Xicalancaner

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Postatlanter, eine vergessene mesoamerikanische Kultur - oder einfach 'nur' Olmeken?

Abb. 1 Ein Tempel des Volkes der Cakchiquel, das in seinen Überlieferungen die Erinnerung an die Xicalancaner bewahrt hat.

(bb) Die Xicalancaner (engl. Xicalancans) waren laut indianischer Überlieferung ein Volk des alten Mittelamerika, das auch in der atlantologischen Literatur Erwähnung gefunden hat. So z.B. bei Frank Joseph, der in seiner Atlantis Encyclopedia über diese Altamerikaner schrieb:

"Beschrieben im Cakchiquel-Manuskript, einer Sammlung alter mexikanischer Überlieferungen, die Mitte des 16. Jahrhunderts von aztekischen Chronisten für die spanischen Eroberer gesammelt wurden, sollen die Xicalancaner Mexikos erstes zivilisiertes Volk gewesen sein, >Vorläufer der nachfolgenden Rassen; sie kamen aus dem Osten in Schiffen oder [auf] Barken< nach der dritten Sonne. Dies war eine von vier Epochen der Erdgeschichte, die durch universelle Katastrophen abgegrenzt wurden. Die Dritte Sonne endete mit der fast vollständigen Zerstörung der Welt durch >das Feuer vom Himmel<. Ein solches Ereignis setzt eine Ankunft der Xicalancaner irgendwann im späten dritten Jahrtausend voraus, als die Atlanter vor der zweiten Serie der größten geologischen Umwälzungen von ihrer Insel flohen. [1]

Die Xicalancaner waren zweifellos [sic!; bb] die selben Leute, die Archäologen als >Olmeken< bezeichnen [2], welche um 1200 v. Chr. einen plötzlichen Bevölkerungsanstieg erlebten, als Atlantis endgültig zerstört wurde. Es wurde angenommen, dass die Vorfahren der mesoamerikanischen Zivilisation, die Olmeken, ihre ersten Zeremonienzentren in La Venta um 1500 entwickelt haben, aber weitere Forschungen des Autors Zecharia Sitchin und anderer implizieren ein wahrscheinlicheres Datum um 3000 v.Chr." [3]

Ohne hier die Validität der Aussagen von Zecharia Sitchin et al. diskutieren zu wollen, möchten wir nicht grundsätzlich ausschließen, dass die Kultur der Olmeken tatsächlich älter war als bisher angenommen. Zudem sollten wir auch kurz auf die - derzeit ebenfalls nicht erschöpfend zu klärende - Frage eingehen, ob Xicalancaner und Olmeken tatsächlich identisch waren, wie Frank Joseph meint.

Abb. 2 Hier eine Karte der wichtigsten Olmeken-Fundstätten in Mittelamerika. Die östlichste von ihnen, Takalik Abaj (hier: Abaj Takalik) liegt im Einzugsbereich der Cakchiquel-Maya. (Für eine vergrößerte Ansicht einfach das Bild anklicken!)

Dass dies - zumindest im 19. Jahrhundert - von Fachleuten vermutet (!) wurde, deutete jedenfalls 1882 Ignatius Donnelly an, indem er schrieb: "Von den Nahua-Vorfahren der Tolteken waren die Olmeken und Xicalancaner die wichtigsten. Sie waren die Vorboten der großen Rassen, die [ihnen] folgten. Laut Ixtlilxóchitl nahmen diese Völker - denen eingeräumt wird, dass sie [ein und] dasselbe waren - die Welt im dritten Zeitalter in Besitz." Sie kamen ">aus dem Osten in Schiffen oder [auf] Barken< ins Land Potonchán, das sie zu bevölkern begannen." [4]

Höchst interessant ist ist hier zunächst, dass die Xicalancaner und Olmeken laut Donnelly schon während des mythischen 'dritten Zeitalters' (Dritte Sonne) der Nahua-Überlieferungen ihre neue Heimat erreichten, also bevor "das Feuer vom Himmel" dieses Zeitalter abrupt beendete. Die Historizität dieser Annahme vorausgesetzt, würde das in der Tat einen früheren Beginn der 'Olmeken-Zeit in Mesoamerika nahelegen. Zweitens betrachteten die Azteken bzw. Nahua Xicalancaner und / oder Olmeken anscheinend als Kultur/en von Schiff- und Boots-Bauern. Und drittens zeigt Donnellys vorsichtige - offenbar später von Frank Joseph übernommene - Formulierung "denen eingeräumt wird, dass sie [ein und] dasselbe waren" (orig.: "which are conceded to be one") an, dass sich diesbezüglich wohl kaum von einer gesicherten Erkenntnis sprechen lässt, und dass die Annahme einer zumindest gewissen Unterschiedlichkeit weiterhin zur Diskussion steht.

Abb. 3 Eine der heute zum Teil vom tropischen Regenwald überwucherten Strukturen der archäologischen Fundstätte von Takalik Abaj. Ist dort der Schlüssel zur Lösung des Xicalancaner-Problems zu finden?

Dafür spricht auch eine Aussage von Lewis Spence, die sich offenbar auf die Migrationen der Xicalancaner und Olmeken innerhalb Mittelamerikas bezieht, wo sie augenscheinlich als unterschiedliche bzw. unterscheidbare Völkerschaften betrachtet wurden: "Die Olmeken, >Leute aus dem Kautschuk-Land<, und die Xicalancaner, >Leute aus dem Land der Kürbisse<, waren [...] frühe Siedler, und sie kamen vermutlich aus der Tierra Caliente, dem Heißen Land, nahe den östlichen Küsten Mexikos..." [5] Was dies betrifft, dürfen wohl annehmen, dass es sich bei dem "Kautschuk-Land" und dem "Land der Kürbisse" um Gebiete handelt, die zum frühen Siedlungsraum der Olmeken und / oder Xicalancaner an den Küsten des Golfs von Mexiko gehörten, nicht aber in deren hypothetischer Ur-Heimat, wo auch immer die sich befunden hat.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Xicalancaner-Problem derzeit noch ganz am Anfang seiner Lösung steht, da noch viel zu wenig verlässliches Material über sie vorliegt. Immerhin deuten sich im Grundsatz bereits zwei Möglichkeiten an:

1) Xicalancaner und Olmeken waren quasi identisch, wobei die Benennung der Erstgenannten durch das im heutigen Guatemala ansässige Maya-Volk der Cakchiquel (bzw. durch deren Vorfahren) möglicherweise auf altertümliche Kontakte mit einer östlich des Haupt-Siedlungsgebiets der Olmeken siedelnden Abteilung dieses Volkes hindeuten mag. Als Kandidatin für solch einen Ort kommt vor allem das Gebiet um die Fundstätte von Takalik Abaj (Abb. 3) vor der Pazifik-Küste Guatemalas (im Departamento Retalhuleu) infrage, eine jener mesoamerikanischen Ruinen-Städte, die sowohl Charakteristika der Olmeken als auch der Maya aufweisen. Diese Metropole, deren Blüte sich nach der gängigen Chronologie des präkolumbischen Mesoamerika von der so genannten Präklassik bis zur Klassischen Periode erstreckte - vom 9. Jahrhundert v. Chr. bis mindestens ins 10. Jahrhundert n. Chr. hinein -, war einst ein wichtiges Handelszentrum. [6] Takalik Abajs hohe Kulturstätten-Kontinuität lässt es wahrscheinlich erscheinen, dass dort auch - zumindest ih mythisierter Form - Überlieferungen zur Frühzeit der Olmeken bzw. Xicalancaner tradiert wurden.
2) Die Xicalancaner waren zwar nicht identisch mit den Olmeken, ähnelten ihnen aber sehr, was eine Unterscheidung zwischen beiden schwierig macht. Die Vermutung ist naheliegend, dass diese Ähnlichkeit auf eine enge Verwandschaft bzw. auf einen gemeinsamen Urspung zurückzuführen ist. So könnte es sich bei ihren Vorfahren um zwei separate Gruppen von Auswanderern des selben Volkes oder der selben Kultur gehandelt haben, die ihre alte Heimat - wo auch immer diese sich befunden haben mag - zu unterschiedlichen Zeitpunkten verließen, sich (am Golf von Mexiko angekommen) zunächst separat weiterentwickelten, später aber, womöglich gemeinsam mit anderen Akteuren, ein ethno-kulturelles 'Amalgam' bildeten.

Ob die frühesten Xicalancaner und / oder Olmeken tatsächlich 'Zugereiste' (Siedler oder Flüchtlinge) waren, die aus dem Atlantik-Raum (von 'Atlantis', d.h. etwa aus der Karibik oder aus Makaronesien etc.) beziehungsweise über den Atlantik hinweg (also überseeisch, etwa aus Nord- oder Westafrika) an die Küste des Golfs von Mexiko gelangten, von wo aus sie sich weiter verbreiteten und mit amerinden Einheimischen oder auch anderen Siedlern, z.B. aus Asien bzw. dem Pazifik-Raum eine Verbindung eingingen, ist eine derzeit nicht wirklich zudriedenstellend zu beantwortende Frage. Dies alles ist Gegenstand naturgemäß spekulativer Überlegungen zumeist außenseiterischer Forscher/innen wie Frank Joseph, die im universitären Bezirk ignoriert, bespöttelt oder auch wüst attackiert werden. Immerhin wäre es doch sehr zu begrüßen, wenn akademische Fachwissenschaftler/innen sich zumindest im Rahmen ihrer paradigatischen Vorgaben und Lehrmeinungen konstruktiv an der Lösung des Xicalancaner-Rätsels beteiligen würden.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Red. Anmerkung: Frank Joseph propagiert die vormalige Existenz eines 'Atlantis im Atlantik', das von wiederholten mega-katastrophischen Ereignissen immer mehr in Mitleidenschaft gezogen wurde, bis es schließlich am Ende der (altweltlichen) Bronzezeit völlig vernichtet wurde. Siehe dazu vor allem: Frank Joseph, "The Destruction of Atlantis - Compelling Evidence of the Sudden Fall of the Legendary Civilization", Inner Traditions / Bear & Co, Januar 2004; sowie als Fortsetzung: Derselbe, "Survivors of Atlantis: Their Impact on World Culture", Inner Traditions / Bear & Co, August 2004
  2. Red. Anmerkung: Eine solche Gleichsetzung oder Subsumierung der Xicalancaner mit den bzw. unter die Olmeken könnte erklären, warum wir bisher keine jüngeren (fachwissenschaftlichen) Verweise auf sie gefunden haben. Möglicherweise sind sie bei den Archäologen und Altamerikanisten auch schlichtweg in Vergessenheit geraten.
  3. Quelle: Frank Joseph, "The Atlantis Encyclopedia", S. 296 (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  4. Quelle: Ignatius Donnelly, "Atlantis: the antediluvian world", New York (Harper & Brothers), 1882, S. 167 (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  5. Quelle: Lewis Spence, "The Civilization of Ancient Mexico", Cambridge University Press, 1912, S. 4-5 (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  6. Quelle: Wikipedia - The Free Encyclopedia, unter: "Takalik Abaj" (abgerufen: 03. April 2020)

Bild-Quellen:

1) Greg Willis, Arlington, Virginia, USA (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Iximche Temple 2.jpg (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 generisch“, US-amerikanisch)
2) Fabienkhan (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Map Olmec sites.png (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“)
3) Simon Burchell (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Potbelly 6.jpg (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“)