Zur Erinnerung an Dr. Horst Friedrich

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Eine Reminiszenz an meinen väterlichen Freund, Lehrer und wissenschaftlichen Mentor

Abb. 1 Herr Dr. Friedrich, bestens gelaunt, bei einem Besuch seiner Lieblings-Gaststätte am Ammersee

(bb) Heute jährt sich bereits zum vierten mal der Todestag von Dr. Horst Friedrich (* 12. Sept. 1931; † 25. Dez. 2015) (Abb. 1), einem der großen Geister der alternativen Forscherszene der 2. Hälfte des vergangenen und des frühen 21. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum - und weit darüber hinaus. Grund genug für mich, der ich zu seinen engen persönlichen Freunden zählen durfte und mehr als ein Jahrzehnt lang das Privileg genoss, als sein Schüler von ihm lernen und mit ihm zusammenarbeiten zu können, kurz innezuhalten und in Dankbarkeit ein paar persönliche Zeilen zur Erinnerung an ihn zu verfassen.

Von Dr. Friedrich und seiner Arbeit - vor allem in den Bereichen Katastrophismus und Diffusionismus habe ich erstmals etwa zur Jahrtausendwende durch seine vormalige ehrenamtliche Tätigkeit als Redakteur des Magazins Efodon SYNESIS erfahren, und für mich war es zu dieser Zeit eine kleine 'Offenbarung' festzustellen, dass es hierzulande jemanden gab, der in beiden Forschungsbereichen, die mir persönlich besonders wichtig waren (und sind), sattelfest und beschlagen war. Zudem war auch er offensichtlich darum bemüht, diese zwei Bereiche wissenschaftlich zu "amalgamieren", wie er es gerne bezeichnete, also beide scheinbar 'losen Enden' außenseiterisch gewordener Vergangenheitsforschung miteinander zu verknüpfen.

Als wir dann, es war wohl im Frühjahr des Jahres 2002, zum ersten mal miteinander telefonierten - ein folgenreiches Gespräch, dem bis zu seinem plötzlichen Ableben noch buchstäblich tausende weitere, bisweilen stundenlange Telefonate folgen sollten -, stimmte, wie man so schön sagt, die Chemie zwischen uns von der ersten Sekunde an. Mehr noch: Dr. Friedrich bot mir sofort seine Untersützung an, was diverse Projekte betraf, aber auch was meine persönliche Fortbildung in wissenschaftlichen Grundsatzfragen anging - und was dies betrifft, hatte ich als Autodidakt damals wirklich noch arge Defizite. "Herr Beier, wenn sie in Diskussionen mit Fach- und Berufswissenschaftlern bestehen wollen", meinte er damals zu mir, "dann müssen sie sich in der 'Wissenschaft von der Wissenschaft' kompetent machen, denn davon haben diese Damen und Herren zumeist kaum eine Ahnung."

Abb. 2 Das Front-Cover eines Exemplars der 2. Ausgabe von Dr. Horst Friedrichs im Jahr 1997 erstveröffentlichten Werks "Einer Neuen Wissenschaft den Weg bahnen!"

'Wissenschaft von der Wissenschaft', was Fächer wie Wissenschaftstheorie bzw. -philosophie, Wissenschaftssoziologie und nicht zuletzt Wissenschaftsgeschichte umfasst, das war auch eine von Dr. Friedrichs besonders gerne verwendeten Formulierungen, die sich in vielen seiner Arbeiten findet. Nun ja, ein echter Wissenschaftsphilosoph ist aus mir trotz all seiner Hilfestellungen nie geworden; in dieser Beziehung reicht's bei mir allenfalls für die 'Westentasche'. Aber immerhin hat er es als promovierter Wissenschaftshistoriker mühelos geschafft, in mir eine ganz besondere Vorliebe für die Wissenschaftsgeschichte zu wecken, die heute meinen zentralen Zugang zu Forschung darstellt - und schon dafür werde ich ihm immer dankbar sein. Ermöglicht doch gerade eine wissenschaftsgeschichtliche Betrachtungsweise ein tiefer gehendes Verständnis der unhaltbar gewordenen Zustände an unseren, durch institutionalisierte Überspezialisierung und eine paradigmenfixierte, alles andere als ergebnisoffene 'Forschung' gekennzeichneten Universitäten, die zudem dem Diktat wirtschaftlicher Profitinteressen unterworfen sind.

Dieser Zustände, die sich ja nicht über Nacht entwickelt haben, war sich Dr. Friedrich schon lange schmerzlich bewusst. Bereits 1996 hat er mit seinem Werk "Einer Neuen Wissenschaft den Weg bahnen!" (Abb. 2) ein eindringliches Plädoyer für die Abkehr von einer zur "Ersatzreligion" verkommenen, scientistisch und "neoscholastisch" gewordenen Schulwissenschaft mit einer "perfekten antihumanen Dogmatik" gehalten, und ein Bekenntnis zur "Notwendigkeit eines wissenschaftlichen Pluralismus" und zur Wiederherstellung "wissenschaftlicher Meinungs- und Publikationsfreiheit" abgelegt, das heute aktueller ist denn je.

Wer mehr über Dr. Friedrichs Wissenschaftsverständnis erfahren will, möge besagtes Buch von ihm lesen, oder auch den Nachruf auf ihn, den sein langjähriger Freund und Wegbegleiter, der Historiker Dr. Wilhelm Kaltenstadler, im Februar 2016 auf Atlantisforschung.de veröffentlichte. Für englischsprachige Interessenten empfielt sich auch ein Blick in die von mir verfasste Laudatio anlässlich der Verleihung des Barry Fell-Awards der Midwestern Epigraphic Society für das Jahr 2008 (Abb. 3) an Dr. Friedrich. Dies war übrigens eine Würdigung, die ihn, obwohl er sich - bescheiden, wie er nun einmal war - ansonsten rein gar nichts aus Orden, Preisen und anderen offiziellen Ehrungen machte, ungemein erfreut hat. Immerhin war er persönlich mit Barry Fell (1917-1994) befreundet und trug u.a. als Fellow der MES dazu bei, dessen Arbeit weiter fortzuführen.

Abb. 3 Der an Dr. Friedrich verliehene Barry Fell Award für das Jahr 2008

Durch seine engen Beziehungen zu namhaften Persönlichkeiten der 'alternativen' Forscherszene öffnete er mir Türen und machte mich mit Menschen bekannt, die für meinen weiteren Werdegang als Privatforscher und Publizist bedeutsam werden sollten. Explizit nennen möchte ich hier Dr. Dominique Görlitz (der, als wir uns kennen lernten, freilich noch nicht promoviert hatte). Horst Friedrich und Dominique Görlitz waren beide mit dem berühmten norwegischen Forschungsreisenden und Experimental-Archäologen Thor Heyerdahl (1914-2002) befreundet, und mein Lehrer und Mentor betrachtete Dominique als Heyerdahls vielversprechendsten Schüler und legitimen Nachfolger. Kein Wunder also, dass er den Thüringer Privatforscher und mich 'an einen Tisch bringen' wollte, was auch bestens funktioniert hat: Uns - Dominique und mich - verbindet seit längerem eine mit den Jahren gewachsene Freundschaft und ein enge, kollegiale und produktive Kooperation, vor allem hinsichtlich unserer komplementären Studien und Forschungen in Sachen Kulturdiffusionismus.

Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch Dr. Friedrichs engagierte Unterstützung bei der Konzeption und Entwicklung der Projekts Atlantisforschung.de in seiner heutigen Form. Um es kurz zu machen: Wenn ich diese Webseite mit einigem Stolz als mein populärwissenschaftliches 'Baby' betrachte, so kommt Horst Friedrich, um in diesem Bild zu bleiben, das Verdienst zu als dessen 'Geburtshelfer' oder 'Hebamme' fungiert zu haben. Natürlich haben eine ganze Reihe von Leuten wichtige Beiträge zum Werden dieses Portals geleistet, aber ohne Dr. Friedrichs engagierte fachliche Langzeit-Unterstützung im Verlauf unseres ca. fünfjährigen Planungs- und Aufbau-'Marathons' (von 2004 bis 2009) wäre Atlantisforschung.de niemals zu dem geworden, was es heute ist! Auch dafür gebührt ihm meine dauerhafte Dankbarkeit.

Somit war es für mich selbstverständlich, die Möglichkeiten von Atlantisforschung.de auch dafür zu nutzen, Dr. Friedrichs interdisziplinäres und vielschichtiges, auf zahlreiche internationale Periodika (darunter viele, z.T. längst eingestellte und kaum noch greifbare Klein-Publikationen) verteiltes Gesamtwerk so weitgehend wie möglich zusammenzustellen und einem interessierten Publikum in toto kostenfrei zugänglich zu machen. Diese Idee gefiel ihm außerordentlich, denn obwohl er selber nie einen Computer besaß oder benutzte, war sich Horst Friedrich der Bedeutung des Mediums Internet voll bewusst und erkannte die Chance, auf diesem Weg ein breiter gestreutes Publikum ansprechen zu können. So konzipierten wir gemeinsam das im April 2010 eröffnete Dr. Horst Friedrich Archiv bei Atlantisforschung.de, dessen erfolgreiche Umsetzung ihm großes Vergnügen bereitete. In diesem Zusammenhang ist auch Gernot L. Geise vom EFODON e.V. zu erwähnen, der dankenswerter Weise dafür gesorgt hat, dass in diesem Online-Archiv auch zwei von Dr. Friedrichs wichtigsten Buchveröffentlichungen in digitaliserter Form frei abrufbar sind, nämlich sein oben bereits erwähntes Werk "Einer Neuen Wissenschaft den Weg bahnen!" und sein 1998 erstveröffentlichter Titel "Erdkatastrophen und Menschheitsentwicklung - Unser kataklysmisches Urtrauma".

Der Nachwelt erhalten geblieben ist auch Dr. Friedrichs umfangreiche Privatbilbliothek mit zum Teil schon vor Jahrzehnten erschienenen, heute nicht mehr (oder kaum noch) beschaffbaren Titeln. Der wissenschaftliche Bereich dieser - in ideellem Sinne überaus wertvollen - Sammlung, der mir nach seinem Tod von seiner Tochter Eva-Maria Friedrich übereignet wurde, befindet sich heute, behütet von Dominique Görlitz, in den Räumlichkeiten der ABORA-Dauerausstellung in der Zentralwerkstatt Pfännerhall, Braunsbedra (Sachsen Anhalt), wo er seiner Katalogisierung harrt. Später wird die Sammlung vermutlich den Grundstock der wissenschaftlichen Bibliothek des geplanten ABORA Science Centers im derzeit in Umbau befindlichen Areal Stalburc/Hoheneck bilden und damit wieder der Forschung zur Verfügung stehen - was sicherlich ganz im Sinne des Erblassers wäre.


Krefeld, den 25. Dezember 2019

Bernhard Beier


Anmerkungen und Quellen

Red. Hinweis: Dieser Beitrag konnte aus technischen Gründen leider erst am Freitag, den 27. Dezember 2019 hochgeladen werden.

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