Phaéthons Sturz und der Untergang von Atlantis (Teil II)

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von Günter Bischoff


Ein zeitweiliger Erdsatellit

Um das Problem des Einfangs eines Asteroiden durch die Lufthülle bei einem nahen Vorbeiflug an der Erde prinzipiell zu lösen, nahm der Autor Ende der 1990er Jahre einige mathematisch-astronomische Vereinfachungen vor. Durch diese Überlegungen wurde es überhaupt erst möglich, ein eigenes Computerprogramm zu entwickeln. Schließlich galt es, damit einige interessante Fragen zu klären, die in den Jahren zuvor im Gedankenaustausch mit Walter Stender entstanden waren. Beispielsweise: wie tief drang der Asteroid in die Atmosphäre ein, bevor es zum endgültigen Absturz kam? Wie lange und wie oft umrundete der Himmelskörper nach dem Einfang die Erde? Mehrere Monate oder gar Jahre? Falls der feurige Himmelskörper mehrere Jahre umkreiste, löste er damit die Trockenheit am Ende der Bronzezeit aus, die die mitteleuropäischen Völkerschaften zur Abwanderung in den Süden zwangen?

Welche Bedingungen für einen Eintritt in eine Satellitenbahn vorliegen müssen, darauf soll nun etwas näher eingegangen werden. Der Einfang eines die Sonne umkreisenden Himmelskörpers durch die Erde ist ein extrem seltenes Ereignis, das nur unter sehr speziellen Bedingungen zu erwarten ist. Wenn ein kosmischer Körper in die Atmosphäre eindringt, dann hängt sein weiteres Schicksal neben seiner äußeren Form und Oberflächenbeschaffenheit im Wesentlichen von vier Parametern ab: seinem Durchmesser, der Dichte, der Annäherungsgeschwindigkeit und der anfänglichen Perigäumshöhe. Ist der Asteroid zu schnell oder zu hoch während der größten Annäherung, dann bekommt die Erde nur einen „Streifschuss“, so wie es am 10. August 1972 vor den Augen tausender Nordamerikaner geschah (Lewis 1997 S. 123 f). In diesem Falle näherte sich das 15 m bis 80 m große Objekt der Erdoberfläche bis auf 58 km und erreichte dabei eine Annäherungsgeschwindigkeit von 10,1 km/s.

Abb. 1 Ein recht großer, langsam verglühender Bolide, rast am 24. April 2011. über Süd-Australien über den Nachthimmel, bevor er verglüht. (Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken!)

Fliegt er dagegen zu langsam oder zu niedrig, dann verglüht er in den dichten Luftschichten oder trifft sofort die Erdoberfläche. Wenn er sich allerdings nach dem erstmaligen Verlassen der Hochatmosphäre langsamer als die Fluchtgeschwindigkeit von 11,2 km/s bewegt, aber noch schneller als die Minimumkreisbahn-Geschwindigkeit von 7,9 km/s ist, dann vollendet er mindestens eine weitere Umrundung außerhalb der Lufthülle. [1] Ohne Luftreibung würde ein Asteroid im Perigäum bis auf eine Geschwindigkeit beschleunigt werden, die ggf. deutlich über der Fluchtgeschwindigkeit liegt. Anschließend würde der Körper auf jeden Fall das Schwerefeld unseres Planeten wieder verlassen.

Damit das Objekt, das sich der Erde nähert, überhaupt eingefangen werden kann, muss es demzufolge beim ersten Durchfliegen der Lufthülle mindestens bis auf eine Geschwindigkeit etwas unterhalb der Fluchtgeschwindigkeit abgebremst werden, um eine stabile, von Gravitationsstörungen unbeeinflusste Ellipsenbahn einschlagen zu können. Wie eine Computersimulation zeigte, nimmt danach bei jedem weiteren Durchgang durch die Atmosphäre die jeweilige Perigäumsgeschwindigkeit um einen annähernd gleichbleibenden Betrag ab. [2] Durch diese Gesetzmäßigkeit ergibt sich eine gute Möglichkeit, unabhängig von der Objektgröße die theoretisch mögliche Maximalanzahl an Umrundungen vor dem Absturz errechnen zu können. Dabei zeigte sich, dass erst bei einer relativ kleinen Annäherungsgeschwindigkeit unter 9 km/s der zeitweilige Erdsatellit etliche Male umkreisen kann. Mehr als zehn Umrundungen kommen jedoch nur unter Voraussetzungen zustande, die sehr selten erfüllt sind (s. Tab. 1).

Auch die größtmögliche Gesamtumlaufzeit kann ausreichend gut abgeschätzt werden. Unabhängig von den konkreten Einfangbedingungen ist die Umlaufzeit des ersten Orbits stets größer als die Umlaufzeiten aller weiteren Umkreisungen zusammengenommen. Der ersten Bahnellipse sind allerdings Grenzen gesetzt, denn bei mehr als 500.000 Kilometern Entfernung sind ungünstige gravitative Störungen durch die Sonne zu erwarten. Da ein vollständiger Umlauf bei dieser lang gestreckten Ellipse etwa zwei Wochen dauert, kann jedes eingefangene Objekt somit die Erde höchstens einen Monat umkreisen (s. Tab. 1).

Das ist eine wichtige Aussage für Klimaforscher und Archäologen, denn für Phaéthon wurden bereits Umlaufzeiten von mehreren Jahren vermutet (Meier 1999, S. 274). Seinem Absturz gingen nämlich ungünstige klimatische Veränderungen voraus. So viel Unheil der Asteroid auch anrichtete, für die Trockenperiode ab etwa 1250 v. Chr. und eine erste Auswanderungswelle der Nord- und Seevölker müssen andere Gründe gefunden werden.

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Tab. 1 Einfangkorridor, Anzahl Umläufe und Gesamtumlaufzeiten in Abhängigkeit von der Annäherungsgeschwindigkeit vrel an die Erde (Objektdurchmesser 0,5 km; die mittlere Anzahl Umläufe und die mittlere Gesamtumlaufzeit gelten für die Mitte des Einfangkorridors; * = Begrenzung durch die Erdoberfläche)

Als Astronauten im Rahmen des US-Mondflugprogramms zur Erde zurückkehrten, durfte die Apollo-Kapsel einen nur elf Kilometer breiten Wiedereintrittskorridor nicht verfehlen. Auch für das Einfangen eines Asteroiden kann ein günstiger Bereich festgelegt werden. Trifft der Himmelskörper bei seiner größten Erdannäherung auf die Untergrenze des Einfangkorridors, kann er gerade noch eine volle Umrundung ausführen. Bei einer Perigäumshöhe an der Obergrenze hingegen kommen die meisten stabilen Umkreisungen zustande. Wie die Berechnungen ergaben, hat der Einfangkorridor selbst unter günstigen Bedingungen nur eine Breite von knapp dreißig Kilometern. Er ist umso schmaler, je höher die ursprüngliche Annäherungsgeschwindigkeit des Objektes an die Erde war. Bei größeren Himmelskörpern bildet die Erdoberfläche selbst die natürliche Untergrenze des Korridors (s. Tab. 1). Zu große oder zu schnelle kosmische Vagabunden - und darunter zählen vor allem die Kometen - können prinzipiell nicht eingefangen werden. Ein zweiter Phaéthon wird – statistisch gesehen - in den nächsten tausend Jahren den schmalen Einfangkorridor ganz sicher nicht treffen.


Die Flugbahn

Abb. 2 Eine Ausgabe von Ovids Methamorphosen aus dem Jahr 1567

Obwohl keinerlei Einzelheiten über Phaéthons Größe, seine Geschwindigkeit und die niedrigste Flughöhe bekannt sind, lässt sich der 3200 Jahre alte Meteoritenfall doch mit einer gewissen Sicherheit rekonstruieren. Auch diesmal hilft die von Ovid aufgezeichnete Legende mit vielen astronomisch deutbaren Einzelheiten weiter.

Den vorangegangenen Berechnungen zufolge kann ein eingefangenes Objekt zwischen wenigen Stunden und vier Wochen die Erde umkreisen. In den „Metamorphosen“ (Abb. 2) lässt sich nun ein Hinweis finden, der die mögliche Gesamtumlaufzeit bei Phaéthon wesentlich einschränkt (Ovid, M. II, 270-271):

... Dreimal wagte Neptun, aus der Flut die Arme zu recken,
Grimmen Gesichts, und dreimal ertrug er die feurige Luft nicht. ...

Für einen ortsgebundenen irdischen Beobachter, der demnach dreimal Ebbe und Flut erlebte, währte das Phänomen also nur höchstens zwei Tage. Insgesamt betrachtet umrundete Phaéthon sicherlich länger die Erde, aber wahrscheinlich nicht mehr als vier Tage.

Die tatsächliche Gesamtumlaufzeit bis zum Absturz und die genaue Anzahl der Erdumrundungen können nicht direkt berechnet werden, weil die Annäherungsgeschwindigkeit und die Perigäumshöhe zunächst noch unbekannt sind. Diese beiden Parameter beeinflussen maßgeblich das Umlaufverhalten und die vom Überflug betroffenen Gebiete. Aber es lassen sich Teilabschnitte der realen Flugbahn vor 3200 Jahren rekonstruieren und schließlich zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Die alte Legende erwähnt nämlich geographische Gebiete, die sich unmittelbar unter der „feurigen Kugel“ befunden haben müssen. Beispielsweise trockneten die Nilquellen aus (Ovid, M. II, 254 f) und Phaéthon überflog unter großer Hitzeeinwirkung „sein äthiopisches Land“ (M. I, 778). Wichtig als Fixpunkte sind weiterhin diejenigen Flüsse, auf deren Oberfläche der „Blutregen“ brannte. Diese können nur in der Abbrandphase auf dem südostwärts gerichteten Bahnabschnitt, der dem Perigäum unmittelbar folgte, überflogen worden sein. So heben sich deutlich vier Regionen heraus, die während unterschiedlicher Umläufe passiert worden sein müssen: Sudan/Äthiopien; Griechenland/Kleinasien; Irak (Euphrat bei Bagdad) und Indien (Ganges).

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Tab. 2 Flugbahnparameter

Durch systematische Variation der beiden Parameter Annäherungsgeschwindigkeit und Perigäumshöhe lassen sich nun alle denkbaren Flugbahnabwicklungen errechnen. Unter der Voraussetzung von weniger als hundert Stunden Gesamtumlaufzeit konnte nur bei einer Relativgeschwindigkeit von 2,24 km/s eine gute Übereinstimmung mit dem überlieferten Flugbahnmuster erzielt werden. Phaéthon umrundete dabei in ziemlich genau drei Tagen die Erde sechsmal. Er näherte sich der Oberfläche in jedem Perigäum bis auf 30,6 Kilometer (s. Tab. 2). Dieser minimale Abstand zur Erdoberfläche ergibt sich, wenn eine vom Autor geschätzte Phaéthongröße von hundertfünfzig Metern zugrunde gelegt wird. Auch bei Berechnungen mit anderen Durchmessern ließ sich stets eine entsprechende Perigäumshöhe mit fast identischem Flugbahnverlauf ermitteln (s. Tab.3).

Nun gewinnt auch eine Zeitungsmeldung über einen großen Stern an Bedeutung, „dessen Flammen die Sonne verzehrten“ und der zwischen 1300 und 1200 v. Chr. über China gesichtet wurde. [3] Die Beobachtung könnte sich durchaus auf Phaéthon beziehen, der den Berechnungen zufolge während des fünften Umlaufs Zentralasien überquerte und nach dem Austritt aus der Atmosphäre noch glühte.

Abb. 3 Der Liliensee bei Baldone, Lettland, als Postkartenmotiv. Seine Entstehung verlief vermutlich keineswegs so idyllisch wie dieses Gemälde. (Bild: Latvijas Nacionālā digitālā bibliotēka)

Eine Präzisierung der Flugbahn könnte eines Tages durch die Auffindung kleiner Krater gelingen, die von Phaéthon-Fragmenten geschlagen wurden. Auf unserem Kontinent sind vor allem in Schottland, Südschweden und in den baltischen Ländern solche Sekundärkrater zu erwarten. Ein erster Kandidat hierfür ist möglicherweise der Liliensee (Abb. 3) bei Baldone, dreißig Kilometer südöstlich von Riga, bei dem Stender ebenfalls eine Entstehung durch einen Meteoriteneinschlag vermutete. Der von estnischen Wissenschaftlern 1978 in diesem Zusammenhang erwähnte Krater des Kaali-Sees scheidet allerdings aus, weil sowohl die Einsturzrichtung aus dem Osten als auch der ermittelte Zeitpunkt um 800 bis 400 v. Chr. dem entgegen sprechen. [4]

Phaéthons mittlerer Durchmesser wurde vom Autor nicht willkürlich auf 150 m geschätzt. [5] Durch eine Entdeckung der Planetoidenforscher Donald R. Davis und Clark R. Chapman zu Beginn der 1980er Jahre kann der maximale Durchmesser eingegrenzt werden. Es stellte sich heraus, dass über zweihundert Meter große Objekte fast ausnahmslos lockere „Schutthaufen“ darstellen. Die ursprünglich größeren kompakten Urkörper zwischen Mars- und Jupiterbahn zertrümmerten sich nämlich in den zurückliegenden fünf Milliarden Jahren gegenseitig. Die Gesteinsbrocken vereinigten sich später erneut zu unregelmäßig geformten, teilweise hohlen Asteroiden mit geringer mittlerer Dichte (Asphaug 2001, S. 50-57). Ein solcher Himmelskörper hätte ganz sicher nicht der enormen Belastung eines mehrmaligen Durchfliegens der dichteren Atmosphäreschichten standgehalten.

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Tabelle 3 Simulationsergebnisse des Absturzes in Abhängigkeit von der Phaéthon-Größe (bei gleicher Gesamtflugzeit von 72,2 Stunden)

Die vermutliche minimale Größe leitet sich aus den Sichtbarkeitsbedingungen im Perigäum ab. Phaéthon soll der Überlieferung nach „eher einem feurigen Klumpen als einem Stern“ geglichen haben (Tollmann 1995, S. 104). Den bronzezeitlichen Augenzeugen erschien er also so groß, dass sie deutlich die von einer Kugel abweichende Form erkennen konnten. Eine solche Wahrnehmung bei einem schnell über den Himmel ziehenden Objekt sollte erst ab einer scheinbaren Größe von zehn Bogenminuten, einem Drittel des scheinbaren Monddurchmessers, zu erwarten sein. Zusammen mit den vorangegangenen Berechnungen zur Flugbahn und speziell der Perigäumshöhe ergibt sich daraus ein Durchmesser von mindestens hundert Metern (s. Tab. 3). [6]

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Abb. 4 Einfang und Erdumlaufbahnen des Phaéthon


Das Ende des Asteroiden

Vom letzten Perigäum bis zum Aufschlag verlor Phaéthon etwa dreißig Kilometer an Höhe, aber legte dabei noch eine Flugstrecke von 1900 Kilometern zurück. Dieses typische Absturzverhalten aus einer Umlaufbahn beschreibt Ovid (M. II, 319-322) sehr treffend:

Phaéthon ... stürzt durch die Lüfte in lang sich
ziehender Bahn, wie ein Stern bisweilen vom klaren
Himmel, fällt er auch nicht, so doch zu fallen kann scheinen.“

Abb. 5 Die lang gestreckte Bahn eines aus einer elliptischen Satellitenbahn auf die Erde stürzenden Himmelskörpers vor dem Einschlag

Dieser Flugabschnitt verlief über dem Nordatlantik und den Britischen Inseln (s. Abb. 6). Besonders Schottland bekam die Auswirkungen des Asteroiden zu spüren. Es war das einzige bewohnte Gebiet der Erde, das zweimal während der Abbrandphase überflogen wurde. Ziemlich genau drei Tage nach dem erstmaligen Überflug überquerte Phaéthon das schottische Hochland erneut, dieses Mal etwas südlicher zwischen der Insel Skye und dem Nordost-Teil der Grampian Mountains. Für die bronzezeitlichen Hochlandbewohner hatte der letzte Überflug knapp drei Minuten vor dem Einschlag bei Helgoland noch schlimmere Folgen, weil die „Flammen ausstreuende Kugel“ nur noch in etwa fünfzehn Kilometern Höhe dahin jagte, begleitet von einem ohrenbetäubenden Donner. Der „Feuerregen“ und die größeren glühenden Gesteinsbrocken, die in der letzten Abbrandphase mit der höchsten Bremsverzögerung abgelöst wurden, müssen zu verheerenden Flächenbränden geführt haben.

Vielleicht findet dadurch ein bisher ungelöstes archäologisches Rätsel eine einfache Erklärung. Vor allem in Nord- und Nordwest-Schottland sind etwa sechzig Forts mit verschlackten Mauerresten bekannt, während ähnliche Forts in anderen Teilen Europas auf diese Weise nicht zerstört worden sind. Die lange vor der Römerzeit errichteten Bauwerke müssen einer mehrtägigen großen Hitze ausgesetzt gewesen sein. Ein gewöhnlicher Brand, so haben Experimente ergeben, hätte nicht diese Wirkungen gezeigt. Auch die Kuppe des 564 m hohen Berges Tap O´ Noth (fünfzig Kilometer nordwestlich von Aberdeen) wurde völlig verglast. [7] Keiner der vorgebrachten Erklärungsversuche befriedigte bisher die Archäologen und Geologen. Noch ist der genaue Zeitpunkt der Brände unbekannt. Sollten ihn die Wissenschaftler auf das 13. Jh. v. Chr. eingrenzen, dann ist Phaéthon als Verursacher sehr wahrscheinlich.

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Abb. 6 Phaéthons Überfluggebiete über Schottland

Der letzte Flugbahnabschnitt führte über die offene Nordsee etwa auf der Linie Stonehaven (dreißig Kilometer südlich von Aberdeen) – Helgoland. Glaubt man auch dieses Mal den alten Überlieferungen, so kam es zu massiven Zerfallserscheinungen, ohne dass der Hauptkörper zerbrochen wäre (Ovid, M II, 314-318):

Und die Rosse, sie scheun, in jähem Satz nach rückwärts
Sprengen den Hals sie vom Joch und lassen geborsten die Riemen.
Hier das Zaumzeug, und da, hinweg von der Deichsel gerissen,
Liegt die Achse, die Speichen dort der zerbrochenen Räder
Und weithin die Trümmer zerstreut des zerschmetterten Wagens.

In sicherer Entfernung von reichlich hundert Kilometern südlich der Flugbahn, in Northumberland, muss sich den Menschen ein ungewöhnliches Schauspiel dargeboten haben. Ganz dicht über dem Horizont raste der Bolide mit einem grellen Flammenschweif über die Wasseroberfläche dahin, gefolgt von kleinen Trümmerstücken. Der Einschlag der brennenden Gesteinsbrocken konnte wahrscheinlich nicht beobachtet werden, weil er für den Betrachter unter dem Horizont stattfand. Aber mehrere Minuten später trafen unterschiedlich große Tsunamiwellen auf die Ostküste der Insel. Eine reichliche Stunde nach dem Haupteinschlag bei Helgoland erreichte dann die letzte und größte „lange Welle“ das Ufer. [8]

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Abb. 7 Absturz der Columbia-Raumfähre 2003; mit ähnlichen Zerfallserscheinungen wie beim Phaéthon-Absturz

Eine Erinnerung an das beeindruckende Himmelsschauspiel könnten zahllose Gesteinsritzungen im nordenglischen Northumberland sein. Jeweils zwischen zwei und sechs konzentrischen Ringen zieht sich eine schlängelnde Linie zum Mittelpunkt hin. Der Wiener Impaktforscher Alexander Tollmann (1995, S. 492) vermutete bei diesen Abbildungen eine vorgeschichtliche Darstellung des Absturzes von Kometenfragmenten im Nordatlantik. Möglicherweise beziehen sich einige der alten Felsritzungen auch auf den Sturz des Phaéthon. Für die Felsbilder mit dem Motiv der konzentrischen Ringe sind andere Deutungen allerdings wahrscheinlicher, da dieses archaische Motiv fernab vom Meer auch in europäischen Binnenländern (z.B. der Schweiz) vorkommt.

Der Einschlag bei Helgoland erfolgte unter einem sehr kleinen Winkel von etwa 4° und mit einer vergleichsweise geringen Geschwindigkeit von 5 km/s. Er schlug trotz der zuletzt enormen Verzögerung von über 5 g, dem Fünffachen der Erdbeschleunigung, als kompakter Körper ein, ohne vorher zu zerbersten. Ein Hinweis darauf ist in der „Argonautica“ des antiken Schriftstellers Valerius Flaccus (1. Jh. n. Chr.) zu finden, wonach „eine schwarze Kugel in den zitternden Fluss Eridanus hinein ging“ (v. Engelhardt 1979; S. 176). Bildhaft berichtet Hesiod von diesem Augenblick, der den meisten Meeresanwohnern den Tod brachte (Spanuth 1977, S. 278):

Abb. 8 Römische Büste des hellenischen Poeten Hesiod (* vor 700 v. Chr.) Bild: University of Florida, Department of Classics

Die Kampfeshitze der beiden (d.h. Zeus und Phaéthon) ergriff die dunkelfarbene See.Hitze und Feuer, Donner und Blitz dieses Ungeheuers überall, rasende Stürme und flammende Donnerkeile. Heiß wurde allenthalben vor Feuer die Erde. Der Himmel erglühte, und siedend wallte das Meer auf. Mit rasender Wucht peischten ringsherum ungeheure Meereswogen alles Land, das in die See vorsprang ... endloses Beben erschütterte die Erde

Noch nicht eindeutig ist die Frage zu klären, ob es beim Einschlag zu einer Explosion des Hauptkörpers gekommen ist. Nach einer Überlieferung des Byzantiners Johannes Antiochenusschickte Gott in jenen Zeiten eine Feuerkugel aus dem Himmel herab auf die Giganten, die im keltischen Land lebten, und er verbrannte sie und das Land, und die Kugel blieb im Fluss Eridanos stecken und erlosch“ (v. Engelhardt). Schon eher für eine Explosion spricht die Aussage des Apollonios von Rhodos (3. Jh. v. Chr.), wonach „Phaéthons Brust von einem Blitzstrahl durchbohrt“ worden sei (Spanuth 1965, S. 182).

Auch die archäologischen Funde im bronzezeitlichen Brand- und Grenzhorizont der norddeutschen Moore deuten möglicherweise auf eine von Helgoland ausgehende Druckwelle hin. Während in Schleswig-Holstein die Baumreste mit ihren Wipfeln alle ostwärts zeigten, waren die Baumkronen in den Mooren des Emslandes nach Süden gerichtet. Gerade hier zeugen hunderttausende von äußerlich verkohlten Eichen, die bei der Kultivierung der Moore geborgen wurden, von einer enormen Druck- und Hitzewelle. Der Hollingstedter Privatforscher Hermann Zschweigert sah darin einen Zusammenhang mit dem Niedergang und der darauffolgenden Explosion eines riesigen Meteoriten. Wenn seine Auswirkungen tatsächlich noch hundertfünfzig Kilometer von Helgoland entfernt zu spüren waren, dann muss Phaéthons Durchmesser nach Meinung des Asteroidenforschers Christian Gritzner deutlich über dem des etwa sechzig Meter großen Tunguska-Objektes von 1908 gelegen haben. [9]

Nachdem sich beim Einschlag in Sekundenbruchteilen ein untermeerischer Krater gebildet hatte, breiteten sich riesige Flutwellen ringförmig im Nordseegebiet aus und verwüsteten die Küstenländer. Wahrscheinlich entwichen dem Nordseegrund durch die nachfolgenden Erdbeben eine Zeitlang giftige Gase, und viele Vögel könnten Opfer „des üblen Dunstes“ geworden sein. Die alten Sagen sind durchaus glaubwürdig, denn bei Tiefbohrungen bei St. Peter-Ording im Jahre 1956 wurde auch faulig riechender Schwefelwasserstoff frei gesetzt, der in hoher Konzentration giftig ist (Spanuth 1992, S. 12).

Die Folgen für die im Umkreis der Deutschen Bucht lebenden Menschen waren katastrophal. Vermutlich waren mehrere tausend Tote zu beklagen, weil die bronzezeitlichen Marschen und Küstengebiete damals schon eine relativ dichte Besiedlung aufwiesen. Dutzende Inseln, darunter die in antiken Überlieferungen erwähnte Hauptbernsteininsel „Basileia“, wurden zerstört und die Westküste Schleswig-Holsteins um durchschnittlich sechzig Kilometer nach Osten verschoben. Die Verwüstungen waren so nachhaltig, dass große Bevölkerungsteile am Ende des 13. Jh. v. Chr. zur Abwanderung aus ihrer Heimat gezwungen wurden.


Ein ehemaliges Apollo-Objekt

Über die Herkunft des inzwischen zerstörten Asteroiden stellte Stender im Jahre 1982 erste Überlegungen an. Da er von einer Relativgeschwindigkeit von acht Kilometern pro Sekunde ausging, hätte das Aphel in der Nähe der Bahn des Planetoiden Ceres gelegen. [10] Die Computersimulation ergab nun für die Annäherungsphase eine nur um 2,24 km/s größere Bahngeschwindigkeit als die der Erde. Laut Berechnung bewegte er sich bei seinem 1,3 Jahre währenden Umlauf um die Sonne größtenteils zwischen der Erd- und Marsbahn und näherte sich unserem Planeten von außen. Eine nahe Begegnung von innen her mit einer geringeren Geschwindigkeit wäre theoretisch ebenso möglich gewesen. Tageszeitliche Überlegungen widersprechen allerdings dieser Variante des Einfangmanövers. Phaéthon war demnach ein Apollo-Objekt, das in seinem Aphel fast die Marsbahn erreichte und in Sonnennähe die Erdbahn tangierte oder in einem relativ kleinen Winkel schnitt. Von allen bisher bekannten Kleinplaneten über 0,5 km Durchmesser hat Orpheus (Nr. 3361) hinsichtlich der Bahnelemente die größte Ähnlichkeit mit dem ehemaligen Himmelskörper. Dieser umrundet die Sonne in einem Abstand von 123 bis 239 Millionen Kilometer und benötigt dafür 1,33 Jahre.

Abb. 9 Unregelmäßig geformter Asteroid mit einem vermutlich ähnlichen Aussehen wie Phaéthon

Die Mitarbeiter von Spacewatch, die den Himmel ständig nach gefährlichen Erdbahnkreuzern durchmustern, haben für Asteroiden mit der theoretischen Möglichkeit einer Kollision mit der Erde die Bezeichnung NEO („Near Earth Object“) eingeführt. Die für Phaéthon ermittelten Bahnelemente liegen bereits nahe der Werte für die Mitglieder der so genannten „Arjuna“-Familie, einer Untergruppe der NEOs. Sie zeichnen sich durch kleine Bahnneigungen und Exzentrizitäten um 0,1 aus. Bis 1993 waren erst neun „Arjunas“ bekannt, aber es werden 60.000 mit einem Durchmesser über hundert Metern vermutet (Lewis 1997 S. 112). Die Bahnen dieser Asteroiden unterscheiden sich so wenig von der Erdumlaufbahn, dass es schon nach wenigen zehntausend Jahren zu einem Zusammenstoß oder zu einer Ablenkung kommen muss. Der bronzezeitliche Asteroid kann also speziell ein „Arjuna“ gewesen sein, der mit kleiner Neigung zur Ekliptik die Sonne in etwa 1,3 Jahren umrundete und sich von ihr bis zu 205 Mio. Kilometer entfernte.

Bei seiner letzten Annäherung an die Erde befand sich der Kleinplanet nördlich der Ekliptik. Deshalb wurde seine Bahnebene beim Übergang in eine geozentrische Umlaufbahn stark gekippt. Als zeitweiliger Erdsatellit war seine Bahn nunmehr etwa 58,5° gegen den Äquator und noch stärker gegen die Ekliptik geneigt. Phaéthon hatte sich von der Nachtseite her der Erde genähert. Seine erste Sichtung als „Feuerkugel“ in Mitteleuropa oder Griechenland muss in der Morgendämmerung erfolgt sein, denn „...Aurora erschloss im rötlichen Osten das purpurne Tor ihrer rosenerfüllten Halle“ (Ovid, M. II, 112-115). Etwa 72 Stunden später, also ebenfalls in den Morgenstunden, schlug der Asteroid im Helgoländer Loch ein.

Keineswegs sind nun alle ungewöhnlichen Geschehnisse des Katastrophenjahres 1220 v. Chr. geklärt. Eine beinahe unglaubliche Vermutung stellte Spanuth im Jahre 1965 auf: Phaéthon soll bei seinem Einschlag die Erdachse kurzzeitig zum Taumeln gebracht haben. Anders aber können die folgenden überlieferten Beobachtungen aus dem letzten Drittel des 13. Jh. v. Chr. kaum gedeutet werden (Spanuth, 1992, S. 20):

  • Der Stern Anat ist vom Himmel gefallen ... und vertauschte die beiden Dämmerungen und die Stellung der Gestirne“ (Text aus dem syrischen Ugarit).
  • Die Sternbilder der Bären mussten infolge des von Phaéthon verursachten Weltbrandes ein Bad im westlichen Ozean nehmen“ (nach Nonnos, 6. Jh. n. Chr.).
  • Der Süden wird zum Norden und die Erde stürzt vornüber" (Papyrus Harris, Ägypten)
  • ...Wo die Sonne untergeht, dort sei sie zweimal aufgegangen, und wo sie jetzt aufgeht, sei sie zweimal untergegangen“ (Herodot).
  • die Erde habe sich „vorwärts und rückwärts, rechts und links, nach oben und unten bewegt“ (Platon, Dialog Timaios).

Diese Naturbeobachtungen können keinesfalls nur menschlicher Phantasie entsprungen sein. Offenbar trat am Ende der Bronzezeit ein außergewöhnliches Ereignis ein, das die Menschen sehr verunsicherte und sie an den Weltuntergang glauben ließ.

Abb. 10 So könnte der Bolide Phaéthon wenige Sekunden vor seinem Einschlag im Helgoländer Loch ausgesehen haben. (Bild: Szene aus Deep Impact)

Viele Forscher haben bisher vergeblich versucht, eine plausible Erklärung für das chaotische Rotationsverhalten zu finden. Möglicherweise gelang dies dem englischen Wissenschaftler Peter Warlow im Jahre 1978 mit einer originellen Theorie. Seiner Meinung nach können die raumstabile Rotationsachse und die Erdachse, die durch den geographischen Nord- und Südpol festgelegt ist, durchaus unterschiedliche Richtungen aufweisen. Die Gravitation eines nahe an der Erde vorbei ziehenden größeren Himmelskörpers soll zu jenem Zeitpunkt die Erdachse gekippt haben. Unser Planet hätte dabei eine Zeitlang unter Beibehaltung des Drehsinns „kopfüber“ rotiert, bis schließlich der Nordpol wieder die alte Lage einnahm. [11] Tatsächlich vertauschen sich bei diesem Vorgang für einen irdischen Beobachter die Auf- und Untergangsorte der Sonne. Weil jedoch der hypothetische Planet einer Computersimulation zufolge die anderthalbfache Größe des Jupiters hätte aufweisen müssen, verwarfen die Astronomen Warlows Theorie 1981 wieder (James und Thorpe 2001, S. 150 ff). [12]

Möglicherweise kann aber ein größerer Asteroid bei einem schrägen Aufprall dem Kreisel „Erde“ einen kräftigen Kipp-Impuls geben und eine Verschiebung der Erdachse auslösen. Phaéthon mit einer geschätzten Masse von über fünf Millionen Tonnen schlug fast tangential auf der Oberfläche auf. Außerdem lag die Einschlagstelle auf einer hohen geographischen Breite. Beide Faktoren begünstigen theoretisch eine Kippbewegung. Praktisch jedoch ist der geophysikalische Vorgang, der tatsächlich zum Kippen führt, noch unbekannt.

Trotz des vielversprechenden Ansatzes von Warlow bleiben die vorliegenden Überlegungen vorerst nur eine Hypothese. Es ist nach den geltenden physikalischen Gesetzen nur schwer vorstellbar, dass ein Asteroid mit einer sehr geringen Masse im Vergleich zu unserem Planeten ein chaotisches Taumeln oder Kippen der Erdachse ausgelöst haben soll.


Der Untergang von Atlantis

Abb. 11 Aristokles aus Athen, genannt Platon, der Chronist des legendären Atlantisberichts

Der Sturz des Phaéthon steht höchstwahrscheinlich auch im Zusammenhang mit einem anderen großen Rätsel der Menschheitsgeschichte, nämlich dem Untergang der sagenhaften Insel Atlantis. Erstmals erwähnt wurde sie in den Dialogen "Kritias" und "Timaios" des griechischen Philosophen Platon. (Abb. 11) Über 2300 Jahre haben Wissenschaftler darüber gestritten, ob Atlantis überhaupt existierte. Aber Mitte des letzten Jahrhunderts konnte das Rätsel durch den 1998 verstorbenen Privatgelehrten Jürgen Spanuth grundlegend gelöst werden, und etliche Forscher stimmen ihm darin zu. [13]

Als einzige der mittlerweise über tausend Hypothesen kann seine Theorie den Kriegszug der Atlanter gegen die mächtigsten Staaten der spätbronzezeitlichen Welt erklären. Die so genannten frühen Urnenfelderleute zerstörten um 1200 v. Chr. das Hethiterreich und die Stadtstaaten Griechenlands und wurden erst in Ägypten in einer großen Schlacht besiegt. Diese Ereignisse fanden jedoch nicht, wie die Legende berichtet, 9000 Jahre vor dem Besuch des griechischen Staatsmannes Solon in Ägypten statt (561 v. Chr.), sondern um die Wende vom 13. zum 12. Jh. v. Chr. Die Verwechselung beruht darauf, dass die ägyptischen Priester noch lange neben dem im öffentlichen Leben gebräuchlichen Sonnenkalender nach einem Mondkalender rechneten und die "Jahre" nach dem Umlauf des Erdtrabanten zählten. [14]

Ein Teil der Angreifer, die in den altägyptischen Papyri als Nord- und Seevölker bezeichnet werden, hatte Spanuths Forschungen zufolge ihre Heimat im Nord- und Ostseegebiet. Hier lebten die Menschen des Nordischen Kreises im 15. bis 13. Jh. v. Chr. auf einer hohen Kulturstufe. Ihr wirtschaftliches, verkehrsgeografisches und kultisches Zentrum war die ehemals viel größere Insel Althelgoland/Altsüdstrand. Zahlreiche Beweise belegen, dass sie die gesuchte "Königs- und Säuleninsel" Basileia des Atlantisberichts war (Spanuth 1977, S. 48). Ihre günstige Lage im Mündungsgebiet mehrerer großer Ströme, der Bernsteinhandel sowie die Kupfergewinnung förderten bereits lange vor der Bronzezeit die wirtschaftliche Bedeutung dieser Region. Sowohl die Suche nach dem Zentrum von Atlantis als auch nach dem antiken Bernsteinfluss Eridanos und dessen Mündung führten also unabhängig voneinander in das Gebiet der Helgoländer Bucht. [15]

Wie bisher nur wenige Forscher erkannten, liefert Platon am Anfang seines Dialog "Timaios" (22c) möglicherweise einen wichtigen Hinweis zur Untergangsursache des legendären Inselreiches. Was die ägyptischen Priester dem Griechen Solon mitzuteilen hatten, klingt nach den jüngsten Erkenntnissen der Impaktforschung erstaunlich modern (Spanuth 1977, S. 448): "...denn das, was bei euch erzählt wird, dass einst Phaéthon, der Sohn des Helios..., die Oberfläche der Erde durch Feuer zerstörte, weil er nicht imstande war, die Bahn des Vaters einzuhalten, das wird zwar in Form eines Mythos berichtet, es ist aber Wahrheit und beruht auf der Abweichung der am Himmel um die Erde kreisenden Gestirne und der nach langen Zeiträumen erfolgten Vernichtung der auf der Erde befindlichen Dinge durch mächtige Feuer".

Aus dieser Textpassage geht zwar nicht unmittelbar hervor, dass Phaéthon den Untergang von Atlantis herbeiführte. Doch es wäre verwunderlich, wenn Platon im selben Dialog die vom Himmelskörper verursachten Katastrophen und gleichzeitig das Ende des legendären Inselreichs erwähnt, ohne dass ein grundlegender Zusammenhang besteht. Offenbar waren die durch einen Asteroiden verursachten Zerstörungen nicht die ersten ihrer Art in der langen Menschheitsgeschichte. Doch die verheerende Katastrophe im Nordseegebiet mit ihren globalen Auswirkungen ist so detailliert wie keine andere der Nachwelt überliefert worden.

Wie die bisherigen Erkenntnisse nahe legen, war Phaéthons Sturz eine wichtige Zäsur am Ende der Bronzezeit. Sie zeigen deutlich, wie sehr der Einschlag von Asteroiden und Kometen die menschliche Geschichte beeinflussen und unsere Zivilisation bedrohen kann.

Viele Einzelheiten des wahrscheinlich unheilvollsten Meteoritenfalls der letzten 5000 Jahre sind bereits enträtselt. Ein genaueres Bild von der Naturkatastrophe wird man aber erst gewinnen können, wenn der vermutete, von Sedimenten bedeckte Krater bei Helgoland aufgespürt und näher untersucht worden ist. Weitere wissenschaftliche Überraschungen sind dabei nicht auszuschließen.


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Literaturverzeichnis

Asphaug, E., „Kleinplaneten in Großaufnahme“ in „Spektrum der Wissenschaft“; Dossier 3/2001

Behrends, A., „Nordsee-Atlantis – Ursache, Verlauf und Folgen der Atlantischen Kriege“, Tübingen, 2012

Bischoff, G., „Phaethons Sturz – Plausibilitätsstudie zu einer frühgeschichtlichen Katastrophe“, Heko-Verlag Dannstadt-Schauernheim, 02/2003; „Der Sturz des Phaéthon“, Megalithos, Heft 1-3, 2004, Sven-Näther-Verlag Wilhelmshorst; sowie in EFODON-SYNESIS Nr. 5/2003; Hohenpeißenberg; online: http://www.eichner-dresden.de/phaethon/ --- und: www.efodon.de/html/archiv/vorgeschichte/bischoff/phaeton.htm

Bischoff, G., „Atlantis – die Enträtselung im 20. Jahrhundert“, Synesis 03/2005, Efodon-Verlag Peißenberg; online-Artikel: www.Eichner-Dresden.de/atlantis --- und: www.efodon.de/html/archiv/vorgeschichte/bischoff/atlantis.htm

Engelhardt, W. v., „Phaéthons Sturz, ein Naturereignis?“, 1979 (Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften)

Goldmann, K., "Zur Funktion des Ko-Grabens bei Haithabu", Materialien zur Vor- und Frühgeschichte von Hessen 8; Wiesbaden 1999; ( Nachweis von Kanalbauten in der Wikingerzeit )

Gritzner, Ch., „Kometen und Asteroiden“, AVIATIC Verlag, Oberhaching, 1999

Grzonkowski, J., „Bernstein“, Hamburg, 2. Auflage 1999

James, P. u. Thorpe, N., „Halley, Hünen, Hinkelsteine“, Sanssouci Verlag Zürich, 2001

Kehnscherper, G., „Auf der Suche nach Atlantis“, Leipzig-Jena-Berlin, 1978

Kugler, F. X., „Sibyllinischer Sternkampf und Phaéthon“, Aschendorfer Verlagsbuchhandlung, Münster i. W., 1927

Lewis, J. S., „Bomben aus dem All“, Birkhäuser Verlag, Basel Boston Berlin, 1997

Meier, G., „Die deutsche Vorgeschichte war ganz anders“, Tübingen, 1999

Misch, J., „Die Sintflut des Nordens: Atlantis – ein dramatisches Kapitel europäischer Frühgeschichte“, Rhombos-Verlag, Berlin, 2012

Ovid, „Metamorphosen“, Deutscher Taschenbuchverlag München, 1997; Phaéthon-Epos ab I. Buch, Vers 750; (zitiert im Weiteren mit M. I, 750)

Platon, Dialog „Timaios“ 19b – 27, „Kritias“ 108d – 121c, zitiert bei Spanuth, 1977, S. 445 ff; Rathjen 2004, S. 477 ff; u. a.

Rappenglück, Michael A., M.A. u.a., „The fall of Phaethon: a Greco-Roman geomyth preserves the memory of a meteorite impact in Bavaria (south-east Germany)”. 2010, Antiquity, 84, 428-439.

Rathjen, H.-W., „Atlantis ist Westeuropa - Die Einheit Westeuropas zur Bronzezeit“, Diepenau, 2004

Spanuth, J., „Atlantis“, Tübingen, 1965

Spanuth, J., Die Atlanter – Volk aus dem Bernsteinland“, Tübingen 1976, 3. Auflage 1977

Spanuth, J. „Eine Ehrenrettung Platons“, Heft 39 der Schriftenreihe der Deutschen Akademie für Bildung und Kultur in München, 1992

Stender, W. „War Phaéthon ein Planetoid?“, unveröffentlichtes Manuskript, 1982; „Die Wirklichkeit der Phaéthon-Sage“, in: „An den Grenzen unseres Wissens“, Band 1, CTT-Verlag Suhl, 1997; S. 59 – 98; außerdem in EFODON-SYNESIS Nr. 24/1997; online s. a. http://www.efodon.de/html/archiv/vorgeschichte/stender/phaeton.htm

Tollmann, A. u. E. „Und die Sintflut gab es doch“, Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München 1993 (Taschenbuchausgabe 1995)


Günter Bischoff

Dresden, Januar 2013


Anmerkungen und Quellen

Der vorliegende Beitrag wurde von Günter Bischoff (©) wurde von ihm in ähnlicher Form erstmals 2003 veröffentlicht (im Heko-Verlag). (Als Einführung und als Ergänzung ist die Veröffentlichung „War Phaéthon ein Planetoid?“ von W. Stender (1997) empfehlenswert. Siehe dazu von ihm online auch: Die Wirklichkeit der Phaéton-Sage, aus: EFODON-SYNESIS Nr. 24/1997) Bei Atlantisforschung.de erscheint er am 09./11.01.2013 in einer vom Autor überarbeiteten, zweiteiligen Neufassung. (Zurück zum 1. Teil)

Einzelverweise:

  1. Anmerkung d. Verf.: Diese beiden Geschwindigkeitswerte gelten nur für den Planeten Erde und sind nur annähernd gültig bei geringem Abstand zur Erdoberfläche. Die ab 1998 vom Autor entwickelten mathematisch-astronomischen Formeln für den Einfang eines Asteroiden und dessen Umkreisungsverhalten sowie wichtige Berechnungsparameter können dem Kapitel „Ein Satellit für wenige Tage“ des online-Beitrags „Der Sturz des Phaéthons“ entnommen werden: http://www.eichner-dresden.de/phaethon/
  2. Anmerkung d. Verf.: Auch die Perigäumshöhe vermindert sich bei jedem Umlauf um einen geringfügigen Betrag, was bei zukünftigen Berechnungen zu berücksichtigen ist. Hier wird vereinfachend von einer gleichbleibenden Höhe ausgegangen.
  3. Anmerkung d. Verf.: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9.12.1970; zitiert bei Spanuth 1977, S. 236
  4. Anmerkung d. Verf.: Nach einer Untersuchung des Geologen Ivan Reinwald im Jahre 1937; außerdem in „Ecological catastrophe in connection with the impact of the Kaali meteorite about 800 – 400 B.C. on the island of Saaremaa, Estonia“ in Meteoritics & Planetary Science 36, 1367-1375, 2001 von S. Veski, A. Heinsalu, K. Kirsimae, A. Poska, L. Saarse
  5. Anmerkung d. Verf.: Andere Schätzungen gehen weit auseinander: Stender vermutete einen Durchmesser von 2-3 km vor dem Einfang und etwa 1 km vor dem eigentlichen Einschlag, der Berliner Impaktforscher Prof. Dieter Stöffler nur 20 m beim Einschlag. Ein mit 5 km/s einschlagendes 150m-Objekt ist in seiner Wirkung vergleichbar mit Asteroiden, die üblicherweise mit 20-25 km/s einschlagen, aber nur 50-60 m Durchmesser aufweisen.
  6. Anmerkung d. Verf.: Die Berechnungsergebnisse teilte der Autor im Frühjahr 1999 Walter Stender mit. In einem Antwortbrief vom 7.5.1999 äußerte er allerdings Bedenken, ob das Problem aufgrund der vielen unbekannten und geschätzten Parameter überhaupt sinnvoll lösbar ist. Die Ergebnisse der Computerberechnungen nahm Stender eher skeptisch auf, da er gefühlsmäßig mehr Erdumkreisungen und eine längere Gesamtumlaufzeit des Phaéthon erwartet hatte. Grundsätzlich darf die Genauigkeit der hier vorliegenden Berechnungsergebnisse nicht überbewertet werden. Aufgrund der vereinfachten Algorithmen und einiger Parameterschätzungen war eine exakte Berechnung des Geschehens von vornherein nicht zu erwarten, aber zu mindestens sollten eine gute Annäherung an die Realität erzielt werden und ein paar Kernaussagen getroffen werden.
  7. Anmerkung d. Verf.: „Vergessene Welten“, Moewig-Verlag Rastatt 1994; Lizenzausgabe der Little Brown Company Limited, London
  8. Anmerkung d. Verf.: Tsunamiwellen breiten sich mit 700-800 km/h aus und erreichen bei großen Impaktoren beim Auflaufen auf die Küste eine Höhe, die der Wassertiefe an der Einschlagstelle entspricht; s. a. Tollman 1995, S. 48 - 50.
  9. Anmerkung d. Verf.: Gritzner 1999, S. 59 --- sowie Mitteilungen von Ch. Gritzner (ehemals Institut für Luft- und Raumfahrttechnik der TU Dresden) an den Verfasser im Jahre 2002.
  10. Anmerkung d. Verf.: Bei allen Berechnungen zur vermutlichen heliozentrischen Umlaufbahn des Phaéthon wurde von einem Tangieren der Erdbahn ausgegangen (bzw. von einem sehr kleinen Schnittwinkel), weil damit die Wahrscheinlichkeit einer nahen Begegnung stark wächst.
  11. Red. Anmerkung: Siehe dazu bei Atlantisforschung.de auch: Dr. Horst Friedrich, "Die Eiszeit-Lehre und Peter Warlows „Magic-Top“-Szenario" (Orig. 1996 bei EFODON Synesis)
  12. Red. Anmerkung: Siehe aktueller aber auch: "Peter Warlow was right - NASA satellite says so", 30. Juli 2011, bei Society for Interdisciplinary Studies (SIS) The oldest and most up to date society for catastrophist information and research (abgerufen: 11.01.2013)
  13. Anmerkung d. Verf.: empfehlenswerte Literatur mit Diskussion der besten Atlantishypothesen in: Gadow, G., "Der Atlantis-Streit", 1973; Kehnscherper, G., "Auf der Suche nach Atlantis", 1978; Misch, J., „Die Sintflut des Nordens: Atlantis – ein dramatisches Kapitel europäischer Frühgeschichte“, 2012
  14. Anmerkung d. Verf.: 9000 Mondmonate zurück gerechnet führen in die Zeit um 1250 bis 1230 v. Chr., also kurz vor dem Untergang von Atlantis um 1220 v. Chr. Es ist wegen der auf volle 1000 Zeiteinheiten gerundeten Angabe für die Abschätzung des Zeitraums unerheblich, ob eine Monatslänge von 29,53 Tagen (von Vollmond zu Vollmond) oder eine bei mehreren alten Kalendern gebräuchliche Monatslänge von 28 Tagen zugrunde gelegt wird.
  15. Anmerkung d. Verf.: Eine aktuelle und informative Gesamtdarstellung des Themenkomplexes Atlantis / Phaéthon ist im Buch „Nordsee-Atlantis …“ von A. Behrends zu finden (2012).


Bild-Quellen:

(1) C m handler, Wikimedia Commons, unter: File:Meteor Bolide.JPG

(2) Wikimedia Commons, unter:File:Metamorphoses (Ovid, 1567) - 0423.jpg

(3) Latvijas Nacionālā digitālā bibliotēka, unter: Liliju ezers pie Baldones

(4-7) Bildarchiv Günter Bischoff

(8) University of Florida Department of Classics - GRW 6347 (section 4076) Hesiodic Epic & the Homeric Hymns

(9) Bildarchiv Günter Bischoff

(!0) Bildarchiv Atlantisforschung.de

(11) Biladarchive Doris Manner und Atlantisforschung.de