Stabilitätsaxiom

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Funktioniert unser Sonnensystem wie eine Art 'kosmisches Uhrwerk'?

Abb. 1 Unser Sonnensystem (links) als eine Art Uhrwerk, das seit Millionen oder sogar Milliarden von Jahren ungestört läuft und läuft und läuft? Diese barocke Vorstellung prägt als 'Stabilitätsaxiom' nach wie vor die Vorstellung von der Geschichte unserer kosmischen Umgebung - aber ist sie tatsächlich zutreffend?

(bb) Der Terminus 'Stabilitätsaxiom' findet in einer Reihe von Fachwissenschaften Verwendung, wie etwa in der Mathematik (Geometrie) [1] sowie in der Mathematischen Physik [2], der Wirtschaftswissenschaft [3] und der Politikwissenschaft [4]. Im Bereich der Astronomie besagt dieses, speziell die Himmelsmechanik des Sonnensystems betreffende Axiom – also eine zwar nicht direkt zu beweisende bzw. beweislos als wahr vorausgesetze Grundnnahme – laut Armin Naudiet, "dass sich an unserem Sonnensystem und der Position unserer Erde innerhalb dieses Systems seit Jahrmilliarden nie etwas geändert haben soll." [5]

Die diesem astronomischen Stabilitätsaxiom zugrunde liegende Vorstellung vom Sonnensystem als mechanischem, einem Uhrwerk vergleichbaren 'Apparat'
(Abb. 1) entwickelte sich bereits in der Epoche des Barock [6], die Ende des 16. Jahrhunderts begann. Naudiet, ein Neo-Katastrophist, der den Begriff des astronomischen Stabilitätsaxioms in den 1990er Jahren im Bezirk außenseiterischer Forschung popularisierte [7], verweist zur Erklärung der Hartnäckigkeit dieses bis heute wirksamen Postulats wissenschaftsgeschichtlich auf den 'Siegeszug' des Uniformitäts-Prinzips (Aktualismus), das im 19. Jahrhundert von dem Geologen James Hutton entwickelt und von Charles Lyell im Bereich der Erdgeschichts-Forschung durchgesetzt wurde, aber weit darüber hinaus Konsequenzen hatte.

Entscheidend für die modernen Naturwissenschaften - ob sie sich nun mit der Erde oder mit dem Kosmos befassen - sei nämlich, wie der italienische Wissenschaftshistoriker Federico Di Trocchio (1949-2013) bemerkte, "eine fundamentale Voraussetzung: Die Gleichförmigkeit der Natur, das heißt die Annahme, dass sich in der Natur unter gleichen Bedingungen Phänomene auf die gleiche Weise ereignen. Dies ist eines der wenigen methodologischen Prinzipien, vielleicht das Einzige, über das sich alle Wissenschaftler immer einig waren, denn seine Negierung würde bedeuten, die Möglichkeit von Wissenschaft selbst zu leugnen.[8]

Mit der Verdrängung der geologischen Leit-Idee des Katastrophismus, den frühe Forscher, wie William Whiston (1667-1752), Johann Gottlieb Radlof (1775-1846) und Giovanni Rinaldo Carli (1720-1795), bereits um eine kosmologische Variante bereichert hatten, durch den Aktualismus ging nicht nur die Vorstellung verloren, die Erd- und Menschheitsgeschichte sei (auch) durch gravierende außerirdische Einflüsse katastrophaler Natur geprägt, sondern die Möglichkeit mega-katastrophischer oder sogar kataklysmischer Vorgänge in mehr oder weniger ferner Vergangenheit wurde ganz und gar in Abrede gestellt. Noch Mitte des 20. Jahrhunderts wurde z.B. von 'orthodoxen' Fachwissenschaftlern entschieden bestritten, die Kraterbildung auf Mond und Erde könne irgendetwas mit Impakten kosmischer Körper zu tun haben. Zur selben Zeit wurden auch die mittlerweile für die Erdgeschichte festgestellten, wiederholt und plötzlich eingetretenen Massenaussterben großer Teile der Pflanzen- und Tierwelt unseres Planeten noch als evolutionäres 'business as usual' dargestellt. [9]

Abb. 2 Immanuel Velikovsky (1895-1979), der "legendäre >Vater des Neo-Katastrophismus<" (H. Friedrich), attackierte forsch sowohl den Aktualismus als auch das Stabilitätsaxiom, und wurde dafür "vom >Bannfluch< des Establishments getroffen". (Foto: velikovsky.de)

Unter solchen Umständen kann es kaum verwundern, dass auch das Stabilitätsaxiom und die doch reichlich naive Assoziation des Sonnensystems mit einem Uhrwerk bis in die Gegenwart hinein gehalten haben [10], obwohl sich in der Fachwelt inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass unser solares Planeten-System alles andere als 'in Ewigkeit stabil' ist. Immerhin besteht es ja, wie es der Physiker und Wissenschafts-Blogger Joachim Schlichting auf den Punkt bringt, "aus vielen Planeten und Planetoiden, sodass es zu gegenseitigen Störungen kommt [...] Auf absehbare Zeit müsse man sogar davon ausgehen, dass einige Planeten aus der Reihe tanzen werden. Denn das Sonnensystem ist chaotisch." [11]

Diese Chaotizität zeigt allerdings nur 'schleichend', über - aus menschlichem Blickwinkel - ungeheuer lange Zeiträume hinweg Wirkung, ist also ein mit aktualistischen Denkmustern noch durchaus verträgliches Phänomen. Über rapide verlaufende Ereignisse, die das Sonnensystem quasi 'in kosmischem Zeitraffer' in seinen Grundfesten erschüttern könnten und das Stabilitätsaxiom danit ad absurdum führen müssen, mag man in Kreisen der Establishment-Wissenschaft nach wie vor nur abstrakt spekulieren, ohne sie wirklich ernst zu nehmen. Zwar ist mittlerweile z.B. anzunehmen, dass in der Milchstraße Myriaden von durchs All vagabundierenden 'Wanderplaneten' [12] oder 'Planemos' bzw. 'Objekte planetarer Masse' sowie 'mobile' Schwarze Löcher [13] [14] existieren, die bei einer Passage des Sonnensystems oder gar bei einer Nahbegegnung mit der Erde in der Tat kataklysmische Folgeereignisse auslösen würden [15]; dass dies aber (zumindest was planetare Nahbegegnungen betrifft) in der Vergangenheit bereits geschehen sein könnte, gilt nach wie vor als gedankliches 'no go area' der etablierten Wissenschaft.

Somit wird es wohl niemand sonderlich erstaunen, dass es bis heute zumeist Außenseitern der Forschung - nämlich den Neo-Katastrophisten - vorbehalten blieb, den Aktualismus, aber auch das Stabilitätsaxiom grundsätzlich infrage zu stellen. Dabei entwickelten sie u.a. Modelle eines von bis in historische Zeiten hinein wiederholten Phasen der Turbulenz ausgesetzten Sonnensystems, um damit geowissenschaftliche Phänomene und Diskontinuitäten in der Menschheits- und Zivilisationsgeschichte zu erklären. Insbesondere ist hier Immanuel Velikovsky (Abb. 2) (1895-1979) zu erwähnen, der u.a. davon ausging , dass Mars und Venus keineswegs schon immer ihren "heutigen Status als ruhige Nachbarplaneten der Erde" hatten, wie es bei Julia White heißt. Mit seinem ersten Buch Worlds in Colliusion (Welten im Zusammenstoß) aus dem Jahr 1950 bewirkte er "einen solchen Aufschrei in der Fachwelt und in der Öffentlichkeit, wie er in der Wissenschaftsgeschichte seit Galilei nicht mehr aufgetreten war." [16]

Doch selbst die unsägliche, als Velikovsky-Affäre in die Wissenschafsgeschichte eingegangene Trommelfeuer-Kampagne des versammelten akademischen Establishments konnte nicht verhindern, dass sich nachfolgend zumindest außerhalb des universitären Bezirks eine fundamental-oppositionelle Forscher/innen-Szene entwickelte, die (bildhaft ausgedrückt) kräftig an den Lehrstühlen der Verfechter eines überkommenen Aktualismus zu sägen begann. Und tatsächlich scheinen immer mehr Menschen zu begreifen, dass wir, um es mit den Worten des Geologen Johán B. Kloosterman (1931-2016) zu sagen, einem der 'Abweichler von der Parteilinie' seiner Zunft, auf einem "hochdynamischen Planeten geboren wurden, der durch ein hochdynamisches Universum taumelt und wirbelt" [17], mithin auf einem Planeten, für dessen Bewohner dieses Universum vermutlich bereits mehrfach im Verlauf der Erd- und Menschheitsgeschichte höchst unangenehme Überraschungen bereit hielt - und dies aller Wahrscheinlichkeit nach auch in Zukunft wieder tun wird.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Siehe z.B.: Rainer Löwen, "Vierdimensionale Stabile Ebenen", in: Geometriae Dedicata Vol. 5, S. 239–294 (1976). https://doi.org/10.1007/BF00145961
  2. Siehe z.B.: Peter Morgan, "Es scheint keine Definition von 'Stabilität' in der axiomatischen QFT zu geben. Gibt es? Und wenn nicht, ist das ein Problem?", bei antwortenhier.me (abgerufen: 22. Januar 2020)
  3. Siehe: Wolfgang Rippe & Hans-Peter Haarland, "Wirtschaftstheorie als Verhaltenstheorie", Duncker & Humblot, 1980, S. 30
  4. Siehe z.B.: Ludger Helms & David M. Wineroither (Hrsg.), "Die österreichische Demokratie im Vergleich", Nomos Verlag, 2017, S. 339
  5. Quelle: Armin Naudiet, "Kosmische Katastrophen und Eiszeittheorie", erstveröffentlicht in EFODON SYNESIS Nr. 16/1996
  6. Siehe dazu z.B. einführend: Jan-Peder Lödorfer, "Die Welt als Uhrwerk an der Wohnzimmerdecke", 8. April 2017, bei fifty2go.de (abgerufen: 22. Januar 2020)
  7. Anmerkung: Da der Verfasser den Begriff Stabilitätsaxiom nicht auf astronomischen Webseiten gefunden hat, hält er es zum einen für möglich, dass A. Naudiet ihn nicht nur in alternativen Forscherkreisen bekannt gemacht, sondern selber eingeführt hat; oder aber Naudiet hat ihn älterer Fachliteratur entnommen, die online nicht auswertbar ist.
  8. Quelle: Federico di Trocchio, 1993; zit. bei: Armin Naudiet, "Altertumsforschung und Naturwissenschaft - Eine problematische Kooperation", in EFODON-SYNESIS Nr. 2/2008
  9. Siehe z.B.: George Gaylord Simpson, "Evolutionary Effects of Cosmic Radiation", in: Science, VOL. 162 (Okt. 1968), S. 140-141; für ein aussagekräftiges Zitat siehe: "Paläokatastrophismus - Definition" (red), Fußnote 4
  10. Anmerkung: Hinsichtlich letztgenannter 'Altlast' siehe z.B.: Dr. Roland Brodbeck, "Uhrwerk Planetensystem" bei lexikon.astronomie.info (abgerufen: 22. Januar 2020)
  11. Quelle: Joachim Schlichting, "Vom Uhrwerk zum chaotischen System – zur Entdeckung von Neptun", 31. August 2016, bei Die Welt physikalisch gesehen - Physik und mehr im Alltag und anderswo (abgerufen: 22. Januar 2020)
  12. So heißt es etwa in einer Meldung des Deutschlandfunks vom 11.05.2012: "Einige hunderttausend Milliarden von ihnen könnten zwischen den Sternen einher ziehen. Das wären deutlich mehr als es Sterne gibt. Diese These vertreten Astronomen der University of Buckingham in 'Astrophysics and Space Science'. [...] Im Schnitt könnte alle 25 Jahre so ein sternenloser Planet das Innere des Sonnensystems passieren und dabei Staubkörner wie auch Moleküle entführen, aus denen Leben entstehen kann. [...] Dass es frei im All treibende Planeten gibt, hatten Astronomen bereits nach Beobachtungen von Gravitationslinseneffekten vor Quasaren postuliert." (Quelle; abgerufen: 23. Jan. 2020)
  13. Siehe dazu z.B.: "Schwarze Löcher vagabundieren in der Milchstraße - Relikte aus der Frühzeit wandern in Außenbereich der Galaxie umher", 4. Mai 2009, bei scinexx - das wissensmagazin (abgerufen: 23. Jan. 2020)
  14. Siehe übrigens auch: Franziska Bechtold, "Planet 9 könnte ein wanderndes Schwarzes Loch sein", 01.10.2019, bei futurezone.at (abgerufen: 23. Jan. 2020)
  15. Zu einem skizzierten Modell-Szenario siehe bei Atlantisforschung.de: Dr. Horst Friedrich, "Ein katastrophistisches Szenario für das 'Pleistozän'"; Auszug aus: Derselbe, "JAHRHUNDERT-IRRTUM 'EISZEIT'", Greiz (König) 2010; Erstveröffentlichung: Hohenpreißenberg (Efodon e.V.), 1997
  16. Quelle: Julia White, "Dr. Immanuel Velikovsky - Seine Arbeit", bei velikovsky.de (abgerufen: 23. Jan. 2020) - Anmerkung: Uber diesen veritablen Wissenschafts-Skandal heißt es bei ihr zusammenfassend: "So wurde Macmillan, der Verlag, der sein Buch herausbringen wollte, nach einem auszugsweisen Vorabdruck durch eine vehemente geschlossene Erpressungskampagne der amerikanischen Universitäten dazu gezwungen, das Buchprojekt wieder zu stoppen. Und obwohl es dann nach seiner Herausgabe bei einem anderen Verlag wochenlang in den nationalen Bestsellerlisten der USA stand und über 20 Auflagen alleine in den USA hatte, ebbte der Widerstand und der Aufruhr bis nach Velikovskys Tod nicht ab." (Quelle: ebd.)
  17. Quelle: Johán B. Kloosterman, "Johán B. Kloosterman: Ein katastrophistisches Manifest" (Vorwort von Bernhard Beier)

Bild-Quellen:

1) Links: Roman Smoluchowski, "Das Sonnensystem", Heidelberg (Spektrum-Verlag) 1985; nach: Walter Stender, Efodon-SYNESIS Nr. 16/1996
1) Rechts: Roseusa (Urheber/in) bei Wikimedia Commons, unter: File:Watch Parts.png (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international“); Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de
2) Julia White, velikovsky.de