Bettany Hughes

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Kritische Anmerkungen zu einer medial gepushten 'Atlantis-Expertin'

von Tony O’Connell

Abb. 1 Die Historikerin Dr. h.c. Bettany Hughes wird in den britischen Medien als eine Art 'Atlantis-Expertin' verkauft. Tatsächlich ist ihre diesbezügliche Kompetenz in Frage zu stellen.

Bettany Hughes (Abb. 1) (* 14. Mai 1967 [1]) ist eine bekannte britische Historikerin mit einem hohen Medienprofil. Sie hat eine größere TV-Dokumentation zum Thema 'Atlantis' präsentiert, welche gezielt die Standpunkte der minoischen Hypothese unterstützt. [2] Gemeint ist "Atlantis: The Evidence" (Timewatch, BBC Two, 2010) und in jüngerer Zeit wurde sie ausgewählt, um eine neue Dramaserie namens Atlantis zu promoten (BBC 2013).

Für die Zeitung The Telegraph schrieb sie eine Voranzeige zu dieser BBC-Serie [3], die zusammen mit ihrem früheren Dokumentarfilm noch immer Fragen bezüglich ihrer Kompetenz aufwirft, sich überhaupt mit diesem Thema zu befassen. In ihrem Artikel bezieht kommt sie auf die Atlantis-Geschichte als eine moralische Fabel zu sprechen und ignoriert die Tatsache, dass nicht nur die "bösen" Atlantier vernichtet wurden, sondern auch die "guten" Athener.

Dann spielt Hughes darauf an, dass Plato die Verwendung von rotem, schwarzem und weißem Stein auf Atlantis erwähnt (Kritias 116a). Es ist bekannt, dass diese Kombination in vulkanischen Regionen üblich ist und tatsächlich an einer ganzen Reihe vorgeschlagener Atlantis-Standorte festgestellt wurde, z.B. auf den Kanaren, in Bolivien und Marokko, auf den Azoren und Sardinien sowie in Südspanien.

Als nächstes versucht Hughes, das von Plato beschriebene (Timaios 25d) Navigations-Hindernis wegzuerklären, indem sie es als Bimsstein identifiziert. Plato benennt aber eindeutig Schlamm-Untiefen als Barriere. Zudem sagt Plato uns, dass die Gefahr noch zu seiner Zeit bestand, etwa tausend Jahre nach der Minoischen Eruption. Es ist - gelinde gesagt - unwahrscheinlich, dass Bimsstein sich für ein Jahrtausend auf dem Meer gehalten hätte!

Diese erbärmlichen Versuche, Thera und Atlantis in Verbindung zu bringen, sind schlimm genug. Hughes legt nicht dar, dass Plato wiederholt von einer atlantischen Invasion aus dem Westen spricht, während Thera / Kreta nördlich von Ägypten und südlich von Athen liegt. Wo waren denn nun die Säulen des Herakles - und wo waren die 'minoischen' Elefanten?

Ich würde erwarten, dass ein Profi wie Hughes eine umfassendere Übersicht über ALLE von Plato bereitgestellten Informationen bietet und nicht das, was ihrer Meinung entgegen steht, als "schiere Fantasie" abtut. Dieses Herauspicken und Aussuchen [bestimmter Details] aus Platos Text ist ohne jede Begründung für ihre Selektivität [wissenschaftlich] unzulänglich.



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Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Tony O’Connell wurde in englischsprachiger Original-Fassung erstmals am 03. Oktober 2013 unter dem Titel "Hughes, Bettany (i)" bei Atlantipedia.ie veröffentlicht. Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung nach der bei WaybackMachine archivierten Ur-Fassung durch Atlantisforschung.de im November 2017.

Fußnoten:

  1. Quelle: Bettany Hughes, "About Bettany" bei facebook (Stand: 17. Oktober 2013; nach en.Wikipedia)
  2. Red. Anmerkung: Zu einem US-amerikanischen Pendent siehe: Martin Pepper - Kurzportrait und atlantologische Kritik (red)
  3. Siehe: Bettany Hughes, "Atlantis: secrets of the real lost city", 28. September 2013, bei The Telegraph (abgerufen: 07. November 2017)

Bild-Quelle:

1) portableantiquities (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Bettany Hughes.BH.jpg