Mayda (Asmaida)

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Phantominsel oder kartographiehistorisches Relikt?

(bb) Als so genannte 'Phantominseln' (auf Spanisch: Islas Fantasmas) werden heute üblicherweise solche Inseln bezeichnet, "die auf historischen Karten verzeichnet oder in historischen Schriftstücken beschrieben" sind, "aber tatsächlich nie existierte[n]" [1] Ob letztere Behauptung in allen Fällen durch die Kartographiegeschichte geisternder insularer Phantome zutreffend ist, möchten wir allerdings bezweifeln. Vielmehr besteht nach Ansicht des Verfassers zumindest in Einzelfällen sehr wohl auch die Möglichkeit, dass vormals bestehende, frühen Seefahrern bekannte Inseln im Verlauf der jüngsten Jahrhunderte (oder Jahrtausende) im Meer versanken, aber noch auf später erstellten Seekarten dargestellt wurden. [2] Eine gute Kandidatin für solch ein 'zum Phantom gewordenes' Eiland im Atlantik ist Mayda (Asmayda/Asmaida usw.), mit der wir uns nachfolgend ein wenig beschäftigen wollen.

Abb. 1 Mayda (im Süden der Brasilinsel abgebildet) auf einer Karte von Willem Blaeus aus dem Jahr 1649

Bereits William H. Babcock - seinerzeit einer der herausragenden Experten für solche 'Rätsel-Inseln' im Atlantik [3], bemerkte 1922 in einem Artikel über sie: "Von all den legendären Inseln und Insel-Namen auf mittelalterlichen Karten ist Mayda die beständigste gewesen. Die Form der Insel ist gemeinhin in etwa als Sichel [dargestellt] worden. Ihre Lage befand sich [auf den Karten; d.Ü.] zumeist weit westlich der Nieder-Bretagne und mehr oder weniger nahezu südwestlich von Irland; die Schreibung des Namens hat sich manchmal in Maida, Mayd, Mayde, Asmaida oder Asmayda verändert. Früher, später und zwischenzeitlich hatte die Insel auch andere Namen, doch die Identität ist einigermaßen klar. Als geographischer Gegenstand ist sie in der Tat ziemlich langlebig. Humboldt bemerkte um 1836, dass von elf solchen Inseln, die er anführen könnte, nur zwei, Mayda und Brazil Rock, auf modernen Karten erhalten blieben. [4] In einer Note führt er die Weltkarte von John Purdy aus dem Jahr 1856 an. Dies war jedoch nicht das Ende, da eine Relief-Karte, die in Chicago veröffentlicht wurde und einen Copyright-Vermerk von 1906 trägt, Mayda zeigt." [5]

Die Hartnäckigkeit, mit der gerade Mayda/Asmaida sich vom 'Zeitalter der Entdeckungen [6] bis ins frühe 20. Jahrhundert in kartographischen Werken gehalten hat, muss ihre Gründe haben. Wenn wir kollektive, jahrhundertelange Phantasterei ausschließen, erscheint die Annahme als besonders plausibel, dass frühe Seefahrer tatsächlich bei ihren Erkundungsfahrten auf eine von ihnen so benannte Insel gestoßen sind, die nachfolgend untergegangen ist und damit unauffindbar wurde. Dokumentationen dieser Entdeckung könnten aber noch sehr lange in den Seefahrts-Archiven gehalten haben und in spätere kartographische Werke eingeflossen sein.

Abb. 2 Wurde das legendäre Eiland Mayda/Asmaida tatsächlich 1447 von Portugiesen entdeckt und besiedelt, ging aber Mitte des 16. Jahrhunderts infolge vulkanischer Aktivitäten unter? (Bild: eine zeitgenössische portugiesische Karavelle)

Selbst bei der deutschsprachigen Wikipedia will man dies offenbar nicht ausschließen: "Eine weitere Möglichkeit wäre, dass die Insel Mayda tatsächlich existierte [...] und jetzt unter der Meeresoberfläche liegt. Am 22. August 1948 fand der Frachter Scientific American westlich der Britischen Insel in 20 Klafter (also etwa 36 Meter) Tiefe Land mit einem Durchmesser von 28 Meilen. Vermutet wurde hier eigentlich eine Tiefe von etwa vier Kilometern. Das wurde durch den amerikanischen Frachter Southland zwei Tage später bestätigt, der eine sichelförmige Erhebung mit einer Bucht ausmachte. [7] Unter Umständen steht diese Untiefe im Zusammenhang mit den hartnäckigen Gerüchten von einer Insel Mayda hier. Durch geologische Gewalten wäre es möglich, dass die Insel unter die Oberfläche gekommen ist." [8] [9]

Eine andere konkrete Lokalisierungs-Möglichkeit für Maida/Asmaida bringt der US-amerikanische Atlantisforscher und Alternativ-Histiriker Frank Joseph ins Spiel, indem er notiert: "Im Jahr 1447 entdeckte Kapitän Alonzo Leone eine Insel nordwestlich von São Miguel, Azoren. Er taufte sie Asmaida und diese beträchtliche Insel wurde von portugiesischen Kolonisten besiedelt, die dort Landwirtschaft betrieben und Städte und Häfen errichteten. Doch bereits irgendwann vor 1555 waren sie gezwungen die Insel zu evakuieren, weil sie rapide in die See abzusinken begann, nachdem ihr bis dahin ruhender Vulkan wieder ausgebrochen war. Die Siedler entkamen mit wenig mehr als ihrem Leben. Ein kleiner Teil der Insel verblieb über der Wasser-Oberfläche und wurde als Barenetha-Rock bekannt. Etwa 260 Jahre nach der ursprünglichen Eruption verschwand auch der Barenetha, und er wird heute als [sichel- oder hufeisenförmiger!; bb] Milne-Seamount identifiziert." [10]

Halten wir kurz fest, dass Frank Joseph diese Informationen einer durchaus reputierlichen Quelle entnommen hat, nämlich einem populärwissenschaftlichen Werk des renommierten Geologen Fred Mason Bullard (1901-1994) [11] Was diese Asmaida betrifft, ist jedenfalls ein Punkt besonders bemerkenswert. Sie repräsentiert ein eher seltenes Phänomen, da sie offenbar - wie aus ihrer Landwirtschaft erlaubenden Vegetation zu schließen ist - schon Jahrhunderte oder gar Jahrtausende vor ihrem plötzlichen Untergang entstanden sein muss, während viele kleinere Vulkaninseln schon sehr bald nach ihrem Auftauchen wieder im Meer verschwinden [12]. Womöglich war sie sogar, wie das vormalige Rockall-Archipel und die Kuppen diverser Seamounts (z.B. der Gorringe-Bank) Teil der atlantischen Inselwelt des späten Pleistozäns.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter "Phantominsel" (abgerufen: 09. Oktober 2018)
  2. Anmerkung: Womöglich haben wir es, dieser Hypothese folgend, beim Phänomen der 'Phantominseln' um ein ungeheuer schwer zu analysierendes Konglomerat von geographischen Fakten, Fehlinterpretationen und Erfindungen zu tun, das immerhin einige Hinweise auf rezente Veränderungen der Topogaphie unserer Meeresböden liefern kann.
  3. Siehe: William H. Babcock, "Legendary Islands of the Atlantic; A Study in Medieval Geography", New York (American Geographical Society), 1922 (online bei Archive.org)
  4. Siehe: Alexander von Humboldt, "Examen critique de l'histoire de la géographie du nouveau continent...", Band 2 von 5, Paris, 1836-1839, Fußnote auf S. 163
  5. Quelle: William H. Babcock, "The Problem of Mayda, an Island Appearing on Medieval Maps", in Geographical Review, 1920-04-01, Vol. 9, S. 335 (online bei Archive.org; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  6. Anmerkung: Für eine Übersicht der Abbildungen von - in der Forschung (zu recht oder auch zu Unrecht!) mit Mayda gleichgesetzten - Inseln auf Seekarten des 'Zeitalters der Entdeckungen' siehe: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: "Mayda", Abschnitt: "Mayda auf historischen Karten" (abgerufen: 09. Oktober 2018)
  7. Siehe: Raymond H. Ramsay, "No Longer on the Map: Discovering Places that Never Were", New York (Viking Press), 1972, S. 220
  8. Siehe: Edward Brooke-Hitching, "Atlas der erfundenen Orte", Deutscher Taschenbuch Verlag, 2017, S. 158 ff.
  9. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopedie, unter: "Mayda" (abgerufen: 09. Oktober 2018)
  10. Quelle: Frank Joseph, "The Destruction of Atlantis - Compelling Evidence of the Sudden Fall of the Legendary Civilization" (Kapitel 2, "Where is Atlantis?"), Rochester, Vermonth (Bear & Company), 2002; zit. nach: Derselbe, "Atlantis - Argumente, Indizien und Evidenzen für die Plausibilität einer versunkenen Großinsel auf dem Mittelatlantischen Rücken", Atantisforschung.de, 2002
  11. Siehe: F.M. Bullard, "Volcanoes in History, in Theory and in Eruption", Austin (University of Texas Press), 1966, S. 55-73
  12. Siehe z.B.: Tony O’Connell, "Graham Island (Ferdinandea) - Eine 'Insel auf Abruf'"

Bild-Quellen:

1) Rotesdiadem (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:Mayda (Americae nova Tabula - Map of North and South America).jpg
2) Nicke L bei Wikimedia Commons, unter: File:Karavelle.png