Bronzezeit

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von Tony O’Connell

Abb. 1 Hier zwei Brustpanzer aus Bronze von einer end-bronzezeitlichen Fundstätte bei Marmesse in Frankreich

Die Bronzezeit ist die zweite Periode der pauschalisierten dreiteiligen Gliederung von Vorgeschichte [sowie Protohistorie; d.Red.] in Stein-, Bronze- und Eisenzeit. Ich sage pauschalisiert, weil Bronzetechnologien in verschiedenen Teilen der Welt zu unterschiedlichen Zeiten entwickelt wurden. Während einige Kulturen direkt von Stein zu Eisen wechselten, hatten andere eine Kupferzeit vor ihrer Bronzezeit. Es gibt jetzt eindeutige Beweise dafür, dass bereits 4650 v. Chr. An einem Standort in Vinča in Serbien Zinnbronze verwendet wurde [1].

Die Bronzezeit war jedenfalls eindeutig der literarische, wenn nicht der historische Hintergrund für Platos Atlantis-Erzählung. [...] Plato bezieht sich auf Triremen (entwickelt um 600 v. Chr.), Streitwagen (Mesopotamien um 3000 v. Chr.), Pferderennen (Pferde erstmals um 4500 v. Chr. in Asien domestiziert), Schrift, Metallurgie usw. usw. Kürzlich wurde die Datierung des Endes der griechischen Bronzezeit um ungefähr ein Jahrhundert auf etwa 1125 v. Chr. zurückverlegt [2].

In der Bronzezeit gab es im Mittelmeer-Raum zwei Perioden großer politischer Turbulenzen, die erste um 2200 v. Chr. und die zweite ein Jahrtausend später [3] [4].

Da Plato jedoch zweimal angibt, dass Atlantis 9.000 Jahre vor Solons Besuch in Ägypten zerstört wurde, stellt er uns vor ein ernstes Problem, da die Bronzezeit mit einem Datierung auf 9600 v. Chr. nicht vereinbar ist. Was davon ist richtig? Oder sind beide falsch, und ist folglich die gesamte Geschichte eine vollständige Fiktion? Alternativ ist es möglich, dass Platos Erzählung eine Kombination aus mehr als einer Geschichte ist oder dass sie eine Kombination aus Fakten und Fiktion darstellt.

Abb. 2 Ein Foto des sogenannten 'Ontonagan Boulders', eines gewaltigen Kupfererz-Brockens aus Michigan. Es verdeutlicht plakativ, welche Mengen an Kuofer die bronzezeitlichen Bergleute damals zutage förderten, was ohne eine entsprechende Technologie und Logistik nicht möglich gewesen wäre.

Obwohl es in Nordamerika Kupfer und in Südamerika Zinn gab, scheinen sie im Allgemeinen nicht auf sinnvolle Weise zusammengebracht worden zu sein, um auch in Amerika eine Bronzezeit zu ergeben, die mit jenen in Europa oder Asien vergleichbar wäre [5]. [6]

Frank Joseph hat unter anderem vorgeschlagen, dass die enormen Mengen an Kupfer, die auf der Oberen Halbinsel von Michigan abgebaut wurden [7], für die Bronzehersteller Europas bestimmt waren [8]. Er betrachtet deren Abbau und Ausfuhr als das Werk der Atlanter. Gavin Menzies schreibt die Ausbeutung der Minen in Michigan den Minoern zu [9]. [10]

Im Jahr 2018 wurde in einem Papier behauptet, Plutarch habe möglicherweise auf griechische Besuche in Kanada im ersten Jahrhundert nach Christus hingewiesen. [11] Die Autoren, zu denen der griechische Archäologe Ioannis Liritzis gehört, räumen ein, dass diese Annahme spekulativ ist.

Abb. 3 Der Eingang zu den Great Orme-Minen in Wales, dem größen bronzezeitlichen Bergbau-Zentrum der Welt

Es ist jedenfalls interessant, dass der Bergbau in Michigan um 1200 v. Chr. bzw. ungefähr zur gleichen Zeit eingestellt wurde, als die Bronzezeit in Europa zu Ende ging. Die Vorstellung, dass der Kupferabbau in Michigan das Werk von Händlern aus der Alten Welt sei, wird von lokalen Archäologen wie Susan R. Martin heftig bestritten. [12]

Die von Scott Wolter präsentierte Fernsehserie America Unearthed untersuchte auch die Idee des Bergbaus der Minoer in Michigan (Season 1, Episode 3). Jason Colavito schrieb eine äußerst kritische Rezension der Episode [13], während eine noch ausführlichere Kritik auf der Website archyfantasies.com [14] zu finden ist. [15]

In jüngsten Jahren wurden zahlreiche Minen aus der Bronzezeit auf den Britischen Inseln und in ganz Europa entdeckt, darunter die riesigen Great Orme-Minen (Abb. 3) in Wales, die 1987 wiederentdeckt [16] und vom Guinness-Buch der Rekorde als größte bronzezeitliche Kupfermine der Welt anerkannt wurden, eine Ansicht, die in jüngerer Zeit durch Forschungen von Wissenschaftlern der Universität Liverpool [17] [18] bekräftigt wurde. Wenn man die Produktion dieser Kupferminen und die enorme Menge an Zinn betrachtet, die in Cornwall produziert wird, ist klar, dass Großbritannien einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der europäischen Bronzezeit geleistet hat. Es wird geschätzt, dass diese walisischen Minen um 600 v. Chr. aufgegeben wurden.

Solche europäischen Minen zusammen mit denen im Nahen Osten haben natürlich zu einer Infragestellung von Josephs These geführt. Wenn Kupfer für die Europäer zu Hause so weit verbreitet war, was war der Anreiz für die Atlanter, Kupfer in Michigan abzubauen und es mit den zu jener Zeit vorhandenen relativ primitiven Schiffen und [entsprechender; d.Ü.] Nautik nach Europa zu versenden? [19] [...]

Die andere Seite des Bedarfs für die Bronzeproduktion ist eine ausreichende Belieferung mit Zinn. In diesem Zusammenhang haben neuere Untersuchungen gezeigt, dass im östlichen Mittelmeer-Raum praktisch keine Zinnquellen vorhanden sind [20], was in starkem Kontrast zum westlichen Becken mit Kassiterit in Sardinien, Spanien und Marokko steht. [21]


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Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Tony O’Connell (©) wurde seiner atlantologischen Online-Enzyklopädie Atlantipedia.ie entnommen, wo er am 6. Juni 2010 unter dem Titel "Bronze Age" erstveröffenlicht wurde. Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung nach dem Stand vom 10. April 2020 durch Atlantisforschung.de.

Fußnoten:

  1. Siehe: stonepages.com, unter: "6,500-year old tin-bronze from Serbia" (abgerufen: 10. April 2020)
  2. Siehe: ScienceDaily, 09. Oktober 2014, "Greek Bronze Age ended 100 years earlier than thought, new evidence suggests" (abgerufen: 10. April 2020)
  3. Siehe: Robert Matthews, "Meteor clue to end of Middle East civilisations", 04. November 2001, bei telegraph.co.uk
  4. Siehe zu der besagten zweiten Periode bei Atlantisforschung.de auch: Tony O’Connell, "Bronzezeit-Kollaps"
  5. Siehe: history.stackexchange.com, unter: "Was there a bronze age in the Americas?" (abgerufen: 10. April 2020)
  6. Red. Anmerkung: Eine Ausnahme bildet hier die Chimú-Kultur (ca. 1250 bis 1470 n. Chr.) im Norden von Peru. Die Chimú bauten in ihrem Herrschaftsbereich Kupfer ab, importierten Zinn aus dem Gebiet des heutigen Bolivien und stellten damut Bronzelegierungen her.
  7. Siehe dazu einführend bei Atlantisforschung.de: William R. Corliss, "Gesucht: 500 000 Tonnen Kupfer" (1993)
  8. Siehe dazu bei Atlantipedia.ie: "Archive 3645" (veröffentlicht: 2. Juni 2019; abgerufen: 10. April 2020)
  9. Siehe: Gavin Menzies, "The Lost Empire of Atlantis", London (Orion Books Ltd.), 2011 / New York (Harper Collins), 2011
  10. Red. Anmerkung: Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass Gavin Menzies die Minoer ebenfalls mit Atlantis in Verbindung bringt.
  11. Siehe: Rebecca Boyle, "Did Ancient Greeks Sail to Canada? - Researchers think Plutarch’s De Facie tells the tale of Greek sailors making the treacherous transatlantic crossing. They dug into the science to show how it could have happened.", 1. Februar 2018, bei hakaimagazine.com (abgerufen: 10. April 2020)
  12. Siehe: Susan R. Martin, "The State of Our Knowledge About Ancient Copper Mining in Michigan", in: The Michigan Archaeologist 41(2-3):119-138, 1995 (archiviert bei Atlantipedia.ie; abgerufen: 10. April 2020)
  13. Siehe: Jason Colavito, "Review of America Unearthed S01E03: 'Great Lakes Copper Heist'", 01. Mai 2013, bei jasoncolavito.com (abgerufen: 10. April 2020)
  14. Siehe: archyfantasies.com, unter: "Mysterious Minoan Miners and the Missing Michigan Minerals – America Unearthed S 1 Ep 3" (abgerufen: 10. April 2020)
  15. Red. Anmerkung: Es kann kaum verwundern, dass eine solche Hypothese auf Mainstream-ArchäologInnen, wie Susan R. Martin, sowie auf Pseudoskeptiker, wie Jason Colavito und die Macher/innen von archyfantasies.com, geradezu wie ein 'rotes Tuch' wirkt. Immerhin stellt sie ein zentrales - wenn nicht das bedeutsamste - Paradigma der Altamerikanistik infrage, nämlich den 'Isolationismus'. Sollte dieses Paradigma durch 'lästige' Evidenzen ins Wanken gebracht werden, wäre dies für die Masse der FachwissenschaftlerInnen und ihre außeruniversitären Hilfstruppen ein weltanschauliches Desaster.
  16. Siehe: greatormemines.info, unter: "Welcome to the Great Orme Bronze Age Mines" (abgerufen: 10. April 2020)
  17. Siehe: R. Alan Williams und Cécile Le Carlier de Veslud, "Boom and bust in Bronze Age Britain: major copper production from the Great Orme mine and European trade, c. 1600–1400 BC", in: Antiquity Volume 93, Issue 371, October 2019 , pp. 1178-1196
  18. Siehe auch: o.A., "Great Orme copper mine 'traded widely in Bronze Age'", 29. Oktober 2019, bei BBC News (abgerufen: 10. April 2020)
  19. Red. Anmerkung: Wir möchten dazu feststellen, dass die Atlanter - wenn wir sie als hypothetische bronzezeitliche Großmacht aus dem atlantischen Westen betrachten - a) einen ungeheuren Bedarf an Kuofer und Zinn gehabt haben müssen (sowohl zur Deckung ihrer eigenen Bronzeproduktion als auch als Handelswaren); b) zunächst keinen Zugriff auf die Ressourcen des östlichen Mittelmeer-Raums und der Levante hatten; c) wie wohl viele seefahrende Völker der Bronzezeit durchaus über hochseetaugliche Wasserfahrzeuge und entwickelte nautische Kenntnisse verfügten. Zusammengefasst heißt das: Sie hatten sowohl ein Motiv als auch die Möglichkeit, sich das besonders hochwertige Kupfer aus Michigan anzueignen.
  20. Siehe: Sheppard Baird, "The Distribution of Tin (Cassiterite) - Mediterranean Bronze Age", 2013 (archiviert bei Atlantipedia.ie; abgerufen: 10. April 2020)
  21. Red. Anmerkung: Zu einer anderen anzunehmenden Bezugs-Quelle von Zinn siehe bei Atlantisforschung.de: Dominique Görlitz, "Der Ursprung der Zinnbronzen - Zur Möglichkeit mediterraner Fernhandelsbeziehungen mit den böhmischen-sächsischen Bergbauzentren in der Bronzezeit" (Jan. 2018)

Bild-Quellen:

1) Calame (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: "File:Cuirasses Marmesse.JPG" (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“)
2) Ian Shackleford (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Ontonagon Copper Boulder.jpg
3) Alan Simkins (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Great Orme Copper Mine - geograph.org.uk - 819.jpg (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 generisch“, (US-amerikanisch)