Paul Borchardt

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Forscher- und Autorenportrait

Auf einen Bilick

Abb. 1 Dr. Paul Borchardt (1886-1957)

(red) Dr. Paul Borchardt (Abb. 1) (* 1886 in München?; † 1957 [1]) war ein deutscher Kolonialgeograph, Geologe, Amateur-Archäologe und Geheimdienst-Mitarbeiter. Internationale Bekanntheit erlangte er vor allem durch seine Atlantisforschungen und seine diesbezügliche Theorie, Atlantis habe einst im Nordwesten Afrikas, im Gebiet des heutigen Staates Tunesien gelegen.

Biographische Notizen

Über die Vita Borchardts heißt es in der deutschsprachigen Wikipedia: "Schon in jüngeren Jahren interessierte Borchardt sich für Geographie und wandte sich zudem der Theosophie zu. Bereits seine Veröffentlichung von 1910, ein Kommentar zu Isis Unveiled von Helena Blavatsky, weist ihn als Mitglied der „Theosophischen Gesellschaft“ und der „Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin“ aus. Borchardt war Teilnehmer am Ersten Weltkrieg unter Colmar von der Goltz im Nahen Osten, arbeitete als Flieger und vermutlich als Agent. Er diente ab 1913 in der deutschen Armee. 1929 erhielt er eine Professur in München. [...] Auf Grundlage des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom April 1933 wurde er wegen seiner jüdischen Abstammung aus dem Staatsdienst entlassen. Im Zuge der Reichskristallnacht im Herbst 1938 verhaftet, brachte man ihn ins Münchener Gefängnis und später ins KZ Dachau, wo er, späteren Angaben gegenüber dem MI5 zufolge, misshandelt wurde. [...]

Auf Intervention eines Verwandten beim Chef der Abwehr, Admiral Canaris, erreichte die Abwehrstelle München seine Freilassung. Von dieser erhielt er Reisepapiere, mit denen er 1939 in Großbritannien eintraf. Hier trat er angeblich zum Katholizismus über. Beim britischen Geheimdienst MI5 existierte bereits seit 1920 eine Akte über ihn (Az. KV 2/2429), allerdings war man unschlüssig, wie mit Borchardt zu verfahren sei, der sich dem Secret Service als „jüdischer Anti-Nazi“ andiente: >[E]s ist vielleicht das erste gesicherte Beispiel eines feindlichen Agenten, der dieses Land als jüdischer Flüchtling betritt.< Er wurde nicht interniert oder in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt und man vermutete, ihm sei wegen seiner nichtjüdischen Frau eine Rückkehr angeboten worden. [2]

1940 reiste Borchardt in die USA und bot auch hier seine Dienste an. Als Kontaktperson „Robert“ fand man ihn im März 1941 im deutschen Notizbuch des Majors Ulrich von der Osten, den die „Abwehr I H West“ unter dem Decknamen „Don Julio Lopez Lido“ als Boten der spanischen Botschaft in die USA entsandt hatte und der bei einem Autounfall auf dem Broadway verstorben war. Als kurz vor Kriegseintritt der USA das deutsche Generalkonsulat in New York seine Akten im Kamin verbrannte, sicherte ein Pförtner, der für das FBI arbeitete, einen Teil für seinen Auftraggeber. Aus den Unterlagen wurde Borchardt als das Mitglied „Robert“ des Spionagerings Joe K um Kurt Frederick Ludwig identifiziert. Beim Auffliegen des Rings war die British Security Coordination entscheidend tätig. Am 13. März 1942 wurde Borchardt durch das U.S. District Court for the Southern District of New York wegen Konspiration und Spionage >vor dem Kriegszustand< anstatt zum Tode zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.

Borchardt sprach mehrere Sprachen fließend und hatte als Mitglied der Royal Geographical Society zahlreiche Bekannte in den USA. Er verschwieg im Prozess die Namen der deutschen Offiziere, die ihm aus dem KZ und zur Flucht verholfen hatten. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes bewirkte ein ehemaliger Offizier der Abwehr München nach dem Krieg Borchardts vorzeitige Freilassung und eine Rente." [3] [4]

Paul Borchardt und Atlantis

In Tony O’Connells Atlantipedia lesen wir dazu: "Borchardt war überzeugt davon, dass Atlantis in Nordafrika gelegen habe. Speziell favorisierte er eine Gegend zwischen dem Schott el Dscherid und dem Golf von Gabès vor Tunesien. James Bramwell notierte [5], dass Borchardt die Örtlichkeit als Ham Mam verzeichnete und dass er zum Schluss gelangt sei, der Schott Hammeina [?; d.Ü.], vormals bekannt als Tritonsee, sei einst >See der Atlanten< genannt worden. El Hamma ist ein 30 km von Gabès entfernt gelegene Stadt.

Die Topographie der Region sowie die Ruinen einer von Borchardt zusammen mit Spuren von Bewässerungs-Kanälen und gewaltigen konzentrischen Grundzügen entdeckten altertümlichen Stadt in der Nähe von Gabès überzeugten ihn, dass er Platos Atlantis identifiziert hatte. Er nahm an, die Säulen des Herakles seien keine Berge an beiden Seiten der Straße von Gibraltar gewesen, sondern vielmehr Säulen in einem Tempel des Herakles am Golf von Gabès gewesen, in der Nähe des Zugangs zu den Schotts. [...]

Borchardt unterschied zwischen der Insel Atlantis und der Örtlichkeit der Zitadelle des Poseidon. Er identifizierte Gemeinsamkeiten zwischen den Stammes-Namen der Berber und zum Beispiel der zehn Könige von Atlantis. Plato nennt den Begründer des Königshauses von Atlantis [d.h. den menschlichen Stammvater des Gechlechts, also den Vater der Kleito; d.Red.] Euenor, was im Namen von Uenur widerhallt, dem mythischern Urvater der Berber. Seine Ansichten wurden 1927 in einer Reihe von in Deutsch verfassten Artikeln [6] [7] wiedergegeben. [8]



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Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Siehe: Winfried Meyer, "Unternehmen Sieben - Eine Rettungsaktion für vom Holocaust Bedrohte aus dem Amt Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht" Frankfurt am Main (Hain), 1993, ISBN 3-445-08571-4, S. 201
  2. Siehe: webarchive.nationalarchives.gov.uk, unter: German Intelligence Agents and suspected Agents (abgerufen: 16. März 2019)
  3. Siehe: Gert Buchheit, "Der deutsche Geheimdienst", München (List), 1966
  4. Quelle: Wikipedia Die freie Enzyklopädie, unter: "Paul Borchardt" (abgerufen: 15. März 2019)
  5. Siehe: James Guy Bramwell, "Lost Atlantis", London (Corden Sanderson), 1937 (Reprints 1974 von Newcastle Publishing Company und 2005 sowie 2007 von Kessinger Publications), S. 115
  6. Siehe z.B.: "Plato's Insel Atlantis", in: Petermanns geographische Mitteilungen 73, 19-31, Berlin, 1927
  7. Siehe auch: "Nordafrika und die Metallreichtümer von Atlantis", in: Petermanns geographische Mitteilungen 73, 280-282, Berlin, 1927
  8. Quelle: [[[Tony O’Connell]], "Borchardt, Dr. Paul (L)", 5. Juni 2010, bei Atlantipedia.ie (abgerufen: 15. März 2019; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)

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