Häretische Betrachtungen zu Kontinentalverschiebung und Eiszeitende

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von unserem Gastautor Dr. Horst Friedrich (1992)

Abb. 1 Kontinentaldrift im Zeitraffer. Nach den derzeit gängigen Vorstellungen sollen diese Bewegungen der Kontinental-Schollen - quasi 'schleichend' - über Äonen hinweg erfolgt sein. Katastrophisten stellen dieses Langzeit-Szenario in Frage.

Die angeblichen "Sumerer des -3. Jahrtausends" scheinen in der Tat, nach Gunnar Heinsohns unendlich verdienstvollen Forschungen [1], niemand anderes als die Chaldäer des -1. Jtsd. gewesen zu sein.

Das Ende der letzten Eiszeit muß nach Heribert Illigs wohlbegründetem Szenario [2] und Heinsohns Vertiefung [3] auf nach -2.000 datiert werden und nicht - wie es der zeitgenössische neoscholastische paradigmatische Mythos will - auf die Zeit vor 10- bis 20.000 Jahren.

Stehen uns noch weitere Überraschungen dieser Art bevor?

Unwillkürlich fragt man sich, was noch alles nicht stimmen mag mit dem Weltbild, das man uns verkaufen will, wenn die seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dominierende Neo-Scholastik [4] so arbeitet, wenn ihr Fehlurteile in solcher Größenordnung unterlaufen sein sollten.

Wie zuverlässig sind etwa die Angaben, die von der zeltgenössischen Geologie und Paläontologie zur Zeitdauer der geologischen Perioden gemacht werden? Ist wirklich jenseits jeden Zweifels auszuschließen, daß nicht vielleicht statt der "Jahrmillionen", in denen Geologie und Paläontologie rechnen, "Jahrtausende" zu lesen ist? Wie gesichert ist überhaupt unser geologisches Weltbild? [5]

Velikovsky versucht mit seinem leider viel zu wenig beachteten grundlegenden Werk Earth In Upheavel [6] die Kataklysmenlehre des großen Cuvier wiederzubeleben. Er verbreitet sich dort über die frühtertiären Kohlelager im Geiseltal, die nach Nilsson nur in einem erdumspannenden Kataklysmus entstanden sein können. [7] Es verdient höchste Beachtung, daß ein so ausgezeichneter Kenner der Materie wie W. Francis in seinem Standardwerk über alle Aspekte der Kohle-Entstehung [8] Velikovskys Werk äußerst positiv behandelt und ihn umfassend zitiert.

Der Verfasser des vorliegenden Beitrages ist kein Fossilisations-Spezialist, aber wenn er bei den genannten Autoren liest, daß man in den Geiseltal-Kohlen ganze Schichten von zerfetzten, aber sonst gut erhaltenen Blättern findet, oft noch grün mit erhaltenem Chlorophyll, so wollen ihn doch erhebliche Zweifel beschleichen, ob diese Ablagerungen mehr als 60.000.000 Jahre alt sein können. Täten es nicht auch 50.000 Jahre? Täuschen uns die in den vorzeitlichen Kataklysmen abgelagerten geologischen Schichten ein viel zu hohes Alter, eine viel zu lange Zeitdauer der geologischen Perioden vor? Sind wir nicht vielleicht auch hierin neo-scholastischer Mythenbildung zum Opfer gefallen?

Die verschiedenen Varianten der Kontinentalverschiebungstheorie [9] postulieren mit einleuchtenden Argumenten - ohne daß deswegen versunkene Landbrücken auszuschließen wären - ein Zusammenhängen verschiedener, heute weit voneinander entfernter Landmassen in vergangenen Erdzeitaltern. So soll etwa, ehe der Atlantik sich öffnete, Nordamerika mit Westeuropa und Nordafrika zusammengehangen haben, ebenso Südamerika mit Afrika. Südafrika, Madagaskar, Indien, Australien und die Antarktis sollen einen großen Kontinent gebildet haben. Das alles war nach herrschender Lehre lange vor dem Auftauchen der ersten primitiven Vormenschen, ganz zu schweigen von Hochkulturen.

Aber wird sich nicht diese herrschende Lehre auch wieder als neo-scholastische Seifenblase erweisen? Erscheint etwa ein Szenario vertretbar, wonach der Nordatlantik sich nicht vor vielen Jahrmillionen, sondern erst vor nicht allzu vielen Jahrtausenden geöffnet hat?

Schiebt man etwa, im Sinne der Kontinentalverschiebungstheorie, Nordamerika, Grönland und Europa gedanklich zusammen, so zeigt sich, daß die in der letzten Eiszeit vergletscherten Gebiete recht gut ein zusammenhängendes, damals wohl zirkumpolares Vereisungsgebiet gebildet haben könnten. Zweifelsfrei beweisen ließe sich diese These freilich nur, wenn man aus Nordamerika oder Grönland stammende glaziale Ablagerungen etwa auf den Britischen Inseln oder in Norwegen lokalisieren könnte, respektive umgekehrt.

Sollten in der Tat die nordamerikanischen und nordeuropäischen Vereisungsgebiete zusammengehangen haben, so würde es naheliegen, einen Zusammenhang zwischen dem - wohl kataklysmischen - Aufbrechen des Nordatlantiks und dem - wohl ebenso kataklysmischen - Eiszeitende zu konstruieren. Amalgamiert man ein solches versuchsweises Szenario mit dem eingangs erwähnten Eiszeitende-Szenario von Illig und Heinsohn, so wäre - nolens volens - das Produkt die verwegene These, daß der Nordatlantik sich erst um -2.000 kataklysmisch geöffnet hätte.

Es soll diese These zunächst hier nur als intellektuelle Herausforderung in den Raum gestellt sein. Erwähnt sei jedoch, daß sich eine von Homet vorgetragene These, wonach die Cromagnon-"Rasse" und die Magdalénien-Kultur sich über seither versunkene Landbrücken nach Nord- und Südamerika ausgebreitet haben sollen [10], in einem solchen Szenario sehr schön integrieren ließe.

Es soll damit nicht behauptet werden, daß synchron mit der hier vermuteten kataklysmischen Entstehung des Nordatlantiks das Phänomen der Kontinentaldrift generell seinen Anfang genommen habe. Immerhin beunruhigt eine bemerkenswerte Koinzidenz. Die mit der Kontinentalverschiebungstheorie beschäftigten Werke skizzieren gewöhnlich in einleuchtenden Erdkarten, wie einst, vor Beginn der Kontinentaldrift, die Kontinente in einer großen Kontinentalmasse zusammengehangen haben sollen.

Nun sind uns aus der Antike (Hekataios, Eratosthenes etc.), dem europäischen Mittelalter, der arabisch-islamischen Zivilisation wie auch aus dem Alten China [11] "Weltkarten" überliefert, auf denen die bewohnte Landmasse der Erde als mehr oder weniger zusammenhängende "Erdscheibe" dargestellt ist. Im Lichte der Forschungen Hapgoods [12] erscheint der Gedanke nicht unlogisch, daß es sich dabei um unterbewußte - oder, falls es vor den Kataklysmen auch schon Hochkulturen gegeben [13] haben sollte [14], bewußte - Rückerinnerungen an die Zeit vor dem Auseinanderbrechen der Kontinente gehandelt haben könnte.

Das hier vorgetragene versuchsweise Szenario einer spät – vor nicht allzu vielen Jahrtausenden, anstatt vor vielen Jahrmillionen - einsetzenden Kontinentaldrift könnte manche bislang unverstandenen Zusammenhänge beleuchten. So mag es eine ungewohnte Vorstellung sein, daß der Indische Subkontinent erst in spät prähistorischer Zeit - aus der Nachbarschaft Südafrikas, Madagaskars, Australiens und der Antarktis kommend - nach Südasien gedriftet sein könnte, wobei der Himalaya aufgewuchtet wurde.

Aber die oft konstatierten Verbindungen zwischen den australischen Aborigines, den ursprünglich (vor der Vermischung mit mediterranen Vökern) wohl auch "australoiden" Südindern und einer postulierten vor-indianischen "australoiden" Bevölkerung Südamerikas würden sich damit auf einfache Weise erklären. Von Homets These einer Ausbreitung der Cromagnon-"Rasse" und der Magdalénien-Kultur nach Nord- und Südamerika wurde bereits gesprochen.

Sollten in der Tat noch in spät prähistorischer Zeit das südöstliche Nordamerika, die Karibik und das nordöstliche Südamerika den iberisch-mediterrranen Regionen nahe benachbart gewesen sein, so müßten wir im übrigen die wiederholt postulierten ethnischen und linguistischen Zusammenhänge intensiv überdenken.


Anmerkungen, Quellen und Literaturhinwelse

Dieser Beitrag von Dr. Horst Friedrich wurde erstmals veröffentlicht in der Zeitschrift VORZEIT-FRÜHZEIT-GEGENWART Nr. 2/92. Bei Atlantisforschung.de erscheint er im Dr. Horst Friedrich Archiv nach der Online-Fassung unter: http://alt.geschichte-chronologie.de/l2-wahl/l2-autoren/l3-friedrich/geozeit.html in einer redaktionell bearbeiteten Version.

  1. Siehe: Heinsohn, Gunnar (1988): Die Sumerer gab es nicht; Frankfurt/M.
  2. Siehe: Illig, Heribert (1988): Die veraltete Vorzeit; Frankfurt/M.
  3. Siehe: Heinsohn, Gunnar (1991): Wie alt ist das Menschengeschlecht?; Gräfelfing
  4. Anmerkung des Verf.: Von Verfasser in Analogie zur peripatetisch-scholastischen Naturphilosophie des Barock-Zeitalters benutzter Begriff zur Kennzeichnung jener dominanten Strömung in unserem akademischen Establishment, die wissenschaftliche Forschung nur in den rigiden Denkmustem höchst provisorischer Paradigmata - und dies auch nur im Rahmen des hierarchisch organisierten Establishments - zulassen möchte. Zur bisherigen Entwicklung dieses Weltbildes sehr instruktiv: Beringer, Carl Christoph (1954): Geschichte der Geologie und des Geologischen Weltbildes; Stuttgart
  5. Velikovsky, Immanuel (1956): Earth In Upheavel; London
  6. Siehe: Velikovsky, ebd., S.191f
  7. Siehe: Nillsson, Heribert (1953): Synthetische Artbildung; Lund
  8. Siehe: Francis, Wilfrid (1961): Coal - Its Formation and Composition; London, S. v, 14-46 und passim
  9. Siehe hierzu etwa: Andersen, Alan H. (1974): Die Drift der Kontinente; Wiesbaden --- Bülow, Kurd von (1963): Die Entstehung der Kontinente und Meere; Stuttgart --- Toit, Alexander L. (1957): Our Wandering Continents; Edinburgh-London --- Windley, Brian F. (1977): The Evolving Continents; London etc --- Wright, J.B. (1977): Mineral Deposits, Continental Drift and Plate Tectonics;Stroudsburg/Pennsylvania
  10. Siehe: Homet, Marcel F. (1958): Die Söhne der Sonne; Olten/Freiburg
  11. Hierzu sehr instruktiv: Cyr, Donald L. (Hg., 1989): Dragon Treasures; Santa Barbara/California (Analysen des archaisch-chinesischen Geographie-Werkes Shan Hai Jing sowie sehr alter chinesischer Weltkarten)
  12. Siehe: Hapgood, Charles H. (1966): Maps of the Ancient Sea Kings; Philadelphia/New York --- Red. Anmerkung: Zur Einführüng siehe bei Atlantisforschung.de auch: Peter Marsh, "Prof. Hapgood und die Karten der alten Seekönige"
  13. Siehe hierzu etwa: Friedrich, Horst (1988): Advanced Civilization Contemporaneous with the End for the Glacial Epoch; in NEARA XXIII (1-2) 13.
  14. Anmerkung des Verf.: Zu der von William Niven 1911 in Mexiko (unter dem Stadtgebiet der heutigen Mexico City) unter Vulkanasche und 10 m tiefem Kies und Lehm gefundenen prähistorischen Stadt siehe: Churchward, J. (1959): The Lost Continent of Mu; London (nur S.228-261 dieses im übrigen umstrittenen Buches). --- Red. Anmerkung: Vergl. bei Atlantisforschung.de auch: Dr. Horst Friedrich, "Hochkulturen im Tertiär?"; sowie: Ivar Zapp und George Erikson, "William Niven´s verlorene Stadt"


Bild-Quelle

(1) Wikimedia Commons, unter File:Pangea animation 03.gif