War Platon tatsächlich der Autor des Timaios?

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...sowie: Hatten Pythagoras und die Druiden etwas mit der Atlantis-Überlieferung zu tun?

von Dr. Nikolai Zhirov

Abb. 1 Der Anfang des Dialogs Timaios in der Editio princeps (1513)

In Bezug auf den Timaios (Abb. 1) war bereits in der Antike ein Gerücht verbreitet, nämlich dass er nicht von Plato verfasst wurde. Der erste, der Platos Autorenschaft infrage stellte, war Timon, der Pyrrhonist, welcher behauptete, Plato habe seinen Timaios auf einem Buch aufgebaut, das jemand ihm gegeben habe. Timon lebte in dem Jahrhundert nach Plato, und es ist daher recht wahrscheinlich, dass er einige Details aus dem Leben des Philosophen kannte, die später vergessen wurden.

Abb. 2 Hier eine phantasievolle Darstellung des Orcellus Lucanus aus dem 18. oder 19. Jahrhundert

Viele antike Gelehrte offerieren diverse Ansichten zum Ursprug des Timaios: Einige schrieben ihn Orcellus Lucanus (Abb. 2) zu, andere Timaios von Lokri, und wieder andere schrieben, Plato sei Mitglied einer pythagoräischen Bruderschaft gewesen, später jedoch von ihr ausgestoßen worden, da er dort erworbenes Wissen als das Seine ausgab.

Wieder eine andere Gruppe erwog, dass Plato jemanden dafür bezahlt hatte, diesen Dialog zu schreiben. Hermippus von Smyrna nahm an, dass der Timaios das Werk des Philolaos ist (eines Zeitgenossen des Sokrates), der die pythagoräische Bruderschaft nach dem Tod des Pythagoras leitete, und dass Plato es von seinen Verwandten erhalten hatte. [1] Einige spätere Autoren fügen hinzu, das Buch sei für 10.000 Dinare erworben worden. [2]

Tatsächlich trägt vieles im Timaios, mit Ausnahme der Atlantis-Erzählung, den Stempel der pythagoräischen Lehre, insbesondere an jenen Stellen, wo Plato sich von der Mystik der Zahlen hinfort tragen lässt. Es ist von Interesse, dass Timon, wenn er vom Timaios spricht, den Kritias nicht erwähnt, sondern nur dem philosophischen Anteil des Dialogs Aufmerksamkeit schenkt, Atlantis aber ignoriert. [3].

Andererseits ist es wahr, dass Pythagoras lange Zeit bei den Druiden studierte. Plato könnte seine Inforrmationen über Atlantis von den Pythagoräern bekommen haben. Die Druiden waren die höherrangige Priester-Kaste der keltischen Volksstämme. Sie verfügten über ein umfassendea wissenschaftliches Wissen, eine Schriftsprache und schriftliche Literatur, von der nichts übrig geblieben ist, da Julius Caesar bei der Eroberung von Alesia, der Hauptstadt eines gallischen Staates, das Niederbrennen einer gewaltigen druidischen Bibliothek verannlasste [4] Nachfolgend wurde die gesamte druidische Kooperation durch die Römer während ihres Feldzugs zur Niederschlagung des von den Druiden angeführten Freiheitskampfes vernichtet.

G. Poisson [5] zählt die Druiden zu den möglichen Nachfolgern der Atlantier. Es gibt im Überfluss Gründe für diese Annahme. Zum Beispiel schrieb der griechische Historiker Timagenes, dass ein Drittel der Gallier von Völkern abstammte, die von fernen Inseln kamen, welche im Atlantik lagen. Die Britischen Inseln kann er nicht gemeint haben, da sie nach den Feldzügen Julius Caesars bei den Römern recht gut bekannt waren.


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Dr. Nikolai Zhirov wurde seinem 1957 in Moskau erstveröffentlichten Buch "Atlantida" - bearbeitete Ausgaben auf Englisch 1968/70 mit dem Titel "Atlantis: Atlantology: Basic Problems", Moskau (Progress Publishers) - (Neuauflage: 2001, Honolulu, University Press of the Pacific) entnommen. Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung durch Atlantisforschung.de. Publikation als wissenschafts-geschilchtliche Dokumentation zu Lehr- und Studienzwecken.

Fußnoten:

  1. Siehe: Lyon Sprague de Camp, "Lost Continents - The Atlantis theme in history, science, and literature", New York (Gnome Press), 1954, S. 210
  2. Siehe: Plato, "Essays", Übersetzung mit Kommentaren von F.G. Karpov (Vol. VI, Timaeus, S.377-385; Critias, S. 500-519; Moskau, 1879, S. 353
  3. Siehe: Lyon Sprague de Camp, op. cit. (1954), S. 210
  4. Siehe Eugen Georg, "Verschollene Kulturen: Das Menschheitserlebnis, Ablauf und Deutungsversuch", Leipzig (Voigtländer), Ausgabe 1939, S. 37
  5. Siehe: Georges Poisson, "L'Atlantide devant la science", Paris (Payot), 1945, S. 178

Bild-Quellen:

1) Πυλαιμένης (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:Timaios beginning. Editio princeps.jpg
2) Generale Lee (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:Ocello Lucano.jpg