Phaéthon, Marduk und die Atlantis-Katastrophe

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von unserem Gastautor Ferdinand Speidel

Zum Beitrag: „Phaéthons Sturz und der Untergang von Atlantis

Abb. 1 Das Sternbild Eridanus auf einer alten Mercator-Karte aus dem 16. Jahrhundert.

Bei der Lektüre dieses Beitrags meldete sich bei mir wieder eine gewisse Nachdenklichkeit, die ich schon bei Ovids Phaéthon-Erzählung spürte. Der Artikel führt anschaulich aus, dass in der Wissenschaft nur fünf Flüsse zur Identifikation des Eridanus (Abb. 1) in Betracht gezogen werden, von denen gleich drei ausgeschieden werden können, da sie von dem gleichen Dichter Ovid mit anderen Namen bekannt sind. Am Ende bleiben nur Elbe und Eider.

Es hatte mich immer schon gewundert, warum keine Ostseezuflüsse einbezogen wurden, denn gerade die Ostsee ist ja für ihre reichen Vorkommen (Baltischer Bernstein) bekannt.

Vor einiger Zeit las ich ein kleines Buch mit dem Titel „Der Ursprung der Sternzeichen(Abb. 2) von Kai Helge Wirth. Er stellt die These auf, dass die Sternzeichen, auf die Erdoberfläche übertragen, bestimmte geographische Zonen darstellen und prähistorischen Seefahrern als Orientierungshilfe dienten, denn so sein Befund: Ähnlichkeit mit den jeweiligen Namen weisen die Sternbilder so gut wie nicht auf.

Als erstes Beispiel nennt er das Sternbild „Eridanus“, das er dem Fluss Eider zuordnet, da die gedachte Linie zwischen den einzelnen Sternen des Bildes in seiner ursprünglichen Form dem Verlauf des Flusses Eider entspricht.

Abb. 2 Das Cover von Kai Helge Wirths Buch aus dem Jahr 2000

Im Vergleich zu den anderen genannten Beispielen in dem Buch erschien mir jedoch das enorm große Sternbild Eridanus überdimensioniert im Vergleich zu dem Flüsschen Eider. Zudem sollen die Sternbilder auch in relativer geographischer Übereinstimmung stehen, was bei Eridanus-Eider nicht zutrifft, da die Region der Eider durch das Sternbild Orion überlagert wird bzw. darin enthalten ist, das Dänemark und Teile Norddeutschlands darstellen soll.

Folgt man Wirths Interpretation müsste sich für das Sternbild Eridanus eine geographische Entsprechung weiter östlich finden. Bei meiner Suche nach einem solchen Fluss im Ostseebereich stieß ich auf die Memel, die nach meinem Dafürhalten in ihrem Verlauf ebenfalls starke Ähnlichkeit mit dem Sternbild Eridanus aufweist. Als zusätzliches Argument für die Memel und das Ostseegebiet sprechen die großen Bernsteinvorkommen. Zumindest bietet der Gedanke Ansatzpunkte, die Suche nach dem antiken Eridanus in diese Richtung auszudehnen.

Den Gedanken von K.H. Wirth über Sinn und Zweck der Sternbilder fand ich ausgezeichnet, allerdings war ich von den teils spärlichen Ausführungen in dem Büchlein etwas enttäuscht.

Abb. 3 Das Cover von Allans und Delairs Buch

Beim Lesen des Artikels kam mir wieder ein Buch in den Sinn, das ich in meinem ersten Buch [1] recht ausführlich zitierte. Es trägt den Titel „Cataclysm!: Compelling Evidence of a Cosmic Catastrophe in 9500 B.C.”. (Abb. 3) Die Verfasser sind D.S. Allan, ein Historiker an der Universität Cambridge und J.B. Delair, Geologe und Anthropologe an der Universität Oxford.

Schon der Titel weist zeitmäßig auf die Atlantis-Sage Platons hin, allerdings bringen die Autoren sie nicht in direkten Zusammenhang mit ihren Recherchen, sie erwähnen sie lediglich neben vielen anderen Sagen und Überlieferungen. Das Anliegen des Buches ist es, plötzliche, dramatische Veränderungen am Übergang zwischen Pleistozän und Holozän zu erklären, Ende der Eiszeit, Aussterben von Mammut und vielen anderen Großsäugern [2], Absinken und Auftauchen von Landmassen usw.

Akkadisch-sumerisches Planetensystem.jpg
Abb. 4 Interpretation der Objekte auf einem babylonischen Rollsiegel als
Himmelskörper nach Allan und Delair. Tiamat, der verlorene Planet, ist
schraffiert dargestellt.(Einige Übersetzungen geben statt Gaga Kakka an).

Zu Beginn machen die Autoren eine ausgiebige Analyse weltweit erkennbarer Veränderungen und stellen ihnen analoge Sagen und Überlieferungen gegenüber. Der zweite Teil geht auf Widersprüche zwischen naturwissenschaftlichen Thesen einerseits und naturwissenschaftlichen Funden und Feststellungen andererseits ein. Im dritten Teil werden zu den festgestellten Veränderungen frühzeitliche Überlieferungen herangezogen, im vierten Teil folgt die Suche nach der Ursache der Veränderungen, die nicht nur die Erde verwüsteten, sondern unser gesamtes Sonnensystem mehr oder weniger stark betrafen. Diese Ursache wird in Phaéthon ausgemacht, der von Ovid überliefert wurde. (Erinnern wir uns, dass auch Otto Muck den aus seiner Sicht verantwortlichen Meteor mit diesem Namen belegte.)

Tiamat-Route 1-klein-30.jpg
Abb. 5 Allans und Delairs schematisches Diagramm des Weges, den der Eindringling Phaéthon /
Marduk durch das Sonnensystem nahm. Die Positionen der Planeten sind annähernd korrekt,
allerdings nur zu der Zeit als Phaeton/Marduk die jeweilige individuelle Nähe erreichte.

Die beiden Autoren sehen in Phaéthon das Produkt einer Supernova, die in einer Entfernung von 45 Lichtjahren explodierte. Von ihr sollen Teile [3] durchs All gerast sein und in unserem Sonnensystem erheblichen Schaden verursacht haben, am schwersten betroffen davon war der Planet Tiamat, der an der Stelle des heutigen Asteroiden-Gürtels die Sonne umkreist haben soll, und vernichtet wurde und auch die Erde auf dem weiteren Weg Phaéthon in Richtung Sonne. (Abb. 5)

Abb. 6 Die vermutete Ausdehnung der prädiluvialen nördlichen Landmassen von Appalachia, Beringia und Fennoscandia, die vor etwa 11.000 Jahren versanken. Modifizierte Projektion von William-Olsson. Maßstab 1 : 1.300.000

Diesen Weg beschreiben die Autoren anhand von Unregelmäßigkeiten fast aller Planeten unseres Systems und lassen ihn durch eine babylonisch-akkadische Sage begleiten, in der die Götter die einzelnen Planeten verkörpern, die mit dem Eindringling Marduk (Phaéthon) ein Bündnis zur Vernichtung Tiamats eingehen. Die beiden abschließenden Teile des Buches arbeiten dann die durch Phaéthon auf der Erde verursachten Zerstörungen und ihre Auswirkungen auf, die das Leben auf der Erde stark dezimierten und den Menschen auf die Stufe der Steinzeit zurückwarfen. In jeweils eigenen Kapiteln beschreiben sie die Geschehnisse, die sich auf der Erde mit der Annäherung des Phaéthon abspielen:

Magnetische Stürme, ein kollabierender Himmel, Brüche in der Lithosphäre der Erde, gefolgt von Feuerstürmen durch Magmaaustritt. Verursacht durch eine deutliche Reduzierung der Eigenrotation rasen Stürme über die Erde und legen Wälder flach und transportieren Felsen an weit entfernte Orte.

Teile des von Phaéthon zerstörten Planeten Tiamat prasseln als Eis- und Feuerregen auf die Erde (Carolina Bays, solche Bays sind aber auch in Alaska, Skandinavien und Südamerika zu finden, ebenso wie Klumpen von Ferromangan. Durch die Verlangsamung der Erdumdrehung türmen sich die Ozeane berghoch auf und rasen als Flut um die Erde. [4] Der Staub der Vulkane macht die Atmosphäre undurchdringlich, die Erde erkaltet und wird zu großen Teilen mit Eis bedeckt. Das Leben auf der Erde ist weitgehend ausgelöscht, die wenigen menschlichen Überlebenden befinden sich in der Steinzeit.

Mit der Version über die Ursache des Untergangs von Atlantis kommt dieses Buch der Atlantis-Sage Platons sehr nahe. Platon erwähnt im Timaios die Phaéthon-Erzählung, zu der der ägyptische Priester sagt, sie sei so zu verstehen, dass sich Himmelskörper der Erde zu sehr näherten und damit Zerstörung auslösten. Von Proklos erfahren wir, dass Platon damit bereits die Ursache für den Untergang von Atlantis andeutete, die gleichzeitig die Strafe für die Menschheit war. Somit war eine Weiterführung der Geschichte im Kritias nach der Herbeirufung der Götter durch Zeus gar nicht mehr erforderlich.

Cataclysm!: Compelling Evidence of a Cosmic Catastrophe in 9500 B.C.“ ist ein bemerkenswertes, gut recherchiertes Werk, das das Schicksal von Atlantis beschreibt, ohne es namentlich auf diesen Nenner zu bringen. Es stellt eine These dar, die den Hergang der Dinge treffend beschreiben könnte, ohne dass alle Schlussfolgerungen zwingend sind, wie zum Beispiel die Gestaltung der Erde vor dieser Katastrophe.

Wenn sich das Buch auch von der Vorgehensweise und auch in einer Reihe von Schlussfolgerungen von MucksAlles über Atlantis“ unterscheidet, sind dennoch die wesentlichen Fragen übereinstimmend beantwortet.



Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Ferdinand Speidel (©) wurde im Oktober 2013 für Atlantisforschung.de verfasst.

Fußnoten:

  1. Siehe: Ferdinand Speidel, "Von Atlantis zur Welt der Riesen", ReDiRoma, 2012, 262 Seiten, Preis: € 14.00, ISBN 978-3-86870-467-9
  2. Redaktionelle Anmerkung: Für einen katastrophistischen bzw. neo-katastrophistischen oder cenokatastrophistischen Diskurs zum Aussterben der amerikanischen Megafauna vergl. auch: "Impakt wahrscheinlich Ursache für Massensterben am Ende der Eiszeit", Brown University, Providence 2007; sowie: "Neue Beweise für einen gravierenden Impakt vor ca. 12.800 Jahren" (University of California, Santa Barbara), 2013
  3. Red. Anmerkung: Vermutlich sind damit Teile des ehemaligen Planetensystems dieser Sonne gemeint.
  4. Red. Anmerkung: Siehe dazu auch: Mega-Tsunami - Kataklysmus aus dem Meer (bb)

Bild-Quellen:

1) Micheletb bei Wikimedia Commons, unter: File:Eridanus - Mercator.jpeg

2) Bidarchiv Atlantisforschung.de

3) ebd.

4) [D.S. Allan und J.B. Delair, "Cataclysm!: Compelling Evidence of a Cosmic Catastrophe in 9500 B.C.", (Bildarchiv Ferdinand Speidel), Bildbearbeitung durch Atlantisforschung.de

5) ebd.

6) ebd.