Die ewige Legende von Atlantis

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von Thomas Ritter

Das Wissen sei endlos und bleibe dem Glauben geradezu entgegengesetzt.“ J. W. v. Goethe

Abb. 1 Wohl keine andere altertümliche Überlieferung hat die Menschen mehr in ihren Bann gezogen als jene von der versunkenen Insel Atlantis.

Generationen von Forschern haben sie gesucht, Dichter sie besungen, Gelehrte haben sich um ihre Existenz gestritten und streiten sich noch. Die einen verweisen sie ins Reich der Fabel, die anderen bemühen sich, mit mehr oder weniger fundierten Thesen zu beweisen, daß es sie doch gab - die Insel ATLANTIS.

Unzählige Streitschriften sind bereits zu diesem Thema verfaßt worden, ihre Anzahl übersteigt schon die der Jahre, welche seit der ersten Veröffentlichung vergangen sind. Kaum eine Region unseres Planeten wurde nicht „verdächtigt“, Heimat der Atlanter gewesen zu sein. Mit „wohlbegründeten“ Thesen wurde versucht, Atlantis in der Sahara, in Indien, Mittelamerika, Skandinavien und sogar auf Helgoland zu lokalisieren. Bis heute sind sich Historiker, Naturforscher, Sprachgelehrte und Geographen nicht über das Faktum Atlantis einig geworden. Es fehlt das entscheidende Artefakt, welches die Existenz des vorgeschichtlichen, hochzivilisierten Kulturstaates schlüssig belegen könnte.

Atlantis - Mythos, Sage oder doch Wirklichkeit? Woher eigentlich wurde uns die Kunde vom Blühen und Vergehen dieses Gemeinwesens überliefert? Wenden wir uns also den geschichtlichen Quellen zu:

Der Griechische Philosoph Platon verfaßte in der letzen Phase seines Lebens, etwa um 349 / 348 v. Chr. eine Bericht über Atlantis, der zum „Stein des Anstoßes“ wurde. Selbst unter Platons Zeitgenossen herrschten kontroverse Meinungen zum Atlantisthema. Aristoteles, einst Platons Schüler, gehörte zu den Widersachern des Platonberichtes. Dieser Bericht ist uns in der Form eines Dialoges zwischen Platons Mutterbruder Kritias und Timaios aus Unteritalien (Pythagoreer, Naturforscher und Sternkundiger in einer Person) überliefert. Hören wir also zunächst, was Kritias berichtet:

So höre denn, oh Sokrates, eine zwar seltsame, aber durchaus wahre Geschichte. Vor allem wollen wir zuerst daran erinnern, daß es im ganzen 9000 Jahre waren, seitdem - wie angegeben worden - der Krieg zwischen denen, die jenseits der Säulen des Herakles wohnen, und den innerhalb derselben Wohnenden ausbrach. Es wurde schon angeführt, daß an der Spitze der letzteren unser Staat stand und den ganzen Krieg zu Ende führte, während über die ersteren die Könige der Insel Atlantis herrschten. Diese Insel war, wie wir bemerkten, einst größer als Libyen (gleichbedeutend mit dem damals bekannten Teil Afrikas - Th. R.) und (Klein) Asien, jetzt aber ist sie infolge von Erdbeben ins Meer versunken und setzt dem, der von hier aus nach dem jenseitigen Meere fahren wollte, eine jedes Vorwärtskommen hemmende Schlammasse als unüberwindliches Hindernis entgegen.

Bei der Verteilung der ganzen Erde unter die Götter erhielt Poseidon die Insel Atlantis. Vom Meere her nach der Mitte der ganzen Insel lag eine Ebene, wie es keine schönere und an Bodenbeschaffenheit trefflichere gegeben haben soll. An sie schloß sich, wieder nach der Mitte zu, vom Meere etwa 50 Stadien entfernt, ein nach allen Seiten niedriger Berg an. Ihn bewohnte einer der dort zu Anfang aus der Erde entsprossenen Männer namens Euenor mit seiner Gattin Leukippe. Poseidon verband sich mit deren Tochter, und so umgab er denn den Hügel, auf dem sie wohnten, ihn abglättend, ringsum mit einer starken Schutzwehr. Abwechselnd nämlich fügte er kleinere und größere Ringe von Meerwasser und Erde umeinander, und zwar zwei von Erde, drei mit Meerwasser, von der Mitte der Insel aus wie mit dem Zirkel abgemessen.

An Kindern zeugte er fünfmal Zwillingssöhne, er zog sie auf, teilte die ganze atlantische Insel in zehn gleiche Teile und sprach dem ältesten Paare, den Erstgeborenen, den mütterlichen Wohnsitz zu mit dem ringsherum liegenden Teile, dem größten und besten, und machte ihn zum König über die anderen, die anderen aber auch zu Herrschern; denn jedem gab er die Herrschaft über viele Menschen und vieles Land.

Vieles wurde ihnen als Herren unterworfener Gebiete von außen zugeführt, das meiste aber zum Bedarf des Lebens bot die Insel selbst. Zunächst alles , was durch den Bergbau an gediegenem Gestein und schmelzbarem Material aus der Erde gefördert wird, darunter auch eine Metallart, von der wir jetzt nur noch den Namen kennen, die aber unter diesem alten Menschengeschlecht nächst dem Golde am höchsten geschätzt ward. Ferner bot sie alles. was der Wald für die Arbeiten der Zimmerleute zu liefern hat, in großer Fülle, auch nährte sie reichlich zahme und wilde Tiere. Und so war das Geschlecht der Elefanten sehr zahlreich auf ihr vertreten.

Indem nun die Herrscher dies alles von der Erde empfingen, gründeten sie Tempel, Königshäuser, Werften und Schiffshäfen und gaben auch dem ganzen übrigen Land seine Einrichtungen, wobei sie folgende Ordnung einhielten: Zuerst überbrückten sie die Wasserringe, welche die Mutterstadt umgaben, um einen Weg aus und zu der Königsburg zu schaffen. Sie gruben vom Meere aus einen Kanal, drei Plethren breit, 100 Fuß tief und 50 Stadien lang und ermöglichten so die Schifffahrt dahin vom Meere wie in einen Hafen.

Die Insel aber, auf welcher die königliche Burg lag, hatte einen Durchmesser von fünf Stadien. Diese nun umgaben sie ringsherum mit einer steinernen Mauer, ebenso die Erdringe von der einen Seite der ein Plethron breiten Brücke, aber bei den Durchgängen zum Meere errichteten sie Türme und Tore.

Sodann faßten sie die um den äußersten Ring herumlaufende Mauer in ihrem ganzen Umfang mit Erz ein, indem sie es ähnlich wie Salböl verwendeten; die innere umkleideten sie mit geschmolzenem Zinn und die Mauer um die Burg selbst mit Goldkupfererz, welches einen feurigen Glanz hatte.

Den ganzen Tempel überzogen sie von außen her mit Silber, mit Ausnahme der Zinnen, diese aber mit Gold... Um den Tempel außen herum standen goldene Bilder von Weibern und von all denen, die von den zehn Königen abstammten.

Die Quellen aber, die mit dem kalten und dem warmen Wasser, ... verwerteten sie in nützlicher Weise: Ringsum, nämlich in der Nähe derselben, legten sie Gebäude und für die Bewässerung besonders empfängliche Baumpflanzungen an; dazu ferner richteten sie ringsum Wasserbehälter ein, teils unter freiem Himmel, teils zu warmen Bädern für den Winter.

In der Umgebung dieser Wasserleitungen waren zahlreiche Heiligtümer für eine Reihe von Göttern, teils Gärten und Ringplätze in großer Zahl angelegt, sowohl für die gymnastischen Übungen der Männer selbst wie für die Übungen mit Rossgespannen, gesondert auf jedem der beiden Erdringe. Überdies befand sich auch in der Mitte der Insel eine auserlesene Rennbahn, ein Stadion breit und der Länge nach sich um den gesamten Umkreis erstreckend, zur uneingeschränkten Wettkampfleistung für die Gespanne.

Nun gilt es, das übrige Land nach seiner natürlichen Beschaffenheit und der Art der Verwaltung zu schildern. Zunächst ward das Gelände im ganzen als Hochland und als schroff nach dem Meere abfallend geschildert, nur das Gelände um die Stadt herum als durchweg eben. Diese die Stadt umschließende Ebene ward aber selbst von Gebirgen umschlossen, die sich bis zum Meere hinabzogen, während sie ihrerseits eine glatte und gleichmäßige Fläche bildete, im ganzen von länglicher Gestalt wie ein Rechteck, auf der einen Seite 3.000 Stadien vom Meer her, in der Mitte 2.000 Stadien lang. Im Verhältnis zur ganzen Insel lag dieser Teil nach Süden zu, geschützt gegen den Nordwind. Folgendes nun war die natürliche Beschaffenheit der Ebene und die Gestaltung, die sie durch die Fürsorge vieler Könige in langer Zeit erhalten hatte. Sie hatte die Gestalt eines regelmäßigen Vierecks ..., das von einem Graben begrenzt war ..., der die von den Bergen herabströmenden Gewässer aufnahm.

Was aber die Volksmenge anlangt, so bestand die Anordnung, daß jedes Landgrundstück in der Ebene aus der kriegstüchtigen männlichen Bevölkerung einen Anführer stellen sollte; die Größe eines jeden Landlosen betrug durchschnittlich 10 Quadratstadien, die Gesamtzahl aller dieser Mannschaften betrug 60.000. Die Führer mußten der geltenden Ordnung gemäß je sechs immer einen Kriegswagen stellen, im ganzen 10.0000 Wagen, zwei Rosse und Reiter, ferner ein Zweigespann ohne Sessel, auf dem ein Krieger mit kleinem Schild seinen Platz hatte, der im Kampf herunterstieg, und neben diesem Kämpfer noch einen Lenker für die beiden Rosse; außerdem mußte jeder zwei Schwerbewaffnete stellen und je zwei Bogenschützen und Schleuderer, je drei leichtbewaffnete Stein- und Speerwerfer und vier Seeleute zur Bemannung der 1.200 Schiffe. So war das Kriegswesen des königlichen Staates eingerichtet, von den übrigen neun aber hatte jeder seine besonderen Einrichtungen, über die zu berichten zu viel Zeit erfordern würde.

Für die Verteilung der Ämter und Ehrenstellen ferner waren von Anfang an folgende Anordnungen getroffen:

Von den zehn Königen war ein jeder in seinem Gebiete mit dem Wohnsitz in seiner Stadt Herr über die Bewohner und die meisten Gesetze, so daß er strafte und hinrichten ließ, wen er wollte. Die Herrschaft und die Gemeinschaft unter ihnen selbst aber ward aufrechterhalten nach den Anordnungen des Poseidon, wie sie ihnen das Gesetz und die Inschrift überlieferte, die von den Urvätern auf einer Goldsäule aus Goldkupfererz eingegraben war; sie stand mitten auf der Insel im Heiligtum Poseidons. Dort versammelten sie sich abwechselnd jedes fünfte, bald jedes sechste Jahr ... und berieten hier in persönlicher Berührung über die gemeinsamen Angelegenheiten, untersuchten ferner, ob sich einer Übertretung schuldig gemacht hatte und saßen darüber zu Gericht. Das Urteil aber, welches sie gefällt, trugen sie, sobald es Tag ward, auf eine goldene Tafel ein, die sie als Gedenktafel aufstellten.

Diese gewaltige und großartige Macht, die damals in jenen Gegenden bestand, ließ Gott nun in kriegsmäßigen Zusammenschluß gegen unsere Gegenden hier vorbrechen, und zwar, wie es heißt, aus folgenden Grunde:

Viele Menschenalter hindurch, so lange des Gottes Natur sich in ihnen noch fühlbar machte, blieben sie den Gesetzen gehorsam und verleugneten nicht ihre Verwandtschaft mit der Gottheit. Als aber, was Göttliches in ihnen war, durch starke und häufige Mischung mit den Sterblichen mehr und mehr dahinschwand und menschliche Sinnesweise die Oberhand bekam, da erst zeigten sie sich unfähig, sich mit dem Vorhandenen richtig abzufinden, schlugen aus der Art und erniedrigten sich in den Augen aller Urteilsfähigen dadurch, daß sie von allem Wertvollen das Schönste zugrunde richteten.... Der Gott der Götter, Zeus, der nach den Gesetzen regiert und einen scharfen Blick für dergleichen hat, beschloß, da er ein so tüchtiges Geschlecht in einem so kläglichen Zustand versetzt sah, sie durch Strafen zu züchtigen, auf das sie dadurch zur Besinnung gebracht und gebessert würden. So berief er denn alle Götter in ihrem ehrwürdigen Wohnsitz zusammen, der, in der Mitte der ganzen Welt gelegen, den Blick über alles gewährt, was des Werdens teilhaftig geworden und richtete an die Versammelten folgende Worte...

Hier bricht der Text ab. Vermutlich hinderte der nahende Tod Platon, sein großartiges Werk zu Ende zu führen.

Nun aber stellt sich an dieser Stelle die Frage, woher Kritias sein umfangreiches Wissen bezog. Dazu ist folgendes bekannt: Solon, Athens hervorragender Staatsmann, der dem Stadtstaat auch eine neue Verfassung gab, reiste im Jahre 571 v. Chr. nach Ägypten, um Studien zu treiben. Dabei besuchte er auch das Priesterkollegium von Sais, welches zu dieser Zeit bereits über eine mehrtausendjährige Tradition verfügte. Anhand der im Tempel der Göttin Neith aufbewahrten alten Hieroglyphen erzählten die Priester Solon die oben beschriebene Geschichte, die er seinerseits nach der Rückkehr ins heimatliche Athen seinem Freund Dropides mitteilte. Dieser Dropides nun war der Urgroßvater des Kritias, und er hielt Solons Bericht offensichtlich für so bedeutsam, daß er dafür sorgte, daß dieser Bericht in seiner Familie überliefert wurde. So erhielt schließlich Kritias Kunde davon.

Nun führen die Gegner der Atlantishypothese als ein Hauptargument ins Feld, daß Platon - der sich als Philosoph sehr eingehend mit der Vorstellung eines idealen Staates beschäftigte - dieses ideale Staatsgebilde durch seinen Bericht über Atlantis beschrieben hat. Atlantis sei also nur eine Vision und habe real nie existiert.

Betrachten wir aber die historischen Quellen, so sieht alles etwas anders aus. Erfahren wir deshalb aus dem Munde des Timaios, was die Neith-Priester Solon weiterhin anvertrauten:

Es gab eine Zeit, mein Solon, vor der größten verheerenden Flut, wo das jetzt unter dem Namen Athen bekannte Gemeinwesen an Trefflichkeit die erste Stelle einnahm sowohl in Beziehung auf den Krieg wie auf die ganze gesetzliche Ordnung, die ihresgleichen nicht hatte. Diesem, eurem Staate werden die herrlichsten Taten und trefflichsten Maßnahmen nachgerühmt, von denen wir überhaupt auf Erden Kunde erhalten haben.

Als Solon dies vernommen, gab er sein Erstaunen zu erkennen und bat die Priester auf das Angelegentlichste, ihm von Anfang bis zu Ende alles zu berichten. was sich auf die einstigen Bürger Athens bezöge. Der Priester erwiderte: Es soll dir nicht vorenthalten bleiben, Solon...

Die Gründung unserer Staatsordnung ist nach Aufzeichnung der Tempelurkunden vor 8.000 Jahren vollzogen worden. Es sind also Bürger, die vor 9.000 Jahren gelebt haben, über deren gesetzliche Einrichtungen und hervorragenden Taten ich dir in der Kürze berichten werde. Wie die Urkunde berichtet, hat euer Staat dereinst einer gewaltigen Heeresmacht Halt geboten, die in hellem Übermut gegen Europa und Asien zugleich zu Felde zog und ihren Ausgangspunkt im atlantischen Meere hatte. Damals nämlich war das Meer dort schiffbar; denn vor der Meerenge, die in eurer Sprache „Säulen des Herakles“ heißt, lag eine Insel. Diese Insel war größer als Libyen (damals gleichbedeutend mit dem bekannten Teil Afrikas -Th. R.) und (Klein)-Asien zusammengenommen, und von ihr war damals der Übergang möglich nach den ganzen anderen Inseln, von diesen Inseln aber wieder der Übergang nach dem ganzen gegenüberliegenden Festland, welches jenes Meer umschließt, das eigentlich allein den Namen Meer verdient...

Auf der Insel Atlantis nun bildete sich eine große und staunenswerte Königsmacht, der nicht nur die ganze Insel, sondern auch noch viele andere Inseln sowie Teile des Festlandes untertan waren.

Außerdem beherrschten diese Könige noch von den Ländern am Binnenmeer Libyen bis nach Ägypten und Europa bis nach Tyrrhenien. Diese ganze zur Einheit zusammengeballte Macht schickte sich nun einst an, alles euch und uns gehörende Land sowie überhaupt alles Land innerhalb der Meerenge durch einen einzigen Kriegszug in ihre Gewalt zu bringen. Das war denn, mein Solon, die Zeit, wo eure Staatsmacht der ganzen Welt die glänzende Probe ihrer Tüchtigkeit und Kraft gab; denn allen überlegen an Beherztheit und Kriegskunst stand sie zuerst an der Spitze der Hellenen. dann aber sah sie sich durch den Abfall der anderen auf sich allein beschränkt. So geriet sie in äußerste Bedrängnis; gleichviel errang sie den Sieg über die Angreifer und errichtete ihre Siegeszeichen...

Weiterhin aber brach dann eine Zeit gewaltiger Erdbeben und Überschwemmungen herein, und es kam der Tag und eine Nacht entsetzlicher Schrecken, wo die ganze Masse eurer Krieger von der Erde verschlungen ward; ebenso tauchte die Insel Atlantis in die Tiefen des Meeres hinab und verschwand. Daher ist das dortige Meer auch heute noch unbefahrbar und unerforschbar infolge der gewaltigen Schlammassen, welche die sinkende Insel aufhäufte...

Daraus ergibt sich, daß den ägyptischen Priestern die geographische Lage und Größe der ehemaligen Insel genau bekannt waren. Ferner kann als gesichert angenommen werden, daß den griechischen Gelehrten nur die Welt innerhalb der „Säulen des Herakles“ (Mittelmeer) bekannt und vertraut war. Die Meerenge, welche den Namen „Säulen des Herakles“ trägt, ist uns heute als Straße von Gibraltar bestens bekannt.

Daraus läßt sich schlussfolgern, daß die Insel Atlantis, welche wir im folgenden auf Grund ihrer Größe als Kontinent definieren wollen, im atlantischen Ozean zu suchen ist. In Frage kommen dabei die Meeresgebiete zwischen dem 50. Grad nördlicher Breite sowie dem 20. und 50. Grad westlicher Länge.

Dort gibt es auch heute noch Land - die Azoreninseln. Sie stellen die höchsten - den Meeresspiegel überragenden - Erhebungen des Azorenplateaus dar. Senkt man den Spiegel des Atlantik um etwa 3.000 m, so bedeckt das Azorenplateau einen Raum von ca. 7.000 km in nordsüdlicher Richtung und etwa 1.500 km in westöstlicher Richtung, ein Gebiet also, das mit seiner Fläche einem kleinen Kontinent durchaus entspricht.

Platon betont ausdrücklich, daß auf Atlantisauch das Geschlecht der Elefanten sehr zahlreich vertreten war“. Folglich muß sich der atlantische Kontinent bis in tropische oder zumindest subtropische Gebiete erstreckt haben. Nun ist es allerdings recht einfach, anhand eines Dokumentes - etwa des Platonberichtes - einen Kontinent zu „rekonstruieren“. Doch für unsere Theorie gibt es weitere, handfeste Beweise.

Da ist jenes geheimnisvolle Felsstück, das im Jahre 1898 der Tiefseegreifer eines französischen Kabeldampfers aus 3.000 m Tiefe heraufholte. Auf einer Position von 29 Grad westlicher Länge und rund 500 km nördlich der Azoreninsel Fayal hatte der Dampfer infolge eines Kabelrisses seine Fahrt unterbrechen müssen. Bei der Bergungsaktion für das gerissene Kabelende wurde der genannte Felsbrocken zutage gefördert. Nach Beendigung der Fahrt übergab ihn der meereskundlich interessierte Kapitän des Schiffes dem Pariser Museum. Dort registrierte man den Fund zwar, doch mangels Interesse der Wissenschaftler geriet er gründlich in Vergessenheit. Erst fünfzehn Jahre später untersuchte Paul Termier - Direktor des Ozeanographischen Institutes Frankreichs und Gelehrter von Weltruf - den Felsbrocken. In einem Vortrag des Ozeanographischen Institutes unterbreitet er der staunenden Fachwelt die sensationellen Ergebnisse seiner Untersuchung. Das Felsstück war vulkanischen Ursprungs und von glasartiger Beschaffenheit. Dies zeitigte Termiers logischen Schluß, daß der Felsbrocken von einem überseeischen Vulkanausbruch stammen mußte und an der Luft erstarrt war; denn Lava aus unterseeischen Vulkanen kann keine glasartige Oberflächenbeschaffenheit aufweisen. Doch Termier konnte dem Stein noch ein weiteres Geheimnis entreißen. Die Oberfläche des Lavastückes wies eine scharfkantige Struktur auf. Das Meerwasser hatte die ursprünglichen Formen noch nicht angegriffen. Nach Termiers Schätzung beträgt die Zeit, in welcher glasartige Lava in größeren Meerestiefen Formveränderungen unterliegt, in etwa 15.000 Jahre.

Der amerikanische Geophysiker Piggot unternahm eine Forschungsreise von New York nach Irland. Mit einem eigens dafür konstruierten Kanonenlot ließ er auf der gesamten Fahrt Sedimentproben aus Tiefen bis 5.000 m aus dem Meeresboden herausschießen. In den Ablagerungen fand man die Bestätigung dafür, daß in den letzten 700.000 Jahren tatsächlich vier Eiszeiten stattgefunden hatten. Es zeigten sich auch zwei Schichten vulkanischer Asche, die von mächtigen Eruptionen stammen mußten. Die letzte, für uns besonders interessante Schicht liegt über der letzten Eiszeitablagerung.

Im nordamerikanischen Becken des Atlantik betrug die Länge der Sedimentpfropfen bis zu drei Meter, der Pfropfen, den Piggot direkt aus dem Azorenplateau herausschießen ließ, war nur acht Zentimeter lang. Nach den Erfahrungswerten für die Absetzgeschwindigkeit von Sedimenten rechnet man für den der Meeresströmung stärker ausgesetzten Atlantikrücken, zu dem auch das Azorenplateau gehört, mit einer Ablagerung von einem Zentimeter pro Jahrtausend. Daraus ergibt sich, daß jener Teil des Azorenplateaus. von dem die Probe stammt, erst seit ungefähr 8.000 Jahren von Sedimenten bedeckt wird. Der Schluß liegt nahe, daß es sich bei dem genannten Gebiet vorher um festes Land gehandelt haben muß.

Die Untersuchungen atlantischer Küstengebiete, sowohl auf afrikanischer als auch amerikanischer Seite, wiesen auf ein Phänomen hin, das sich die Fachwissenschaftler lange Zeit nicht recht erklären konnten. Im Meeresboden gibt es tief eingeschnittene Klüfte, die sich außerhalb der verschlammten Küstenzone bis zu 50 km meerwärts und bis in eine Tiefe von 3.000 m erstrecken. Man stellte recht bald fest, daß diese Einschnitte im Meeresboden Flußtäler darstellen. Beispielsweise besitzen der Hudson und der Kongo solche untermeerischen Fortsetzungen. Da es aber schlichtweg unmöglich ist, daß die Flußströmung außerhalb der Küstengebiete noch derartige Auswaschungen hervorrufen kann, da sie ja vom Meerwasser gebremst wird, so läßt sich das Rätsel nur lösen, wenn man davon ausgeht, daß die Flüsse früher viel länger waren und die Flußmündungen dort lagen, wo sich heute die unterseeischen Rinnen im Meeresgrund verlieren. Daraus läßt sich schlußfolgern, daß die Kontinentränder vor langer Zeit in den Atlantik abgesunken sind. Da in den unterseeischen Küstengebieten keine weiteren Uferzonen gefunden worden sind, ist als sehr wahrscheinlich anzunehmen, daß die Veränderungen schlagartig eingetreten sind. Wann und unter welchen Umständen die geschah, darauf werde ich später noch ausführlich eingehen.

Unter Berücksichtigung der Angaben des Platonberichtes und der angeführten Fakten läßt sich die Lage des ehemaligen Kontinentes Atlantis mit recht großer Wahrscheinlichkeit im Atlantik unter den bereits genannten Koordinaten bestimmen. Während Platon aber diesen Staat schildert, als habe er mit seinen Bewohnern gesprochen und sei durch die prächtigen Städte gegangen, so bleiben uns nur die mehr oder weniger reichhaltigen Untersuchungsergebnisse.

Wenn auch die aus Ozeanologen bestehende Crew der Jacht „Hirondelle“, der Privatjacht des Fürsten Albert I. von Monaco, beim Auswerten von Grundproben aus dem Gebiet südwestlich der Azoreninsel Santa Maria im Schlamm das schwache Glied einer Kupferkette fand, so ist dies doch zu wenig, um damit die Existenz einer ganzen Kultur beweisen zu können.

Allerdings sei hier angemerkt, daß die Tiefseeforschung trotz aller Bemühungen und spektakulären Unternehmungen noch am Anfang steht. Wenn auch größte Tiefen kein Hindernis mehr darstellen, so fehlt es doch an flächendeckender Forschung, auch im Azorenraum. Zumeist sind es einzelne, kleinere Institutionen, Stiftungen und andere kleinere Gesellschaften, die sich solchen Unternehmen widmen. Selbstverständlich ist die Kapazität dieser Gesellschaften viel zu gering, um das Wissensdefizit in kürzerer Zeit abzutragen. Vereinte Anstrengungen aller Staaten, Kontinente umspannende Zusammenarbeit ist nötig, um die anstehenden globalen Probleme zu lösen, zu denen zweifellos auch die Frage nach dem „Woher“ der Menschheit gehört. Denn um die heute so dringliche Frage nach dem „Wohin“ unserer Zivilisation zu beantworten, ist es unumgänglich, die Wurzeln der Existenz der menschlichen Gesellschaft bloßzulegen und zu untersuchen. In diesen Problemkreis fällt auch das Thema Atlantis.

Nachdem wir den Kontinent Atlantis anhand der genannten Fakten lokalisiert haben, ergibt sich die Frage nach der wirklichen Größe des atlantischen Reiches. Folgen wir Platons Bericht, so umfaßte der Herrschaftsbereich der atlantischen Könige, wobei dieser Titel wohl eher dem gesellschaftlichen Verständnis Platons und seiner Zeitgenossen entspringt, nicht nur den Inselkontinent, sondern in Europa zumindest die Küstengebiete des heutigen Spanien, Portugal, Frankreich und Italien. In Afrika erstreckte sich der Herrschaftsbereich der Atlanter neben der Westküste (Marokko, Mauretanien, Senegal, Guinea, Sierra Leone und Liberia) auch auf Algerien, Tunesien, Libyen und Ägypten.

Doch damit nicht genug. Der Neith-Priester erzählte Solon, daß „damals der Übergang von Atlantis nach den anderen Inseln“ möglich war, „von diesen Inseln aber wieder der Übergang nach dem ganzen gegenüberliegenden Festlande, welches jenes Meer umschließt, das allein den Namen Meer verdient...“ Klingt hier nicht das Wissen um die karibische Inselwelt, das mittelalterliche Festland und sogar den Pazifischen Ozean an?

Nur wenn man sich den heutigen [[[Atlantis im Atlantik|Atlantik]] weitgehend von einer Landmasse bedeckt vorstellt und das Mittelmeer als „Binnenmeer“ begreift, wie es ja auch richtig im Platonbericht heißt, wird die Äußerung vom „Meer, das allein den Namen Meer verdient“, verständlich. Diese Feststellung allerdings setzt die genaue Kenntnis der wirklichen geographischen Verhältnisse voraus und widerspricht natürlich gravierend dem geläufigen antiken Weltbild. Für diese Vermutungen gibt es recht deutliche Indizien. Verschiedene Gemeinsamkeiten der europäischen, afrikanischen und amerikanischen Flora und Fauna sind den Naturwissenschaftlern schon seit geraumer Zeit bekannt. Doch es geht hier nicht vorrangig um solche Beweise, uns kommt es mehr auf die Zeugnisse menschlichen Schaffens beiderseits des Atlantik an. Existieren da auch solche „eigenartigen“ Übereinstimmungen? Und ob!

Am überzeugendsten dokumentieren diese Gemeinsamkeit die Pyramiden. Es gibt sie in Mexiko, Kolumbien, Peru, aber auch in Ägypten und sogar in Indien. Ausgenommen die drei „großen“ Pyramiden in Gizeh handelt es sich zumeist um Stufenpyramiden, diesseits wie auch jenseits des Atlantik. Völker, durch Tausende von Kilometern voneinander getrennt, entwickeln ein und denselben Baustil. Lernten sie etwa von den gleichen Meistern?

Nun mag man dieser Argumentation entgegenhalten, daß die Pyramiden in der Alten und der Neuen Welt nicht dem gleichen Zwecke dienten. Während die Pyramiden in den nach astronomischen Gesichtspunkten erbauten Städten der Maya in Chichen Itzta, Palenque oder Tikal dem Kalenderkult dienten, dies steht seit der Enträtselung der Inschriften an den ehemaligen Bauwerken fest, wurden die ägyptischen Pyramiden für den Totenkult erbaut.

So lautet jedenfalls die offizielle Lehrmeinung, Steht sie jedoch auf festem Grund? In keiner der stark gesicherten Pyramiden wurde die Leiche eines dort angeblich bestatteten Pharaonen gefunden.

Es heißt, dass der Pharao Cheops die große Pyramide errichten ließ. Das ist allgemein bekannt. War Cheops jedoch wirklich der geniale Bauherr? Im Grunde gibt es nur zwei Quellen, die dafür sprechen. Beide sind jedoch äußerst fragwürdig. Herodot schreibt in seinen Studien über Ägypten, daß Pharao Cheops den Befehl zum Pyramidenbau gab. Der Name Cheops aber ist griechischen Ursprungs, im ägyptischen lautet die Bezeichnung Chufu. Diodor von Sizilien, ein anderer antiker Chronist, nennt als den Erbauer der Pyramiden Pharao Chemmis. Der römische Historiker Cajus Plinius Secundus, der mit größter Akribie all jene Autoren verzeichnet, die bereits vor ihm über die Pyramiden berichteten, vermerkt dagegen nur lakonisch: „Keiner von ihnen weiß aber die eigentlichen Erbauer zu nennen...

Der zweite Beweis zugunsten des Pharao Cheops ist eine Inschrift in einer der sogenannten „Entlastungskammern“ über der „Königskammer“ in der großen Pyramide. Diese Kartusche wurde im Jahre 1837 von dem ehrgeizigen englischen Gardeoffizier und Amateur-Ägyptologen Howard Vyse und seinem Chefingenieur John S. Perring entdeckt, nachdem sie sich mittels Schießpulver einen Zugang freigesprengt hatten.

Auf einem der über zwei Millionen verarbeiteten Felsblöcken der Pyramide war der Name Chufu zu lesen. Dies genügte Vyse - und der Öffentlichkeit - augenscheinlich als Beweis.

Doch schon im selben Jahr 1837 wurden auch kritische Gegenstimmen laut, die jedoch im allgemeinen Jubel über die „Entdeckung“ untergingen. Der Ägyptologe und Hieroglyphenspezialist Samuel Birch bemerkte: „Die Bedeutung (der Inschrift) ... ist nicht recht ersichtlich .... sehr schwer zu deuten....

Was verwirrte den Fachwissenschaftler? Die mit einer Mischung aus rotem Ocker - von den Arabern Moghrah genannt- aufgepinselte Inschrift war in semi-hieratischen bzw. linear-hieroglyphischen Zeichen geschrieben - einer Schrift also, die zu Cheops Zeiten noch gar nicht existierte. Sie kam erst später in Gebrauch und bildete sich allmählich aus der frühägyptischen „Bilderschrift“ heraus. Da es unmöglich war, daß jemand in der Zeit vor der Öffnung der Großen Pyrmide durch die Handwerker und Soldaten des Kalifen Al Ma`mmun -Sohn des Harun al Raschid, der von 820 bis zu seinem Tode 827 auch über Ägypten herrschte - das Bauwerk betreten hatte, bleibt nur folgende Variante:

Howard Vyse kannte als Militär und Amateurforscher nur ein Standardwerk über Hieroglyphen - John Gardner Wilkinsons „Materis hieroglyphica“ (erschienen 1828). In diesem Handbuch war der Name Chufu falsch geschrieben - der Konsonant „Ch“ wurde mit dem Sonnensymbol „Re“ übersetzt - dies erkannte man allerdings erst sehr viel später. In der gleichen Schreibweise aber ist die Kartusche in der großen Pyramide abgefaßt.

Angesichts der oben genannten Fakten ist es wohl kein Sakrileg mehr, nach dem wahren Alter der Pyramiden und ihren wirklichen Erbauern zu fragen, und dabei nach neuen Lösungswegen zu suchen. Geht man von einem gemeinsamen Ursprung der europäischen und amerikanischen frühen Hochkulturen aus, so erscheint die seltsame Übereinstimmung ihrer Bauwerke in einem ganz anderen Licht. Noch ein Fakt deutet auf den gemeinsamen Ursprung der ägyptischen und mexikanischen Pyramidenanlagen hin. Beide wurden geschaffen, um etwas für die Ewigkeit zu bewahren. Die Erbauer der amerikanischen Pyramiden - die Maya - verewigten ihren präzisen Kalender in Stein. Das ist seit der Entdeckung der Schlangenpyramide in Mexiko-City im Jahre 1925 schlüssig bewiesen. Warum die Maya auf eine solch aufwendige Methode der Tages- und Jahreszählung verfielen, werde ich später noch genauer abhandeln.

Die ägyptischen Pyramiden, von denen heute noch gesagt wird: „Der Mensch fürchtet sich vor der Zeit, die Zeit aber fürchtet sich vor den Pyramiden“ - bewahrten (und bewahren wahrscheinlich noch) interessante Artefakte einer vorgeschichtlichen, hochstehenden Zivilisation. Hören wir also, was die Männer des Kalifen Al Ma´mum in der großen Pyramide (Cheopspyramide) vorfanden. Der arabische Geograph und Historiker Taki ad-Din Ahmad ben´Ali ben´Abd al-Kadir ben`Muhammad al Makrizi (1364 -1442) berichtet darüber in seinem Geschichtswerk „Hitat“:

Al Ma`mum hat die große Pyramide geöffnet. Ich suchte ihr Inneres auf und erblickte ein großes, gewölbtes Gemach, dessen Basis ein Viereck bildete, während es oben rund war. In der Mitte befand sich ein viereckiger Brunnenschacht von zehn Ellen Tiefe. Steigt man in ihn hinab, so entdeckt man auf jeder seiner vier Seiten eine Pforte, die zu einem großen Raum führt, in dem Leichname liegen, Söhne Adams....“ Offenbar ist mit dem gewölbten Gemach“ die sogenannte „Unvollendete Grabkammer“ gemeint, die 35 m tief unter dem Fundament der Pyramide liegt.

An einer anderen Stelle im „Hitat“ heißt es über den Erbauer der großen Pyramide:

In die farbige Pyramide (gemeint ist die Cheopspyramide - Th.R.) endlich ließ er die Leichname der Wahrsager in Särgen aus schwarzem Granit bringen; neben jedem Wahrsager lag ein Buch, in dem seine wunderbaren Künste, sein Lebenslauf und seine Werke, was er zu seiner Zeit vollbracht hatte, beschrieben war... Auch gab es keine Wissenschaft, die er nicht niederschreiben und aufzeichnen ließ, außerdem ließ er dorthin die Schätze der Weissager schaffen, sowie die Schätze der Gestirne, die diesen als Geschenke dargebracht worden waren und diese bildeten eine gewaltige und unzählbare Menge.

Über die Öffnung der Pyramide durch Al Ma`muns Mannschaft ist noch folgendes vermerkt:

„...sie traten nun in das mittlere Gemach ein und fanden darin drei Totenbahren, die aus durchsichtigen, leuchtenden Steinen gefertigt waren; darauf lagen drei Leichname. Jeder war mit drei Gewändern bedeckt und hatte neben seinem Haupte ein Buch in unbekannter Schrift liegen... Al Ma´mun befahl, alles, was sich in den Gemächern befunden hatte, wegzuschaffen, die Figuren an den Säulen aber ließ er wieder herabziehen, worauf sich die Pforten schlossen, wie zuvor.

Auch in den beiden anderen Pyramiden (im „Hitat“ die westliche bzw. östliche Pyramide genannt) sollen sich unvorstellbar reiche Schätze, seltsame Talismane sowie wissenschaftliche Werke und historische Aufzeichnungen in gewaltiger Menge befinden, so jedenfalls berichtet es Muhammad al Makrizi in seinem Geschichtsbuch.

Nun mag man entgegenhalten, daß Jahr für Jahr Hunderttausende Touristen die Pyramiden besichtigen, ohne über Schätze bzw. Bücher mit wissenschaftlichem Inhalt zu stolpern. Sollte man also besser die arabische Überlieferung als ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht betrachten?

Dagegen sprechen nachstehende Tatsachen:

Im Jahr 1986 entdeckten die französischen Architekten Jean-Patrice Domuion und Gilles Gaidin mittels elektronischer Detektoren weitere Hohlräume in der Cheopspyramide, so ein 3 m breites und 5,5 m hohes Gemach unterhalb des Ganges zur „Königinnenkammer“, das mit kristallinem Quarz gefüllt ist.

Den Franzosen folgte ein Jahr später ein Team der Waseda-Universität Tokio. Ihm gehörten ein Professor für Ägyptologie, ein Professor für Architektur, ein Doktor für Geophysik sowie verschiedene Elektronikspezialisten an. Teamchef war Professor Sahuji Yoshimura. Den mit Hochtechnologie ausgerüsteten Japanern gelang es, eindeutige Indizien für das Vorhandensein eines ganzen Labyrinthes von Gängen, Schächten, Korridoren und ähnlichen Räumen in und außerhalb der Cheopspyramide zu finden. Bereits durch Ausgrabungen bestätigt wurde die Entdeckung einer zweiten Sonnenbarke im Felsplateau unter der Pyramide.

Zu allen bislang auf diese Art lokalisierten Räumlichkeiten gibt es keine anderen Zugänge. Wir dürfen also auf weitere Überraschungen gespannt sein und begehen wohl auch keinen Fehler, wenn wir den von Muhammad al Makrizi überlieferten Daten Glauben schenken und die Pyramiden als Hinterlassenschaft einer vorgeschichtlichen, präägyptischen Kulturnation betrachten. Der Kreis schließt sich. Wir gelangen wieder zum Platonbericht und der atlantischen Zivilisation. Gehen wir von den geschilderten Quellen aus, dann erstreckte sich das atlantische Reich einst von der Westküste Mexikos über den Mittelmeerraum bis zum Nil. Das politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum bildete dabei zweifellos der Inselkontinent Atlantis. Staatswesen, die Kontinente miteinander verbinden, Nationen in einer Konföderation zusammenschließen, sind aus der Geschichte bekannt. Erinnert sei an das Reich Alexander von Macedoniens, das Römische Reich, das Großrussische Reich oder die einstige Sowjetunion.

Allgemein bekannt sind aber auch die Unzulänglichkeiten solcher Staatsgebilde, die ja nach dem Prinzip der direkten oder indirekten Vorherrschaft einer konförderierten Nation über alle anderen funktionieren. Damit ergeben sich Widersprüche, die bis zum Zerfall des betreffenden Großreiches führen können.

Atlantis scheint jedoch während der historisch relativ kurzen Zeit seiner Existenz eine derartige Vollkommenheit in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur erlangt zu haben, daß Platon noch rund 9.000 Jahre später begeistert das atlantische Reich als idealen Staat preist. Man kann also die atlantische Gesellschaftsordnung mit vollem Recht als Schrittmacher innerhalb der vorgeschichtlichen Welt bezeichnen. Wenn Platon aus relativ großer zeitlicher Distanz immer noch der Faszination Atlantis erlag, wie groß erst muß die Ausstrahlungskraft dieses Landes zu seiner Zeit gewesen sein!

An dieser Stelle spätestens ergeben sich einige Fragen. Wie konnte eine solch bedeutende Staats- und Wirtschaftsrecht zu einer Zeit früher Jägerkulturen entstehen? Als bewiesen gilt, daß vor dem Beginn des Bergbaues in großem Stil die Rohstoffvorräte unseres Planeten unangetastet waren. Daraus schlußfolgert man, daß vor der heutigen noch keine andere hochstehende Zivilisation auf der Erde existiert haben kann.

Hören wir noch einmal Platon: „Vieles wurde ihnen (den Bewohnern von Atlantis -Th. R.) ... von außen zugeführt, das meiste jedoch zum Bedarfe des Lebens bot die Insel selbst....

Offenbar wurde auf Atlantis eine intensive Wirtschaft betrieben. Welches Wissen und welche Erfahrung aber gehören dazu, um einen solchen Stand der Produktivkräfte zu erreichen, um das bei Platon beschriebene Lebensniveau zu garantieren und dabei den Staat vernünftig durchzuorganisieren. Interessant ist, daß Platon in seinem Bericht nirgendwo Sklaverei oder ähnliche Erscheinungsmerkmale von Ausbeutung nennt. Allem Anschein nach wurde das Reich demokratisch regiert, denn Platon spricht von einem „Rat der 10 Könige“, die im Abstand von fünf bis sechs Jahren auf einer großen Beratung ihre weitere gemeinsame Politik abstimmten. Die Bezeichnung „König“ und die geschilderte absolutistische Verwaltung der einzelnen atlantischen Provinzen hingegen dürften Platons Weltbild und seinem Verständnis im damaligen Athen geschuldet sein und somit eine Widerspiegelung seiner Welt darstellen.

Neben dem erstaunlichen Niveau der Produktivkräfte fällt dem Leser vor allem auf, daß die atlantische Kultur bereits in ihrem Frühstadium die höchste Blüte erreicht haben muß. Ähnlich verhält es sich übrigens mit dem ägyptischen Pharaonenreich. Die architektonischen, wissenschaftlichen und kulturellen Leistungen der ersten Dynastie vermochten die nachfolgenden Reiche nicht zu wiederholen.

Ein mächtiger Impuls auf allen Gebieten des menschlichen Daseins muß die Atlanter im „Blitzstart“ über die mit ihnen existierenden Völker hinausgehoben haben. Die weitere Entwicklung von Atlantis verlief in Form einer ausschwingenden Sinuskurve. Nachdem die „Energie“ des „Impulses“ verbraucht war, nachdem also die Faktoren, die zu dieser rasanten Entwicklung geführt hatten, nicht mehr wirkten, sanken die Atlanter - sicher im Verlauf von mehreren Generationen - auf die Stufe der anderen frühen Völker zurück. Platon erwähnt diesen Vorgang ja auch in seinem Bericht und begründet ihn mit der Abstammung des atlantischen Volkes von den Göttern.

Viele Menschenalter hindurch, solange des Gottes Natur sich in ihnen noch fühlbar machte, blieben sie den Gesetzen gehorsam und verleugneten nicht ihre Verwandtschaft mit der Gottheit....Als aber, was Göttliches in ihnen war, durch starke und häufige Mischung mit den Sterblichen mehr und mehr dahinschwand und menschliche Sinnesweise die Oberhand bekam, da erst zeigten sie sich unfähig, sich mit dem Vorhandenen richtig abzufinden, schlugen aus der Art und erniedrigten sich in den Augen aller Urteilsfähigen dadurch, daß sie von allem Wertvollen das Schönste zugrunde richteten“.

Man ist leicht geneigt, diese Passagen des Atlantisberichtes als bloßen Mystizismus abzutun, doch urteilen wir nicht vorschnell. Platons Götter scheinen sehr real gewesen zu sein.

Wer vermittelte den Atlantern ihr enormes Wissen, lehrte sie, derartige architektonische und kulturelle Werte zu schaffen?


Die ewige Legende von Atlantis - Fortsetzung