Atlantis und Atlantier im Irak?

Abb. 1 Die geographische Lage des heutigen Staates Irak auf dem Globus

(red) Dass das Gebiet der heutigen Staates Irak (Abb. 1) in Mesopotamien über eine sehr weit in die Vergangenheit zurückreichende Kulturgeschichte verfügt, dürfte allgemein bekannt sein. So finden sich im Süden des Landes z.B. die Überreste der uralten Metropole Uruk (heute dort Warka genannt), deren Siedlungsgeschichte bis ins 5. Jahrtausend v.d.Z. zurückreicht. Uruk war offenbar schon in der sumerischen Frühzeit eines der wichtigsten Zentren der Region und wurde später eine Hauptstadt des Reiches von Sumer. [1] Dort wurden auch kleine Tontafeln mit Zeichen der so genannten 'Protokeilschrift' gefunden [2], den ältesten im Rahmen schulwissenschaftlicher Ur- und Frühgeschichts-Forschung akzeptierten Schriftzeichen der Welt.

Obwohl es durchaus Parallelen zwischen dem platonischen Atlantisbericht und alten sumerischen Überlieferungen (speziell dem Mythos von "Enki und Ninhursanga") gibt [3], hat offenbar noch niemand den Irak und Atlantis im Rahmen einer Lokalisierungs-Hypothese in direkte Beziehung gebracht. Zwar findet sich in Tony O’Connells Atlantipedia die Angabe, im 16. Jahrhundert habe "der spanische Historiker Gonzalo Fernández de Oviedo (1487-1557) den Irak als Örtlichkeit von Atlantis vorgeschlagen, dessen Bewohner nach Amerika flohen, als ihr Land überflutet wurde" [4], doch die Richtigkeit dieser Information ist infrage zu stellen.

Abb. 2 Gläubige Mandäer/innen beim Gebet. Das Foto entstand im Jahr 2013 am Fluss Ahvaz im Iran.

So heißt es in Thorwald C. Frankes neuer Referenz-Abhandlung "Kritische Geschichte der Meinungen und Hypothesen zu Platons Atlantis" über den spanischen Chronisten: "In Kapitel 2 in Buch III seiner Historia general y natural de las Indias von 1533 bringt Oviedo [...] diverse antike Mythen mit Amerika in Zusammenhang, wie z.B. die legendäre Karthagerinsel oder die Hesperiden oder den mythischen Atlas. Eine Verbindung zu Platons Atlantis wird dabei aber nicht gezogen. Anderslautende Angaben bei diversen Autoren [5] sind irrig oder zumindest irreführend." [6]

Immerhin gibt es aber zumindest einen modernen Autor, der vor wenigen Jahren nachweislich eine Bevölkerungsgruppe des Irak als Nachfahren der Atlantier eingestuft hat. Die Rede ist hier von dem 1919 geborenen italienischen Ingenieur, Archäologen, Poeten und Sachbuch-Autor Mario Pincherle, der u.a. auch eine unkonventionelle, aber interessante Theorie zu der bei der Errichtung der ägyptischen Pyramiden angewandten Technik zur Verbauung großer Steinblöcke vorgestellt hat. [7] In seinem 2003 erschienenen Buch "I Mandei. Atlantidei tra noi" [8] (Die Mandäer - Atlantiden unter uns) präsentierte er seine - gewagt erscheinende - Annahme, bei den Angehörigen der früher (d.h. vor dem Dritten Golfkrieg) vor allem im Süden des Irak ansässigen Glaubensgemeinschaft der Mandäer (Abb. 2) handele es sich um Nachfahren der Alten Atlantier. In jüngerer Zeit wurde den Mandäern von grenzwissenschaftlichen Autoren auch schon 'geheimes Wissen' in Hinsicht auf das UFO-Phänomen zugeschrieben. Bei The Secret Sun findet sich dazu ein sehr aufschlussreicher englischsprachiger Hintergrundbericht von Christopher Knowles. [9] [10]


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Siehe dazu einführend: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: "Uruk" (abgerufen: 08. April 2017)
  2. Siehe dazu z.B.: Peter W.F. Heller, "Atlantis – Jenseits der Säulen des Herakles", Engelsdorfer Verlag, 2013 (Die betreffende Passage des Buches ist online ohne Seitenangabe hier abrufbar.)
  3. Siehe dazu: Radek Brychta, "Die Entdeckung von Platons Atlantis", Teil V, "Atlantis, Enki und Ninhursanga, Sargon von Akkad"
  4. Quelle: Tony O’Connell, "Iraq, 26. Mai 2010, bei Atlantipedia.ie" (abgerufen: 08. April 2017; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  5. ed Anmerkung: Franke verweist diesbezüglich in einer Fußnote (Fn. 628) auf: Giovanni Rinaldo Carli, "Delle lettere americane 2" / IX, 1780, S. 182 f.; Jean-François Jolibois, "Dissertation sur l'Atlantide", Trévoux (J. Damptin), 1843, 2. Aufl.: Lyon (L. Boitel), 1846, S. 40; Olivier Boura, "Les Atlantides, généalogie d'un mythe" Paris (Arléa), 1993 - Ausgabe als Taschenbuch: 2003, S. 81 ff.; Pierre Vidal-Naquet, "L'Atlantide - Petite histoire d'un mythe platonicien", Paris (Les Belles Lettres), 2005, S. 69 - deutschspr. Ausgabe: "Atlantis - Geschichte eines Traums", München (C. H. Beck), 2006, S. 61; Jean-François Pradeau, "Le Monde de la Politique - La philosophie politique du récit atlante de Platon, Timée (17-27) et Critias", Academia Verlag, 1997, S. 233
  6. Quelle: Thorwald C. Franke, "Kritische Geschichte der Meinungen und Hypothesen zu Platons Atlantis - Von der Antike über das Mittelalter bis zur Moderne", Norderstedt (BoD), 2016, S. 301
  7. Siehe: Mario Pincherle, "THE METHOD OF SHORT-CUBIC-WOODS" (Excerpts from: "LA GRANDE PIRAMIDE" by Mario Pincherle, Ed. Filelfo 1979 - Chapter 2, pages 112–1259, bei gizapyramid.com (abgerufen: 08. April 2017)
  8. Siehe:
    Pincherle Cover.jpg
    Mario Pincherle, "I Mandei - Atlantidei tra noi", Macro Edizioni, 2003
  9. Siehe: Chris Knowles, "AstroGnostic: The Mandaeans' Elusive Companions", 2014, bei The Secret Sun (abgerufen: 08. April 2017)
  10. Quellen: Tony O’Connell, "Pincherle, Mario (t)", 30. Mai 2010, bei atlantipedia.ie; sowie: Derselbe, "Mandaeans", 3. November 2010, bei atlantipedia.ie (beide abgerufen: 08. April 2017)

Bild-Quellen:

1) TUBS bei Wikimedia Commons, unter: File:Iraq on the globe (Afro-Eurasia centered).svg
2) Kipala bei Wikimedia Commons, unter: File:Mandaeans at prayer by the riverside, Ahvaz, Iran 2013.jpg (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)