R.L. Scranton und Atlantis in Böotien

Aus Atlantisforschung.de
Wechseln zu:Navigation, Suche
Abb. 1 Robert L. Scranton Ph.D. (1912-1993)

(red) Robert Lorentz Scranton (Abb. 1) (* 1912 in Alliance, Ohio; † 1993) war ein US-amerikanischer Althistoriker, der sich auf die Kunstgeschichte des Altertums spezialisiert hatte und als Professor an der Emory University sowie an der Universität Chicago tätig war, wo er während seines Studiums den Grad eines M.A. erworben hatte und zum Ph.D. promoviert wurde. Ihm zu Ehren wurde 1999 die jährlich verliehene Robert L. Scranton Lectureship gestiftet. Allgemeine Bekanntheit erlangte Scranton, der mehrfach längere Forschungsaufenthalte in Griechenland (u. a. in Athen und Korinth) absolvierte, vor allem durch sein 1941 veröffentlichtes Buch Greek Walls [1]. Darin entwickelte er ein stilistisches Klassifizierungs-System für Mauern als Hilfsmittel zu ihrer chronologischen Einordnung. [2]

In den Bereich der - im universitären Bezirk damals wie heute alles andere als wohlgelittenen, vielmehr geradezu verpönten - Atlantisforschung wagte Robert L. Scranton sich 1949 mit einem kurzen Artikel im renommierten Fach-Magazin Archaeologyvor. [3] In diesem, "Lost Atlantis Found Again?" betitelten Beitrag schlug er, wie Tony O’Connell zusammenfassend notiert, die Möglichkeit vor, "dass sich Atlantis im See Kopaïs (Abb. 2) in Böotien [4], Griechenland, befunden hat. Die Gegend ist reich an antiken Relikten, einschließlich einer Anzahl von Kanälen. Scranton war jedoch etwas verunsichert von der Tatsache, dass Plato Atlantis als im mittleren Mittelmeer-Raum westlich von Athen und Ägypten beschrieben hatte [sic!; d. Red. [5]] (siehe Krit. 114c und Tim. 25 a/b)." [6] Laut Spyridon Marinatos stellte Scranton in seinem Artikel die "Hypothese auf, daß die Legende von Atlantis auf der Zerstörung der großen Drainagewerke der Minoer beruhe, als die Ebene von Orchomenos von den Wassern des Sees Copais überflutet wurde." [7]

Obwohl archäologische Ausgrabungen im Gebiet des vormaligen Sees Kopaïs in jüngerer Vergangenheit eine erstaunliche Fülle an faszinierenden protohistorischen und frühgeschichtlichen Hinterlassenschaften zutage gefördert haben [8], und auch wenn es sich bei dieser Region, sinnbildlich gesprochen, zweifellos um eine 'Schatztruhe' der Altertumsforschung handelt, so muss doch eines festgehalten werden: Was die fortgesetzte Suche nach Platons Atlantis angeht, so stellen Böotien und der See Kopaïs eine vergleichbare atlantologische Sackgasse dar, wie etwa Helike am Golf von Korinth oder Pavlopetri vor der Südküste des Peloponnes.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Siehe: Robert L. Scranton, "Greek Walls - Published for the American School of Classical Studies at Athens", Harvard University Press, 1941
  2. Quellen: o.A., Archaeological Institute of America, unter: "Robert L. Scranton Lectureship"; Tony O’Connell, "Scranton, Robert Lorentz (m)", 17. Dezember 2009, bei Atlantipedia.ie (beide abgerufen: 22. Dezember 2017)
  3. Siehe: Robert L. Scranton, "Lost Atlantis Found Again?", in Archaeology, No. 2, Herbst 1949, S. 159-162
  4. Anmerkung:
    Lake Copai.jpeg
    Hier (Abb. 2) eine Karte zur Lage des heute verlandeten Sees Kopaïs (Bildmitte); siehe dazu bei Atlantisforschung.de auch: "Die versunkene Stadt Kopai" (red)
  5. Red. Anmerkung: Um es deutlich zu sagen, ist Tony O’Connells obige Aussage über Platons Angaben zur geographischen Lage von Atlantis so grob verkürzend, dass man sie schon als unzutreffend bezeichnen darf. Tatsache ist, dass besagte Angaben im Grundsatz sowohl eine exegetische Atlantis-Lokalisierung diesseits als auch jenseits den Säulen des Herakles ermöglichen! Wenn wir, der 'klassischen' Auslegung folgend, diese 'Säulen' bei Gibraltar verorten, so bedeutet dies: Atlantis lag ENTWEDER im atlantischen Großraum, ODER im westlichen Mittelmeer. Aber vielleicht hat O’Connell, der dies alles sehr genau weiß, wie viele Artikel des irischen Atlantologie-Enzyklopädisten in seiner Atlantipedia zeigen, hier auch nur Scrantons Aussagen wiedergegeben - und es wäre keineswegs das erste mal, dass Fachwissenschaftler in Hinsicht auf den Inhalt des Atlanticus einen derartigen 'Bock schießen'.
  6. Quelle: Tony O’Connell, op. cit. (2009)
  7. Quelle: Spyridon Marinatos, "Zur Legende von Atlantis" (griech. Original-Titel unbekannt), in der griechischen Wissenschafts-Zeitschrift Cretica Chronica (Bd. IV, 1950). 1977 übernahm Martin Ebon in seinem Buch "ATLANTIS, THE NEW EVIDENCE" eine englischsprachige Übersetzung des Orginals als Anhang, die später von Leni Sobez für die, im Wilhelm Heyne Verlag erschienene Ausgabe von Ebons Buch ("Atlantis - Neue Beweise", 1978) ins Deutsche übersetzt wurde. Bei Atlantisforschung.de ist der Text online unter: "Thera - Ursprung der Atlantis-Legende"
  8. Siehe z.B.: E. Kountouri, N. Petrochilos, N. Liaros und T. Willershäuser, "The Mycenaean drainage works of north Kopais, Greece: A new project incorporating surface surveys, geophysical research and excavation", Mai 2013, bei researchgate.net; sowie: o.A., "Archaeologists Investigate a Massive Ancient Mycenaean Citadel", 10. Juli 2014, bei popular-archaeology.com (beide abgerufen: 22. Dezember 2017)

Bild-Quellen:

1) AHS Alumni Foundation, unter: Dr. Robert L. Scranton – Graduated 1929; Inducted 1967; nach: Tony O’Connell, op. cit.
2) Tony O’Connell, op. cit.