Tripura

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Abb. 1 Der fünfköpfige Gott Triputantaka zielt mit seinem Pfeil auf Tripura (rechts oben). Indische Sandelholz-Schnitzerei, ca. 1875-1900.

(bb) In der hinduistischen Mythologie ist Tripura (Tamilisch: Tiripuram, Thai: Triburam, d.h.: "drei Städte", "dreifache Stadt") der Name einer mächtigen Metropole - bzw. von drei vereinigten Städten - der 'verderbten' Asuras, welche aufgrund der Missetaten ihrer Herrscher und Bewohner sowie wegen mangelnder Frömmigkeit von Tripurantaka (Abb. 1), einer Manifestation des Gottes Shiva, vernichtet wurde/n. [1] In der (nonkonformistischen) Atlantisforschung werden Tripura und sein Untergang bisweilen mit Platons Atlantis und der Atlantis-Katastrophe in Verbindung gebracht.

Die Legende von Tripura [2]

Den mythisch-legendenären Überlieferungen Altindiens zufolge wurde Tripura einst von König Mayāsura (Abb. 2), dem größten Architekten und Ingenieur der Asuras für Tarakaksha, Vidyunmali und Kamalaksha errichtet, die drei Söhne des Asura-Helden Tārakāsura. Nach der Ermordung ihres Vaters und ihrer Onkel durch Kartikeya hatten sie von Brahma zugesagt bekommen, dass jeder von ihnen eine praktisch uneinnehmbare Festung erhalten solle. Ihre Forderung, diese befestigten Städte sollten gänzlich unvergänglich sein, hatte der Gott jedoch mit der Begrundung zurückgewiesen, nichts könne ewig bestehen. Daraufhin hatten sich Tārakāsuras Söhne von der Gottheit ausbedungen, dass eine Zerstörung ihrer Städte nur vermittels eines einzigen abgeschossenen Pfeils erfolgen dürfe. Sie meinten nämlich, dass - abgesehen von Shiva, zu dessen Verehrern sie gehörten - niemand in der Lage sein werde, einen derart desaströsen Pfeilschuss abzugeben.

Abb. 2 Der meisterliche Architekt Mayasura (links) nimmt von Krishna (Mitte) den Befehl an, dem Haus der Pandavas einen Palast zu erbauen.

Also konstruierte Mayāsura mit göttlichem Segen die drei (Teil-)Städte, deren Wälle aus Eisen, Silber und Gold waren, in großer Pracht und Herrlichkeit. Sie befanden sich auf der Erde, in den Lüften und im 'Himmel' [3], waren mobil und bewegten sich dergestalt, dass sie sich lediglich ein mal in 1000 Jahren, während einer bestimmten astronomischen Konstellation, für einen Moment in einer Linie befanden. Dies war eine zusätzliche Sicherheits-Maßnahme, um es zu erschweren, Tripura mit einem einzigen Pfeil zu vernichten.

Von überall her strömten nun Asuras nach Tripura, um sich an diesem luxuriösen, prächtig geschmückten Ort niederzulassen. Schon bald prosperierte die 'Dreifache Stadt', gelangte zu großer Macht und beherrschte weite Teile der Welt. Im Laufe der Zeit jedoch traten die negativen Eigenschaften der Asuras immer mehr zu Tage und sie wurden tyrannisch und grausam. Mit Ausnahme von Mayāsura, der sich zurückgezogen der Verehrung Shivas widmete, begannen sie damit, Menschen und Devas zu terrorisieren und erschütterten schließlich den 'Frieden der Welten'.

Abb. 3 Statue des heiligen Bullen Nandi aus dem zweiten Jahrhundert n.d.Z.

Schließlich wandten sich der Kriegsgott Indra und einige Devas Hilfe suchend an Brahma, der ihnen erklärte, wie Tripura zu zerstören sei, und sie an Shiva verwies, welcher ihnen seine Unterstützung zusagte. Die Devas zogen nun wieder gegen die Asuras zu Felde und es entbrandte ein gewaltiger Krieg, in dem den Halbgöttern auch vom heiligen Bullen Nandi (Abb. 3) Hilfe zu Teil wurde, dem Anführer von Shivas Scharen. Zwar gelang es Nandi, den gegnerischen Prinzen Vidyunmali und etliche andere Asuras zu töten, doch wurden diese mittels des Wassers der magischen Quelle von Tripura wieder zum Leben erweckt.

Immer fürchterlicher tobte der Krieg zwischen Devas und Asuras, so dass schließlich die Erde selbst aus ihrer Bahn zu geraten begann, doch im letzten Moment griff Vishnu als Beschützer der Menschheit ein. In Gestalt eines gewaltigen Ebers fing er die Erde auf und brachte sie wieder in ihre richtige Position. Dann drang er in Tripura ein und trank den Quell des magischen Wassers leer, durch den die gefallenen Asuras bis dahin wiederbelebt werden konnten. Trotzdem leisteten sie mit Hilfe ihrer dämonischen Zauberkräfte weiter heftig und erfolgreich Widerstand.

Abb. 4 Shiva im Kampf mit den Asuras (Indisches Fries aus dem 11. Jhdt. n.d.Z.)

Doch dann kam der Tag jener Himmelskonstellation (dem Pushya nakshatra), bei welcher die 'drei Städte' sich in einer Linie formierten. Auf Shivas Befehl hin wurde nun ein Streitwagen ganz besonderer Art gebaut, von dem aus er den Endkampf um Tripura anzutreten gedachte: "Prithivi (die Erde) wurde zu diesem Wagen, dessen Räder Sonne und Mond waren. Brahma hielt Die Zügel. Der Berg Meru wurde zu (Shivas) Bogen und die Schlange Vasuki ward die Bogensehne. Vishnu war der Pfeil, und Agni die Pfeilspitze. Vayu steckte in den Federn am hinteren Ende des Pfeils. Alle anderen Devas hatten ihre speziellen Plätze und Formen in dem Streitwagen." [4]

Shiva bestieg das Götter-Gefährt und zielte genau im richtigen Moment auf Tripura. Die Devas frohlockten und waren voll Stolz darüber, dass sie Teil des Streitwagens und der Waffe waren, die ihren Feinden nun den Untergang bringen sollte. Doch dies missfiel dem Gott, und so hielt er den Pfeil zurück. Stattdessen lächelte er nur. Schon dies allein genügte, um die drei Segmente Tripuras in Flammen aufgehen zu lassen, und die Devas mussten einsehen, dass der Gott nicht auf ihre Hilfe angewiesen war. Auf Brahmas Bitte hin, mit dem Tarakaksha, Vidyunmali und Kamalaksha vormals verhandelt hatten, schoss er den Pfeil aber doch noch ab, und nun verbrannte Tripura gänzlich. Alle Asuras in der Stadt kamen ums Leben, nur Mayāsura blieb verschont. Ihn hatte der Gott im letzen Moment gewarnt, sodass er gerade noch rechtzeitig dem Inferno entrinnen konnte. Mit Shivas Sieg und der Zerschlagung der Asura-Streitkräfte war die Herrschaft der Götter über die Erde, den Luftraum und den 'Himmel' nun wieder hergestellt.

Lokalisierungsansätze und Atlantis-Bezug

Abb. 5 Künstlerische Darstellung einer Tripura-Vimana im Flug

Angesichts der augenfälligen Parallelen zwischen dem Atlantisbericht und der Legende von Tripura (Tripura-samhara), die beide den moralischen Verfall einer urtümlichen Weltmacht, einen gewaltigen, von dieser Macht provozierten Krieg und schließlich die Vernichtung ihrer Metropole beschreiben, ist es nicht verwunderlich, dass Tripura auch zu einem Gegenstand atlantologischen Interesses wurde. So weist Tony O’Connell in seiner Atlantipedia [5] diesbezüglich u.a. auf die Arbeiten von Arysio Nunes dos Santos und R. Cedric Leonard hin. [6]

Der 2005 verstorbene Atlantisforscher Prof. Santos ging davon aus, dass Platons Bericht über die untergegangene Zivilisation der Atlanter aus uralten östlichen Quellen entlehnt sei. Er lokalisierte das Reich von Atlantis im Osten Indiens, im Gebiet des am Ende der jüngsten Eiszeit versunkenen Sundaland, das er sowohl mit dem Land Atala der indischen Mythen als auch mit der Stadt Tripura in Verbindung brachte. [7]

Eine Identität der vedischen Tripura mit Atlantis setzt, wie es bei O’Connell heißt, auch der russische Atlantisforscher Sergey Teleguin voraus, der im Jahr 2005 dazu ein Buch [8] veröffentlicht hat. Darin vermutet er, u.a. in Anlehnung an die Vorstellungen von Bal Gangadhar Tilak (1856-1920), den Ursprung der Beschreibungen von Atlantis und Tripura im hohen (polaren) Norden. [9] Auszüge daraus sind in englischsprachiger Übersetzung auch online abrufbar. [10]

Abb. 6 R. Cedric Leonard gehört zu jenen Forschern, die von einer Identität der Stadt Tripura mit der Metropolis von Atlantis ausgehen.

R. Cedric Leonard (Abb. 6) dagegen, ein sanskritkundiger Vertreter der 'klassischen' Atlantis-Lokalisierung (d.h. Atlantis im Atlantik), betrachtet Atala als altindische Bezeichnung für die Großinsel Atlantis im Atlantischen Ozean und interpretiert die Beschreibung von Tripura im Karna Parva [11] als Darstellung einer ringförmigen Rund-Konstruktion, wie Platon sie in Bezug auf Atlantis angibt. [12]

In der Tat erscheint es fraglich, dass in der anzunehmenden, vermutlich über sehr lange Zeiträume hinweg mündlich tradierten Urfassung des altindischen Berichts über die Stadt Tripura und ihre Zerstörung bereits von einer Boden-, einer Luft- und einer 'Himmels'-Komponente des Dreifach-Bauensembles die Rede war. Vielmehr ist es naheliegend, dass hier im Lauf der Zeit eine Symbolik 'in Worte gegossen' wurde, welche die Beherrschung der Erde, der Luft- und eines übergeordeneten Raumes durch die Herrscher von Tripura widerspiegelt.

Den letztgenannten 'Himmel' kann man - wie bereits in Fußnote 3 bemerkt - religiös, oder eben ganz profan als Weltraum interpretieren, sofern man bereit ist, auch prä-astronautische Überlegungen in die Interpretation der Berichte mit einzubeziehen. Somit stellt sich durchaus auch die Frage, was man sich unter dem 'Frieden der Welten' vorzustellen hat, der - wie oben erwähnt - von den Asuras gestört wurde: Ist damit eine Störung des 'kosmischen Gleichgewichts' (im sprituellen Sinne) gemeint, eine interplanetare Konfontation mit Kampfhandlungen im All, oder womöglich auch beides?

Gerade vor dem Hintergrund der Annahme einer weitgehend in Vergessenheit geratenen, prähistorischen Aeronautik, wie sie in der vedischen Literatur - vor allem in Form der so genannten Vimanas (Abb. 5) - beschrieben [13] und auch von Leonard als historische Tatsache betrachtet wird [14], erscheint eine aeronautische bzw. astronautische Auslegung sinnvoll. Darüber hinaus stimmt sie auch mit den Überlieferungen des nordamerikanischen Volkes der Hopi über den prähistorischen, ihren Aussagen folgend offenbar mit Hochtechnologie geführten Krieg zwischen den Mächten von Kásskara und Taláwaitíchqua überein. Diese Reminiszenzen in den Hopi-Mythen betrachtete Martin Freksa bereits 1997 [15] als lebendig gebliebene Erinnerung an den 'Großen Krieg', welchen Platon in seinem Atlantisbericht quasi nur als Randbemerkung erwähnte, während er im Marabharata das zentrale Thema darstellt.


Anmerkungen und Quellen

Vorwiegend verwendetes Material:

Fußnoten:

  1. Siehe dazu vor allem: Mahabharata, 7. Buch (Drona Parva, Teil XI; und 8. Buch Karna Parve (Online-Versionen in deutscher Sprache: Das Mahabharata des Krishna-Dwaipayana Vyasa (abgerufen: 27.12.2013)
  2. Anmerkung: Auf Indisch lautet der Name der Legende "Tripura-samhara" ("Die Zerstörung der drei Zitadellen")
  3. Anmerkung: ...womit in der religiösen Überlieferung die 'göttliche Sphäre' gemeint ist. In profaner Auslegung könnte damit aus heutiger Sicht - z.B. bei einer Interpretation im Sinne der Prä-Astronautik - natürlich auch der Weltraum gemeint sein. Siehe dazu auch das Ende dieses Beitrags.
  4. Quelle: Wikipedia - The Free Encyclopedia, unter: Tripura (mythology) (Übersetzung ins Deutsche durch den Verfasser)
  5. Siehe: Tony O’Connell, Atlantipedia.ie, unter Tripura (I)
  6. Siehe: Tony O’Connell, Atlantipedia.ie, unter Tripura (I) (abgerufen: 27.12.2013)
  7. Siehe online: Atlantis - The Lost Continent Finally Found - by Prof. Arysio Nunes dos Santos, unter: Corroborating Evidence on The Reality of Atlantis; sowie: Arysio Nunes dos Santos, "Atlantis: The Lost Continent Finally Found", Atlantis Publishing, 2005
  8. Siehe: Телегин С.М (Sergey Teleguin), "Анатомия мифа" (Anatomie eines Mythos), Москва (Moskau), 2005
  9. Anmerkung: Der Verfasser legt Wert auf die Feststellung, dass ihm einige der von Sergey Teleguin für seine Argumentation herangezogenen Materialien bzw. Autoren - so etwa Dmitri Merezhkovski, Julius Evola und René Guénon - alles andere als vertrauenswürdig erscheinen.
  10. Siehe: Sergey Teleguin, "Atlantis - Vedic Tripura", bei Scribd.com (abgerufen: 25.12.2013)
  11. Anmerkung: Das Karna Parva - d.h.: "Buch des/über Karna" - ist das 8. der insgesamt 18 Bücher des Mahabharata.
  12. Siehe: R. Cedric Leonard, "THE WAR OF THE GODS - An ancient Sanskrit 'mythological' Account", bei Quest for Atlantis - Adventures in Science (abgerufen. 27.12.2013)
  13. Siehe dazu vor allem das deutschsprachige Standardwerk: Lutz Gentes, "Die Wirklichkeit der Götter - Raumfahrt im frühen Indien", München (etc.) - bettendorf'sche Verlagsanstalt, 1996, 504 Seiten, Hardcover, ISBN 3-88498-101-3; sowie einführend bei Atlantisforschung.de: Dr. Horst Friedrich, "Lutz Gentes: Die Wirklichkeit der Götter (Rezension)", Dez. 2013
  14. Siehe. R. Cedric Leonard, "ANCIENT AERONAUTICA", bei: Quest for Atlantis - Adventures in Science (abgerufen. 27.12.2013)
  15. Siehe: Martin Freksa, "Das verlorene Atlantis - Die Geschichte der Auflösung eines Rätsels", Klöpfer & Meyer, 1997; sowie bei Atlantisforschung.de: Ders., "Das Mahabarata als Quelle der Atlantisforschung"

Bild-Quellen:

1) Redtigerxyz bei Wikimedia Commons, unter: File:Shiva Tripurantaka.jpg
2) Finavon bei Wikimedia Commons, unter: File:Krishna orders Mayasura to build a palace for the Pandavas.jpg (Bildbearbeitung durch Atlantisforschung.de)
3) Pebble101 bei Wikimedia Commons, unter: File:Nandibull.jpg (Bildbearbeitung durch Atlantisforschung.de)
4) Flickr_upload_bot bei Wikimedia Commons, unter: File:Tripurantaka - 11th Century - Indian Art - Asian Art Museum of San Francisco.jpg (Bildbearbeitung durch Atlantisforschung.de)
5) Edicola Web.net, unter: IL VOLO NELL'ANTICHITÀ TRIPURA VIMANA (Bildbearbeitung durch Atlantisforschung.de)
6) R. CEDRIC LEONARD - Biographical Information", bei: Quest for Atlantis - Adventures in Science