Hans-Werner Sachmann: Archaische Dokumente (Rezension)

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Eine Buchbesprechung von Bernhard Beier

Abb. 1 Das Frontcover des Buches Archaische Dokumente: Fragen der Menschheit - erneut gestellt!, Taschenbuch (DIN A5), Groß-Gerau (Ancient Mail Verlag), 2012, 100 Seiten, ISBN 978-3-935910-72-9

Mit seinem - in 1. Auflage im März 2010 unter dem etwas irreführenden Titel Archaische Dokumente im Ancient Mail Verlag erschienenen - Buch (Abb. 1) hat der Paläo-SETI-Experte Hans-Werner Sachmann eine gerade für Einsteiger in die Ideenwelt der 'Prä-Astronautik' interessante Abhandlung vorgelegt. Darin beschäftigt er sich mit alten Dokumenten (nicht im Sinne von amtlichen Schriftstücken und Urkunden, sondern von Beweisstücken oder Zeugnissen [1]) höchst unterschiedlicher Natur, die u.a. geeignet erscheinen, außerirdische Einflüsse auf die Zivilisations- und Kulturgeschichte der Menschheit nahezulegen. Außerdem ruft er, wie es in einem Verlagstext heißt, "alte Fragestellungen der Prä-Astronautik in Erinnerung, die sich auch um mythologische Gestalten wie die altgriechische Göttin Aphrodite und den jüdäischen König Salomo ranken, und stellt zwei neue Abhandlungen vor, die vielleicht zur Auflösung obiger Menschheitsrätsel beitragen könnte." [2] Für eine Besprechung auf Atlantisforschung.de wird dieses Buch nicht zuletzt auch dadurch interessant, dass H.-W. Sachmann darin auch an prominenter Stelle - nämlich gleich zu Beginn - ein Kapitel mit der Überschrift "Atlantis - gibt´s was Neues?" (S. 11-21) präsentiert.

Was nun dieses Kapitel von Archaische Dokumente betrifft, kommt der Rezensent ohne Umschweife gleich zum zentralen, negativen Kritikpunkt an diesem Buch. [3] Tatsächlich fällt Sachmanns Berichterstattung doch ziemlich 'mager' aus, und es wird deutlich, dass die Atlantologie dem Autor weitgehend fremd ist. Weder erfährt der Leser - den Forschungsstand von 2009 zugrunde gelegt - etwas über die brisanten Erkenntnisse von William M. Donato, Greg Little et. al. zur Bimini Road, noch zu den aktuellen Entwicklungen im Bereich der atlantologischen Erforschung Iberiens und des Mittelmeer-Raums, oder über die Ergebnisse der zweiten internationalen Atlantis-Konferenz von 2008. [4] Vielmehr findet sich in Archaische Dokumente lediglich ein belangloses Potpourri bereits hinlänglich bekannter Informationen, das sich zudem auf in deutscher Sprache publiziertes Material beschränkt: hier ein wenig Spanuth ("Das germanische Atlantis"), dort ein wenig Frobenius und Hofmann ("Das afrikanische Atlantis"). [5]

Neues zur Suche nach Atlantis wird das Buch jedenfalls nur denjenigen bieten, für die Atlantisforschung noch ein völlig 'unbekanntes Wesen' ist. Der Autor wäre hier gut beraten gewesen, vor Abhandlung dieses Themas wirkliche Fachleute zu Rate zu ziehen, statt sich z.B. auf das doch recht fragwürdige 'Expertentum' von Johannes Fiebag (1956-1999) zu stützen, was ihm - uns somit der Leserschaft von Archaische Dokumente - letztlich auch einen tieferen Einblick in die Welt der Theorien um 'Atlantis im Atlantik' versperrt hat, zu denen in H.-W. Sachmanns Buch ebenfalls nichts Substanzielles zu finden ist. Schließlich ist es dann auch nur seiner offenbar geringen Kenntnis dieses speziellen Forschungsgebiets geschuldet, wenn er am Schluss seiner Betrachtung der Atlantisforschung resümiert: "Enttäuschend, aber interessant". [6]

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Abb. 2 Der Besuch im Ägyptischen Museum zu Kairo (Bild), auf den Hans-Werner Sachmann seine Leser mitnimmt, gehört zu den Highlights des Buches.

Etwas enttäuschend, um diesen Begriff gleich wieder aufzugreifen, fällt aus Sicht des Rezensenten bzw. eines Lesers, der sich bereits tiefer gehend mit der Materie befasst hat, auch das nachfolgende Kapitel ">Söhne des Himmels< kamen mit wilden Drachenpferden" (S. 22-26) aus, in dem es um die Annahme altertümlicher Luft- und Raumfahrt im Kontext möglicher außerirdischer Einflüsse in Indien und China geht. Diesem Thema hätte der Autor wirklich mehr Platz in seinem Buch einräumen können. Immerhin haben wir es hier mit einem der vermutlich spannendsten und viel versprechendsten Einzelbereiche zu tun, mit dem die Prä-Astronautik aufwarten kann. [7] Auch hier liefert Hans-Werner Sachmann, zumindest was Indien betrifft, größtenteils wieder nur kaum in die Tiefe gehende Basisinformationen. Problematisch erscheint es auch, wenn er dann unter der Zwischenüberschrift "Neue Erkenntnisse" aus dem, 1973 (!) erschienenen, Werk "Als die gelben Götter kamen" des - auch vom Rezensenten überaus geschätzten! - österreichischen Grenzwissenschafts-Autors Peter Krassa (1938-2005) referiert, gemischt mit anderen, tatsächlich neuen oder neueren Informationen, die er jedoch nicht näher ausweist, was ihre Quellen betrifft. Was er wiedergibt, ist zwar durchweg interessant (vor allem für diejenigen, die Krassas Werk nicht kennen), aber eben keineswegs in toto neu. Immerhin erscheint das Kapitel durchaus geeignet, bei NeueinsteigerInnen Interesse an den Rätseln der fernen und fernsten Vergangenheit Asiens zu wecken.

Abb. 3 Abbildung der Aufstellung eines Djed-Pfeilers durch Pharao Sethos I. in Abydos

Voll entschädigt wurde der Rezensent dann allerdings bei der Lektüre des folgenden Kapitels ("Museums-Funde", S. 27-36) - einer höchst spannend gestalteten 'Begehung' des von Hans-Werner Sachmann persönlich besuchten Ägyptischen Museums in Kairo (Abb. 2), auf welche er seine Leser/innen mitnimmt. Hier zeigt der Autor endlich, was er wirklich 'drauf hat', wenn er sich ganz 'in seinem Element' befindet! Tatsächlich fühlt man sich urplötzlich in diesen Hort unzähliger, vom Hauch vergangener Jahrtausende umwehter Altertümer versetzt. Auch die Auswahl der von Sachmann behandelten, zum Teil wenig bekannten Objekte ist bestechend. Sie alle - der Rezensent nennt hierzu bewusst keines der betreffenden Exponate, um potentiellen Leserinnen und Lesern nicht die Spannung zu nehmen - sind wirklich hoch interessant, wenn auch nicht alle als Indiz für die Paläo-SETI geeignet. [8]

Sehr gelungen erscheint dem Rezensenten auch das folgende, kurze Kapitel "Der Isolator des Pharaos" (S. 37-43), in welchem H.-W. Sachmann sich mit den so genannten Djed-Pfeilern aus dem Alten Ägypten befasst. Dabei stellt der Autor nicht nur krypto-technologische Überlegungen zur Funktion dieser altägyptischen Objekte an, die sich im Bereich der - seinerzeit von Peter Krassa und Reinhard Habeck etablierten - These: 'Elektrizität in der Antike' bewegen, sondern er reißt dankenswerter Weise zumindest kurz auch das Thema prähistorischer Hochkultur(en) an. Dazu trifft er gleich eingangs eine bedeutsame Feststellung: "Nicht nur die Frage nach außerirdischen Besuchern ist von uns von Interesse, sondern ebenso wichtig erscheint es uns, die Existenz einer Hochkultur in der Frühzeit einzukalkulieren, beide Problemkreise sind miteinander verwandt." [9]

Abb. 4 War Aphrodite, die schöne, 'aus Schaum geborene' Göttin der Alten Griechen in Wirklichkeit eine Außerirdische?

Dass dies kein 'Lippenbekenntnis' ist, macht übrigens auch die Tatsache deutlich, dass dem Leser von Archaische Dokumente keineswegs jedes 'seltsam aussehende Steinchen' gleich als Beleg für extraterrestrischiche Einflussnahme auf unsere Kultur- und Zivilisationsgeschichte präsentiert wird. Vielmehr bleibt es letztlich dem Leser überlassen, sich eigene Gedanken zur Interpretation der vorgestellten Artefakte und Überlieferungen zu machen, auch wenn der Autor aus seiner persönlichen Präferenz prä-astronautischer Ausdeutungen zumeist keinen Hehl macht.

Dies gilt auch für das Kapitel "Die >weithin Leuchtende< vom Meere" (S. 44-56). Etwas spekulativ, aber höchst interessant und reichlich Stoff für weiterführende Diskussionen liefernd, bespricht Sachmann darin die altgriechische Mythologie - mit Schwerpunktsetzung auf die Gestalt der Göttin Aphrodite (lat.: Venus) - unter der euhemeristischen Prämisse, das es sich bei diesen und anderen hellenischen Gottheiten um reale, vergöttlichte Personen gehandelt habe. Seine prä-astronautische Interpretation dieser 'Vergöttlichten' als außerirdische Besucher der Erde - quasi das zentrale 'Credo' der klassischen Paläo-SETI in der Schule Erich von Dänikens - basiert dabei wiederum zum Großen Teil auf krypto-technologischer Interpretation der Waffen, Hilfsmittel und Fähigkeiten dieser 'Gottheiten'.

Einen krypto-technologischen Schwerpunkt weisen inhaltlich auch die beiden letzten Kapitel des Buches "Außerirdische Aspekte im Leben Salomons" (S. 57-76) und vor allem "Werden wir alle unsichtbar?" (S. 77-92), auf, wobei besonders Letzteres dem Rezensenten ausgesprochen gut gefallen hat. Darin bietet Hans-Werner Sachmann seinen Leserinnen und Lesern einen wirklich höchst beachtlichen 'Rundumschlag' zum "Tarnkappenmotiv in Mythologie, Kunst, Physik und Paläo-SETI", der zudem durch einen Anhang zu bereits realisierten 'technologischen' Menschheitsträumen - vergleichbar jemem von der Möglichkeit, sich unsichtbar zu machen - ergänzt wird. Ein vollauf gelungener Abschluss des Buches.

Fazit

Kommen wir zum kurz gefassten Schlusskommentar dieser Buchbesprechung: Wenn man vom völlig 'verunglückten' Kapitel über 'Neuigkeiten' aus der Atlantisforschung absieht, ist Archaische Dokumente, zumal es mit einem umfassenden Appendix (Quellenangaben und Anmerkungen) ausgestattet ist, durchaus empfehlenswert, insbesondere als Einstiegslektüre in die Ideenwelt der Paläo-SETI und auch anderer Teilbereiche der alternativen Ur- und Frühgeschichtsforschung.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Siehe dazu online: Duden, unter "Dokument" (abgerufen: 04.12.2013)
  2. Quelle: Hans-Werner Sachmann, op. cit., Klappentext
  3. Anmerkung: Mit einen Schmunzeln könnte man zudem auch schelten, dass Sachmanns Taschenbuch mit einem Umfang von 100 Seiten einfach 'zu kurz geraten' ist.
  4. Anmerkung: Dies erscheint schon deshalb befremdlich, weil der Autor die erste Konferenz (2005 auf Milos) mit einbezieht; allerdings nur insofern, dass er die schon vor Kongressbeginn feststehenden (!) Standpunkte zur möglichen Historizität von Atlantis des Archäologen und - mit Verlaub - atlantologischen Dilettanten der Extra-Sonderklasse Prof. Christos Georgiou Doumas und Erich von Dänikens (auch nicht gerade eine atlantologische Koryphäe, aber im Gegensatz zu Prof. Doumas ergebnisoffen, was seinen Untersuchungsansatz angeht und textkundig, was Platons Atlantisbericht betrifft!)
  5. Anmerkung: Wie wenig substanzielles Material der Autor anzubieten hat, wird u.a. auch darurch deutlich, dass er ganze vier von insgesamt elf Seiten seines Atlantis-Kapitels (S.11-21) a) auf eine Tabelle zum Vergleich von Abrufzahlen im Internet bezüglich diverser sagenhaft-legendärer Örtlichkeiten rund um den Globus; sowie b) mit einer ansonsten informationsfreien Aufzählung von Örtlichkeiten verschwendet hat, an denen Atlantis bereits vermutet wurde.
  6. Quelle: Hans-Werner Sachmann, op. cit., S. 19
  7. Anmerkung: Es erscheint bezeichnend, dass die ansonsten vollmundig-lautstarken schulwissenschaftlichen Paläo-SETI-Kritiker (abgesehen von einzelnen intellektuell minderbemittelten Foren-Trollen) sich offenbar bis heute nicht an das 'Flaggschiff' der prä-astronautischen Fachliteratur zu diesem Spezialgebiet - gemeint ist das 1996 erschienene Standardwerk "Die Wirklichkeit der Götter. Raumfahrt im frühen Indien" von Lutz Gentes (einem wissenschaftlich arbeitenden Autor) herangetraut haben, sondern dieses gehaltvolle, systematische, argumentationsmächtige und rundum bereindruckende Werk geflissentlich ignorieren - ein Verhalten, dass man im militärischen Jargon als 'Feigheit vor dem Feind' bezeichnen könnte.
  8. Anmerkung: Um Missverständnissen vozzubeugen sei betont, dass Hans-Werner Sachmann diese Exponate auch keineswegs alle als Beweismittel in Sachen Prä-Astronautik vorstellt.
  9. Quelle: Hans-Werner Sachmann, op. cit., S. 37

Bild-Quellen:

1) Ancient Mail Verlag
2) Poco a poco bei Wikimedia Commons, unter: File:Facade of the Egyptian Museum, Tahrir Square, Cairo, Egypt1.jpg (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
3) Tedmek bei Wikimedia Commons, unter: Tedmek bei Wikimedia Commons, unter: File:Abydos seti 16 det2.JPG
4) Phantasus bei Wikimedia Commons, unter: File:Afroditawill1.jpg