Das Cheops Projekt als 'jüdische Verschwörung'

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Das 'Cheops Projekt' - Teil 1

(bb) Einer der wesentlichen Auslöser des so genannten 'Cheops-Skandals' war die öffentlich in der bedeutenden ägyptischen Zeitung Al Masry Al Youm geäußerte Behauptung des Dr. Zahi Hawass (Abb. 1), die "ausländischen Vandalen" Dominique Görlitz und Stefan Erdmann seien im Auftrag von Robert Bauval, einem "in Belgien arbeitenden ägyptischen Juden" [1], illegal in die Große Pyramide eingedrungen, um, die so genannte Khufu-Kartusche zu stehlen und "zu beweisen, dass die Pyramide ‘ein jüdisches und kein ägyptisches Produkt’ ist." [2]

Abb. 1 Der ägyptische Ex-Antikenminister Dr. Zahi Hawass betätigte sich als Verschwörungs-Theoretiker und brachte den 'Cheops-Skandal' durch seine an den Haaren herbei gezogenen Lügen-Geschichte ins Rollen.

Ohne Kenntnis der Hintergründe dieser Aussage vermag man vielleicht gar nicht zu erkennen, dass Hawass damit zum Ausdruck brachte, die beiden deutschen Forscher seien als Handlanger in ein gegen Ägypten gerichtetes jüdisches 'Komplott' verwickelt. Genau dies war aber, wie wir nachfolgend zeigen werden, der Fall. Hawass´ Statement markierte den Beginn der eigentlichen 'Cheops-Affäre', und es sorgte für die Skandalisierung der Angelegenheit, die durch seine Behauptung sowie die mit ihr verbundene Attacke gegen den seinerzeitigen Antiken-Minister, Mohammed Ibrahim, zu einem Politikum wurde - und politische Affären unterliegen bekanntlich ganz eigenen, unkalkulierbaren Gesetzmäßigkeiten, wie auch der vorliegende Fall einmal mehr gezeigt hat.

Mit dieser durchaus antisemitischen Verschwörungstheorie [3] (die im übrigen tatsächlich die einzige Verschwörungstheorie im Zusammenhang mit der gesamten Affäre war und blieb) sprang Hawass quasi auf einen bereits 'angefahrenen Zug auf', denn neu waren derartige Beschwörungen angeblicher jüdischer/israelischer Versuche, das kulturelle Erbe Ägyptens mittels Sabotage in Frage zu stellen, zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr. So bemerkt auch der Grenzwissenschafts-Kritiker Jason Colavito - ein ausgemachter Pseudoskeptiker, der kaum irgendwelcher Sympathien für außenseiterische Forschung verdächtigt werden kann - zu diesem Phänomen: "Ähnliche Behauptungen sind während der jüngsten Jahre aufgetaucht, vor allem nach dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak und der Amtsenthebung von Antiken-Minister Zahi Hawass, im Wesentlichen aufgrund von Nationalismus und andauerndem weit verbreitetem Unmut über das, was viele Ägypter und Islamisten als ein zu freundliches Verhältnis des Landes mit Israel betrachten." [4]

Abb. 2 Die Behauptung, es existiere ein israelisches Komplott mit dem Ziel, den Bau der ägyptischen Pyramiden den Juden zuzuschreiben, gehört seit vielen Jahren zum Desinformations-Repertoir des Zahi Hawass. Erstmals nutzte er dieses Ammenmärchen 1993, um Stimmung gegen John Anthony West zu machen.

Natürlich unterschlägt Colavito bei seiner berechtigten Kritik dieser speziellen Verschwörungstheorie die Tatsache, dass sich der 'amtsenthobene' Dr. Hawass, der auch zuvor schon wiederholt durch antisemitische Äußerungen aufgefallen war [5], nicht nur an ihrer Verbreitung beteiligte, sondern sie auch aktiv mit initiiert hat. So hatte der bekannte Ägyptologe bereits 2002 - also ca. neun Jahre vor dem Fall des Mubarak-Regimes - in einem Interview mit der arabischen Zeitung Al Gomhoreya erklärt, die Resultate der Roboter-Erkundungen in der Großen Pyramide würden "die von Juden und einigen westlichen Ländern ständig wiederholte Behauptung widerlegen, dass die Juden die Pyramiden gebaut hätten." [6]

Hawass Karriere als antijüdischer Verschwörungs-Theoretiker geht, wie wir bei Bauval erfahren, sogar noch weiter zurück - nämlich bis ins Jahr 1993. Damals attackierte er den Forscher und Autor John Anthony West wegen des von von diesem produzierten NBC-Specials 'Mysteries of the Sphinx', einer umfassenden Dokumentation, welche "die Theorie vorstellt, dass der Große Sphinx von Gizeh viel älter sein könne als zuvor angenommen. Obwohl es in Wests Dokumentation nichts gab, was entweder das Prestige der Ägypter oder die nationale Sicherheit bedrohte oder angriff, so scheint es, dass schon alleine die bloße Vorstellung, der Sphinx könne älter sein als die etablierte Datierung für die Ursprünge der ägyptischen Zivilisation, ausreichte, um Dr. Hawass auf einen medialen Amoklauf zu schicken. Indem er die Aufmerksamkeit auf Wests jüdischen Familien-Hintergrund lenkte, beschuldigte Hawass ihn und sein Team, hinter einem >zionistischen Komplott< zu stecken", welches zum Ziel hatte, "den Sphinx und Ägyptens Geschichte zu >stehlen<." [7]

Abb. 3 Der langjährige ägyptische Kulturminister Farouk Hosni beteiligt sich Mitte der 1990er Jahre an Zahi Hawass´ abstrusem Feldzug gegen eine angebliche israelische Verschwörung unter Beteiligung alternativer Ägyptologen.

Nur wenige Jahre später, nämlich 1996, attackierte Hawass auf die selbe Weise auch Graham Hancock und Robert Bauval im Gefolge der Veröffentlichung ihres gemeinsam verfassten Buches 'Keeper of Genesis' (Alternativ-Titel: 'Message of the Sphinx'), wozu Robert Bauval kopfschüttelnd anmerkte: "...obwohl weder Hancock noch ich selbst Juden (geschweige denn 'Zionisten') sind, und obwohl wir niemals behauptet haben, dass Juden den Sphinx oder die Pyramiden gebaut hätten, 'attackierte' Dr. Hawass uns nichtsdestotrotz wiederholt in der arabischen Presse, indem er uns beschuldigte, eine organisierte >israelische Kampagne< gegen die Geschichte Ägyptens zu unterstützen." [8]

Wie zu sehen ist, haben die antijüdisch / antisemitischen Tiraden des Dr. Zahi Hawass sowohl Tradition als auch Methode, denn sie richten sich seit eh und je weitgehend gegen Protagonisten der alternativen, nonkonformistischen Forschung - oder mit seinen eigenen Worten: "...all diese Idioten, die über verschwundene Zivilisationen und diese ganze Art von Nonsens reden." Dass er dabei schon in der Vergangenheit keineswegs als 'Einzeltäter' operierte, zeigt auch die Tandem-Aktion, die er 1996 mit dem seinerzeitigen Kulturminister Farouk Hosni (Abb. 3) inszenierte. Auf einer gemeinsam mit Hawass einberufenen internationalen Pressekonferenz in Kairo ließ Hosni die Welt wissen, dass Ägypten nun beschlossen habe, "sich gegen Pyramiden-Theoretiker zur Wehr zu setzen", und bereit sei, "einen Krieg zu führen", um die Pyramiden und den Sphinx vor einer durch Israel und auswärtige Amateur-Archäologen organisierten Kampagne zu schützen. Wörtlich erklärte Hosni:

"Es gibt im Überfluss israelische Behauptungen, dass sie [die Juden] die Pyramiden gebaut haben, und wir müssen uns dem stellen, auch wenn es eine Krise mit Israel auslöst! Das ist Piraterie! Unsere Geschichte und und unsere Zivilisation müssen respektiert werden, aber die Israelis wollen alles einnehmen! Wir müssen mit aller Macht kontern [orig.: "counterattack"; d.Ü.], weil das so ist, wie sie sich auch Palästina genommen haben. Sie fahren fort zu sagen, dass Palästina ihnen gehört, und nun machen sie das selbe mit den Pyramiden." [9]

Abb. 4 Fünf Agenten im Dienste des Zionismus, die Ägypten seines historischen Erbes berauben sollen? V.l.n.r.: John Anthony West, Robert Bauval, Graham Hancock, Dr. Dominique Görlitz und Stefan Erdmann

Hawass sekundierte: "Eine Gruppe von Leuten betreibt eine organisierte Kampagne. Es gibt ein paar Leute, die sie vorantreiben." Und dann fügte er kryptisch hinzu: "Diese Leute führen einen Großangriff gegen uns durch. Vor zwei Jahren schwor ich [Sic! Warum eigentlich?; bb], dass ich ihre Namen nicht verraten werde, doch ich fand heraus, dass ich sie nennen muss, denn das wird zu einer Bedrohung." [10] Die dann von Hawass genannten Namen der 'Angreifer' sind nicht schwer zu erraten: Robert Bauval, Graham Hancock und John Anthony West!

Stefan Erdmann und Dominique Görlitz sind also lediglich aktuelle Neuzugänge auf einer seit langem bestehenden 'Abschussliste' des zwischenzeitlich geschassten Ex-Antikenministers Hawass, die er in gewohnter Manier mit seinen antijüdischen Latrinenparolen in Misskredit zu bringen trachtet. In Ägypten und der arabischen Welt mag ihm das bei Teilen der Bevölkerung sogar gelingen, aber gerade hierzulande sollte man eigentlich - ganz gleich, wie man zur nonkonformistischen Vergangenheitsforschung und alternativen Ägyptologie stehen mag - klare Worte zu so etwas finden. Dass Politik, institutionalisierte Wissenschaft und - mit wenigen löblichen Ausnahmen - gerade auch die Medien in Deutschland Hawass´ substanzlose antijüdische Tiraden lange Jahre lang, und nun einmal mehr im Zusammenhang mit dem 'Cheops-Skandal', ignoriert und toleriert haben, ist schlichtweg eine Schande.

Abb. 5 Dass Politik, institutionalisierte Wissenschaft und - mit wenigen löblichen Ausnahmen - gerade auch die Medien in Deutschland Dr. Hawass´ substanzlose antijüdische Tiraden lange Jahre lang, und nun einmal mehr im Zusammenhang mit dem 'Cheops-Skandal', ignoriert und toleriert haben, ist schlichtweg eine Schande.

Im übrigen sollten gerade diejenigen, die trotzdem achselzuckend meinen, jene - um noch einmal Hawass zu zitieren - "Idioten, die über verschwundene Zivilisationen und diese ganze Art von Nonsens reden", dürfe man ruhig auf diese Weise traktieren, sich darüber im Klaren sein: auch etablierte Schulwissenschaftler können unvermittelt ins Fadenkreuz derjenigen geraten, die mit antijüdischen - letztlich antisemitischen - Verschwörungstheorien in den "aufgewühlten und extrem schmutzigen Wassern des arabischen Nationalismus", wie es der prominente britische Atlantisforscher und Diplomat Egerton Sykes (1894-1983) formulierte, auf Menschenfang gehen.

Als aktuelles Beispiel hierfür sei abschließend der tschechische Mainstream-Ägyptologe Miroslav Barta vom Tschechischen Institut für Ägyptologie an der Karls-Universität Prag erwähnt, der mit seinen Kollegen im September 2014 unvermittelt zur Zielscheibe einer derartigen Attacke wurde. [11] Neben der zionistischen 'Task Force' aus alternativen Forschern soll nun nämlich auch eine 'Fünfte Kolonne' hauptberuflicher Archäologen Teil der angeblichen israelischen Verschwörung zur Verfälschung der ägyptischen Geschichte sein. Auch sie sollen beweisen, dass Juden die Pyramiden gebaut haben.

Dies behauptet jedenfalls der 'Antikenschützer' Amir Gamal, nach Medienberichten ein Aktivist der - ansonsten völlig unbekannten - Kampagne Non-stop Robberies, in einem Interview mit der arabischen Internet-Zeitung Elaph. In einem Bericht der Jerusalem Post heißt es dazu: "Gamal berichtete Elaph, Israel sende nicht seine eigenen jüdischen Archäologen-Teams nach Ägypten, weil dies seine Verschwörung aufdecken würde. Stattdessen schicke Israel Gesandtschaften >unter dem Deckmantel anderer Nationalitäten< nach Ägypten, während es sicherstelle, dass die Anführer der auswärtig-archäologischen Missionen Juden seien, sagte er." [12]

Wer nun glaubt, dieser haarsträubende Unsinn sei nicht mehr zu überbieten, findet in dem Artikel der Jerusalem Post zum Schluss noch den Beweis, dass dies ein Irrtum ist: "Früher in diesem Jahr appellierte der ägyptische Journalist Ahmad al-Gamal an [die Regierung in] Kairo, Israel auf die [Erstattung der] Kosten für die Zehn tödlichen Plagen zu verklagen, welche die Ägypter zu Zeiten Moses heimsuchten." [13]



Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Der in Ägypten geborene Forscher und Autor Robert Bauval entstammt tatsächlich einer christlichen Familie und lebt in Spanien.
  2. Quelle: o.A., «حواس»: ألمان يعملون لحساب يهودي مصري في بلجيكا سرقو, 10. Dez. 2013 in: Al Masry Al Youm; Übersetzung ins Deutsche nach: "Documentation: Zahi Hawass in Al Masry Al Youm, Dec. 10th, 2013 (Robert Bauval/red)
  3. Anmerkung: Dr. Hawass hat seine Verschwörungs-Behauptungen bis heute weder belegt noch zurückgenommen, die er auf Nachfrage des Schweizer Journalisten Luc Bürgin "am 21. Dezember 2013 schriftlich präzisierte: »Ich habe keinerlei Beweise dafür, dass Robert Bauval in dieses Verbrechen involviert ist!« Dennoch sei er sicher, dass die Deutschen »Teil einer Verschwörung« seien." (Quelle)
  4. Quelle: Jason Colavito, Thursday Grab Bag: Jewish Pyramid Conspiracies, Atheist Spirituality, and Bergier on Lovecraft, 9. Nov. 2014, bei: jasoncolavito.com (abgerufen: 19.11.2014; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  5. Siehe dazu z.B.: Stefan Koldehoff, "Mubarak bekam auch Zinsen von Tutanchamun", 08. Feb. 2011, bei DIE WELT.de; o.A., Egypt antiquities chief: I gave the Zionist enemy a slap in the face, 28. März 2010, bei: HAARETZ; Debbie Schlussel, "Moron: Why is Obama’s Immigration Chief Feting Anti-Semitic America-Hating Muslim?", 12. März 2010, bei debbieschlussel.com
  6. Quelle: Robert Bauval, "Egyptology and Anti-Semistism", 2002, bei: robertbauval.co.uk (abgerufen: 19. Nov. 2014)
  7. Quelle: ebd.
  8. Quelle: ebd.
  9. Anmerkung des Verfassers: Gerade dann, wenn man der israelischen Haltung im Palästina-Konflikt kritisch gegenübersteht, kann man Hosnis dreiste Behauptungen wohl nicht anders als mit entgeistertem Kopfschütteln und zähneknirschend zur Kenntnis nehmen.
  10. Quelle: Robert Bauval, "Egyptology and Anti-Semistism", 2002, bei: robertbauval.co.uk (abgerufen: 19. Nov. 2014)
  11. Siehe dazu z.B.: Eliyokim Cohen, "Theory states that foreign archaeologists, particularly from the Czech Republic, are secretly aiding the Jewish State by undertaking >espionage and counterfeiting of Egyptian history.<", 9. Okt. 2014, bei: JewsNews; sowie: Simcha Jacobovici, "Keep the Pyramids, give us the Colosseum", 11. Sept. 2014, bei: THE TIMES OF ISRAEL (Blogs); beide abgerufen: 20. Nov. 2014)
  12. Quelle: Joanna Paraszczuk, "'Israeli spies falsifying Egyptian history to show Jews built pyramids' - Theory states that foreign archaeologists, are secretly aiding the Jewish State by undertaking >espionage and counterfeiting of Egyptian history.< ", 9. Oktober 2014, bei: THE JERUSALEM POST.com; siehe auch: Joanna Paraszczuk, 'Who built the pyramids?' - Round Two - Arab news outlet "Elaph" responds to "Jerusalem Post" report on allegations that Jews were fabricating Egypt’s past., 09/15/2014, bei: THE JERUSALEM POST.com (beide Links abgerufen: 20. Nov. 2014)
  13. Quelle: ebd.

Bild-Quellen:

1) Wikimedia Commons, unter: File:Dr. Zahi Hawass at the British Museum - Neil MacGregor Speech.jpg (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
2) Blueshade bei Wikimedia Commons, unter: File:Cairo, Gizeh, Pyramids of Kephren and Khufu, Egypt, Oct 2004.jpg (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
3) Bildarchive Robert Bauval und Atlantisforschung.de
4) Bildarchiv Atlantisforschung.de
5) Bildarchiv Robert Bauval