Obsidian

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von Tony O’Connell

Abb. 1 Einige 'steinzeitliche' Obsidian-Werkzeuge (Mikrolithen)

Obsidian ist ein glasiges Gestein, das als Folge von rhyolitischen Vulkanausbrüchen entsteht. Es wurde bereits während der Steinzeit hoch geschätzt, als festgestellt wurde, dass es, wenn es gebrochen wird, sehr scharfe Kanten bildet, die für Werkzeuge (Abb. 1) und Waffen (Abb. 2) geeignet sind. Michael Grant bemerkt dazu: "Es ist die früheste gehandelte Substanz, von der es materielle Überreste gibt." [1]

Ausgrabungen in Nordisrael haben die dortige Verwendung von Obsidian-Werkzeugen vor über sechstausend Jahren belegt [2]. Die nächstgelegene Obsidian-Quelle war Anatolien, weshalb diese präkanaanitischen Menschen Handelsbeziehungen gehabt haben müssen, die sich zumindest so weit erstreckten. [3]

Abb. 2 Eine Pfeilspitze aus Obsidian

Im Jahr 2011 wurde berichtet [4], eine neue Technik, welche die Datierung von Obsidian ermöglicht, habe ergeben, dass auf der griechischen Insel Melos bereits vor 15.000 Jahren Obsidian abgebaut und in die Ägäis und darüber hinaus exportiert wurde, was ebenfalls ein Beweis für ausgedehnte Seereisen zu diesem frühen Zeitpunkt ist. 13.000 v. Chr. war der Meeresspiegel allerdings aufgrund der Vergletscherung während der Eiszeit viel niedriger als heute. Dies muss zu einer größeren Landexposition in der Ägäis mit kürzeren Distanzen zwischen den Inseln geführt haben, die sogar mit relativ primitiven Booten leicht überbrückt werden konnten.

Massimo Rapisarda hat festgestellt, dass der einzige Obsidian westlich der Ägäis im Mittelmeer in der Zentralregion auf den Inseln Lipari, Palmarola, Pantelleria und Sardinien zu finden ist [5]. In einer M.A.-Abschlussarbeit [6] von Barbara A. Vargo werden die Merkmale, die Geschichte und die Verbreitung des Pantelleria-Obsidians ausführlich untersucht.

Robert Ishoy, der eine sardische Lokalisierung von Atlantis befürwortet, schlug vor [7], dass Obsidian, „der im alten Sardinien häufig verwendet wurde“, tatsächlich der mysteriöse Oreichalkos sei, den Plato erwähnt. Auch Christian und Siegfried Schoppe identifizieren Obsidian als Oreichalkos, unterstützen jedoch eine Atlantis-Lokalisierung am Schwarzen Meer. Eine solche Oreichalkos-Interpretation ist allerdings kaum plausibel, da sich Obsidian nicht gerade als Mauer-Verkleidung (Kritias 116b-c) eignet. Diese Idee ist noch untauglicher als der Vorschlag von Jürgen Spanuth, Oreichalkos sei eine Bezugnahme auf Bernstein. Abgesehen davon wurde der Oreichalkos von Plato (Kritias 116b-d) als Metall, nicht aber als Gestein beschrieben.

Dr. Ellery Frahm von der Universität Sheffield hat eine Methode entwickelt, mit der ein Stück Obsidian nicht nur auf einen bestimmten Vulkan, sondern auch auf einen bestimmten Steinbruch an dem betreffenden Vulkan zurückgeführt werden kann [8]. Im September 2013 gab Frahm bekannt [9], dass eine neue Technik entwickelt wurde, mit der die Quellen von Obsidianartefakten in nur 10 Sekunden lokalisiert werden können.


Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Tony O’Connell (©) wurde seiner atlantologischen Online-Enzyklopädie Atlantipedia.ie entnommen, wo er am 23. Februar 2010 unter dem Titel "Obsidian" erstveröffenlicht wurde. Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung nach dem Stand vom 15. Mai 2020 durch Atlantisforschung.de.

Fußnoten:

  1. Quelle: Michael Grant, "The Ancient Mediterranean", New York (Charles Scribner’s Sons), 1969
  2. Siehe: Popular Archaeology, 28. März 2014, unter: "New Excavations Explore 6,000-Year-Old Settlement in Israel" (abgerufen: 15. Mai 2020)
  3. Red. Anmerkung: Tatsächlich haben Grabungen bei Jerusalem im Jahr 2019 sogar Beweise dafür erbracht, dass es dort bereits vor 9000 Jahren einen Obsidian-Fernhandel mit Kleinasien gab. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de: "9000 Jahre alte 'Mega-Fundstätte' in Israel entdeckt" (red)
  4. Referenz: bryanstrain.com, unter: "New dating method rocks the Aegean" (nicht mehr online)
  5. Siehe: "Atlantis: a grain of truth behind the fiction?", unter: "Obsidian as a possible clue" (abgerufen: 15. Mai 2020)
  6. Siehe: https://www.rattermanbrothers.com/obituaries/Barbara-Vargo-2/ Barbara A. Vargo], "Characterization Of Obsidian Sources In Pantelleria, Italy", 21. Nov. 2003, University of South Florida (abgerufen: 15. Mai 2020)
  7. Siehe: "Atlantis Discovered - Thesis by Robert Ishoy" (abgerufen: 15. Mai 2020)
  8. Siehe: Universität Sheffield, 22. Mai 2013, "New archaeological ‘high definition’ sourcing sharpens understanding of the past" (abgerufen: 15. Mai 2020)
  9. Siehe: Universität Sheffield, 9. September 2013, "New 10 second sourcing technology set to transform archaeology" (abgerufen: 15. Mai 2020)

Bild-Quellen:

1) Bild-Archiv Tony O’Connell / Atlantipedia.ie
2) User:Urban~commonswiki (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:Arrowhead.jpg