Kaphtor

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von Tony O’Connell

Abb. 1 Nach traditionellen hebräischen Quellen soll sich Kaphtor in der Nähe von Pelusium im östlichen Nildelta (Bild) befunden haben.

Kaphtor (Caphtor) ist ein Ort, auf den in der Bibel Bezug genommen wird (Jer. 47.4, Amos 9.7) und der sich nach traditionellen hebräischen Quellen in der Nähe von Pelusium im östlichen Nildelta (Abb. 1) befunden hat. Der verstorbene Walter Baucum identifizierte Kaphtor auch mit dem ägyptischen Kaftur im von den Philistern besetzten Delta [1]. A. H. Sayce, ein angesehener Assyriologe des 19. Jahrhunderts, platzierte Kaphtor ebenfalls im Delta.

Immanuel Velikovsky wies darauf hin [2], dass, wenn Kaphtor kein anderer Name für Zypern ist, es die einzige große Insel in der Region ist, die keinen biblischen Namen hat. Diese mögliche Zypern-Verbindung wird im Internet diskutiert. John Strange teilt diese Ansicht in einem kürzlich erschienenen Buch [3].

Während die meisten Kommentatoren heute Kaphtor mit Kreta (Abb. 2) gleichsetzen, sind die Beweise dafür alles andere als zwingend. Wie Manuel Robbins hervorhebt [4], "basiert die Identifizierung von Kaphtor mit Kreta auf einer Reihe von Voraussetzungen. Wenn eine dieser Voraussetzungen falsch ist, schlägt die Schlussfolgerung fehl und diese Annahmen sind unsicher."

Abb. 2 Die meisten Kommentatoren identifizieren heute Kreta mit Kaphtor, aber auch diese Gleichsetzung erscheint durchaus problematisch.

Robbins bestreitet auch die Identifizierung des ägyptischen Keftiu mit Kaphtor. Er bietet bildliche Beweise aus Gräbern am Westufer des Nils gegenüber von Theben, die Syrien als Heimat von Kaphtor bezeichnen könnten, aber ebenfalls alles andere als schlüssig sind.

Baucum liefert Indizien dafür, dass die Ägypter Keftiu auch verwendeten, wenn sie sich auf den Norden des Orontes (Syrien), Zypern, Kilikien (Südwesttürkei) sowie Kreta bezogen. Er führt auch die alleinige Assoziation von Kaphtor mit Kreta auf Champollions Vermutung zurück, dass die Philister zu den Seevölkern gehören!

Ein Kapitel in einem Buch [5] von Nissim Raphael Ganor, welches unverblümt besagt, dass "DIE PHILISTER UND DIE" SEEVÖLKER >NICHT DIE GLEICHE ENTITÄT<" seien, ist für jeden lesenswert, der diese Kontroverse untersucht [6].

Ein anderer Autor, Yair Davidy, behauptet in seinem Buch Lost Israelite Identity [7], dass es in Nordeuropa ein weiteres Keftiu gab. Jürgen Spanuth behauptete, dass Kaphtor und das nordische „Holmr Asgard“ dasselbe bedeuten, nämlich „die Insel der Himmelssäule“. Neuere Unterstützung für ein nordeuropäisches Kaphtor bietet Eckart Kahlhofer, der es wie Spanuth als Standort für Atlantis beansprucht und hinzufügt, dass dort auch die Philister wohnten! [8]

Ehrlich gesagt finde ich alle konkurrierenden Meinungen [9] äußerst verwirrend und unbefriedigend und glaube, dass diese widersprüchlichen Ideen noch weit von einer Lösung des Problems entfernt sind.


Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Tony O’Connell (©) wurde seiner atlantologischen Online-Enzyklopädie Atlantipedia.ie entnommen, wo er am 06. Juni 2010 unter dem Titel "Caphtor" erstveröffentlicht und dann weiter ausgebaut wurde. Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung durch Atlantisforschung.de. Publikation am 17. Juni 2019.

Fußnoten:

  1. Siehe: Walter Baucum, "Bronze Age Atlantis", Jerusalem (Russell-Davis), 2008, S. 309
  2. Siehe: VArchive.org - The Immanuel Velikovsky Archive (abgerufen: 17. Juni 2019)
  3. Siehe: John Strange, "Caphtor/Keftiu: A New Investigation", Leiden (Brill), 1980
  4. Siehe: Manuel Robbins, "Collapse of the Bronze Age", Lincoln NE (Authors Choice Press), 2001, S. 316
  5. Siehe: Nissim Raphael Ganor, "Who Were the Phoenicians?", Kip Kotarim International Publishing, 2009
  6. Siehe: Nissim Raphael Ganor, "THE PHILISTINES AND THE "SEA PEOPLES" NOT THE SAME ENTITY", bei whowerethephoenicians.com (online als PDF-Datei; abgerufen: 17. Juni 2019)
  7. Siehe: Yair Davidy, "Lost Israelite Identity", Israel (Russell Davis), 1996, S. 208
  8. Siehe bei Atlantisforschung.de: Eckart Kahlhofer, "Die Herkunft der Philister"
  9. Siehe: Sunken Civilizations, unter: "Who Were the Keftiu?" (archivierte Webseite; abgerufen: 17. Juni 2019)

Bild-Quellen:

1) Lange-Diercke – Sächsischer Schulatlas (ca. 1930) bei Wikimedia Commons, unter: File:Lange diercke sachsen afrika nildelta.jpg
2) Société linnéenne de Bordeaux bei Wikimedia Commons, unter: File:Actes de la Société linnéenne de Bordeaux (1861) (16746372956).jpg