Erwin Rohde

Historisches Forscher- und Autorenportrait

Auf einen Blick

Abb. 1 Dr. Erwin Rohde (1845-1898)

(red) Erwin Rohde (Abb. 1) (* 9. Oktober 1845 in Hamburg; † 11. Januar 1898]] in Neuenheim bei Heidelberg) war ein in Fachkreisen namhafter und einflussreicher deutscher Altphilologe. In atlantologie-historischer Hinsicht gehört er zu den Wegbereitern der bis heute in der Klassischen Philologie sowie unter Historikern vorherrschenden Lehrmeinung, bei Platons Atlantis handele es sich um eine Erfindung des Athener Philosophen.

Biographische Notizen

Was Erwin Rohdes Lebenslauf betrifft, heißt es bei der deutschsprachigen Wikipedia: "Als zweites von vier Kindern des Hamburger Arztes Franz Adolph Rohde (1813–1866) und der Bertha Maria Wilhelmina, geb. Schleiden (1813–1882) besuchte Erwin Rohde zunächst von 1852 bis 1859 die damals berühmte Stoysche Anstalt in Jena, bevor er 1860 nach Hamburg zurückkehrte, wo er an der Gelehrtenschule des Johanneums 1864 sein Abitur machte. Im Sommersemester 1865 begann er ein Studium der Klassischen Philologie an der Universität Bonn. Im folgenden Wintersemester wechselte er wie sein Kommilitone Friedrich Nietzsche an die Universität Leipzig, wo seine Freundschaft mit Nietzsche begann. Zum Wintersemester 1867 ging Rohde an die Universität Kiel und wurde dort am 9. März 1869 bei Otto Ribbeck mit einer Arbeit zu Iulius Pollux promoviert. Nach einer Studienreise nach Italien habilitierte sich Rohde im Herbst 1870 in Kiel und begann zum Wintersemester als Privatdozent zu lehren; am 20. April 1872 wurde er außerordentlicher Professor. 1875 bewarb er sich um den Lehrstuhl an der Universität Dorpat, den jedoch Wilhelm Hoerschelmann erhielt. 1876 nahm Rohde einen Ruf auf eine ordentliche Professur an der Universität Jena an und ging bereits zwei Jahre später, zum Wintersemester 1878/79, nach Tübingen. 1886 folgte er einem Ruf an die Universität Leipzig, wechselte jedoch schon nach einem Semester im Herbst des Jahres als Nachfolger von Curt Wachsmuth an die Universität Heidelberg, deren Prorektor er 1894/95 wurde. Einen Ruf an die Universität Straßburg Anfang 1897 lehnte er ab.

Abb. 2 Die Grabstätte von Erwin und Valentine Rohde, seiner Gattin, auf dem Heidelberger Bergfriedhof

Noch während seiner Kieler Zeit hatte sich Rohde mit der Streitschrift Afterphilologie für die von Nietzsche in der Geburt der Tragödie vertretenen Thesen eingesetzt, die zuvor von Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff scharf angegriffen worden waren. Jahre nach diesem Eintreten für Nietzsche zerbrach die Freundschaft allerdings. Dagegen blieb die Freundschaft mit Franz Overbeck, die über den gemeinsamen Freund Nietzsche zustande gekommen war und sich in einem regen Briefwechsel niederschlug, bis zu Rohdes Tod bestehen. [...]

Abb. 3 Das Titelblatt von E. Rhodes Werk 'Der griechische Roman und seine Vorläufer' aus dem Jahr 1876

Aus der am 8. August 1877 geschlossenen Ehe mit Valentine Framm (1859–1901) gingen vier Kinder hervor: Bertha (1878–1902), die spätere Ehefrau des Heidelberger Geographen Alfred Hettner, Erwin (jun.) (1881–1915), seit 1910 Privatdozent für Pharmakologie an der Universität Heidelberg, Anna (1885–1955) und der früh verstorbene Hans Adolph (1895–1896). Rohdes Ruhestätte befindet sich auf dem Heidelberger Bergfriedhof (Abteilung N). Sein Grabmal (Abb. 2) ist ein Obelisk aus schwarzem, polierten Granit; die Inschrift nennt seinen Namen und den seiner Frau." [1]

Erwin Rohde und Platons Atlantisbericht

Dazu erfahren wir bei Thorwald C. Franke, der hauptsaächlich auf Rohdes Werk Der griechische Roman und seine Vorläufer [2] (Abb. 3) aus dem Jahr 1876 Bezug nimmt: "Erwin Rohde glaubte, dass Platons Atlantiserzählung an die damals existierenden geographischen Mythen und an die damals in Mode gekommenen >politischen Utopien< anknüpfte, Bereits hier war Rohde ungenau: Was wir heute im Allgemeinen unter einer politischen Utopie verstehen, nämlich die blumig ausgeschmückte Erfindung einer politischen Wunderwelt, ist nicht dasselbe wie damals, als nüchterne und rein theoretische Erwägungen wie z.B. die Politeia Platons den Charakter der politischen Utopie bestimmten. Weil nun die Philosophen aber nie die Gelegenheit dazu bekamen, ihre theoretischen Überlegungen zu erproben, verfasste Platon - so Rohde - aus dem vergeblichen Wunsch nach verwirklichung seines Idealstattes aus >hoffnungsvollen Träumen< die >sentimentale Idylle< der Atlantiserzählung. Dass Platon in Syrakus sehr wohl die Gelegenheit bekam, seine theoretischen Überlegungen praktisch zu erproben, war Rohde offenbar völlig entgangen.

Ohne eigene Argumente, sondern hauptsächlich gestützt auf Thomas Henri Martin und Franz Susemihl erklärte Rohde:

>Das ganze ist freieste Dichtung, höchstens an einige kosmologische und geographische Theorien angeknüpft<. [3]

Zu diesen Theorien gehört für Rohde der zyklische Katastrophismus. Die ganze Problematik einer krass gelogenen Wahrheitsbeglaubigung durch Platon überging Rohde mit der Wendung von der >mit lächelndem Ernste< dargebotenen Beglaubigung einer unwahren Geschichte. Was für ein anti-rationales, zynisches Zerrbild von Platon musste der Nietzsche-Freund Erwin Rohde gehabt haben, als er dieses Werk schrieb!

Rohde glaubte auch, dass sich die Spottgeschichte [sic!; d. Red] von Theopomps Meropis auf Platons Atlantis bezieht." [4] [5]



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Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: "Erwin Rohde" (abgerufen: 11. Januar 2020)
  2. Siehe: Erwin Rohde, "Der griechische Roman und seine Vorläufer", Leipzig (Breitkopf & Härtel), 1876; siehe auch: 3., durch einen zweiten Anhang vermehrte Auflage 1914 (beide Auflagen digitalisiert abrufbar bei Archive.org)
  3. Red. Anmerkung: Das Zitat findet sich bei Rohde (1876) auf Seite 199.
  4. Siehe: Erwin Rohde (1876), S. 184-199; siehe auch: Derselbe, "Zum griechischen Roman", in: Rheinisches Museum für Philologie RhM Nr. 48 /1893, S. 109-139
  5. Quelle: Thorwald C. Franke, "Kritische Geschichte der Meinungen und Hypothesen zu Platons Atlantis - Von der Antike über das Mittelalter bis zur Moderne", Norderstedt (Books on Demand GmbH), Juli 2016, S. 411-412

Bild-Quellen:

1) Ed. Schultze Heidelberg Plöckstrasse 79 (Urheber) / Marcus Cyron (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:Erwin Rohde - Imagines philologorum.jpg
2) Phaeton1 (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Erwin rohde.JPG (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“)
3) Archive.org, unter: Der griechische roman und seine vorläufer