Ekaterina F. Hagemeister

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Eine sowjetische Atlantisforscherin im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Metaphysik

(bb) Dass die Geschichte der höchst bedeutsamen sowjetischen Atlantisforschung nach wie vor einer umfassenden sowie gründlichen wissenschaftsgeschichtlichen und atlantologie-historischen Aufarbeitung harrt, ist ein höchst bedauerliches Faktum. Gerade im Bereich 'westlicher' Atlantologie - also vor allem in den angelsächsischen, deutschen und romanischen Sprachräumen - ist leider noch immer kaum etwas über dieses nie entsprechend gewürdigte Kapitel moderner Atlantisforschung bekannt, über welches bereits 1968 der polyglotte, britische Atlantis-Experte Egerton Sykes respektvoll bemerkte: "Was auch immer wir von den politischen Aktivitäten der Russen halten mögen, so muss doch akzeptiert werden, dass sie in Sachen Atlantologie der übrigen Welt um Längen voraus sind. Die Anzahl der Bücher und anderer Publikationen aus den Sowjet-Staaten seit dem jüngsten Krieg ist zehn mal so groß wie in der gesamten westlichen Welt, und, was dazu kommt: die Qualität ist extrem hoch." [1]

Abb. 1 Das Gebäude der estnischen Akademie der Wissenschaften in Tallinn, wo E.F. Hagemeister 1954 einen Vortrag zum Thema 'Atlantis' gehalten haben soll.

Von diesen enorm zahlreichen Atlantis-Publikationen sind die meisten inzwischen verschollen oder in Vergessenheit geraten, und Letzteres gilt auch für die Forscherinnen und Forscher - und dies waren z.T. hochkarätige Wissenschaftler/innen -, welche diese Arbeiten erstellt haben. Eine dieser bedeutenden Forscherpersönlichkeiten war die in Estland (damals ein Teilstaat der UdSSR) beheimatete Ekaterina Fedorowna Hagemeister, geborene Tarunzowa (1898-1958), zu deren Leben und Werk derzeit nur sehr wenige, fragmentarische Informationen allgemein zugänglich sind. Neben verschiedenen kleinen Randbemmerkungen im Internet - etwa bei Seachild.net - oder, was die Literatur betrifft, in Nikolai Zhirovs, zum atlantologischen Standardwerk avancierten Buch "Atlantis: Atlantology - Basic Problems" (1964, 1968 und 1970) sowie in Egerton Sykes´ legendärer Zeitschrift 'Atlantis' ist hier vor allem ein online veröffentlichter Artikel [2] von Alexander Alexandrovich Voronin zu nennen, dem Ende 2012 verstorbenen Mitbegründer und langjährigen Präsidenten der Russischen Gesellschaft für die Erforschung der Atlantis-Probleme (Russian Society for Studying Problems of Atlantis).

In besagtem Artikel verweist Alexander Voronin z.B. auf die persönliche Bekanntschaft von Ekaterina Hagemeister und Nikolai Zhirov, dem Doyen der sowjetischen Atlantisforschung in der frühen zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zhirovs Wertschätzung seiner Forscher-Kollegin ging offenbar so weit, dass er ihr in seinem oben erwähnten Hauptwerk eine ganz besondere Würdigung zukommen lassen wollte. Dies geht jedenfalls, laut A. Voronin, aus dem mit Schreibmaschine verfassten Typoskript des Werkes hervor, auf dessen Titelblatt vermerkt ist: "Das Buch ist der Ekaterina (Jekaterina) Fedorowna Hagemeister gewidmet". Doch schon in der Erstausgabe von 1964 war diese Widmung augenscheinlich vom Verlag entfernt worden, und sie findet sich auch nicht in den überarbeiteten Neuauflagen von 1968 und 1970. Über die Gründe für diese Zensur lässt sich derzeit nur spekulieren, aber es erscheint naheliegend, dass dabei insbesondere Hagemeisters Aktivitäten in Sachen Metaphysik bzw. ihre Neigung zur Esoterik keine geringe Rolle spielten, auf die wir später noch ausführlicher eingehen werden. Vor diesem Hintergrund muss jedenfalls auch Zhirovs Nähe zu ihr durchaus erstaunen, da er ansonsten als harscher Kritiker okkultistischer Atlantissuche und als Verfechter einer streng wissenschaftlichen Forschung bekannt war. [3]

Abb. 2 Nikolai F. Zhirov (1903-1970) - in den 1960er Jahren der Doyen der sowjetischen Atlantisforschung - korrespondierte ausgiebig mit E. F. Hagemeister.

Was Hagemeisters Biographie betrifft, so ist zur Zeit kaum etwas über diese außergewöhnliche Frau bekannt. Geboren wurde sie 1898 in der estnischen Hauptstadt Reval, dem heutigen Tallinn, wo sie fast ihr gesamtes Leben verbrachte. Augenscheinlich war sie eine - im Bereich der Naturwissenschaften angesiedelte - Akademikerin, und A. Voronin bezeichnete sie aus guten Gründen als "Spezialistin auf dem Gebiet historischer Geographie". Anfragen des Verfassers bei der Akademie der Wissenschaften Estlands und der Universität Tallinn erbrachten jedenfalls keine Hinweise auf ihre wissenschaftliche Arbeit oder auf eine universitäre Lehrtätigkeit in Tallinn. Nach aktuellem Wissensstand am Institute of Geology an der Tallinn University of Technology war E.F. Hagemeister anscheinend nicht als Berufsgeologin tätig. [4]

Alexander Voronin stellt jedenfalls fest, das Ekaterina Hagemeister ein vielseitig talentierter Mensch mit beachtlicher Allgemeinbildung war, und gute Beziehungen zum Ausland hatte - was in der damaligen Sowjetunion durchaus keine Selbstverständlichkeit war. So berichtete sie Zhirov u.a. "über den Dichter des Auslandsrussentums Georgij Golochwastow (1882-1963) und sein Poem >Verfall der Atlantis< (1938). Das Gedicht war in New York in 300 Exemplaren veröffentlicht worden. In der UdSSR war es nicht bekannt. Hagemeister berichtete Zhirow über ihr Vorhaben, einen großen Roman über Atlantis zu schreiben." Ekaterina Fedorownas Enkel Aleksandr Hagemeister teilte A. Voronin mit, dass sie auch lyrische Texte verfasst habe und zudem eine talentierte Malerin gewesen sei. [5]

In ihrer, glücklicher Weise erhalten gebliebenen, Korrespondenz mit Dr. Zhirov finden sich noch weitere interessante Details zu E. F. Hagemeisters Leben und Schaffen. So schrieb sie z.B. am 11. April 1956 in einem Brief an ihn über ihr Verwandtschaftsverhältnis mit der Theosophin Elena Petrowna Blawatsky: "So ist es bei uns nicht üblich, über Elena Petrowna Blawatskaja zu sprechen. Einnmal mehr trifft es zu, dass ein Prophet in seinem Vaterlande nichts gilt. Ohne ihre Bücher zu kennen, wurde sie [hierzulande] hinter ihrem Rücken verurteilt. In England hingegen achtet man diese »große Russin« besonders hoch. Früher oder später wird sie auch bei uns Anerkennung finden, und man wird stolz auf sie sein. Selbstverständlich muß sich zuerst bei uns etwas ändern. Vielleicht hat das schon angefangen ... Ich kann noch ergänzen, dass ich durch meine Großmutter Fadejewa (Petersburg) mit EPB verwandt bin - wenigstens als entfernte Verwandte. Und bei unseren Gesellschaften bekam ich bisweilen Komplimente dafür, dass ich in mancher Beziehung an sie erinnere..." [6]

Abb. 3 Nicholas (Nikolaj) Konstantinowitsch Roerich (1874-1947)

"Sehr achtungsvoll, fast ehrfurchtsvoll", wie A. Voronin betont, äußerte Hagemeister sich Zhirov gegenüber in Hinsicht auf ihre beiden Mentoren bzw. ihre spirituellen und wissenschaftlichen Lehrmeister: den Maler, Schriftsteller, Archäologen, Forschungsreisenden und Philosophen Nicholas Roerich (Abb. 3) und den Geologen Wladimir A. Obruchev (Abb. 4) (Mitglied der sowjetischen Akademie der Wissenschaften). So schrieb sie Zhirov am 21.Juni 1956: "Selbstverständlich wissen Sie schon um diese traurige Neuigkeit – den Tod von Wladimir Afanasjewitsch Obruchev. Für mich persönlich ist das ein großer Verlust – er war mir gegenüber stets aufmerksam und beantwortete alle meine Fragen genau. Das ist der zweite große Mensch, der mir gegenüber so herzlich war. Ich spreche [hier auch] über Nikolaj Konstantinowitsch Roerich. Sie kannten ihn allerdings nicht und können sich kein Urteil über ihn bilden. Er stand in hohem Ansehen und genoß Achtung in der ganzen Welt, abgesehen von der UdSSR. Er ist im Himalaja gestorben und wurde auf seinem geliebten Felsen eingeäschert. Er war nicht nur großer Maler, sondern ein Verkünder [...] des Friedens und der Lauterkeit. In mancher Beziehung trat er in Blawatskajas Fußtapfen. Sein Porträt und Obruchevs Porträt stehen auf meinem Schreibtisch." [7]

N. Roerich, der schon in jüngeren Jahren gemeinsam mit seiner Ehefrau, der esoterisch orientierten Schriftstellerin Helena Roerich, die theosophische Schule des Agni Yoga ("Lebendige Ethik") gegründet hatte, war offenbar Ekaterina Fedorownas Mentor in 'spiritueller' Hinsicht, der ihre Neigung zur Metaphysik förderte. In welcher Form sich ihr Hang zur Esoterik genau ausdrückte, lässt sich derzeit - ebenso wie die Frage, wie sie den 'intellektuellen Spagat' zwischen Naturwissenschaft und Metaphysik bewältigte - nur ansatzweise klären, da noch keine Auswertung der erhalten gebliebenen, privaten Unterlagen von Hagemeister und Zhirov möglich ist. In offiziellen Quellen (Medien, Publikationen etc.) wird man dazu jedenfalls keine Informationen finden, denn Esoterik war in der Sowjetunion ein tabuisiertes Thema. Dazu schrieb N.A. Bogomolow in seiner Untersuchung der russischen okkultistischen Bewegung zu Anfang des 20. Jahrhunderts: "In der UdSSR [waren] alle Organisationen sowohl von Ordenstyp, als auch einzelne Zirkel gezwungen, in einem tiefen Untergrund zu existieren und deshalb waren sie zum geschlossenen Bestehen verurteilt." [8]

Wie Alexander Voronin immerhin recherchieren konnte, arbeitete E.F. Hagemeister eine Zeit lang am Almanach »Okkultismus und Yoga« (1933-1976) mit, dessen Chefredakteur A.M. Assejew war. "Assejew wollte Hagemeister später als Chefredakteurin des Almanachs einsetzen, aber wegen diverser Machenschaften in der Redaktion – hauptsächlich seitens einer Mitarbeiterin [...], der bekannte Okkultistin Nina Rudnikowa - erteilte sie ihm eine Absage." [9] Ein weiteres Themenfeld, mit dem E.F. Hagemeister sich, laut Voronin, intensiv befasste, war die Parapsychologie, welche in der UdSSR - im Gegensatz zur Esoterik - traditionell einen recht hohen Stellenwert genoss. In Unkenntnis weiterer Details sind gesicherte Aussagen auch hierzu kaum möglich, doch die Parapsychologie könnte für Ekaterina Hagemeister ein entscheidendes Bindeglied bzw. eine Art 'Schnittstelle' zwischen den antagonstischen Bereichen naturwissenschaftlicher Forschung und Metaphysik bzw. Esoterik dargestellt haben.

Abb. 4 Der prominente sowjetische Geologe Prof. Wladimir Afanasjewitsch Obruchev (1863- 1956) war Ekaterina F. Hagemeisters wissenschaftlicher Mentor.

Wann Ekaterina Hagemeister sich auch für das Atlantisproblem zu interessieren begann - und ob dies zunächst in einem esoterischen oder explizit wissenschaftlichen Kontext erfolgte - lässt sich anhand der bis dato vorliegenden Informationen nicht klären. Nachweisbar ist ihr atlantologisches Engagement jedenfalls erst ab Mitte der 1950er Jahre, aber zu dieser Zeit vertrat sie zu diesem Thema offenbar bereits eine entwickelte und fundierte Position, was auf langjährige, vorausgegangene Studien hindeutet. Als 'Atlantikerin' war sie von der vormaligen Existenz einer 'Atlantis im Atlantik' in Form einer vulkanischen Großinsel im Gebiet des Mittelatlantischen Rückens überzeugt. Dazu hielt sie, wie Zhirov berichtete, am 30. November 1954 eine Vorlesung in der Akademie der Wissenschaften Estlands (Abb. 1). [10]

Etwa ein Jahr später, 1955, veröffentlichte Ekaterina Hagemeister in der sowjetischen Zeitschrift Priroda ("Natur") - einem Journal der Akademie der Wissenschaften der UdSSR - einen Artikel mit dem Titel »Eiszeit und Atlantis« [11], zu dem Professor Obruchev ein Nachwort beisteuerte. In diesem Artikel skizzierte die Forscherin ihr Modell von Atlantis als einer 'Sperrinsel', die über viele Jahrtausende hinweg den warmen Golfstrom daran hinderte, in den Nordatlantik vorzudringen - eine Vorstellung, die zur gleichen Zeit in Österreich von Otto Muck [12], später (1971 [13]) von dem Exil-Russen Andrew Tomas, der Hagemeisters Arbeiten kannte, und in jüngster Zeit von Wolter Smit (Frankreich) [14] und Prescott Rawlings [15] vertreten wurde.

Zu ihrem Modell schrieb Hagemeister damals: "Offenbar betstand ein Hindernis, welches der südlichen Strömung den Zugang zu den Polargebieten verlegt hatte. Solch ein Hindernis konnten nur Eilande im Atlantischen Ozean sein… Es setzte die Glazial-Periode ein ... Jahrtausende vergingen. Nach und nach begann die Atlantis, langsam im Ozean zu versinken. Nacheinander sanken deren nördliche und südliche Spitzen ab. [16] Letztens blieb vom ganzen Festland nur deren Zentralteil übrig. Dies war jene Atlantis, von der Plato erzählt und welche noch frühere Autoren erwähnen, so wie es auch Überlieferungen dazu bei fast bei allen urzeitlichen Völkern an den bewohnten Küsten am Atlantischen Ozean gibt, sowohl auf dessen östlicher als auch auf der westlichen Seite... Nach dem Verschwinden der Atlantis zog sich eine warme Strömung [...] nordwärts, welche die Wärme zu den vereisten Küsten Europas weiterleitete. Es begann starke Erwärmung des Klimas, die Eismassen tauten ab und zogen sich nordwärts zurück. Die Eiszeit endete. Für diese Hypothese spricht der Umstand, dass der Verfall der Atlantis mit dem Ende des Glazials zeitlich zusammenfällt." [17]

Ekaterina Hagemeister nahm in diesem Bericht an die Akademie u.a. Bezug auf die Ergebnisse der Forschungs-Exkursionen des sowjetischen Eisbrecherschiffes »Sadko«, das in den 1930er Jahren zahlreiche Proben aus unterschiedlichen Tiefen des Atlantik geholt hatte. Vergleichende Untersuchngen dieser Proben hatten deutlich differierende Thorium-Zerfallsraten bzw. ein unterschiedliches Vorkommen des Thorium-Nuklids Ionium ergeben. Daraus schloss Hagemeister, dass der Golfstrom erst (wieder) vor ca. 12.000 bis 10.000 Jahren ins Nördliche Eismeer vorgedrungen sein kann, und dass ein intensives Einströmen des Golfstromswassers sogar erst vor 5000 bis 3000 Jahren begann. Dies sowie die Entdedeckung massiver, ca. 12.000 Jahre alter Ablagerungen vulkanischer Aschen auf dem Meeresboden brachte sie mit geologischen Umälzungen bzw. mit der Atlantis-Katastrophe in Zusammenhang. [18]

Abb. 5 Eine Darstellung der hypothetischen 'Sperrinsel Atlantis' nach Andrew Tomas, 1971, der seinen Quellenangaben zufolge E.F. Hagemeisters Arbeiten kannte

Hagemeisters Mentor Prof. Wladimir Obruchev, einer der führenden sowjetischen Geologen seiner Zeit, äußerte sich in seinem Geleitwort zu diesem Artikel folgendermaßen über ihre Hypothese: "Neue Daten über die Tiefsee im Norden des Atlantischen Ozeans bestätigen, dass sie vor verhältnismäßig kurzer Zeit entstand, und dass deren Alter ungefähr mit den in urzeitlichen Überlieferungen angegebenen Zeitpunkten des Versinkens von Atlantis zusammentrifft. Ferner verdient die Gegenüberstellung des Zeitpunktes des Versinkens von Atlantis und dem Ende der Eiszeit auf der Nordhalbkugel Interesse - diese beiden Ereignisse geschahen vor 10.000 bis 12.000 Jahren. Es lässt sich nämlich denken, dass Atlantis jenes Hindernis war, das dem warmen Golfstrom den Weg nach Norden, zum Nördlichen Eismeer hin, verlegte. Das Entstehen dieses Hindernisses zu Anfang des Quartärs löste eine Vereisung um den Nordpol herum aus. Das Absinken von Atlantis machte den Weg für den Golfstrom frei, und im Norden beendete dessen warmes Wasser die Vereisung um Nordpol nach und nach, während es nun bis heute eine Vereisung um den Südpol herum gibt." [19]

Das gestiegene Interesse an Atlantis und die vergleichsweise große Akzeptanz dieses Themas in der damaligen UdSSR wurde auch durch eine Diskussion unter bedeutenden sowjetischen Wissenschaftlern und Schriftstellern in der Zeitschrift  »Technika-Molodjozhi« (in etwa: "Technik für Jugendliche") im Jahre 1956 deutlich. An dieser publizistischen Diskussion unter dem Titel »Hat die Atlantis existiert?« nahmen bekannte sowjetische Wissenschaftler und Schriftsteller, wie N.S. Wetschinkin, I.A. Jefremow, N.F. Zhirov und M.Ja. Pljam teil - und auch E.F. Hagemeister beteiligte sich mit einem Textbeitrag an dieser Debatte. [20]

Anfang 1958 zog Ekaterina Fedorowna nach Leningrad, wo sie sich nicht zuletzt dem Aufbau organisierter atlantologischer Forschungsstrukturen in Russland widmen wollte. In einem Schreiben an Zhirow vom 2. Januar 1958 hatte sie dazu bemerkt: "Wenn ich nach Leningrad ziehe, werden wir unbedingt mit der Popularisierung [von Atlantis; A.V.] beginnen und werden die Eröffnung der »Gesellschaft zur Untersuchung der Atlantis-Probleme« oder etwas in diesem Sinne vornehmen." [21]

Betrüblicherweise wollte das Schicksal es anders, und ihr Kollege Zhirov hatte bereits wenige Monate später die traurige Pflicht zu erfüllen, in der britischen Fachzeitschrift 'Atlantis' einen Nachruf auf die estnische Wissenschaftlerin zu veröffentlichen: "Mit Bedauern teile ich Ihnen mit, dass Frau Ekaterina Hagemeister, die hervorragende sowjetische Atlantologin, am 28. Januar 1958 plötzlich aufgrund eines Herzinfarkts verstorben ist. Sie wurde 60 [Jahre alt]. Am Vorabend ihres Todes [arbeitete sie noch] an einer ausführlichen Monographie zum Atlantisproblem. Das nicht vollendete Manuskript und dafür genutzte Werke befinden sich jetzt zur Gänze bei ihrem Sohn, Herrn Je. A. Hagemeister, der in Leningrad wohnt. Frau Hagemeister [...] war auch durch ihre Werke über Metaphysik bekannt. Ich glaube, dass alle diejenigen, welche Atlantis untersuchen, diesen Verlust betrauern werden." [22]

Zum Abschluss seiner Betrachtungen über sie stellte Alexander Voronin fest, "dass der Verbleib der Monographie über Atlantis und der Werke über Metaphysik von Ekaterina Hagenmeister noch nicht geklärt ist. Wir werden warten [müssen], bis ihr Archiv von der Familie Hagemeister bald ihr Geheimnis zukünftigen Untersuchern und forschenden Menschen anvertrauen wird." Dies, aber auch die umfassende Aufarbeitung der Arbeiten anderer Größen der sowjetischen Atlantisforschung, wäre mehr als wünschenswert, denn - um ihn dazu noch einmal zu zitieren - die "Untersuchungen von Gelehrten wie Zhirov, Obruchev, Bogatschew, Hagemeister und anderen greifen vielen Arbeiten heutiger Forscher vor, die auf dem Gebiet der so genannten «alternativen Geschichte» arbeiten". [23]


Danksagungen

Der Autor und die Redaktion Atlantisforschung.de bedanken sich ausdrücklich bei folgenden Personen für ihre freundliche Unterstützung der Erstellung dieses Beitrags:

  • ...bei Herrn Anatoliy Sauschkin, Nikolajew (Ukraine), für die Übersetzung von A. Voronins Hinweisen zu E.F. Hagemeisters Leben und Werk ins Deutsche



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Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Egerton Sykes, "Fitting Atlantis In", in: 'Atlantis' (London) Ende 1968, online unter 1968 cont. (of 'Atlantis') (abgerufen: 10.07.2013; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  2. Siehe: Alexander Voronin, МЕТАФИЗИКА И НАУКА В ЖИЗНИ ЕКАТЕРИНЫ ХАГЕМЕЙСТЕР (METAPHYSIK UND WISSENSCHAFT IM LEBEN VON EKATERINA F. HAGEMEISTER); abgerufen: 07.07.2013
  3. Siehe z.B.: Nikolai Zhirovs, "Atlantis: Atlantology - Basic Problems", The Minerva Group, Inc., 2001 (Reprint von 1970, Moskau), S. 17-18
  4. Quellen: Nachricht (E.Mail) von Ülle Rebo, Büro der Akadmie der Wissenschaften, Estland, an Bernhard Beier vom 03.06.2013, 11.16 h; sowie: Nachricht (E.Mail) von Krista Must, Universität Tallinn an Bernhard Beier vom 13.05.2013, 13.45 h
  5. Quelle: Alexander Voronin, op. cit.; Übersetzung ins Deutsche durch Anatoliy Sauschkin
  6. Quelle: ebd.
  7. Quelle: ebd.
  8. Quelle: Н.А. Богомолов, "Русская литература начала XX века и оккультизм", М.: НЛО, 1999 (N.A. Bogomolow, "Russische Literatur des Anfangs des 20. Jahreshundert und Okkultismus": NLO, 1999); zit. nach: Alexander Voronin, op. cit.; Übersetzung ins Deutsche durch Anatoliy Sauschkin
  9. Quelle: Alexander Voronin, op. cit.; Übersetzung ins Deutsche durch Anatoliy Sauschkin
  10. Quelle: N. Zhirov, "Atlantis: Atlantology - Basic Problems", The Minerva Group, Inc., 2001 (Reprint von 1970, Moskau), S. 359
  11. Siehe: E.F. Hagemeister, "Lednikovy perıod i Atlantida" ("Das Eiszeitalter und Atlantis"), in: Priroda No. 7, S. 92-94, USSR, 1955
  12. Siehe: Otto Muck, "Atlantis – gefunden. Kritik und Lösung des Atlantis-Problems", Stuttgart (Victoria-Verlag M. Koerner), 1954; sowie: Ders., "Atlantis – die Welt vor der Sintflut", Olten (Walter-Verlag), 1956
  13. Siehe: Andrew Tomas, "We are not the first: riddles of ancient science", Souvenir Press, 1971
  14. Siehe: Wolter Smit: "Was This Atlantis? Examination of the possible location and the reason of its disappearance", Editions Jean Voltaire, 268 Seiten, Preis: 18,40 €; (Französischsprachige Original-Version: "Était-elle l'Atlantide? (Links abgerufen: 10.07.2013)
  15. Siehe: Prescott Rawlings, "Atlantis, the Great Flood and the Asteroid", eBookIt.com, 2011
  16. Red. Anmerkung: Vergl. hierzu auch: René Malaise, "Zur Datierung der Atlantis-Katastrophe", Atlantisforschung.de, 2013; Orig: René Malaise, "Dating of Atlantis Catastrophe", in: Egerton Sykes (Hrsg.), 'Atlantis' (Journal), #108, Januar/Februar 1967, Vol. 20 No. 1
  17. Quelle: E.F. Hagemeister, "Lednikovy perıod i Atlantida" ("Das Eiszeitalter und Atlantis"), in: Priroda No. 7, S. 92-94, UdSSR, 1955; zit. nach: Alexander Voronin, op. cit.; Übersetzung ins Deutsche durch Anatoliy Sauschkin
  18. Quellen: Anonymus, "Scientific Atlantology - Early Atlantology Highlights", bei: www.seachild.net - The Official Authorized Website of Egerton Sykes´ Atlantology; sowie: Tony O’Connell, "Hagemeister, Ekatherine F.", bei: Atlantipedia.ie (beide abgerufen: 10.07.2013); sowie: Alexander Voronin, op. cit.
  19. Quelle: Alexander Voronin, op. cit.; Übersetzung ins Deutsche durch Anatoliy Sauschkin
  20. Quelle: ebd.
  21. Quelle: ebd.
  22. Quelle: N.F. Zhirov, "Obituary of Catherine F. Hagemeister", in: 'Atlantis' Vol. 11., 1958, S. 3; zit. nach: Alexander Voronin, op. cit.
  23. Quelle: Alexander Voronin, op. cit.; Übersetzung ins Deutsche durch Anatoliy Sauschkin

Bild-Quellen:

1) Ave Maria Mõistlik, bei Wikimedia Commons, unter: File:Kohtu 6, Tallinn.IMGP6035.JPG
2) Bildarchive ROIPA (A.A. Voronin) und Atlantisforschung.de
3) Wikimedia Commons, unter: File:N Roerich.jpg
4) Bildarchiv Atlantisforschung.de
5) Andrew Tomas, "We are not the first: riddles of ancient science", Souvenir Press, 1971, Taschenbuchausgabe von 1976 ("We are not the first: Was the lost knowledge of the Ancients more potent than modern science?"), S. 115