Pharos und die Atlantislegende

Aus Atlantisforschung.de
Wechseln zu:Navigation, Suche

Eine Hypothese von Robert Graves aus dem Jahr 1955

Abb. 1 Hier eine zeichnerische Rekonstruktion des Leuchtturms von Paros durch den Archäologen Hermann Thiersch. Von größerem Interesse als die wenigen Überbleibsel des gewaltigen Turms sind aus atlantologischem Blickwinkel die heute unter Wasser liegenden Relikte einer enormen protohistorischen Hafenanlage, die Robert Graves den Kretominoern zuschrieb, und damit - aus seiner Sicht - den alten Atlantern.

(bb) Die kleine felsige Halbinsel [1] Pharos vor der ägyptischen Hafenstadt Alexandria, 25 Kilometer westlich des kanopischen Nilarmes. ist heute eigentlich nur nnoch aufgrund der Tatsache von allgemeiner Bekanntheit, dass sie in der Antike Standort des nach ihr benannten Leuchtturms von Pharos (Abb. 1) war, des vermutlich ersten Leuchtturms der Geschichte und jüngsten der sieben Weltwunder.

Dieses, bereits von Homer in seiner Odyssee (4, 354–359) erwähnte, Eiland mit Platons Atlantis in Verbindung zu bringen, erscheint zunächst alles andere als naheliegend. Doch genau dies unternahm der britische Schriftsteller, Poet und Mythologe Robert Graves - dem ansonsten auch Atlantis-Lokalisierungen auf der Doggerbank und in Nordafrika zugeschrieben werden [2] - in seinem 1955 erschienenen zweibändigen Werk The Greek Myths, aus dem wir nachfolgend (bewusst unkommentiert) zitieren:

"Die ägyptische Legende von Atlantis, die auch in der Volksmärchen entlang der Atlantikküste von Gibraltar bis zu den Hebriden und unter den Yoruba in Westafrika gegenwärtig ist, ist nicht als reine Phantasie zu betrachten und scheint aus dem dritten Jahrtausend vor Christus zu stammen. Doch Platos Version, von der er behauptet, Solon habe sie von seinen Freunden, den libyschen Priestern von Sais im Delta gelernt, hat er offenbar auf eine spätere Überlieferung aufgepfropft: Wie die minoischen Kreter, die ihren Einfluss nach Ägypten und Italien erweitert hatten, von einer hellenischen Konföderation mit Athen an der Spitze besiegt wurden, und wie deren enorme, von den Keftiu ("Seevolk", gemeint sind die Kreter und ihre Verbündeten) auf der Insel Pharos erbauten Hafenanlagen, vielleicht als Folge eines submarinen Erdbebens, sieben Faden [ca. 12,80 m; d.Ü.] tief im Wasser versanken - wo sie kürzlich durch Taucher wiederentdeckt wurden. [3] Diese Anlagen bestanden aus einem äußeren und einem inneren Becken, die zusammen ungefähr zweihundert und fünfzig Morgen bedeckten. [4]

Eine solche Gleichsetzung von Atlantis mit Pharos würde erklären, dass Atlas manchmal als ein Sohn von Iapetus beschrieben wird - dem Japhet der Genesis, den die Hebräer Noahs Sohn nannten und zum Ahnherrn der Seevölkerkonföderation machten - und manchmal als Sohn von Poseidon und, obwohl im griechischen Mythos Iapetus als Großvater von Deukalion erscheint, bedeutet dies nicht mehr, als dass er der namensgebende Vorfahre des kanaanitischen Stammes war, der die mesopotamische Flutlegende statt der atlantischen nach Griechenland brachte. Mehrere Details in Platos Bericht, wie das Säulenopfer der Stiere und die heißen und kalten Wassersysteme in Atlas’ Palast, machen es sicher, dass die Kreter beschrieben werden, und keine andere Nation." [5]


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Pharos war vormals eine Insel, bis Alexander der Große sie durch einen Damm mit dem Festland verbinden ließ.
  2. Siehe: Robert Graves - Forscher- und Autorenportrait (red)
  3. Anmerkung des Übersetzers: Einen Großteil des originalen Satzes auf Englisch fand ich mit seinem völlig konfusen Bau und den darin enthaltenen Fehlern schlicht unverständlich und eigentlich nicht übersetzbar. Schließlich habe ich mich dazu entschieden, ihn so umzubauen und nach bestem Wissen und Gewissen ins Deutsche zu übertragen, dass er für den Leser einen nachvollziehbaren Sinn macht. Ich hoffe, dass ich damit wiedergebe, was Graves offenbar sagen wollte. Zum Vergleich hier das Segment auf Englisch: "...how the Minoan Cretans who had extended their influence to Egypt and Italy, were defeated a Hellenic confederacy with Athens at its head; and whom, perhaps as the result of a submarine earthquake, the enormous harbour works built by the Keftiu on the island of Pharos and, subsided under seven fathoms of water..."
  4. Siehe: Gaston Jondet, "Les ports submergés de l'ancienne île de Pharos", Kairo (Institut égyptien), 1916
  5. Quelle: Robert Graves, "The Greek Myths", London (Penguin Books), 1955; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de nach dem Zitat der Passage bei: Wikipedia - The Free Encyclopedia, unter "Location hypotheses of Atlantis", Fußnote 3 (Stand: 11. August 2018)

Bild-Quelle: