Ignatius Donnelly zur Plausibilität des Atlantisberichts

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Abb. 1 Ignatius Loyola Donnelly (* 3. November 1831 in Philadelphia, Pennsylvania; † 1. Januar 1901 in Minneapolis, Minnesota)

(red) Nachdem Ignatius Donnelly (Abb. 1) zu Beginn seines berühmte Werkes Atlantis: the antediluvian world (1882) den Inhalt der Passagen mit Atlantis-Bezug aus Platons Dialogen Timaios und Kritias rekapituliert hat, begründet er in Kapitel 3 (THE PROBABILITIES OF PLATO'S STORY), warum er den Atlantisbericht nicht als Erfindung Platons betrachtet, sondern als alte Überlieferung mit einem harten historischen Kern. Da dies zu den noch heute diskussionswürdigen Aspekten bzw. Bereichen seines in manch anderer Hinsicht veralteten Werkes gehört und nach wie vor der Diskussion um Fiktionalität oder Historizität des Atlanticus dienlich sein kann, stellen wir nachfolgend einige diesbezügliche (von uns in Fußnoten kommentierte) Passagen vor. So bemerkt er einleitend zu Platons Ausführungen über Atlantis:

Abb. 2 der Platonische Bericht über Atlantis stellt, wie Donnelly erkannte, keine 'fabelhafte' Beschreibung eines Utopia dar, sondern die "klare und vernünftige Geschichte eines Volkes, das Tempel, Schiffe und Kanäle baute" und "das von Landwirtschaft und Handel lebte".

"Es gibt in dieser Schilderung, soweit sie ein großes, reiches, kultiviertes und gebildetes Volk beschreibt, nichts, was unwahrscheinlich ist. Fast jeder Teil von Platos Bericht lässt sich mit Beschreibungen der [altertümlichen] Völker Ägyptens oder Perus vergleichen. Tatsächlich bleibt Platos Bericht über Atlantis in mancher Hinsicht hinter Herodots Beschreibung der Herrlichkeit Ägyptens oder Prescotts Darstellung des Reichtums und der Zivilisation Perus zurück." [1] [2]

Weiter stellt Donnelly fest: "Es gibt in Platos Erzählung keine Wunderdinge, keine Mythen [3], keine Fabeln von Göttern [4], Gorgonen, Kobolden oder Riesen. Sie ist eine klare und vernünftige Geschichte eines Volkes, das Tempel, Schiffe und Kanäle baute, das von Landwirtschaft und Handel lebte; das in seinen Handels-Bestrebungen nach allen Ländern in seiner Umgebung griff. Die frühe Geschichte der meisten Nationen beginnt mit Gottheiten und Dämonen, während wir hier nichts Derartiges haben. Wir sehen einen Immigranten das Land betreten, eine der einheimischen Frauen heiraten und sich niederlassen; und mit der Zeit wächst um ihn herum eine große Nation heran.

Es erinnert einen an die Information, die Herodot von den ägyptischen Priestern gegeben wurde. >Während des Zeitraums von elftausenddreihundertvierzig Jahren, so versichern sie<, sagt Herodot, >erschien keine Gottheit in menschlicher Gestalt, [5] [...] und sie bestritten absolut die Möglichkeit, dass ein menschliches Wesen von einem Gott abgestammt habe.< Hätte Plato danach getrachtet, aus seiner Phantasie heraus eine wunderbare und ergötzliche Geschichte zu zeichnen, dann hätten wir hier keine so einfache und realistische Erzählung. Er hätte uns eine Geschichte geboten, wie die Legenden der griechischen Mythologie, voll von den Abenteuern von Göttern und Göttinen, Nymphen, Faunen und Satyren." [6]

Bedeutsam erschein auch der Folgende Abschnitt: "Es gibt in Hinsicht auf diese Geschichte auch keine Evidenzen dafür, dass Plato versucht hat, darin eine moralische oder politische Lehre in Form einer Fabel zu vermitteln, wie es Bacon in der >Nova Atlantis< und More in >Kingdom of Nowhere< getan haben. Hier gibt es keine ideale Republik. [7] Es ist eine unkomplizierte, vernünftige Geschichte eines Volkes, das von seinen Königen regiert wird und so lebt und sich weiterentwickelt, wie [auch] andere Nationen seit seiner Zeit gelebt und Fortschritte gemacht haben." [8]

Die nachfolgenden Abschnitte des Buchkapitels befassen sich nicht mehr mit Platons Intentionen als Autor oder Redakteur des Atlantisberichts, sondern mit der Plausibiltät von Donnellys Lokalisierung von Atlantis im Atlantik vor dem Hintergrund der Angaben Platons, weshalb sie hier keine Erwähnung finden.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Red. Anmerkung: Donnelly zitiert dazu nachfolgend aus William Hickling Prescotts Werk "Conquest of Peru" (1874), Vol. I, S. 95. Nachzulesen ist die betreffende Passage hier.
  2. Red. Anmerkung II: Damit argumentiert Donnelly gegen die - leider noch immer vorkommende - Fehlinterpretation von Atlantis als eine Art 'Utopia'.
  3. Red Anmerkung: Dass Platon in seinem Bericht den Gründungsmythos der Atlanter-Metropolis wiedergibt, steht nicht wirklich im Widerspruch zu Donnellys Aussage. Solche Ursprungs-Mythen der Völker zumindest kurz zu erwähnen, war bei antiken Historikern (z.B. bei Herodot) durchaus üblich, ohne dass ihren Berichten deshalb ein mythischer Charakter zugeschrieben wurde oder wird.
  4. Red. Anmerkung: Diese Aussage Donnellys mag die Leser/innen zunächst erstaunen, da ja zu Beginn der Erzählung im Kritias (109b-109c) Athene, Hephaistos und natürlich Poseidon mehr oder weniger kurz Erwähnung finden, und ganz am Schluss auch Zeus. Was den Verlauf der Erzählung betrifft, gibt es aber in der Tat keine Schilderungen göttlicher Eingriffe in das Geschehen, und wir haben Donnellys Aussage wohl auch vor dem Hintergrund seiner euhemeristischen Grundhaltung zu verstehen. Dazu erklärt er in der sechsten seiner 13 Thesen zu Atlantis, "daß die Götter und Göttinnen und Heroen der alten Griechen, der Phönizier und Inder und der nordischen Mythologie nichts anderes waren, als die Könige und Königinnen und Heroen von Atlantis und die ihnen in der Mythologie zugeschriebenen Taten und Handlungen waren nichts anderes, als die durcheinandergewürfelten Erinnerungen an wirkliche vorgeschichtliche Ereignisse".
  5. Red. Anmerkung: Zu den vorausgegangenen Epochen, in denen die Götter nach ägyptischer Überlieferung noch auf Erden wandelten und als Könige herrschten, siehe bei Atlantisforschung.de: Stefan Erdmann, "Zep Tepi - Die 'Zeit der ersten Wiederkehr' in den Mythen und Legenden der alten Ägypter" (2001)
  6. Quelle: Ignatius Donnelly, "ATLANTIS: THE ANTEDILUVIAL WORLD", New York (Harper & Brothers), 1882, S. 22-23 (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de nach der digitalisierten Fassung der Original-Ausgabe des Buches bei Archive.org)
  7. Red. Anmerkung: Was Atlantis betrifft, ist diese Aussage selbstevident, aber auch in Hinsicht auf Ur-Athen ist festzustellen, dass dessen Beschreibung im Kritias zwar durchaus Elemente eines idealen Staates aufweist, wie Platon ihn sich vorstellte, aber eben noch kein 'Idealstaat' war, wie von ihm in der Politeia beschrieben.
  8. Quelle: Ignatius Donnelly, op. cit., S. 23

Bild-Quelle:

1) Alphaios~commonswiki bei Wikimedia Commons, unter: File:Ignatius-Donnelly.jpg
2) / Bild-Archiv Atlantisforschung.de