Gonzalo Fernández Oviedo y Valdéz

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Historisches Forscher- und Autorenportrait

Auf einen Blick

Abb. 1 Die Tilelseite von Oviedos 'Historia General', Teil 1 der Ausgabe von 1851

(red) Gonzalo Fernández de Oviedo y Valdés (* 1478 in Madrid; † 1557 in Valladolid) war ein spanischer Edelmann und Historiker. Er zählt zu den bedeutendsten Chronisten der Eroberung Südamerikas durch die spanischen Conquistadoren während des 16. Jahrhunderts. [1] Zudem war er der Autor des wahrscheinlich ersten literarischen Werks der Neuen Welt, Libro del muy esforzado e invencible caballero Don Claribalte. Viele seiner Werke wurden erst Mitte des 19. Jahrhunderts veröffentlicht. [2]

Abb. 2 In Oviedos 'Historia general' findet sich auch obige Zeichnung, die man für die erste europäische Abbildung einer Ananas hält.

Obwohl er selber offenbar keine Aussagen zu Platons Atlantis machte, sind zumindest Einzelheiten seiner historischen Aufzeichnungen auch von atlantologischem bzw. atlantologie-historischem Interesse.

Biographische Notizen

In der deutschsprachigen Wikipedia heißt es über Oviedos Vita: "Als Sohn reicher Eltern wuchs Gonzalo Fernández de Oviedo am Hof von Ferdinand II. von Aragón und Isabella I. von Kastilien auf und wurde mit dreizehn Jahren Schildknappe des spanischen Thronfolgers Johann, Prinz von Asturien. Als solcher war er an der Belagerung von Granada beteiligt und traf Kolumbus, bevor dieser zu seiner Reise aufbrach.

Nach dem Tod des Infanten im Oktober 1497 ging er nach Italien und wurde Sekretär von Gonzalo Fernández de Córdoba. 1514 wurde er zum Aufseher der Goldschmelzen von Santo Domingo ernannt, und nach seiner Rückkehr 1523 übernahm er der Posten als königlicher Berichterstatter für Westindien. Seine Aufgabe war es, die tatsächlichen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in den Kolonien, die in den Berichten der Konquistadoren oft schöngefärbt wurden, aufzuklären und die Behörden darüber in Kenntnis zu setzen. In dieser Eigenschaft unternahm er in den späteren Jahren fünf längere Reisen in die Neue Welt. 1526 übernahm er das Amt des Gouverneurs von Antigua. Von 1535 bis 1545 war er Befehlshaber der Befestigungsanlagen von Santo Domingo. Mit 67 Jahren kehrte er nach Spanien zurück, um sein Lebenswerk, die Historia de las Indias, zu vollenden.

Der erste Teil dieses Werkes wurde 1535 unter dem Titel Historia general y natural de las Indias veröffentlicht. Eine zweite, überarbeitete Auflage erschien 1547 unter dem Titel Coronica de las Indias. La hystoria general de las Indias y con la Conquista del Perú. Gonzalo Fernández de Oviedo starb 1557 in Valladolid im Alter von 79 Jahren." [3]

Oviedoos 'Historia general' aus atlantologie-historischer Sicht

Abb. 3 Eine weitere Illustration aus Oviedos 'Historia general', die Indios abbildet, welche an einem Fluss Gold waschen.

Die neuzeitliche Atlantologie-Geschichte hindurch und bis in die jüngste Vergangenheit hinein finden sich immer wieder Behaptungen, Ovieda habe sich in seiner Historia general auch zu Atlantis geäußert. Dies ist jedoch nach heutigem Wissensstand als tradierte Fehlinformation zu betrachten. So notiert etwa Tony O’Connell in seiner Atlantipedia: "Sprague de Camp schrieb Oviedo ohne Angabe eines Textbelegs [die Lokalisierung von] Atlantis im heutigen Irak zu", sowie die Behauptung, "die Überlebenden seiner Zerstörung [seien] nach Amerika" geflohen. "Thorwald C. Franke hat auf das Nichtvorhandensein einer solchen Textstelle in 'La Historia' hingewiesen." [4]

Franke selbst äußert sich folgendermaßen: "In Kapitel 2 in Buch III seiner Historia general [...] bringt Oviedo [...] diverse antike Mythen mit Amerika in Zusammenhang, wie z.B. die legendäre Karthagerinsel oder die Hesperiden [5] oder den mythischen Atlas. Eine Verbindung zu Platons Atlantis wird dabei aber nicht gezogen. Anderslautende Angaben bei diversen Autoren sind irrig oder zumindest irreführend. [6]

Insberondere über den Mythos der Hesperiden versucht Oviedo eine Verbindung zu Spanien herzustellen. Dabei stützt er sich auch auf die erst spärer erkannten Fälschungen des Annius von Viterbo (1432-1502). Angeblich versucht Oviedo auf diese Weise, Besitzansprüche der spanischen Krone zu rechtfertigen. Offenbar benötigte er Atlantis zu diesem Zweck nicht.

Oviedo soll Guillaume Postel und Becanus beeinflusst haben, die den Mythenmix so erweiterten, dass auch Platons Atlantis mit ins Bild rückte. für seine mytho-historische Konstruktion wurde Oviedo von Las Casas kritisiert, der sich seinerseits in seinen Schriften auf Platons Atlantiserzählung berief." [7]



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Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: "Gonzalo Fernández de Oviedo" (abgerufen: 16. November 2019)
  2. Quelle: Tony O’Connell, "Oviedo y Valdéz, Gonzalo Fernández", 22. Januar 2010, bei Atlantipedia.ie (abgerufen: 16. November 2019)
  3. Quelle: ebd.
  4. Quelle: Tony O’Connell, "Oviedo y Valdéz, Gonzalo Fernández", 22. Januar 2010, bei Atlantipedia.ie (abgerufen: 16. November 2019)
  5. Red. Anmerkung: Tony O’Connell erklärt (op. cit.), Ovieda habe in seiner 'Historia general' die Antillen als die legendären Hesperiden identifiziert.
  6. Anmerkung bei Franke: Vgl. z.B.: Carli (1780) 2 / IX S. 182 f; Jolibois (1846) S. 40; Boura (1999/2003) S. 81 ff.; Vidal-Naquet (2006) S. 61 (dt.) / S.69 (frz.); Pradeau (1997) S. 333
  7. Quelle: Thorwald C. Franke, "Kritische Geschichte der Meinungen und Hypothesen zu Platons Atlantis - Von der Antike über das Mittelalter bis zur Moderne", Norderstedt (Books on Demand GmbH), Juli 2016, S. 301

Bild-Quellen:

1) Archive.org, unter: Historia general y natural de las Indias
2) Tony O’Connell, "Oviedo y Valdéz, Gonzalo Fernández", 22. Januar 2010, bei Atlantipedia.ie
3) Frank Schulenburg (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:Goldwaschende-Indios.png