Die Amazonen (Teil 4)

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Leseprobe aus: Die Deltagöttin-Kultur

4. Die Amazonenaxt

von Eire Rautenberg

Abb. 1 Altes römisches Mosaik, das eine berittene Amazone mit der Labrys kämpfend zeigt; 4. Jahrh. nach Chr. aus Daphne, einer Vorstadt von Antiochia am Orontes (dem heutigen Antakya in der südlichen Türkei). Ausgestellt im Louvre, Paris.

Was hat es mit der Doppel-Axt auf sich? Die Labrys, auch Amazonenaxt genannt, meint eine Axt mit zwei gegenüberliegenden gerundeten Schneiden, die ab ca. 2.000 v. Chr. in der frühen Bronzezeit als Kultgegenstand oder Statussymbol Verwendung fand, vereinzelt schon früher. Als Waffe wurde sie z.B. in Persien verwendet. >Labrys< wird allein bei Plutarch überliefert und von ihm aus Kleinasien hergeleitet. Sie erscheint zuerst im fünften vorchristlichen Jahrtausend als Glück bringendes Amulett nahe der mesopotamischen Stadt Ninive.

Abb. 2 Hier der Kopf einer Doppelaxt aus Schweden (Endneo­lithikum, um 2500 v. Chr.; Zeichnung von Karl Weule, 1912)

In Schweden wurden Doppeläxte aus reinem Felsgestein mit halbmondförmig geschweiften Schneiden (Abb. 2) gefunden, der Schnurkeramik zugerechnet bzw. der Streitaxt-Kultur (2.800 – 2.200 v. Chr.). Die Doppelaxt war angeblich auch die Waffe des berühmten keltischen Fürsten Vercingetorix aus Gallien.

Im feministischen Zusammenhang steht die Doppelaxt heute für die Vision einer matriarchalen Gesellschaft oder für den Glauben an die Muttergöttin. Erst in zweiter Linie gilt sie als Zeichen für eine lesbische Sexualität.

Abb. 3 Minoische Doppelaxt als Schmuckanhänger

Die Labrys war als Kultgerät, nicht als Waffe, während der alten minoischen Kultur 2.000 – 1.000 v. Chr. auf der Mittelmeerinsel Kreta in häufigem Gebrauch. (Abb. 3) Manche der gefundenen Äxte dort waren mehr als mannshoch [1] und wurden für Opfer-Stiere verwendet, die in der minoischen Kultur eine wichtige Rolle spielten. Bei Ausgrabungen im Palast von Knossos wurde das Symbol der Labrys häufig entdeckt. Nach den archäologischen Funden deutet man die Doppelaxt als „zeremonielle Waffe von Priesterinnen der Jungfrau-Mutter“ (= Weiße Göttin), als Symbol der Fruchtbarkeit und heiliges Symbol der Minoer. Erforscht ist die Labrys durch die Funde im minoischen Kreta.

Möglicherweise hängt hier das Kultgerät mit dem Wortstamm von Labyrinth zusammen. Was bedeutet „Labyrinth“? Henry M. Sayre vermutet, dass die Minoer den komplex gebauten Palast von Knossos, aufgrund der zahlreichen Abbildungen von Doppeläxten im Palast selbst, „Haus der Doppeläxte" nannten (= labyrinth) und das Wort später dann die Bedeutung „Irrgarten“ erhielt. Karl Kerényi beschreibt „Labyrinth“ als „Steinbruch mit vielen Schächten und Gängen“. Das erinnert an die unheimliche Sage vom Minotaurus und seinem Aufenthaltsort sowie den sog. Ariadne-Faden im verzweigten Gefängnis.

Leitet sich der Volksbegriff „Minoer“ und (König) Minos ursprünglich von „smin“ ab (= Wortwurzel -min; altindisch: -smin)? War der Palast der Minoer ebenfalls eine Schwanenburg, also eine Trojaburg? Oder steht hier die Wortwurzel -min für „Schönheit, Kunst, Kultur“? Die Nebenbedeutung wäre nachvollziehbar. Erhalten hat sich diese heutzutage z. B. im Begriff „sminken“ / schminken der Frauen.


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Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Eire Rautenberg (©) ist ein Auszug aus ihrem Werk "Die Deltagöttin-Kultur – Atlantis und die Vorfahren der Deutschen" (ohne die im Buch enthaltenen Quellenangaben), das im August 2017 bei epubli erschienen ist. Die Veröffentlichung bei Atlantisforschung.de erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Fußnote:

  1. Red. Anmerkung: Siehe zu diesen bei Atlantisforschung.de auch: "Die Riesenäxte im Archäologischen Museum von Herakleion - Bronzezeitliche Ritualobjekte oder Titanenwaffen?" (red)

Bild-Quellen:

1) Clio20 bei Wikimedia Commons, unter: File:Amazonomachie 00.JPG (Lizenz: Creative Commons, "Attribution-Share Alike 3.0 Unported")
2) Karl Weule (Autor) bei Wikimedia Commons, unter: File:Doppelaxt.jpg
3) Andree Stephan (Autor) bei Wikimedia Commons, unter: File:Minoische Kultgegenstaende - Doppelaxt.jpg (Version vom 25 August 2008) (Lizenz: Creative Commons, Attribution 3.0 Unported)