Paläokatastrophismus

Aus Atlantisforschung.de
Wechseln zu:Navigation, Suche

Definition

Abb. 1 Der - heute in der scientific community allgemein anerkannte - Paläokatastrophismus akzeptiert lediglich solche Kataklysmen, die sich in fernster, vormenschlicher Vergangenheit ereignet haben, wie den 'Endkreide-Impakt', der vor ca. 65 Millionen Jahren die Dinosaurier ausrottete. Selbst die Möglichkeit niederschwelligerer Großkatastrophen ist für Paläokatastrophisten zumeist indiskutabel, wenn es um (proto-)historische Zeiträume geht.

(red) Der, 1995 von dem US-amerikanischen Philologen William Mullen eingeführte [1], Begriff Paläokatastrophismus (aus dem Englischen: Paleocatastrophism) bezeichnet ein neokatastrophistisches Modell in der so genannten Mainstream- oder Schulwissenschaft (insbesondere im Rahmen der Astronomie, Geologie und Paläontologie), dessen Anhänger die Bedeutung von katastrophalen Ereignissen für die Geschichte unnseres Sonnensystems, der Erde und der Entwicklung hiesiger Lebewesen betonen.

Im Gegensatz zum devianten, aus Sicht des wissenschaftlichen Mainstreams 'außenseiterischen', Cenokatastrophismus, dessen Verfechter voraussetzen, dass derartig desaströse Ereignisse (Kataklysmen sowie niederschwelligere Großkatastrophen) auch die Menschheits- und Zivilisationsgeschichte (mehr oder minder) massiv beeinflusst haben, wird dabei weitgehend [2] in Abrede gestellt, dass sich auch zu Zeiten der Ur- und Frühmenschen, insbesondere aber während der Ära des modernen Menschen global oder großräumig wirksame Katastrophen ereignet haben.


Wegbereiter

Zu den wichtigsten Wegbereitern des Paläokatastrophismus, welcher sich erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in Zusammenhang mit dem Aufkommen interdisziplinärer Forschung, entwickelte und das damals bereits seit zirka 100 Jahren dominierende Quasi-Dogma des Aktualismus (Untiformitarismus) [3] 'aufweichte' [4], gehören:

1) ...der Paläontologe Otto Heinrich Schindewolf (1896-1972), der bereits 1952 vorschlug, dass erdgeschichtliche Massenaussterben in der Tier und Pflanzenwelt durch harte kosmische Strahlung verursacht worden seien, welche aus nahen Supernova-Explosionen resultierten. [5] Schindewolf konnte sich zwar mit seiner Hypothese, die später auch von einigen anderen Wissenschaftlern aufgegriffen wurde, nicht in der Fachwelt durchsetzen; er öffnete jeoch als Pionier erneut den Horizont für extraterrestrische / kosmische Ursachen vermuteter Großkatastrophen [6]

Abb. 2 Eine künstlerische Darstellung der Kollision von Proto-Erde und Theia

2) ...der Geologe und Astronom Eugene Shoemaker (1928-1997), einer der Pioniere der modernen Impaktforschung. Im Jahr 1960 konnte er - gemeinsam mit Edward C. T. Chao - nachweisen, dass es sich sowohl beim Barringer-Krater in Arizona als auch beim Nördlinger Ries in Deutschland um Impaktkrater handelt.

3) ...der Geowissenschaftler F. M. Dyssa aus der damaligen UdSSR, welcher 1960, gemeinsam mit einigen Kollegen, ein alternatives, terrestrisches Katastrophenmodell vorlegte, das die großen Massenaussterben der Erdgeschichte mit vermuteten Perioden eines enorm intensiven Vulkanismus in Verbindung brachte. [7]

4) ...die Astronomen William K. Hartmann und Donald R. Davis, welche 1975 in einem Papier [8] postulierten, dass eine Kollision zwischen der Proto-Erde und einem großen Planetesimal (Theia) vor ca. 4,5 Milliarden Jahren zur Entstehung des Mondes geführt habe.

5) ...der Physiker (Nobelpreisträger) Luis W. Alvarez und sein Sohn, der Geologe Walter Alvarez, die 1980 ihre Befunde über die Grenze zwischen den geologischen Perioden Kreide und Tertiär veröffentlichten. In Italien hatten sie in Sedimentgesteinen ein anomales Vorkommen von Iridium entdeckt, das sie nach weiteren Studien als Anzeichen für den Einschlag eines ca. 10 Kilometer großen Asteroiden vor 65 Millionen Jahren deuteten. Mit dem Nachweis dieses 'KT-Impakts' [9], der eine globale Klimaveränderung - ähnlich einem nuklearen Winter - bewirkte und ein weltweites Massenaussterben von 70 % aller Lebewesen auslöste, hatte sich der Paläokatastrophismus definitiv in der 'Welt der Wissenschaft' etabliert.


Anmerkungen und Quellen

Einzelverweise:

  1. Siehe: William Mullen, "Cenocatastrophism", in: Proceedings of the Immanuel Velikovsky Centennial Celebration, 1995 (Ivy Press Books, 1997); sowie onlinie: Ders., "CENOCATASTROPHISM", bei: Mikamar Publishing (abgerufen: 04.05.2013)
  2. Anmerkung: Eine Ausnahme stellt hier z.B. die 1998 durch Prof. Stanley H. Ambrose von der University of Illinois at Urbana-Champaign vorgeschlagene "Toba-Katastrophentheorie" dar.
  3. Als leicht verständliche und aufschlussreiche Einstiegslektüre zum Verständnis der betreffenden wissenschaftsgeschichtlichen Entwicklung siehe: Erwin Lausch, "Vorwärts über Katastrophen", 09.08.1996 - 14:00 Uhr, bei: ZEIT ONLINE - WISSEN (abgerufen: 05.05.2013)
  4. Anmerkung: Die damalige Auffassung des wissenschaftlichen Mainstreams brachte im Jahr 1968 George Gaylord Simpson vom Museum of Comparative Zoology, Harvard University, Cambridge, Massachusetts, sowie vom Department of Geology, University of Arizona, Tucson, einer der Konstrukteure der Synthetischen Evolutionstheorie, aus paläontologischem Blickwinkel folgendermaßen auf den Punkt: "Evolutionäre Entstehungs- und Aussterbe-Raten von Taxa von Organismen sind zu manchen Zeiten größer gewesen als zu anderen, aber sie sind während der gesamten Geschichte des Lebens kontinuierlich wahrnehmbar [...] Intensivierungen von Anlässen oder Einflussfaktoren zu verschiedenen Zeiten müssen angenommen werden, aber es gibt keine zwingenden Beweise dafür, dass unterschiedliche, treibende Faktoren, die nur zu definierten, durch lange Intervalle getrennten, Zeitpunkten wirk[t]en, involviert sind." (Quelle: G.G. Simpson, "Evolutionary Effects of Cosmic Radiation", in: Science, VOL. 162 (Okt. 1968), S. 140-141; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de) Mit anderen Worten: Die rapiden Massenaussterben ganzer Taxa von Lebewesen sollen schon immer evolutionäres business as usual gewesen sein, und die Annahme kataklysmischer Ereignisse als Verursacher solcher Vorgänge sei lediglich eine unbeweisbare Spekulation.
  5. Quelle: Trevor Palmer, "Challenges to Evolutionary Gradualism", in: Catastrophism, Neocatastrophism and Evolution, (1993) Nottingham Trent University, ISBN 0 905488 20 2 (nach: The Velikovsky Encyclopedia, Stichwort: Neocatastrophism; abgerufen: 04.05.2013)
  6. Anmerkung: Verfechter von Modellen kosmologisch bedingter Kataklysmen hatte es zwar bereits zu Zeiten des 'klassischen' Katastrophismus im 17. bis 19. Jahrhundert gegeben, aber gerade derartige Vorstellungen galten nach dem Triumph des aktualistischen Paradigmas - frei nach dem Motte: "Es fallen keine Steine vom Himmel - erst recht keine riesengroßen!" - erneut als 'häretisch'. Man erinnere sich z.B. daran, dass der astronomische Mainstream bis zum Ende der 1930er Jahre die Mondkrater auf lunaren Vulkanismus zurückführte!
  7. Siehe: F. M.. Dyssa, P. G. Nesterenko, M. V. Stovas, "Sur les causes responsables de l'extinction des grands groupes d'organismes", B.R.G.M. - 8 Seiten; sowie: A. Hoffman, "Changing palaeontological views on mass extinction phenonena", in S. K. Donovan (Hrsg.), Mass Extinction - Processes and Evidence, London (Belhaven Press), 1989, S. 1-18.
  8. Siehe: Hartmann, W. K. und Davis, D. R., "Satellite-sized planetesimals and lunar origin", in: Icarus 24 (4): 504–514 (April 1975)
  9. Anmerkung: 1990 wurde auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán der 180 Kilometer große Chicxulub-Krater entdeckt, welcher dem 'KT-Impakt' zuzuordnen ist.


Bild-Quellen:

(1) Wikimedia Commons, unter: File:Coast Impact.jpg

(2) Wikimedia Commons, unter: File:Giantimpact.gif