Das Dokument: Heinrich Schliemanns "Testament"

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Vollständige Fassung nach Egerton Sykes und Martin Ebon in der Rück-Übersetzung aus dem Englischen durch Leni Sobez.

(red) Der nachfolgende Text enthält kursiv gedruckte Anmerkungen von Egerton Sykes und Bernhard Beier. Sykes´ Anmerkungen beziehen sich auf den englischsprachigen Text der "Originaldokumente", die zum Teil im Oktober 1912 in der Zeitschrift New York American veröffentlicht wurden. Die Anmerkungen von Beier betreffen die deutschsprachige Fassung nach Ebon.

Abb. 1 Das hier vorgestellte "Testament" Heinrich Schliemanns (Bild) wurde 1912 von seinem angeblichen Enkel Paul in New York veröffentlicht.

1) Ich bin zu der Überzeugung gekommen, daß das untergegangene Atlantis nicht nur ein großes Territorium zwischen Amerika und der Westküste von Afrika und Europa war, sondern die Wiege unserer Zivilisation. Unter den Wissenschaftlern gab es darüber viele Diskussionen. Eine Gruppe behauptet, die Überlieferung von Atlantis sei reine Fiktion, die sich auf die bruchstückhaften Berichte von einer Sintflut etliche tausend Jahre vor der christlichen Ära stützt. Andere erklären die Überlieferung für ganz und gar geschichtlich, wenn sich auch kein absoluter Beweis erbringen läßt.

2) Bei dem anliegenden Material sind Berichte zu finden, für die Beweise in meinem Geist existieren. Wer immer diese Mission auf sich nimmt, ist nur verpflichtet, meine Forschungen weiterzuführen und einen endgültigen Bericht abzugeben unter Benützung des Materials, das ich hiermit zurücklasse, mir aber den mir zukommenden Teil dieser Entdeckungen zuzugestehen. In der Bank von Frankreich ist ein spezielles Depot errichtet. Die Summe ist auszuzahlen an den Überbringer der beigeschlossenen Quittung, und sie müßte die Kosten der Forschung decken. Der Allmächtige möge ihm bei seinen Bemühungen beistehen.

3) 1875 grub ich die Ruinen von Troja bei Hissarlik aus und entdeckte in der zweiten Stadt den berühmten Schatz des Priamus. (Lateinische Schreibweise des Namens in der Heyne-Ausgabe von 1978! d. V.) Unter diesen Schätzen fand ich eine seltsame Bronzevase (Abb. 2) von beträchtlicher Größe. Darinnen waren einige Stücke Töpferei, verschiedene kleine Bilder aus seltsamen (Fehler so bei Ebon/Heyne!, d. V.) Metall, Münzen aus dem gleichen Metall und Gegenstände, die aus versteinerten Knochen hergestellt waren. Einige dieser Gegenstände und die Bronzevase waren graviert mit einem Satz in phönizischen Hieroglyphen. Er heißt: Vom König Chronos von Atlantis.

4) Ihr, die ihr dieses lest, könnt Euch meine Aufregung vorstellen (vermutl. unkorrekte Interpretation Singul./Plural bei der Übersetzung durch Sobez, d.V.)! Hier war der erste, der allererste materielle Beweis dieses großen Kontinents, dessen Legende in der ganzen Welt seit undenklichen Zeiten lebendig ist. Ich hielt dieses Material geheim, da ich es zur Grundlage neuer Nachforschungen zu machen gedachte, die sich, wie ich denke, als viel wichtiger herausgestellt hätten als die Entdeckung von hundert Trojas.

5) 1883 fand ich im Louvre eine Sammlung von Gegenständen, die in Tiahuanaco in Zentralamerika ausgegraben worden waren. (Dies war offenbar ein Schreibfehler; entweder es war Tihuanaco in Südamerika, oder Teotihuacan in Zentralamerika. Ist ersteres korrekt, so wäre dies das früheste wahrscheinliche Bindeglied zwischen der Kultur vom Titicacasee und Atlantis.) Unter ihnen entdeckte ich Töpfereien von genau dem gleichen Material und denselben Formen, und Gegenstände aus versteinerten Knochen, die Linie für Linie denjenigen glichen, die ich in der Bronzevase aus den Schätzen des Priamos (Griechische Schreibweise des Namens in der Heyne-Ausgabe von 1978! d. V.) gefunden hatte! Diese Ähnlichkeit kann kein Zufall sein! Form und Ausschmückung waren dafür zu einfach. Es liegt außerhalb der Möglichkeiten des Zufalls, daß zwei Künstler in so weit auseinanderliegenden Ländern wie Zentralamerika und Kreta (ein offensichtlicher Schreibfehler; hier müßte es Kleinasien heißen, und jene Kritiker der Geschichte, die sich an dem ersten stoßen, mögen ihn wohl übersehen haben) zwei Vasen, und ich erwähne nur einen der Gegenstände, mit genau der gleichen Form und Größe machen, die beide merkwürdige Eulenköpfe haben, welche bei beiden Vasen auf die genau gleiche Art angeordnet sind.

6) Die zentralamerikanischen Vasen trugen keine phönizischen Schriftzeichen, überhaupt keine Schrift irgendeiner Art. Ich eilte weg, um meine eigenen Gegenstände zu überprüfen, und überzeugte mich durch Tests und erschöpfende Untersuchungen, daß die Inschriften von anderen Händen gemacht worden waren, nachdem die Gegenstände selbst hergestellt wurden.

7) Ich sicherte Stücke dieser gleichartigen Dinge von Tiahuanaco und unterwarf sie chemischen und mikroskopischen Analysen. Diese Tests bewiesen schlüssig, daß sowohl die zentralamerikanischen Vasen wie auch die von Troja aus dem gleichen merkwürdigen Lehm hergestellt waren, und später erfuhr ich absolut sicher, daß es diesen Lehm weder im alten Phönizien noch in Zentralamerika gibt.

8) Die Metallgegenstände ließ ich analysieren, da ich nicht erkennen konnte, aus welchem Material sie bestanden. Das Metall war anders als jedes, das ich je gesehen habe. Die chemische Analyse erwies, daß dieses Material aus Platin, Aluminium und Kupfer war, eine Legierung, die noch nie vorher bei Altertumsfunden entdeckt worden war und noch heute unbekannt ist.

9) Gegenstände also, die absolut gleichartig sind und eine zweifellos gemeinsame Quelle haben wurden in so weit voneinander getrennten Gebieten gefunden. Diese Gegenstände sind nicht phönizisch, mykenisch und nicht aus Zentralamerika. Welcher Schluß ergibt sich daraus? Daß sie beide von einem gemeinsamen Zentrum an diese zwei Plätze kamen. Die Inschrift auf den Objekten gab dieses Zentrum an - Atlantis.

Eulenkopf-Vase.jpg


Abb. 2 Abbildung der 'eulenköpfigen Vase', die Dr. Schliemann bei Mykene entdeckt haben soll.

10) Daß diese Gegenstände große Verehrung genossen, geht klar daraus hervor, daß sie sich im Schatz des Priamos (siehe oben, d.V.) befunden hatten, und auch aus dem besonderen Behältnis, in dem sie gefunden wurden. Ihr Charakter ließ bei mir keinen Zweifel aufkommen, daß sie Gegenstände heiliger Zeremonien waren und aus dem gleichen Tempel kamen.

11) Diese außerordentliche Entdeckung und meine nachlassende Gesundheit veranlaßten mich, meine Ermittlungen schneller voranzutreiben. Im Museum von St. Petersburg fand ich eine der ältesten existierenden Papyrusrollen. Sie war geschrieben unter der Regierung des Pharao Sent (Senedi) in der Zweiten Dynastie, gegen 4571 v. Chr. Er enthielt eine Beschreibung wie der Pharao eine Expedition in den Westen zusammenstellte und ausschickte, die Spuren des Landes Atlantis suchen sollte, von woher vor 3350 Jahren die Vorfahren der Ägypter kamen und alle Weisheiten ihres Geburtslandes mit sich brachten. Ein anderer Papyrus im gleichen Museum, von Manetho geschrieben, bezieht sich auf einen Zeitraum von 13900 Jahren des Bestehens der Sagen von Atlantis. Dieser Papyrus stellt dies an den Anfang der ägyptischen Geschichte, der etwa 16000 Jahre zurückliegt.

12) Eine Inschrift, die ich am Löwentor in Mykene auf Kreta (dies müßte Griechenland heißen) ausgrub, erwähnt, daß Misor, von dem der Inschrift entsprechend die Ägypter abstammen, das Kind von Taaut oder Thot war, des Gottes der Geschichte, und Taaut sei der emigrierte Sohn >eines Priesters von Atlantis< gewesen, der sich in eine Tochter des Königs Chronos verliebt habe, entkommen sei und nach vielen Wanderungen in Ägypten landete. Er hat den ersten Tempel in Sais gebaut, und hier lehrte er die Weisheiten seines Geburtslandes. Diese volle Inschrift ist überaus wichtig, und ich habe sie geheimgehalten. Du wirst sie in den Papieren finden.

13) Eine der Tafeln meiner trojanischen Ausgrabungen beschreibt auch eine medizinische Behandlung ägyptischer Priester, denn durch viele Jahrhunderte bestand eine Verbindung zwischen Kreta (hier müßte es Kleinasien heißen) und Ägypten. Es ging um die Entfernung des grauen Stars aus einem Auge und eines Geschwürs in den Eingeweiden durch Operation. In einem spanischen Manuskript in Berlin habe ich fast die gleiche Formel gelesen; dessen Schreiber bekam sie von einem Aztekenpriester in Mexiko, und dieser Priester hatte sie aus einem alten Maya-Manuskript.

14) Als ich meine Schlußfolgerungen zog, mußte ich feststellen, daß weder die Ägypter noch die Mayas, von denen die Zivilisation in Zentralamerika ausging, große Seefahrer waren. Sie hatten keine Schiffe, den Atlantik zu überqueren, und sie taten es auch nicht. Und doch sind Leben und Zivilisation der Ägypter und Mayas einander so perfekt ähnlich, daß an einen Zufall hier nicht zu denken ist. In der Natur oder in der Geschichte gibt es keine solchen Zufälle. Die einzige Möglichkeit ist die, wie die Legende sagt, daß es hier einen großen Kontinent gab, der die sogenannte Neue Welt mit der Alten Welt verband. Vielleicht waren damals Europa und Amerika von Ungeheuern bewohnt. Afrika hatte möglicherweise eine affenartige Negerrasse (sic!; bb) Der Mensch in unserem Sinn hat sie nicht überrannt. Aber da gab es ein Land, in dem die Zivilisation so hoch war wie die unsere, wenn nicht vielleicht noch höher, und dieses Land blühte. Die Außenbezirke waren der Rand der Wildnis. Das war Atlantis. Von Atlantis aus wurden in Ägypten und Zentralamerika Kolonien errichtet.

Atlantier-Sphinx.jpg


Abb. 3 Ein Sphinx (rechts) und ein kleineres, aufgrund der schlechten Bildqualität nicht identifizierbares, Objekt (links) aus dem angeblichen Nachlass von Heinrich Schliemann. Beide Specimen sollen von Atlantis stammen.

15) Die Religion der Ägypter war vorwiegend eine Sonnenverehrung. Ra war der Sonnengott der Ägypter. Die Religion der Mayas in Zentralamerika war ebenso eine Sonnenreligion. Ra-Na war der Gott der alten Peruaner!

16) Meine langen archäologischen Studien verschiedener Nationen haben bewiesen, daß alle Spuren ihrer frühesten Kindheit und ersten Reife aufweisen. Aber es ist mir nicht gelungen, ein rohes oder wildes Ägypten zu finden, oder eine grobe, barbarische Mayarasse. Beide Nationen waren schon in ihren frühesten Perioden reif, geschickt, stark und weise. Ich habe nie eine Zeit gefunden, in der sie nicht die Fähigkeiten gehabt hätten, ihre Arbeiten zu organisieren, Kanäle zu graben, Straßen, Pyramiden, und Tempel zu bauen, die Felder zu bewässern; und es gab nie eine Zeit, da sie nichts wußten von Medizin, Astronomie und den Grundsätzen einer hoch-organisierten Regierung. Wie die Mayas, so hatten auch die Ägypter die Einehe, und Städte und Tempel bauten sie im gleichen Stil Sie hatten ein technisches Wissen und eine Geschicklichkeit, die unseren zeitgenössischen Ingenieuren ein Rätsel ist. Weder die Ägypter noch die Mayas waren eine schwarze Rasse, sie waren gelb. Beide Nationen hatten Sklaven und eine Intellektuellenklasse, aber die Beziehungen zwischen den Klassen waren herzlich und menschlich. Die Grundlagen ihrer Regierungsweise waren die gleichen.

17) Lepsius fand die gleichen heiligen Symbole in den Zeremonien der Ägypter wie denen der Peruaner. Le Plongeon, der große französische Archäologe (Le Plongeon war französischer Abkunft, aber gegen Ende seines Lebens amerikanischer Staatsbürger) entdeckte in Chichen Itzá in Yukatan die Figur eines Gottes, der klumpfüßig war und alle Attribute des großen Toth der Ägypter aufwies.

18) Bei den ägyptischen und amerikanischen Pyramiden war die Außenseite mit einer dicken Lage glatten, glänzenden Zements von solcher Stärke bedeckt, wie ihn unsere heutigen Baufachleute nicht herstellen können. Alexander von Humboldt (der deutsche Forscher in Zentral- und Südamerika, 1769-1859) war der Meinung, die Pyramide von Choula sei vom gleichen Typ wie der Tempel des Jupiter in Belus.

19) Sowohl in Amerika als auch in Ägypten waren die Pyramiden im gleichen Stil erbaut. Auf beiden Seiten des Atlantik habe ich die Pyramiden so vorgefunden, daß ihre vier Seiten astronomisch wie die vier Arme des Kreuzes angelegt waren und in dieselbe Richtung wiesen. Bei beiden liegt die Linie durch den Mittelpunkt auf dem astronomischen Meridian. Die Konstruktion mit Treppen und Stufen ist die gleiche, und in beiden Fällen sind die größeren Pyramiden der Sonne geweiht.


Anmerkungen und Quellen

Egerton Sykes, Atlantis Bd.4, Nr.5, (UK), Januar 1952, zitiert nach: Martin Ebon, Atlantis - Neue Beweise, Heyne 1978


Bild-Quellen

(1) Bildarchiv Atlantisforschung.de

(2) Paul Schliemann, "HOW I FOUND THE LOST ATLANTIS, THE SOURCE OF ALL CIVILIZATION", in: New York American, 20. Oktober 1912; nach: Sacred Texts.com (Bild-Adresse hier)

(3) ebd. (Bild-Adresse hier)