypothese, das vom Niger umflossene und vom Meer der Nigerküste umspülte Gebiet sei Atlantis, wurde schon 1908 in der Londoner Afrikanischen Gesellschaft von Kapitän Elgee aufgestellt." [12] Dazu verwies er in der Bibliographie von "Das Atlantisrätsel" auf: "Elgee: Vortrag in: >Mitteilungen der Londoner Geographischen Gesellschaft<, Juni 1908".

Es muss irritieren, dass Captain Elgee seine Atlantis-Lokalisierung zwar in der "Londoner Afrikanischen Gesellschaft" (richtig: Royal African Society, London), mit der er tatsächlich in Verbindung stand (siehe disbezüglich z.B. das hier), diskutiert, dazu aber bei der "Londoner Geographischen Gesellschaft" (richtig: Royal Geographical Society, London) publiziert haben soll. Immehin erschien 1908 im Journal der Royal African Society auch ein von ihm verfasster Artikel zur Frühgeschichte der Yoruba. [13] Stelios Grant Pavlou von Atlantipedia.com verweist zudem auf Cyril H. Elgees Publikation "The Evolution of Ibadan" [14] aus dem Jahr 1914 als relevantes Werk. [15]

Irreführend ist jedenfalls, wenn bei David Hatcher Childress [16] und Lyon Sprague de Camp [17] mehr oder weniger der Eindruck erweckt wird, Elgee und Frobenius hätten über Jahre hinweg an einer gemeinsamen Theorie gearbeitet - was mit Sicherheit nicht der Fall war. Wirklich peinlich ist jedoch, dass Elgee noch unlängst (2012) von Richard Ellis [18], einem selbst ernannten Atlantologie-'Experten', unterstellt wurde, er habe Atlantis im südsaharischen Hoggar lokalisiert. [19] Der irische Atlantologie-Enzyklopädist Tony O’Connell stellt die Sache richtig dar und betont zudem, dass Elgee mit seiner Atlantis-Lokalisierung dem deutschen Ethnologen und Afrikaforscher Frobenius deutlich zuvorkam: "Sein Vorschlag (1908), dass Nigeria die Örtlichkeit von Atlantis gewesen sei, erfolgte einige Jahre früher als die Veröffentlichung einer ähnlichen Theorie durch Leo Frobenius." [20]


Amerkungen und Quellen

Dieser Beitrag beruht auf dem Lemma "Cyril Hammond Elgee" (Stand: 27. April 2016) bei Wikipedia - The Free Encyclopedia. Übertragung ins Deutsche und weitgehende redaktionelle Bearbeitung durch Atlantisforschung.de

Fußnoten:

  1. Siehe: "Cyril Hammond Elgie, later Elgee", Letters of Charlotte Mary Yonge (abgerufen: 24. Aug. 2014; nicht mehr online)
  2. Siehe: Steve & Jenny Jarvis (2014). "Otterbourne" - War memorials / rolls of honour for Hampshire (abgerufen: 27. April 2016)
  3. Siehe: "Orig. Foto Kolonien Cpt. C.H. Elgee mit Stammesfürsten Yoruba Nigeria Ibadan 1911" (abgerufen: 24. Aug. 2014)
  4. Siehe: "The Lancing College Magazine", C. Cull and Son., 1890 (abgerufen: 24. Aug. 2014)
  5. Siehe: ebd
  6. Siehe: "Orig. Foto Kolonien Cpt. C.H. Elgee mit Stammesfürsten Yoruba Nigeria Ibadan 1911" (abgerufen: 24. Aug. 2014)
  7. Siehe: "Cyril Hammond Elgee, The Evolution of Ibadan", 1914, S. 17
  8. Siehe: "Mr. C. H. Elgee", National Archives. 1916 (abgerufen: 24. Aug. 2014)
  9. Siehe: "Cyril Hammond Elgie, later Elgee", Letters of Charlotte Mary Yonge (abgerufen: 24. Aug. 2014; nicht mehr online)
  10. Siehe: Steve & Jenny Jarvis (2014). "Otterbourne" - War memorials / rolls of honour for Hampshire (abgerufen: 27. April 2016)
  11. Siehe z.B.: Deutsche geographisch Blätter, Bände 34-37, 1911, S.52 --- "The Athenaeum", British Periodicals Limited, 1914, S. 123 --- Richard Hennig, "Von rätselhaften Ländern: versunkene Stätten der Geschichte", Delphin-Verlag, 1925, S. 13 --- "Hermeneus, Band 2", Herman Knorrings, W.E.J. Tjeenk Willink., 1930
  12. Quelle: Alexander Bessmertny, "Das Atlantisrätsel - Geschichte und Erklärung der Atlantishypothesen", Leipzig (Verlag R. Voigtländer), 1932, S. 32
  13. Siehe: C.H. Elgee "The Ife Stone Carvings", in: Journal of the Royal African Society 7 (28), 1908, S. 338-343
  14. Siehe: C.H. Elgee, "The Evolution of Ibadan", Lagos (Government Printer), 1914; Anmerkung: Eine Stichwortsuche bei der HathiTrust Digital Library zeigt allerdings, dass der Suchbegriff 'Atlantis' in diesem Buch nur einmal (auf S. 37) vorkommt.
  15. Quelle: Stelios Grant Pavlou, "Capt. Cyril Hammond Elgee", bei Atlantipedia.com (abgerufen: 27. April 2016)
  16. Siehe: David Hatcher Childress, "Lost Cities of Atlantis, Ancient Europe & the Mediterranean", Adventures Unlimited Press, 1996, S. 227
  17. Siehe: Lyon Sprague de Camp, "Versunkene Kontinente", Heyne, 1977, S. 196
  18. Siehe: Richard Ellis, "Imagining Atlantis", Knopf Doubleday Publishing Group, 2012, S. 59
  19. Anmerkung: Diesen Fehler hat Ellis ausgerechnet - ohne Quellenangabe und praktisch im Wortlaut - von Otto Muck übernommen (siehe: O. Muck, "Alles über Atlantis", Knaur, 1976, S. 37), an dem er ansonsten in "Imagining Atlantis" kein 'gutes Haar' lässt!
  20. Quelle: Tony O’Connell, "Elgee, Capt. C.H.", 27. Mai 2010, bei: Atlantipedia.ie (abgerufen: 27. April 2016; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)

Bild-Quellen:

1) London Times / Aymatth2 bei Wikimedia Commons, unter: File:Defense Force, Montserrat, 1915.png
2) W. & A. K. Johnston / M2545 bei Wikimedia Commons, unter: File:1898 Niger map byJohnston BPL m0612007.png
3) Bild-Archiv Atlantisforschung.de