Der Untergang von Ur-Athens Armee im Atlantisbericht

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"In der darauffolgenden Zeit aber gab es gewaltige Erdbeben und Überschwemmungen; es kam ein schlimmer Tag und eine schlimme Nacht, da eure [der Athener; d. Red.] ganze Streitmacht mit einem Male in der Erde versank, und ebenso versank auch die Insel Atlantis ins Meer und verschwand darin." (Timaios, 25d)

von Tony O’Connell

Abb. 1 Links: Eine mykenische Rüstung mit Eberzahnhelm (Ende 15. Jahrhundert v.d.Z.) im Archäologischen Museum Nafplio; Mitte: eine weitere mykenische Rüstung (ca. 1400 v.d.Z.). In etwa so dürften auch Soldaten der Armee des bronzezeitlichen Ur-Athen im Krieg gegen Atlantis gerüstet gewesen sein, deren gemeinsamen Untergang Platon (rechts) im Dialog Timaios (25d) erwähnt.

Die Zerstörung der athenischen Armee, gemeinsam mit der von Atlantis, wie von Plato (Abb. 1, rechts) berichtet (Timaios, 25d), macht keinen Sinn, wenn die gesamte Erzählung, wie häufig behauptet wird, lediglich ein moralisches Lehrstück darstellt, in welchem die sündhaften und korrumpierten Atlantier aufgrund ihres bösen Wesens vernichtet werden. Im Normalfall würde solch eine Geschichte die angeblich moralisch überlegenen Athener [1] so vorführen, dass sie prosperieren und über ihre Gegner triumphieren. Die bloße Tatsache, dass beide militärischen Protagonisten vernichtet werden, wenn auch nicht notwendigerweise zur selben Zeit, steht im Widerspruch zu der Vorstellung, dass es sich hierbei um eine Moralerzählung handelt, sondern trägt stattdessen zur Glaubwürdigkeit der Ansicht bei, dass Platos Geschichte Einiges an historischer Wahrheit in sich trägt. Bernard Suzanne offeriert hierzu eine ganz andersgeartete Interpretation auf Grundlage des Hintergrunds und der Motive des Kritias. [2]

Platos Schilderung des Untergangs von Atlantis und der Auslöschung Athens hat viele Autoren veranlasst, diese Vorkommnisse mit eher globalen Ereignissen in Verbindung zu bringen. Die Verbindung von Atlantisforschung [orig.: "Atlantis"; d.Ü.] und Katastrophismus besteht nun schon seit mehr als einem Jahrhundert, als Ignatius Donnelly sein bahnbrechenes Werk "Atlantis: The Antediluvian World" [3] und seinen Beitrag zur katastrophistischen Literatur, "Ragnarok: The Age of Fire and Gravel" [4], veröffentlichte. Allerdings wurde die Vorstellung von Atlantis [und Ur-Athen; d.Ü.] als Opfer einer sehr großflächigen Katastrophe [5] bereits 1788 von Giovanni Rinaldo Carli artikuliert, der behauptete [6], dass die Nahbegegnung mit einem Kometen weltweite Verwüstungen verursachte, welche die permanente Überflutung von Atlantis mit einschlossen.

Bei Plato ist verzeichnet, dass Atlantis 'an einem Tag und in einer Nacht' untergegangen sei, was George H. Cooper zu der Bemerkung führte, dass die Kenntnis der Schnelligkeit seiner Vernichtung nur von "Überlebenden oder vorbeifahrenden Seeleuten" herstammen könne und in die Überlieferungen vieler Nationen eingeflossen sein dürfte. [7] Die Quintessenz ist jedenfalls, dass der Zeitpunkt der Vernichtung von Atlantis und seiner Armee unbekannt ist, auch wenn von Kommentatoren angnommen wurde, dass sich dies kurz nach dem Krieg mit Atlantis ereignet habe. Alles was Plato dazu sagt, ist, dass dies "zu einer späteren Zeit" geschah. Allerdings erwähnt er die Vernichtung der beiden Armeen in der selben Passage (Tim. 25d/e) auf eine Weise, die eine gemeinsame Ursache nahelegen könnte.


Siehe auch:


Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Tony O’Connell wurde in englischsprachiger Original-Fassung erstmals am 7. Juni 2010 unter dem Titel "Destruction of Athenian Army (L)" bei Atlantipedia.ie veröffentlicht. Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung durch Atlantisforschung.de (04/2017).

Fußnoten:

  1. Siehe zum urtümlichen Athen in Platons Atlantisbericht bei Atlantisforschung.de: "Ur-Athen" - Definition und Beschreibung (red)
  2. Siehe: Bernard Suzanne, "Why did Plato destroy Athens along with Atlantis? (about Timæus, 25b-d)", 8./9. August 1998, bei plato-dialogues.org (abgerufen: 04. April 2017)
  3. Siehe: Ignatius Donnelly, "Atlantis: The Antediluvian World", New York (Harper & Row), 1882
  4. Siehe: Ignatius Donnelly, "Ragnarok: The Age of Fire and Gravel", New York (D. Appleton), 1883
  5. Siehe zur Vorstellung solcher Mega-Katastophen der Menschheits- und Zivilisationsgschichte bei Atlantisforschung.de: "Kataklysmus" - Definition und Begriffsgeschichte (red)
  6. Siehe: Giovanni Rinaldo Carli "Lettres Américaines", Paris (Buisson), 1788
  7. Siehe: George H. Cooper, "Ancient Britain: The Cradle of Civilization", San José (Hillis-Murgotten), 1921 (Neuauflage bei Kessinger, Montana, 2003), S. 283

Bild-Quellen:

1) Links: Schuppi (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Mycenaean armour from chamber tomb 12 of Dendra 1.JPG
1) Mitte: Soterz (Urheber) in der Wikipedia auf Englisch bei Wikimedia Commons, unter: File:Mycenaean armour 1400BC.jpg
1) Rechts: Marie-Lan Nguyen (Fotographin) bei Wikimedia Commons, unter: File:Plato Pio-Clemetino Inv305.jpg