Tyrrhenien

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Abb. 1 Die ungefähre Position (rot markiert) des Alten Tyrrheniens aus Platons Atlantisbericht - jedenfalls nach Auffassung der meisten Forscher, die sich mit atlantologischen Fragen befassen

(red) Tyrrhenien ist die ursprüngliche, vom Namen ihrer frühen Bewohner - den Tyrrhēnern - bzw. (mythologisch) dem ihres ersten Königs abgeleitete, Bezeichnung einer Region im antiken Mittelitalien, die später die lateinische Benennung Etrurien erhielt. (Abb. 1) Sie umfasste in etwa die Gebiete der heutigen Toskana, den nördlichen Teil des modernen Latiums sowie Teile Umbriens.

Platon erwähnt Tyrrhenien kurz in seinem Atlantisbericht bei einer Beschreibung des Machtbereiches von Atlantis während dessen größter Ausdehnung. Dazu heißt es bei ihm im Dialog Timaios "…außerdem herrschten sie [die Atlanter; d.Red.] auch innerhalb [der Säulen des Herakles; d.Red.], in Libyen bis nach Ägypten hin, in Europa aber bis Tyrrhenien". Weitere Informationen liefert er leider nicht. Daher wird nicht völlig klar, ob sich die Erwähnung Tyrrheniens (ausschließlich) auf das mittelitalienische Gebiet bezieht. Aus der Geschichte seiner altertümlichen Bewohner lassen sich diesbezüglich durchaus unterschiedliche Schlüsse ziehen.

Über diese Tyrrhēner (auch: Tyrrhēni oder Tyrseni) hieß es 1909 in Meyers Großem Konversations-Lexikon, sie seien angeblich ein "pelasgischer Volksstamm" gewesen, "der, vor dem Trojanischen Krieg aus Kleinasien verdrängt, sich nach Attika gewendet, aber auch von dort vertrieben, sich zerstreut und namentlich auf Lemnos, Imbros und an der Küste von Italien angesiedelt hat, wo er sich durch Seeräubereien den Hellenen furchtbar machte. Von den Griechen werden aber auch die Etrusker T. sowie deren Land Tyrrhenien genannt; Tyrrhenos, Sohn des lydischen Königs Atys, soll dahin ausgewandert sein und dem Land seinen Namen gegeben haben. [1]

Pierer's Universal-Lexikon hatte 1864 über sie bemerkt: "Die alten Historiker lassen sie bald siculischer Abkunft sein u. aus ihrer italischen Heimath über Akarnanien nach Attika einwandern, von wo sie vertrieben sich nach Lemnos, Imbros, an den Athos u. den Hellespontos gezogen hätten; Andere lassen sie umgekehrt von jenen Inseln des Ägäischen Meeres über Thessalien nach Italien wandern, wo sie Etrurien (daher dies Land Tyrrhenia hieß) bevölkerten, weshalb auch die Etrurier Tyrrhener hießen. Vgl. Lepsius, Die tyrrhenischen Pelasger, Lpz. 1842." [2]

So kommen schließlich auch Siegfried G. Schoppe und Christian M. Schoppe bei ihrer geographischen Einordnung von Platons Tyrrhenien unter Bezugnahme auf dessen Bewohner zu dem Ergebnis: "Tyrrhener oder Pelasger wurden denjenigen kleinasiatisch geprägten Ureinwohner der griechischen Halbinsel genannt, die ab 1950 vor Christus von den indoeuropäischen Zuwanderern aus dem Norden kulturell überlagert wurden. Tyrrhenien ist also gleichbedeutend mit dem heutigen Griechenland vor dem 19. Jahrhundert vor Christus. Hierbei handelt es sich nicht nur um eine Ortsangabe, sondern gleichzeitig um eine Zeitangabe: Griechenland lange vor der Gründung Athens." [3]

Eine andere Auffassung vertritt, wie es bei Tony O’Connell heißt, Rich McQuillen, "der davon überzeugt ist [4], dass die platonische Erzählung sich auf ein anderes Tyrrhenien, in der Türkei, bezieht". [5]

Damit beziehen diese Autoren im Bereich der Atlantisforschung allerdings Außenseiter-Positionen, denn dort orientieren sich die meisten Forscher an den Aussagen der antiken Autoren (von Herodot bis Diodorus Siculus) zur geographischen Lage Tyrrheniens, die sich eindeutig auf Italien beziehen, vor allem aber am Kontext des Atlantisberichts. So etwa Ulrich Hofmann, der 2oo4 dazu bemerkt: "Obwohl auf europäischer Seite einzig Tyrrhenien (das heutige Italien) als Herrschaftsbereich genannt wird, können wir das nur so verstehen, daß es sich bei Tyrrhenien um das östliche Ende des Einflussbereichs der Atlanter handelte. Denn östlich von Tyrrhenien ist das griechische Herrschaftsgebiet anzusetzen." [6] Diese Meinung vertritt 2009 - vorsichtig formulierend - auch Rainer Krämer ("Mit Tyrrhenien ist wohl Mittelitalien gemeint...") [7] sowie Michael Hübner ("in etwa das Gebiet der heutigen Toskana"). [8] Hans Steuerwald, der bereits 1883 Platons Atlantis bei Cornwall auf dem Celtic Shelf lokalisierte, legte sich in Sachen Tyrrhenien auf "Ligurien und Etrurien" fest. [9]


Siehe auch:


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 853; zit. nach der Online-Version des Lemmas bei Zeno.org (abgerufen: 05.07.2012)
  2. Quelle: Pierer's Universal-Lexikon, Band 18. Altenburg 1864, S. 100.; zit. nach der Online-Version des Lemmas bei Zeno.org (abgerufen: 05.07.2012)
  3. Quelle: Siegfried G. Schoppe und Christian M. Schoppe, Atlantis und die Sintflut - Warum Atlantis nicht 1200 vor Christus versank, unter: Athener und Ägypter; bei: Atlantis und die Sintflut im Schwarzen Meer (abgerufen: 05.07.2012)
  4. Siehe: Rich McQuillen, "Legends of the Greek and Egyptian Gods", unter: "On the shores of Canopus (Atlantis in pre-Alexandria, Egypt)", 2007 (abgerufen: 5. Aug. 2015)
  5. Quelle: Tony O’Connell, "Tyrrhenia (M)", 12. Juni 2010, bei Atlantipedia.ie (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  6. Quelle: Ulrich Hofmann, "Platons Insel Atlantis", BoD, 2004, S. 49
  7. Quelle: Rainer Krämer, "Das Rätsel des Aristokles", Twilight-Line Verlag GbR, 2009, S.14, Fußnote 12
  8. Siehe: Michael Hübner, Welcome to Asalas.org - Die Entdeckung einer prähistorischen Stadt in einer ringförmigen geomorphologischen Struktur zeugen von einem wahren Kern des platonischen Atlantis Mythos, unter: Atlantis lag westlich von Ägypten und Tyrrhenien (abgerufen: 05.07.2012)
  9. Quelle: Hans Steuerwald, "Der Untergang von Atlantis: das Ende einer Legende", Kulturbuch-Verlag, 1983, S. 90

Bild-Quelle:

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