Die Kanaren - Inseln der Gestrandeten

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Das Rätsel der Guanchen, Teil V

(bb) Wie wir bereits gesehen haben, reichen die Wurzeln der prä-hispanischen Kanarier und ihrer Vorfahren - oder Vorgänger? - sowie die Ursprünge menschlicher Besiedlung der heutigen Kanaren-Inseln bis weit hinein in die vorsintflutlichen Zeiten der jüngsten 'Eiszeit' - vor mehr als 10 000 Jahren - zurück; also in jene Epoche, in der nach Platon das legendäre Reich von Atlantis bei einer gewaltigen Naturkatastrophe im Meer versunken sein soll. Kein Wunder, dass diese urtümlichen und geheimnisvollen Atlantik-Anrainer auch 'ins Visier' der Atlantisforschung gerieten.

Abb. 1 Relikte von Atlantis? Diese Guanchen-Zeichnungen unterhalb des Friedhofes von Garafia kennzeichnen möglicherweise eine alte Kult-Stätte der Guanchen. Etliche Feldsteine wurden dort in Form eines Boots oder Schiffs arrangiert. Auf einigen dieser Steine sind seltsame Symbole und kreisförmige Gebilde erkennbar. (Foto: reisen.realedition.de)

Alexander Braghine und Charles Berlitz wiesen z.B. darauf hin, dass die Guanchen sich selber als einzige Überlebende einer, Jahrtausende zurückliegenden, großen Katatstrophe verstanden (siehe z.B.: Die atlantischen Inseln - Inselwelt von Atlantis von Charles Berlitz). "Diese Katastrophe bestand", so schrieb Braghine, "aus einer schrecklichen Flut, die ihr Vaterland überspült hatte, und ihnen gelang nur deshalb die Flucht, weil die Bergspitzen, die heute die Kanaren bilden, über Wasser blieben."[1] Bei diesem Kataklysmus, auf den sich die Guanchen bezogen haben sollen, kann es sich allerdings kaum um jenes ungeheure Ereignis gehandelt haben, der das Ende des jüngsten Eiszeitalters auslöste [2] und in dem - wenn die Anhänger dieser Meinung Recht haben - das erste, zentralatlantische Inselreich von Atlantis unterging.

Aber auch andere Erwägungen sprechen dagegen, die (späten) Guanchen vorschnell als Erben und direkte Nachkommen jener versunkenen primhistorischen Mutterkultur zu klassifizieren. Zu vieles muss noch als völlig ungeklärt betrachtet werden: Stammen die ältesten, cromagnoiden Skelett-Funde auf den Kanaren tatsächlich von direkten Vorfahren der Guanchen, oder wanderten diese erst später auf die Inseln ein? Immerhin lässt uns Bolleter in einem Nebensatz wissen: "Auf Gran Canaria wurde so eine uralte Tradtition von Geschlecht zu Geschlecht überliefert, nach welcher die Bevölkerung der Insel einst von Nordafrika herüber gekommen sein soll."[3]

Wer waren die beiden anderen ur-kanarischen Stämme, deren Spuren man auf Palma, Hierro und Gran Canaria sowie auf Gomera (Abb. 2) entdeckt hat (Bolleter, 1910). Vorgänger bzw. Zeitgenossen der Guanchen, oder später zugewanderte Nachbarn? Auch einige Grab-Tumuli weisen, so Bolleter, auf die frühe, präkolumbische Präsenz von Nicht-Guanchen auf den Kanaren hin "Auf Gran Canaria und Lanzerote sind Erd- und Steinhügel gefunden worden, welche mehrere Leichen bargen; sie sind auf die Nichtguanchen zurückzuführen." [4]

Abb. 2 Auf der Insel Gomera (Bild) wurden nach Dr. E. Bolleter Spuren einer der beiden frühen Nicht-Guanchen-Populationen entdeckt, die einst auf den Kanaren lebten. Stammten sie alle von prähistorischen 'boat people' aus Nordwest-Afrika ab, wie der Forschungsreisende annahm?

Auf fremde Einflüsse oder religiöse Umbrüche auf den Kanaren weist auch die Anlage unterhalb des Friedhofs von Garafia auf La Palma hin. Dort befindet sich eine undatierte, boots- oder schiffsartig geformte Stein-Formation (Abb. 1) unbrkannter Herkunft, zu deren Bau offensichtlich auf 'recyceltes' Material zurückgegriffen wurde. [5] Einige der verwendeten Steinblöcke zeigen noch die Reste komplexerer Ritz-Zeichnungen bzw. Gravuren, die sie als Überreste einer älteren Struktur identifizieren. Interessant genug, sind bootsförmige Stein-Anlagen, gerade in Form von Grab-Cairns, zwar aus Nordeuropa bekannt, auf den Kanaren ansonsten ebenso ungewöhnlich, wie Bestattungen in Grabhügeln bzw. Tumuli.

Alles in allem erscheint es also höchst zweifelhaft, dass direkte Vorfahren der Guanchen tatsächlich von den Zeiten der Erstbesiedlung der |Kanaren bis zu ihrer "Wiederentdeckung" durch Araber, Spanier und Portugiesen völlig isoliert geblieben sein sollen. Der schulwissenschaftlich argumentierende 'Nicht-Atlantologe' Dr. E. Bolleter trieb diesen Isolationismus 1910 auf die Spitze, indem er sogar Kontakte zwischen den Bewohnern der verschiedenen Kanaren-Inseln ausschloss: "Jahrtausende mögen die Guanchen mit ihrer Steinzeitkultur auf den Inseln ungestört gehaust haben.

Kein Schiff erschien am Horizonte, um die Nachricht zu bringen, daß drüben im Osten ein mächtiges Festland mit vielen Völkern sei; nur die Sonne tauchte rotgolden aus den Fluten des Ozeans empor, um abends im Westen wiederum ins Meer zu versinken. Kein Ruf drang von den benachbarten Inseln herüber; nicht einmal ein Boot schaukelte auf den Wellen, das Kunde gebracht hätte, daß verwandte Stämme dort auf ähnliche Art ihr Dasein fristeten. In gewaltiger Stille und Einsamkeit lebten die Guanchen froh und glücklich dahin." [6]

Sicherlich ist diese Darstellung vor allem ein Ausfluss romantischen Überschwangs, auch wenn wir vermuten dürfen, dass die Guanchenkultur tatsächlich verschiedene Merkmake aufzuweisen scheint, die das Ergebnis langer Isolations-Phasen darstellen könnten. Es erscheint keineswegs unwahrscheinlich, dass es seit jenen Zeiten ihrer Erstbesiedlung, als die heutigen Kanaren-Inseln möglicher Weise noch ein Teil des nordwest-afrikanischen Küstenlands waren (vor vermutl. ca. 17 000 Jahren) immer wieder lange - z.T. Jahrtausende umfassende - Zeiträume gab, in denen die Bewohner der nun zum Archipel zerbrechenden, alten Kanaren-Insel keine Kontakte zur Außenwelt hatten.

In gewisser Weise kommt sogar der Eindruck aufkommen, dass die Kanaren "Inseln der Gestrandeten" waren, ein Flucht- und Rückzugsraum für Menschen, denen der Boden in Afro-Europa 'zu heiß' wurde und die dem östlichen Doppel-Kontinent des atlantischen Großraums per Boot oder Schiff gezwungenermaßen den Rücken kehrten. Gründe für solche Ausweich- und Flucht-Bewegungen hat es im Verlauf der Jahrtausende genug gegeben, beginnend mit dem Eindringen der so genannten 'Indoeuropäer' ins neolithische Europa und Nordafrika, über die imperialistischen Raub- und Vernichtungs-Kriegen der Römer, bis hin zu den moslemischen und christlichen Invasionen des zweiten Jahrtausends nach der Zeitenwende.


Fortsetzung:


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Bernhard Beier © wurde 2006 für Atlantisforschung.de erstellt.

Fußnoten:

  1. Quelle: Alexander Braghine, "The Shadow of Atlantis" (Erstveröffentl. 1940), THE ATLANTIS REPRINT SERIES bei ADVENTURES UNLIMITED PRESS, Kempton, Illinois (USA), 1997, S. 156
  2. Anmerkung: Vergl. dazu u.a. Vor etwa 11 000 Jahren: Impaktkatastrophe erschüttert Nordamerika - Die Carolina-Buchten und das Ende des Goldenen Zeitalters in Amerika von Peter Marsh, Abrupter Klimawechsel vor 11 000 Jahren von Andrew Collins sowie Atlantis - Die Theorie vom Meteoriten-Impakt von Egerton Sykes
  3. Quelle: Dr. E. Bolleter, "Bilder und Studien von einer Reise nach den Kanarischen Inseln (1910)", Kapitel 6: Die Guanchen, die Urbevölkerung der Kanaren, online unter http://www.zum.de/stueber/bolleter/kapitel_06.html
  4. Quelle: ebd.
  5. Anmerkung: Zu einer möglicherweise vergleichbaren Anomalie in Nordamerika siehe: Der "Boots"-Cairn von Connecticut von William R. Corliss
  6. Quelle: Dr. E. Bolleter, "Bilder und Studien von einer Reise nach den Kanarischen Inseln (1910)", Kapitel 6: Die Guanchen, die Urbevölkerung der Kanaren, online unter http://www.zum.de/stueber/bolleter/kapitel_06.html

Bild-Quellen:

1) reisen.realedition.de, unter: realedition.de - La Palma: Guanchen-Zeichnungen Garafia
2) Sol, ferie, helse og leiligheter til leie i Arguineguin og på Kanariøyene generelt, unter: la-gomera.jpg