Tantalis - das Atlantis des Peter James

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Die Sage von Tantalus

(bb) In der heutigen Provinz Manisa in der Westtürkei, nordöstlich vom antiken Hafen von Smyrna (Izmir) lag nach antiken Quellen die Stadt Tantalis, der Herrschersitz des mythischen Königs Tantalus. Sein Sohn Pelops, Thronfolger von Tantalis und Enkel des Gottes Zeus, lebte im wundervollen Syphilus. Als er noch ein Kind war, wollte ihn sein Vater den Göttern opfern, um selber unsterblich zu werden. Diese waren jedoch ob seines frevelhaften Vorgehens so erzürnt, dass sie ihn zu einer entsetzlichen Strafe verurteilten: Wie Platon berichtete (Kratylos 395D-E), baumelte ein gewaltiger Felsblock über seinem Kopf, der jeden Moment auf ihn her-abzustürzen drohte. Nach anderen Quellen musste Tantalus einen gewaltigen Berg stützen (Antoninus Liberalis - Metamorphosen 36), oder auf ewig Hunger und Durst erleiden.

Abb. 1 Die Stadt Tantalis, in der westtürkischen Provinz Manisa, nordöstlich der alten Handels-Metropole Smyrna (Izmir). Die ArchäologenPeter James und Nikkos Kokkinos betrachten den alten Königs-Sitz des Tantalus als historisches Vorbild für Platons Atlantis.

Pelops jedoch gaben sie sein Leben zurück. Später gewann er Hippodameia für sich, die Tochter des Oenomaus, König von Pisa. Danach verließ Pelops Syphilus mit seinen ungeheuren Schätzen und Reichtümern, um nach Griechenland überzusetzen, wo ihn die Bewohner des Landes zu ihrem König machten und ihrer gesamten Halbinsel seinen Namen gaben, die man seither als Peloponnes bezeichnet. Die Stadt Tantalis aber sei nach anderen Legenden vernichtet worden, als bei einem gewaltigen Erdbeben in Lydien (Kleinasien) ein Berg eingestürzt sei (verzeichnet bei Demokles um 300 v. Chr und bestätigt von Strabo: I.III.17 - James, S. 206).

Die Trümmer des Berges wären in einen großen See gestürzt, dessen Fluten dann das Königreich des Tantalus überschwemmt hätten. Während auch Pausanias dies erwähnt (VII.XXIV.6-7), und ebenso wie Plinius der Jüngere von einem "See von Saloe" (V.31) spricht, erwähnen die Chroniken des Hethiterreiches allerdings nichts von einem solchen Erdbeben. [1]

In seinem Buch 'The Sunken Kingdom: The Atlantis Mystery Solved', vertritt der britische Archäologe Peter James die Theorie, schon Solon habe sich bei seinem Atlantisbericht von der legendären Stadt Tantalis insprieren lassen. Somit sei in Wirklichkeit sie das historische Vorbild für Platons geheimnisvolle Hauptstadt des atlantischen Reiches zu betrachten. Zu seiner Auffassung kam James nach intensivem Studium antiker Schriften aus dieser Region, in denen er inhaltliche Parallelen zu Timaios und Kritias sowie Namensähnlichkeiten feststellt.


Kleinasiatische Quellen der Atlantida?

Der Archäologe bestreitet, dass Solon seine Hintergrundinformationen für den Atlantisbericht tatsächlich in Ägypten erhalten habe. Die Alten Ägypter hätten von fremden Völkern, für die sie sich kaum interessierten allenfalls eine schwache Vorstellung besessen, und die Idee, dass sie eine detaillierte Überlieferung zweier ferner Zivilizationen - von Atlantis und seinem Rivalen Athen - aufbewahrt hätten, sei völlig unbelegbar. Noch weiter hergeholt sei die Vorstellung, die Ägypter, die stolz darauf waren die "älteste" Zivilisation zu sein, könnten Geschehnisse aufgezeichnet haben, die tausend Jahre vor ihren eigenen Anfängen lagen. [2]

James verweist darauf, dass Solon bei seinen Reisen nicht nur Ägypten, sondern auch das damalige Königreich Lydien in Kleinasien besuchte. Dort habe er am Hof des - durch seinen Reichtum sprichwörtlich gewordenen - König Kroesus nicht nur mit dem Herrscher, sondern auch mit dem berümten Autor klassischer Fabeln, Aesop, Erzählungen ausgetauscht. Der Archäologe nimmt an, der Atlas-Mythos, auf den Solon und Platon sich bezogen hätten, sei den Hellenen in seiner ursprünglichen Fassung durch die alten Völker Kleinasiens überliefert worden. Dies sei in Form des schon beschriebenen Tantalus-Mythos geschehen. Dieser Mythos weise ganz offensichtlich inhaltliche Parallelen zum sagenhaften Schicksal des Titanen Atlas auf, den die Olympier unter Zeus nach ihrem Sieg über sein Geschlecht dazu verurteilten, am "Ende der Welt" auf ewig das Himmelsgewölbe zu stützen. Nach Platons Bericht (Kritias 114a) war Atlas auch der erste König von Atlantis sowie Namensgeber der Insel und des sie umgebenden Meeres.

Abb. 2 Der Archäologe und Atlantisforscher Peter James (l.) und sein Team am Thron des Pelops.

Peter James´ Analysen der Mythen um Atlas und seine Familie legen nahe: die Griechen nahmen an, Atlas´ 'Heimat' habe, bevor er in den Westen (also an den Atlantik) verbannt worden sei, im Osten gelegen. Bestätigt werde diese Annahme, so James, auch durch eine Vielzahl bildlicher und schriftlicher Darstellungen der Hethiter-Zivilisation im bronzezeitlichen Anatolien, die exakte Parallelen zum klassisch-griechischen Konzept des Atlas-Mythos enthielten. Die Proto-Hellenen könnten also die Vorstellung von einem himmelsstützenden Riesen auch aus dieser Region übernommen haben.

Peter James ist davon überzeugt, dass die Stadt Tantalis kein Fabelort ist: "Hinweise klassischer Autoren wie Pausanias machen deutlich, dass man damals annahm, Tantalus' verlorene Stadt habe nahe dem Berg Sipylus, dem heutigen Manisa Dagh, etwa 20 Meilen landeinwärts von der heutigen Hafenstadt Izmir (Smyrna) an der Ägäischen Küste gelegen. Die Klassiker beschreiben Tantalis/Sipylus nicht nur als ursprüngliche Hauptstadt von Lydien, sondern als den angestammten Sitz der Könige von Mykene. Substanz erhielt dies durch einen langatmigen Text aus den Archiven des hethitischen Großkönigreichs, der etwa 1400 v. Chr. erstellt wurde und die Schwierigkeiten beschreibt, die man mit einem Vasallenherrscher aus einem tributpflichtigen Reich im Westen hatte, das gemeinsame Sache mit den Mykenern machte. Sein Sitz, >das Bergland von Zippasla<, kann also tatsächlich in Lydien gelegen haben, und mit Sipylus gleichgesetzt werden. Scheibchenweise übernahm der Herrscher von Zippasla (Madduwattas mit Namen) alle the kleineren Staaten im westlichen und südlichen Anatolien, und stellte sogar die hethitische Authorität in Zypern in Frage. Wie weit der Mann aus Zippasla damit kam ist schwer zu sagen - aber die hethitische Authorität wurde in Anatolien erst 50 Jahre später wieder völlig hergestellt." [3]

1994 machte James eine erste Türkeireise, auf der er bereits eine Lokalisierung der historischen Stätte des legendären Tantalis vornahm. Nur 30 Jahre zuvor befand sich dort noch im Norden von Sipylus ein kleiner See, wenige Meilen entfernt von von einem beeindruckenden (und kaum datierbaren) aus dem Fels gehauenen Grabmal, das Pausanias als das "zweifellos ruhmreiche Grab" des Königs Tantalus beschrieb. Noch 150 Jahre früher soll dieser See viel größer gewesen sein. James erklärt: "Schon Gelehrte des 19. Jahrhunderts, darunter Sir James Frazer, hatten ihn bereits als den Ort identifiziert, an dem, wie die Alten glaubten, die verlorene Stadt im Wasser unterging. Als Standort für eine reale Stadt wäre er kaum zu übertreffen: Er liegt auf einer fruchtbaren Ebene zwischen der alten Karawanenstraße [...] und dem Fluss Gediz, der Haupt-Lebensader Lydiens. Damit nind wir nicht auf mehr oder weniger theoretische Überlegungen angewiesen." [4]

Abb. 3 Die Archäologen Peter James (l.) und Nikos Kokkinos im September 1998 'vor Ort'

In etwa 100 Metern Höhe befindet sich auf dem Berghang die 30 Fuß große Skulptur einer Muttergöttin, welche die gesamte Gegend überblickt, in der Tantalis gelegen haben soll. Pausanias nahm an, sie sei von Tantalus´ Sohn in Auftrag gegeben worden. Nach James stammt sie - ihrem Stil und den hethitischen Hieroglyphen nach, die darauf vermutlich im 13. Jahrhundert vor Chr. eingraviert wurden - zweifelsfrei aus dem späten Bronzezeitalter.

Im September 1998 brach Peter James gemeinsam mit seinem Fachkollegen Nikkos Kokkinos, der ebenfalls die 'Tantalis = Atlantis' These vertritt, zu einer weiteren Forschungsreise nach Manisa auf, bei der von ihnen allerdings keine schlüssigen Beweise für ihre Theorie erbracht werden konnten. Indirekte Unterstützung erhalten James und Kokkinos jedenfalls von Prof. Dr. Elif Tul Tulunay vom Departement für Klassische Archäologie an der Literatur- Fakultät der Universität von Istanbul. Frau Prof. Dr. Tul Tulunay, die in Deutschland promoviert hat, veröffentlichte 1998 “The Myth of Pelops”, inzwischen ein Standardwerk zur alten Geschiche der Provinz. Bei Haydar Aksakal und Gokhan Kaplan findet sich ein kurzer Auszug aus ihrer Arbeit:

"Durch eine ganze Reihe von Ausgrabungen wurde herausgefunden, dass aus Kupfer gefertigte Werkzeuge (in Manisa, d. V.) seit 7000 v. Chr. in Gebrauch waren. Daraus folgt, dass Atlantis, von dem wir durch ägyptische Quellen wissen, sich auf eine Kupferzivilisation in Westanatolien beziehen könnte. Dazu kommt, dass die Namen (Atlas - Tantalos) und ihre bekannte Bedeutung (Träger) diese Hypothese unterstützen. In antiken Quellen ist Pelops, der Sohn des Tantalos samt seiner ganzen Familie eng mit Anatolien verbunden. Nach Heredot war Xerxes noch einhundert Jahre später eifersüchtig auf den Umstand, dass Pelops von Anatolien nach Griechenland übergesiedelt sei, und dieser enormen Halbinsel sein Name verliehen wurde.

Warum sollte es nicht möglich sein, dass Tantalis bei einem Erdbeben zerstört wurde und durch eine Flutwelle versenkt wurde, die bei dieser Katastrophe entstand? Den antiken Quellen folgend, galt die Hypothese als allgemein anerkannt, dass ein Erdbeben im westlichen Ananatolien Tantalus´ Königreich von der Erde verschwinden ließ. Strab. 1, 3, 17 (und Demokles), Note: 5. Auch heute noch werden Ost- und Westanatolien von Erdbeben erschüttert, und neue Canyons, Wasserfälle und Höhlen werden in den Bergen entdeckt. Angesichts all dessen erscheint es als Vorurteil, nicht an >versunkene Städte< glauben zu wollen. Wenn die Erzählungen von Übertreibungen und Wundern gesäubert werden, führen uns die antiken Quellen vielleicht auf die Spuren dieser alten Städte, die nun unter der Erde liegen." [5]


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Knowledge Computing - Websites that make a difference, unter: The Sunken Kingdom - The Atlantis Mystery Solved by Peter James
  2. Anmerkung: Hier unterliegt Dr. James gleich mehreren Trugschlüssen: Erstens waren die Ägypter gar nicht so uninteressiert an anderen Völkern (was z.B. die Aufzeichnungen in Medinet Habu aus der Zeit der Libyer- und Seevölker-Kriege zeigen). Zweifellos verfügten ihre Priester-Historiker zumindest auch über fragmentarische Aufzeichnungen zu den Protohellenen (die, zugegeben, wohl kaum im Zentrum ägytischen Geschichtsinteresses gestanden haben). Seine Griechenland betreffenden Informations-Fragmente aus Sais hat Platon dann mit Inhalten der hellenischen Mythologie und Sagenwelt in seinem Sinne zu der bekannten Darstellung Ur-Athens 'ausgebaut'.

    Des weiteren waren die Ägypter stolz darauf, die alteste BESTEHENDE ZIVISISATION zu sein, wie wir bei dem antiken Historiker Diodorus Siculus überprüfen können. Diodor erwähnt eindeutig, die Ägypter verfügten über Berichte von den "Giganten" der Vorzeit, die ihnen einst ihre Kultur gebracht hätten. Außerdem lagen die Ursprünge der protoägyptischen Zivilisation, auch wenn James dies als orthodoxer Historiker bestreiten wird, NICHT in der mittleren oder späten Bronzezeit, sondern reichen - nach ihren eigenen Angaben - bis in die eiszeitliche Epoche vor weit mehr als 10000 Jahren zurück!
  3. Quelle: Knowledge Computing - Websites that make a difference, unter: The Sunken Kingdom - The Atlantis Mystery Solved by Peter James
  4. Quelle: ebd.
  5. Quelle: http://www.sarifil.com/manisa/eng/atlantis/mistery_of_pelops.htm (nicht mehr online)

Bild-Quellen:

1) alien-girl.de, unter: Atlantis ... von Solons Bericht bis heute (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
2) http://mtso.org/atlantis/index.html (nicht mehr online)
3) http://mtso.org/atlantis/index.html (nicht mehr online)


Literaturhinweis

Sunken Kingdom.jpg

Peter James, The Sunken Kingdom: The Atlantis Mystery Solved,
London: Jonathan Cape. ISBN 0-224-03810-9