Hans Rudolf Stahel

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... und "So entstand Atlantis" (1980)

Abb. 1 Die Frontcovers der deutsch- u. englischsprachigen Ausgaben von H.R. Stahels Atlantisbuch

(bb) Hans Rudolf Stahel - kurz: H.R. Stahel [1] - (* ?; † ?) ist einer jener weitgehend unbekannt gebliebenen Atlantis-Autoren, zu deren Leben sich bei einer ad hoc-Recherche im Internet praktisch keine Informationen finden lassen. Tony O’Connell gibt in seinem Artikel über Stahel "Architekt" als Berufsbezeichnung an [2], was, wie wir sehen werden, durchaus Sinn macht. Der Verfasser des vorliegenden Beitrags sieht zudem guten Grund zur Annahme, dass H.R. Stahel Schweizer ist oder war. [3]

Und damit kommen wir auch schon zu Stahels Buch über Atlantis, das 1980 sowohl in deutscher [4] und englischer [5] als auch in französischer Sprache [6] erstveröffentlicht wurde. Noch im selben Jahr erschien es auch auf Italienisch [7] und Spanisch. [8]. 1982 wurde das Werk - deutscher Titel: "So entstand Atlantis" (Abb. 1, links) - dann in den USA erneut auf Englisch ("Atlantis Illustrated") [9] publiziert, wobei zumindest zur letztgenannten Version (Abb. 1, rechts) von Isaac Asimov ein Vorwort beigesteuert wurde.

Abb. 2 Eine der Zeichnungen aus "So entstand Atlantis", auf welcher H.G. Stahel einen noch im Bau befindlichen Mauerabschnitt neben einem Tor abbildet.

Was Stahels Buch außergewöhnlich macht, ist die Tatsache, dass es ich bei "So entstand Atlantis" quasi um einen atlantologischen Bildband handelt. Auf den 119 Seiten des Buches (US-Version, 1982) finden sich insgesamt 42, zumeist großformatige und in Schwarz-Weiß gehaltene Zeichnungen [10] mit Darstellungen der Stadt Atlantis und einiger ihrer architektonischen Strukturen. Zwar heißt dazu im (insgesamt als durchaus pseudo-skeptisch einzustufenden!) Lemma "Atlantis" der Encyclopedia of Science Fiction (ESF), es handele sich bei ihnen um eine "komplett hypothetsche Rekonstruktion von Atlantis, die [nur] entfernt auf Platos Beschreibung beruht" [11], aber diese Behauptung ist unzutreffend.

Natürlich hat Platon keineswegs genügend Detailinformationen zu Architektur und baulichen Gegebenheiten der Metropolis von Atlantis hinterlassen, um deren 'historisch akkurate' Illustration zu ermöglichen. Somit müssen alle, die sich an Darstellungen von Einzelheiten der Atlantier-Hauptstadt versuchen, einige künstlerische Freiheit für sich in Anspruch nehmen. Zweifellos hat dies auch Hans Rudolf Stahel getan, der sich ansonsten aber penibel an Platons Angaben hielt, insbesondere, was dessen Größenangaben im Atlantisbericht betrifft. Gerade diese - die 'Handschrift' eines Architekten nahelegende - Genauigkeit bei der Adaption der Größenangaben hat zu Ergebnissen geführt, die aus atlantologischem Blickwinkel durchaus bedeutsam sind. Bei Tony O’Connell heißt es dazu: "Seine Zeichnungen demonstrieren, mehr als sonst irgendetwas, die Unwahrscheinlichkeit der von Plato aufgezeichneten Abmessungen. Der durchgängige Grad von 'Overengineering' zwingt uns dazu, die Richtigkeit von Platos Zahlen infrage zu stellen und zu erwägen, ob die wahrzunehmende Überteibung das Ergebnis einer irrigen Transkription von Zahlwörtern ist, oder auf einem Missverständnis bezüglich der verwendeten Maßeinheiten beruht." [12]

Ansonsten erscheint das von Stahel vertretene Atlantis-Konzept wenig extravagant oder eigenständig, sondern als ein an der 'Klassischen Atlantis-Theorie' orientiertes Modell mit einigen individuellen Modifikationen, wozu der irische Atlantologie-Enzyklopädist bemerkt: "Stahels 'Illustriertes Atlantis' ist eine Insel, in deren Zentrum sich die [heutigen] Azoren befanden, nebst einer Inselkette, die sich in mehr oder weniger gerader Linie von dort bis nach Neufundland erstreckte. Zudem fasst er ein Atlanter-Reich ins Auge, das sich von Teilen des [östlichen] Amerika, einschließlich der Flusstäler des Mississippi, Ohio und Missouri, und Mittlamerika bis hin zum Amazonas-Becken im Süden ausdehnte. Östlich der Hauptstadt schließt er alle Küsten Europas mit ein, und, abgesehen von Griechenland, den Mittelmeer-Raum [sowie die] Küsten Nord- und Westafrikas, den Nahen Osten und [Gebiete] bis nach Indien hinein." [13]

Was Hans Rudolf Stahel als Buchautor betrifft, so bleibt noch zu erwähnen, das wir bisher, abgesehen von "So entstand Atlantis", nur eine einzige andere Publikation ausmachen konnten, die ihm mit Sicherheit zuzuschreiben ist. Dieses ab 1981 in mindestens drei Sprachen erschienene Buch, mit dem er sich in die Gefilde konventioneller Archäologie begab, trägt in der deutschsprachigen Version den selbsterläuternden Titel: "Die Pfahlbauer - Entstehung und Geschichte eines Pfahlbaudorfes". [14]


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Andere behannte Namensformen sind: Hans R. Stahel und Hans-Rudolf Stahel
  2. Siehe: Tony O’Connell, "Stahel, H.R. (L)", 09. Nov. 2009, bei Atlantipedia.ie (abgerufen: 15. April 2017)
  3. Anmerkung: Zum einen handelt es sich bei 'Stahel' um einen typisch schweizerischen Namen (siehe dazu z.B.: forebears.io, unter: "Stahel - Bedeutung des Familiennames & Statistik"; abger. 15. April 2017); zum anderen wurden die beiden von ihm verfassten Bücher (mehr dazu oben) bei Edition Brista, einem in Zürich ansässigen Verlag erstveröffentlicht.
  4. Siehe: H.R. Stahel, "So entstand Atlantis", Zürich (Edition Brista), 1980
  5. Siehe: "The Birth of Atlantis - with 42 ill. according to Plato's original measurements", Zürich (Edition Brista), 1980
  6. Siehe: H.R. Stahel, "L'origine d'Atlantide - accompagné de 42 dessins d'après les données originales de Platon", Zürich (Edition Brista), 1980
  7. Siehe: Hans-Rudolf Stahel, "La Nascita di Atlantide - con 42 disegni secondo i dati originali di Platone", Zürich (Edition Brista), 1980
  8. Siehe: Hans R. Stahel, "Nacimiento de la Atlántida", Barcelona (Editorial Timun Mas), 1980 (Frontcover)
  9. Siehe: H.R. Stahel, "Atlantis Illustrated", New York City (Grosset & Dunlap), 1982
  10. Anmerkung: Fotographien einiger dieser Zeichnungen aus der spanischsprachigen Ausgabe des Buches sind zu finden bei: "NACIMIENTO DE LA ATLANTIDA - HANS R. STAHEL - 1985 - EDITORIAL TIMUN MAS (VER FOTOS)" (abgerufen: 16. April 2017)
  11. Orig.: "...an entirely hypothetical reconstruction of Atlantis based remotely on Plato's description". Quelle: "Atlantis", 22. November 2015, bei Encyclopedia of Science Fiction (ESF) (abgerufen: 16. April 2017; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  12. Quelle: Tony O’Connell, op. cit., 2009 (abgerufen: 15. April 2017; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de
  13. Quelle: Tony O’Connell, op. cit., 2009 (abgerufen: 15. April 2017; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  14. Siehe: H.R. Stahel, "Die Pfahlbauer - Entstehung und Geschichte eines Pfahlbaudorfes", Zürich (Edition Brista), 1981

Bild-Quellen:

1) Links: Edition Brista, nach ronbaerxl, unter So entstand Atlantis. Mit 42 Zeichnungen nach den Originalmaßen Platons..., bei booklooker.de (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
1) Rechts: Grosset & Dunlap / Bild-Archiv Atlantisforschung.de
2) H.R. Stahel, op. cit. (1982) / Bild-Archiv Atlantisforschung.de