Sarah Broadie

Aus Atlantisforschung.de
Wechseln zu:Navigation, Suche

Forscherinnen- und Autorinnenportrait

Abb. 1 Die britische Moralphilosophin Sarah Broadie (Foto: University College London)

(red) Dr. Sarah Broadie (Abb. 1), geborene Waterlow (* 3. November 1941) ist eine britische Philosophiehistorikerin, die in atlantologischer Hinsicht zu den VerfechterInnen der Fiktionalitäts-These gehört.

Wissenschaftliche Tätigkeit

Bei der deutschaprachigen Wikipedia erfahren wir, dass Broadie (B.Phil, PhD) als " Professorin für Moralphilosophie und Wardlaw Professor an der Universität St. Andrews in Schottland" tätig ist. "Sie hat an den Universitäten Edinburgh, Texas in Austin, Yale, Rutgers und Princeton gelehrt, bevor sie 2001 nach St. Andrews kam. Sie ist Spezialistin für antike Philosophie mit Forschungsthemen in vielen Bereichen der Metaphysik und Ethik und beschäftigt sich auch mit der Philosophiegeschichte der Neuzeit. Broadie ist Fellow der British Academy, Fellow der Royal Society of Edinburgh, und Fellow der American Academy of Arts and Sciences. Im Jahre 2003 hielt sie die Nellie Wallace Vorlesungen an der Universität Oxford mit dem Titel Nature and Divinity in the philosophies of Plato and Aristotle. 2006 wurde sie zum Mitglied der Academia Europaea gewählt." [1] [2]

S. Broadie, Platon und das Atlantisproblem

Was dies betrifft, lesen wir bei Thorwald C. Franke: "Sarah Broadie hatte sich ursprünglich nicht mit Platons Atlantis, sondern mit der Kosmologie in Platons Timaios befasst. [3] Dabei entstanden erste Thesen zu Platons Atlantis, die sie dann 2013 in einem eigenen Artikel [4] entfaltete. Durch ihren Zugang von der ernstzunehmenden Kosmologie des Timaios her hat Broadie einen etwas anderen Ansatz als andere Atlantisskeptiker. Und anders als andere Atlantisskeptiker führt Broadie ihren Ansatz auch konsequent zu Ende." Dies ist allerdings keineswegs als Kompliment gemeint, denn wir lesen weiter: "Ihre Thesen zeigen exemplarisch, wie die These von der Erfindung von Atlantis zu aberwitzigen Schlussfolgerungen führt, wenn man sie konsequent zu Ende denkt. Und doch finden die Thesen von Broadie Akzeptanz." [5]

Abb. 2 Das Front-Cover des von George Boys-Stones, Dimitri El Murr und Christopher Gill herausgegebenen Buches aus dem Jahr 2013, in dem Sarah Broadie ihre Thesen zu Platons Atlantis umfassend vorstellte

Zu Broadies Ausgangs- und Kernthesen gehört, wie Franke weiter ausführt, "dass bereits die Zeitgenossen von Platon >ohne weiteres< hätten erkennen können, dass die Atlantisgeschichte nicht wahr sein kann. Dazu führt sie im wesentlichen zwei Argumente an: Zunächst die 9000 Jahre, die die Ereignisse zurückliegen sollen (Broadie (2013 [,] S. 250 Fußnote 3). Dabei übersieht sie völlig, dass Platon in einer Zeit schrieb, in der man Ägypten für 11000 Jahre alt und älter hielt. Vor diesem Hintergrund fallen die 9000 Jahre nicht als unmöglich auf. [...] Broadie hat überhaupt nicht begriffen, dass Platon im Rahmen seines zyklischen Geschichtsbildes ein Ur-Athen 9000 Jahre vor seiner Zeit durchaus für möglich halten konnte, inklusive der wiederkehrenden Naturkatastrophen, des kulturellen Vergessens und des kulturellen Wiederaufbaus." [6]

Vor dem Hintergrund ihrer Studien zur platonischen Kosmologie und im Kontext ihrer persönlichen Fiktionalitäts-These muss natürlich eine wesentliche Frage aufkommen: "Wie kann es sein, dass die Kosmologie Platons im Timaios, die zweifelsohne ernst zu nehmen ist, sich in unmittelbarem Zusammenhang mit einer – ihrer Meinung nach – erfundenen Geschichte befindet? Viele haben versucht, die Atlantiserzählung als Täuschung zu deuten, die nur von den >Wissenden< erkannt wird. Abgesehen davon, dass es trotz der Idee des Täuschungsmythos hochproblematisch ist, Platon ohne weiteres eine platte Täuschung zu unterstellen, und diese Deutung an vielen Punkten scheitert, krankt diese Deutung natürlich daran, dass ihre Vertreter behaupten, zu den >Wissenden< zu gehören, die die Täuschung erkennen können – und wer sie nicht erkennt, der gehört eben nicht zu den >Wissenden<. Eine solche These hat sich hermetisch gegen Kritik abgeriegelt und ist dogmatisch. Doch Broadie verfängt sich nicht in dieser dogmatischen Subtilität, sondern behauptet, dass die Unwahrheit der Darlegung für Platons Zeitgenossen klar erkennbar war. Damit widerspricht sie allen, die die Atlantiserzählung als Täuschung auffassen. Und das sind ziemlich viele. Doch Broadie diskutiert das nicht." [7]

Stattdessen steuert Broadie "zielstrebig einen anderen Ausweg aus dem Dilemma an, das jeder Erfindungsthese zwingend einbeschrieben ist. Sie findet ihn in einer weiteren aberwitzigen, übersteilen These, die das Zentrum ihres Artikels ist: Broadie behauptet, dass Platon ganz bewusst eine erkennbar falsche Darlegung in unmittelbarem Zusammenhang mit einer ernstgemeinten Darlegung verfasst habe, um den Leser dazu zu erziehen, seine eigene Urteilskraft zu benutzen (Broadie (2013) S. 251, 256 f., 268). Der Leser soll sich also wundern, was das soll, und dann dankbar erkennen, wie klug Platon dies doch eingerichtet hat, Unwahrheit und Wahrheit in einen direkten Zusammenhang zu setzen, um ihn, den Leser, zu belehren. Man könnte dieses Verfahren mit einem 'Grubenhund' im Journalismus vergleichen, bzw. mit einem wissenschaftlichen Artikel, der bewusst darauf abzielt, mit Nonsens durch einen Peer-Review-Prozess hindurch zu kommen (Vgl. z.B. die 'Sokal-Affäre' von 1996)." [8]

Während Sarah Broadies "steile These[n]" in ihrem fachwissenschaftlichen Kollegenkreis in keiner Weise kritisch reflektiert werden, kommt Thorwald C. Franke - immerhin im deutschsprachigen Raum der derzeit profilierteste Protagonist konservativer 'schulwissenschaftlich' orientierter Atlantisforschung des außeruniversitären Bereichs - zu einem geradezu vernichtenden Fazit: "Die Hypothese von Broadie ist eine Orgie von Irrtümern. Eine Orgie von großen und kleinen Irrtümern, die sich gegenseitig stützen und ineinander verstricken. Eine Orgie von Irrtümern, die für den Leser klar erkennbar sind." [9]



Zurück zu: >Personalia atlantologica - Ein WHO is WHO der Atlantisforschung<
Zurück zur Sektion: >Frauen in der Atlantisforschung<


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Siehe: University of St Andrews - School of Philosophical, Anthropological and Film Studies, unter "Sarah Broadie" (persönliche Seite der Forscherin; abgerufen: 21. Januar 2019)
  2. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: "Sarah Broadie" (abgerufen: 21. Januar 2019)
  3. Siehe z.B.: Sarah Broadie, "Nature and Divinity in Plato’s Timaeus", Cambridge / New York (Cambridge University Press), 2012
  4. Siehe: Sarah Broadie, Truth and Story in the Timaeus-Critias, in: George Boys-Stones, Dimitri El Murr und Christopher Gill (Hrsg.), "The Platonic Art of Philosophy, Festschrift für Christopher Rowe, Cambridge University Press, Cambridge / New York 2013; S. 249-268.
  5. Quelle: Thorwald C. Franke, "Sarah Broadie stößt mit völlig irrigen Thesen auf Akzeptanz bei Christopher Gill - Rezension und Bewertung dieser aktuellen Entwicklung der These von der Erfindung von Platons Atlantis", © September 2017, bei Atlantis Scout (abgerufen: 21. Januar 2019)
  6. Quelle: ebd.
  7. Quelle: ebd.
  8. Quelle: ebd.
  9. Quelle: ebd.

Bild-Quellen:

1) University College London (UCL) (UCL Philosophy), unter Prof. Sarah Broadie
2) Cambridge University Press / Bild-Archiv Atlantisforschung.de