Reinhard Habeck und Atlantis

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Portrait eines Autors, Forschers und Künstlers, Teil IV

Abb. 10 Das Cover von R. Habecks lesenswertem Atlantisbuch aus dem Jahr 2001

(bb) Natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis Reinhard Habeck sich auch mit dem Atlantisbericht und der 'Königin der Legenden' um Platons versunkenes Inselreich befassen würde. Die Ergebnisse seiner diebezüglichen Recherchen und Überlegungen stellte er in seinem Werk "Atlantis - Der verschollene Kontinent" (Abb. 10) vor, das 2001 in der Taschenbuchreihe Rätselhafte Phänomene des Tosa-Verlags erschien. [1] In Anbetracht der Tatsache, dass dieses Portrait auf einer atlantologischen Webseite erscheint, sei seinem Verfasser ein kleiner Exkurs in Form einer kurzen Besprechung des Buches gestattet.

Vorweg bemerkt: Angesichts der vielen Möchtegern-Fachleute und Schein-Experten, die meinen, sich zum hochkomplexen und studienintensiven Thema Atlantis auslassen zu müssen, ist es durchaus wohltuend, dass Reinhard Habeck in seiner Abhandlung keinerswegs den Anschein zu erwecken versucht, ein Atlantisforscher zu sein, oder mit einer eigenen, 'völlig neuen' und 'einzig wahren' Lokalisierungs-Hypothese hausieren geht. Vielmehr nähert er sich der Materie auf journalistische Weise und mit der dabei notwendigen Distanz an. Quasi vollführt er einen schriftstellerischen 'Drahtseilakt' zwischen gesunder Skepsis und der Bereitschaft, sich dem "irdische[n] Ultimatum an Verdecktheit", wie der Philosoph Ulrich Sonnemann seinerzeit das Rätsel Atlantis so treffend charakterisiert hat, vorurteilsfrei und ergebnisoffen, aber mit erkennbarer Sympathie für den Gegenstand der Untersuchung anzunähern.

Abb. 11 Der rätselhafte, putativ prähistorische 'Steinglobus' aus Equador zeigt u.a. auch heute nicht mehr existente Großinseln im Atlantik und Pazifik. (Foto: Bill Ryan)

Habeck geht dabei selbstredend von einem nonkonformistischen, grenzwissenschaftlichen Standpunkt aus. Dies zeigen bereits die Fragen, um deren Beantwortung es ihm in seinem Atlantisbuch geht: "Existierte bereits lange vor den Sumerern eine unbekannte Hochkultur? Wo liegt die Wiege unserer heutigen Gesellschaftsform? War der untergegangene Kontinent [2] Atlantis die Urmutter der Zivilisation? Oder hat es dieses sagenumwobene Inselreich überhaupt gar nicht gegeben?" (Zitat aus dem Vorwort)

Einleitend stellt er dazu einige rätselhafte Objekte ganz unterschiedlicher Natur vor, die in der Diskussion als Indizien oder Beweise für die Existenz weit prähistorischer Hochkultur(en) gehandelt werden: vor allem die so genannten - von ihm vor Ort persönlich in Augenschein genommenen - "Steine von Ica" und diverse Weltkarten, zumeist aus der Neuzeit [3], aber auch den skurrilen, vermutlich prähistorischen "Steinglobus aus Ecuador" (Abb. 11). Nach einer Beschäftigung mit Platon als Urheber des klassischen Atlantisberichts sowie mit der Überlieferungsgeschichte der Atlantida stellt Reinhard Habeck auch eine ganze Reihe von Autoren und Atlantis-Lokalisierungen vor.

Dass es in "Atlantis - Der verschollene Kontinent" keineswegs nur um Platons Atlantide, sondern tatsächlich um den Problemkreis vermuteter primhistorischer Hochkulturen geht, wird nicht zuletzt anhand Reinhard Habecks Beschäftigung mit dem legendären "Mu" und den Funden von Yonaguni [4] sowie anderen Inseln, wie den Keramas und Aguni-jima im Gebiet um Okinawa im Ostchinesischen Meer [5], aber auch mit dem, in Europa kaum bekannten, Inselreich Penglai der chinesischen Mythologie.

Abb. 12 Ein Bereich des 'Yonaguni-Monuments'. Diese von Menschen einer unbekannten Kultur bearbeitete und genutzte Felsformation wurde am Ende der jüngsten Eiszeit, vor etwa 10.000 Jahren vom Ostchinesischen Meer überflutet.

Überhaupt beschränkt Habeck sich keineswegs auf die allgemein übliche Beschäftigung mit Platon als Urheber der Atlantis-Erzählung und der Überlieferungskette des Berichts, die er eher marginal abhandelt [6], sowie auf die Präsentation diverser, mehr oder auch weniger wichtiger Atlantisautoren und ihrer Theorien.

Vielmehr widmet Habeck in seinem Buch auch solchen Bereichen, die allgemein überhaupt nicht als äußerst wichtige Gegenstände der Atlantisforschung wahrgenommen werden. Einer dieser Bereiche ist die prähistorische Besiedlungsgeschichte Amerikas bzw. präkolumbische Kontakte und Verbindungen zwischen den Kulturen der 'Alten' und jenen der 'Neuen Welt' [7], für die er zahlreiche beeinruckende Belege präsentiert. Gerade die unter den Prämissen des modernen Diffusionismus erfolgende Erforschung solcher - seitens des wissenschaftlichen Maistrams nach wie vor hatnäckig bestrittenen - Kontakte liefert letztlich nicht nur erstaunliche Hinweise auf die tatsächlichen Fähigkeiten unserer frühen und frühesten Vorfahren, sondern ihre Ergebnisse werfen auch ein neues Licht auf Platons Erzählung und viele uralte Sagen, Mythen und Legenden der Völker dieser Welt über untergegangene Reiche und Kulturen.

Glücklicherweise hat Reinhard Habeck es auch nicht versäumt, zumindest am Ende seines Buches (in Kapitel XIII "Wenn unsere Kultur versinkt") einen, wenn auch leider nur sehr kurz geratenen Abschnitt zur katastrophistischen Betrachtung der Menschheitsgeschichte vozulegen - eine grundlegende Betrachtungsweise, welche für die moderne, nonkonformistische Atlantisforschung ebenso wie ihre im Prinzip diffusionistische Ausrichtung charakteristisch ist. Darin weist er nicht nur - u.a. unter Bezugnahme auf das Tunguska-Ereignis sowie auf die Arbeiten Otto Mucks und des Forscher-Ehepaars Tollmann - auf die Risiken durch Impakt-Ereignisse hin, sondern er verdeutlicht zudem anschaulich, dass unsere 'moderne' Menschheit auch sehr schnell durch eigenes Verschulden ein ähnliches Schicksal ereilen könnte wie die vermuteten Hochkuluren der Vorzeit.

Zusammenfassend lässt sich zu "Atlantis - Der verschollene Kontinent" sagen: Gerade weil das Buch nicht von einem ausgemachten Atlantis-Experten [8] geschrieben wurde, dabei aber gut recherchiert und allgemeinverständlich abgefasst ist - nicht zuletzt, weil es weitgehend ohne die Verwendung von für den Laien zunächst 'exotischen' Fachbegriffen auskommt -, stellt es eine empfehlenswerte Einstiegslektüre für all jene dar, die vor dem Hintergrund eines gelinden Zweifels an den überkommenen Vorstellungen zur Zivilisationsgeschichte der Menschheit in die Materie einsteigen möchten.

Erschöpfend abgehandelt werden die vielen, vom Autor angerissenen Facetten der Problematik zwar zumeist nicht (eine derartige akademische Abhandlung war allerdings wohl kaum von Reinhard Habeck beabsichtigt), das Buch bietet aber dem interessierten Neuling in der Fülle der präsentierten Informationen vielfältige Anregungen für weiterführende Recherchen. Daher ist es bedauerlich, dass es inzwischen vergriffen und derzeit nur antiquarisch zu erwerben ist. Immerhin bleibt zu hoffen, dass irgendwann eine überarbeitete [9] und erweiterte Neuausgabe veröffentlicht wird.

Nach diesem kleinen Exkurs zu Reinhard Habecks Beschäftigung mit dem Atlantisproblem wollen wir uns nun seinen Aktivitäten als Zeichner und Cartoonist zuwenden.


Fortsetzung


Anmerkungen und Quellen

Einzelverweise:

  1. Anmerkung: Das Thema 'Atlantis' ist auch eingeflossen in Reinhard Habecks Bücher „Das Unerklärliche“, „Die letzten Geheimnisse: rätselhafte Funde der Geschichte“ und „Im Labyrinth des Unerklärlichen“.
  2. Anmerkung: Dass Reinhard Habeck hier und im Titel des Buches mit dem, weit verbreiteten aber laienhaften und letztlich unzutreffenden Bild von Atlantis als 'versunkenem Kontinent' operiert, ist ein kleiner 'Wermutstropfen' - und doppelt irreführend, denn natürlich befasst sich der Autor darin auch mit ganz anderen Interpretationens-Modellen. Jedenfalls ist festzustellen: Obwohl auch von Atlantisforschern aus den Reihen der Atlantiker im Bezug auf Atlantis wiederholt der inadäquate Begriff 'Kontinent' verwendet wurde (z.B. von Otto Muck), geht es bei modernen Auslegungen der 'klassischen' Atlantis-Hypothese (= Atlantis IM Atlantik) faktisch nicht um einen - im geologischen Sinne - 'Kontinent', sondern um eine vulkanische Großinsel, mithin um eine geologische Anomalie, deren notwendige Diskussion nicht mit dem sturen Verweis, es habe im Atlantik keinen 'Kontinent' gegeben, abzuwürgen ist.
  3. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de auch: Dr. Christine Pellech, "Die Kenntnis Amerikas, der Arktis, der Antarktis und Australiens auf alten Karten"
  4. Anmerkung: Siehe zu den Funden auf bzw. vor den Ryūkyū-Inseln bei Atlantisforschung.de die Beiträge in der Rubrik "Yonaguni - Le(Mu)rias Spuren vor Japans Küsten?".
  5. Siehe: Reinhard Habeck, op. cit., Kapitel VII - ">Mu< und die >Unterwasserstadt< von Okinawa", S. 59-
  6. Siehe: R. Habeck, op. cit., insbesondere in Kapitel III, "Platon ist an allem >schuld<"; Anmerkung: Obige Feststellung ist übrigens keineswegs als negative Kritik gemeint. Schließlich gab und gibt es diesbezüglich umfangreiche Speziallitereatur atlantologischer und altphilologischer Natur, die zur Vertiefung dieser aund anderer wesentlichen Bereiche der Beschäftigung mit Platons Atlantis betreffenden Dialogen geeignet ist. Allerdings wäre eine entsprechende Gestaltung bzw. Sortierung der Literaturhinweise (S. 141-143) für die Suche atlantologischer Neulinge nach Literatur zu bestimmten Einzelbereichen der Forschung sicherlich nutzbringender gewesen als die bloße Aufzählung empfehlenswerter Bücher.
  7. Siehe dazu bei Atlanrisforschung.de u.a. die Beiträge in der Sektion: "Präkolumbische, transatlantische Kontakte - Ägypter, Phönizier Kelten & Co in Amerika"
  8. Anmerkung: Bei einer Betrachtung der Danksagungen am Schluss von "Atlantis - Der verschollene Kontinent" wird zumindest Kennern der Materie sofort auffallen, dass dort kein einziger ausgewiesener Experte für Atlantis oder Atlantisforschung genannt wird. Um so beachtlicher erscheint einerseits die Leistung des Autors, wärend dies andererseits auch einige fachliche Informationsdefizite im Buch verständlich macht.
  9. Anmerkung: Eine Überarbeitung erscheint auch insofern dringend notwendig, dass die Atlantisforschung seit 2001 eine rasante Entwicklung genommen und wesentliche Erkenntnisse dazugewonnen hat - z.B. in Sachen Bimini Road, um nur ein Beispiel zu nennen -, die bei einer eventuellen Wiederveröffentlichung des Buches Beachtung finden sollten, welche, wie R. Habeck dem Verfasser mitteilte, zumindest 'angedacht' ist.

Bild-Quellen

10) Bildarchiv Atlantisforschung.de
11) Bill Ryan (Avalon Founder), Re: Oldest Globe to Show the Americas Discovered, Posting bei Project Avalon Forum - Chronicles of the human awakening, 29. August 2013 (Bildbearbeitung durch Atlantisforschung.de)
12) The Ancient Wisdom Foundation: (Exploring The Frontiers of Prehistory), unter: Prehistoric Japan: (Zha'pan, Nippon) (Bildbearbeitung durch Atlantisforschung.de)