Symplegaden

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Die Symplegaden im Sagenschatz des klassischen Altertums

Abb. 1 Eine neuzeitliche Darstellung der Argo bei ihrer riskanten Passage der Symplegaden

(red) Symplegaden (Altgriechisch: Συμπληγάδες ( "die Zusammenschlagenden") - auch Kyanäen (lat.: Cyaneae insulae) [1] oder Cyanen / Kyanen bzw. Cyaneische Felsen [2] [3] genannt [4] -, sind in den Mythen und Legenden des graeco-romanischen Raumes (vor allem gemäß der Argonautensage) zwei vormals schwimmende Felsen oder Felseninseln, die an der Einmündung des thrakischen Bosporus in den Pontus Euxīnus (das Schwarze Meer) liegen sollen. Die eine befindee sich, wie es heißt, auf der asiatischen und die andere auf der europäischen Seite der Meerenge.

Der Sage zufolge sollen die Symplegaden immer wieder aufeinander zu gedriftet sein, wobei die Meeresflut zwischen ihnen mit fürchterlichem Toben immer mehr anschwoll. Dann trieben sie wieder auseinander und es bildete sich für kurze Zeit eine enge Durchfahrt, bevor die Felsen sich erneut annäherten.

Die Argonauten müssen auf ihrer Fahrt nach Kolchis diesen Engpass durchqueren. Dem Rat des Phineus folgend, lässt Iason zunächst eine Taube zwischen den Felsen hindurchfliegen und als diese mit geringer Verletzung der Schwanzfedern hindurchkommt, rudern sie selbst rasch hinterher und schaffen (beschleunigt durch einen kräftigen Schubs der Göttin Pallas Athene) so knapp die Durchfahrt, dass immerhin noch das Steuerruder am Heck der Argo zerquetscht bzw. abgerissen wird. Gemäß der Sage hörte die Bewegung der Symplegaden nach diesem Ereignis auf.

Abb. 2 Eine historische Karte des Bosporus (ca. 1888), wo sich die Symplegaden befinden sollen

Umstritten ist die schon in der Antike erfolgte Gleichsetzung der Symplegaden mit den Plankten (Altgr.: Πλαγκταί) - siehe: Herodot (IV.85) [5] -, zwei im Meer treibenden ("wandernden") Irrfelsen, die in Homers Odyssee und in der Argonautika des Apollonius von Rhodos erwähnt werden. [6]

Zur Historizität und Lokalisierung der Symplegaden

Eine historisch-georaphische "Existenz der Inseln wird", wie in der deutschsprachigen Wikipedia zu lesen ist, "von Altertumsforschern bezweifelt, da bisher keinerlei Anhaltspunkte von archäologischer oder geologischer Bedeutung entdeckt werden konnten." [7] Dies soll wohl andeuten oder nahelegen, dass es sich bei den Symplegaden bzw Plankten aus schulwissenschaftlicher Sicht um eine mythisierte Versinnbildlichung der Gefahren handelt, denen griechische Seefahrer des Altertums bisweilen ausgesetzt waren, oder auch um ein "mirakulöses Tor" welches "das vertraute Hier von einem unbekannten Jenseits" trennt. [8] Allerdings hat die kürzlich erfolgte Forschungsfahrt der ABORA IV nachgewiesen, dass eine Durchfahrung des Bosporus schon zur Zeit 'simpler' Schilfboote möglich war, und vermutlich spätestens während der Bronzezeit auch erfolgte. [9] Sinnbildlich lässt sich die Symplegaden-Legende also nur insofern auslegen, dass sie die Fähigkeit heldenhafter Seefahrer illustriert, solche "mirakulöse[n] Tore[e]" mit göttlicher Hilfe aufzustoßen und alle drohenden Gefahren zu überwinden.

Interessanterweise verweist die angelsächsische Wikipedia recht deutlich darauf, dass die Symplegaden schon in der Antike, aber auch bis in die Gegenwart hinein, auch als ganz reale Örtlichkeiten betrachtet wurden. Dazu heißt es dort: "Der europäische Felsen wird normalerweise mit einer kleinen Insel identifiziert, die etwa 20 Meter breit und 200 Meter lang ist und etwa 100 Meter vom Ufer eines Dorfes namens Rumeli Feneri ('Leuchtturm von Rumelien') entfernt liegt und durch einen modernen Betonsteg mit ihm verbunden ist. An seinem höchsten Punkt befindet sich ein alter Altar, der als Säule des Pompeius [10] bekannt ist, obwohl er nichts mit Pompeius zu tun hat. Dionysius von Byzanz erwähnt einen römischen Apollon-Schrein auf einem der cyanischen Felsen, und der französische Reisende Petrus Gyllius aus dem 16. Jahrhundert hielt den Altar für einen Überrest dieses Schreins". [11]

Weiter heißt es dort, der asiatische Felsen sei wahrscheinlich ein Riff vor dem Yum Burnu, nördlich des Anadolu Feneri ('Leuchtturm Anatoliens'). Gyllius habe ihn folgendermaßen beschrieben: "Das Riff ist in vier Felsen über dem Wasser unterteilt, die jedoch unten verbunden sind. Es ist vom Kontinent durch einen schmalen Kanal mit vielen Steinen getrennt, über die man den Kanal wie über eine Treppe trockenen Fußess überqueren kann, wenn das Meer ruhig ist. Doch wenn das Meer rau ist, umgeben Wellen die vier Felsen, von denen ich sagte, dass das Riff in sie unterteilt ist. Drei davon sind niedrig und mehr oder weniger überflutet, aber der mittlere ist höher als der europäische Fels, [...] und bis hin zu seinem Gipfel rundlich. Er wird von den Wellen bespritzt, ist aber nicht überschwemmt und überall steil und gerade." [12]

Eine völlig andere Lokalisierung der Symplegaden legte vor einigen Jahren Dr. Christine Pellech in ihrem Buch Die Argonauten – Eine Weltkulturgeschichte des Altertums [13] vor. Die Wiener Privatgelehrte, die davon ausgeht, dass es sich bei der Erzählung vom sagehnhaften Argonautenzug um die quasi verschlüsselte Wiedergabe von "über Jahrhunderte und sogar Jahrtausende gesammelte[m] Wissen über die verschiedenen Kontinente mit ihren Ländern und Völkern genauso wie über die verschiedenen Ozeane und über die seefahrtstechnischen Möglichkeiten einer Überquerung" handelt [14], identifiziert die Syplegaden nämlich mit der 'Straße von Feuerland', wohl bekannter unter dem Namen Magellanstraße.



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Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag basiert auf dem Artikel "Symplegaden" bei Wikipedia - Die freie Enzyklopädie (Stand: 01. Januar 2020). Umfassende redaktionelle Bearbeitung und weitreichende Ergänzungen durch Atlantisforschung.de.


Fußnoten:

  1. Siehe z.B. das Lemma: "Symplegāden" in: Meyers Großes Konversations-Lexikon Band 19. Leipzig 1909, S. 241 (online bei Zeno.org; abgerufen: 01. Januar 2020)
  2. Siehe das Lemma "Cyanische Felsen" in Wilhelm Vollmers Wörterbuch der Mythologie, Stuttgart 1874, S. 150 (online bei Zeno.org; abgerufen: 01. Januar 2020)
  3. Siehe auch das Lemma "Symlegaden" in "Herders Conversations-Lexikon", Freiburg im Breisgau, 1857, Band 5, S. 391 (online bei Zeno.org; abgerufen: 01. Januar 2020)
  4. Anmerkung: Diesen Namen erhielten sie offenbar aufgrund ihrer angeblich schwärzlichblauen Gesteinsfarbe, denn "Kyanen" oder "Cyanen“, bedeutet auf Griechisch "die Bläulichen".
  5. Anmerkung: Zur diesbezüglichen Diskussion in der Antike siehe ausführlich: R. C. Seaton, "The Symplegades and the Planctae", in: American Journal of Philology Vol. 8, No. 4 (1887), S. 433‑440; online auf: Bill Thayer's Web Site (abgerufen: 01. Januar 2020; Hinweis: Zur Lektüre dieses Texts sind Englisch-, Latein- und Altgriechisch-Kenntnisse notwendig.)
  6. Quelle: Wikipedia - The Free Encyclopedia, unter "Symplegades" (abgerufen: 01. Januar 2020)
  7. Quelle: Wikipedia - die Freie Enzyklopädie, unter "Symplegaden" (abgerufen: 01. Januar 2020)
  8. Quelle: Adrian Snodgrass und Richard Coyne, "Interpretation in Architecture: Design as Way of Thinking", Routledge, 13.05.2013, Notes, No. 35 (Links abgerufen: 01. Januar 2020; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  9. Siehe dazu z.B. bei Atlantisforschung.de: "Interwiew mit Dominique Görlitz nach seiner Rückkehr von der ABORA IV-Expedition - Ein erstes Fazit, Hintergrund-Informationen und Ausblicke"
  10. Red. Anmerkung: Diese Säule ist nicht zu verwechseln mit der "Pompeiussäule" im ädyptischen Alexandria!
  11. Quelle: Wikipedia - The Free Encyclopedia, unter "[Symplegades]", mit Verweis auf: Hilary Sumner-Boyd and John Freely, "Strolling through Istanbul", 2010 ISBN 978-1-84885-154-2, S.. 447 (abgerufen: 01. Januar 2020; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  12. Quelle: ebd., unter Verweis auf Hilary Sumner-Boyd and John Freely, op. cit (2010), S. 448
  13. Siehe: Christine Pellech, "Die Argonauten – Eine Weltkulturgeschichte des Altertums", Greiz (Buchverlag König), 2011
  14. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de einführend: Dr. Christine Pellech, "Die Argonauten - Eine Weltkulturgeschichte des Altertums - Einführung"

Bild-Quellen:

1) europeana collections, unter: Argonauten passeren de Symplegaden; Symplegades (Public Domain)
2) Meyers Konversationslexikon (1885–90), 4. Auflage, bei Wikimedia Commons, unter: File:Karte bosporus.jpg