ATLANTIS WAR SIZILIEN - Vom Mythos zur Realität - Teil II

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von unserem Gastautor Axel Hausmann

5. Atlantis war Sizilien

Durch Zufall stieß ich auf der Suche nach einer sehr alten Zivilisation auf Atlantis. Ich forschte nämlich nach einer neolithischen Gemeinschaft, die vor mehr als 5.000 Jahren existiert haben musste, wenn eine von mir aufgestellte Hypothese zur Baugeschichte der Frühzeit richtig sein sollte. Im Rahmen von baugeschichtlichen Studien hatte ich herausgefunden, dass die Menschen über Jahrtausende hinweg ihre Tempel nach einem ganz bestimmten System geplant hatten, dessen unveränderliche Grundidee die Benutzung einer Sequenz von Zahlen war, welche die Proportionen des menschlichen Körpers abbildet.

Abb. 1 Diese 10 cm große Terracotta-Statue wurde im "Sanktuarium" der Fundstätte von Hal Saflieni auf Malta entdeckt. Sie zeugt vom hohen Entwicklungsstand der Megalithkultur.

Die ältesten, mir zunächst bekannten Bauwerke, die diese Folge von „Heiligen Zahlen“ widerspiegeln, waren die megalithischen Tempel auf der Insel Malta. Ich vermutete, dass man dieses Zahlensystem dort erfunden, oder besser gesagt, entdeckt hatte. Diese Feststellung erwies sich als Problem, da das Alter der maltesischen Bauten nach den neuesten naturwissenschaftlichen Datierungen größer ist als das der frühesten Steintempel in Mesopotamien oder jener des Alten Reichs in Ägypten, wo dasselbe Planungssystem in identischer Form erst einige Jahrhunderte später nachzuweisen war.

Ich fragte mich deshalb, ob bereits im 4. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung eine hoch entwickelte Zivilisation im westlichem Mittelmeerraum bei Malta existiert haben könnte, deren Menschen aus mir noch unbekannten Gründen nach Osten gezogen waren, wobei sie das Wissen von den „Heiligen Zahlen“ dorthin mitgenommen hatten. Sollten sie dadurch vielleicht erst jene Entwicklungen ausgelöst haben, die auf Kreta, im Land Sumer zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris, sowie in Ägypten am Unterlauf des Nils die Hochkulturen entstehen ließen, die man bisher als die ältesten angesehen hat?

Es lag nahe, dass ich bei meiner Fahndung nach einer Ur-Zivilisation auf die Kultur der Atlanter als mögliche Erklärung meiner Befunde stieß. Auf der Suche nach möglichen Spuren der untergegangenen Zivilisation fing ich an, Quellen zu studieren und zielgerichtet nachzuforschen, ob sich Atlantis auch zwischen Süditalien und Nordafrika ansiedeln ließe, eben dort wo es nach Platons Angaben gelegen hatte.

Meine Hypothese besaß von Anfang an einen großen Vorteil gegenüber anderen, weil sie von der Überlegung ausging, dass atlantische Schiffe vor der Flut ins östliche Mittelmeer entkommen konnten. Dabei war es plausibel anzunehmen, dass die Flüchtlinge in Kreta, an der syrischen Küste und im Nildelta an Land gegangen wären. Da Atlantis zudem die erste Hochkultur der Menschheit gewesen sein sollte, der es gelungen war, entfernt liegende Gebiete zu unterwerfen, bevor ihr Kerngebiet durch eine Flutkatastrophe zerstört wurde, konnte ich hoffen, auch in den unzerstörten Randgebieten Hinterlassenschaften zu entdecken, die auf Atlantis verwiesen. Hinzu kam, dass atlantische Flüchtlinge durch die Katastrophe unfreiwillig zu den Gründern neuer Hochkulturen im östlichen Mittelmeerraum geworden sein könnten. Wenn meine Überlegungen richtig waren, dann mussten sich auch in diesen Gebieten Spuren finden. Einwanderungswellen in den genannten Gebieten engen den in Frage kommenden Zeitraum übrigens auf die Jahre um -3500 ein.

Abb. 2 Besonders im westlichen Mittelmeerraum muss die Katastrophe mit Flutbergen von etwa hundert Metern Höhe über den alten Kulturaum hereingebrochen sein. Hier die künstlerische Darstellung eines solchen Szenarios.

Um die Hypothese zu erhärten, Atlantis sei identisch gewesen mit der Insel Sizilien, muss zuerst geklärt werden, was es mit den quantitativen Aussagen in Platons Dialogen auf sich hat. Neben der Lokalisation der Insel ist nämlich die zeitliche Einordnung der atlantischen Kultur und deren Untergang durch eine Flutkatastrophe von entscheidender Bedeutung. Allen Atlantisforschern, die sich vor mir mit diesem Problem befasst haben, bereiteten gerade die diesbezüglichen Aussagen im Atlantisbericht großes Kopfzerbrechen.

Platon schreibt zu diesem Punkt (Timäus 24a), der Untergang von Atlantis habe 9.000 Jahre vor dem Besuch Solons in Ägypten stattgefunden. Nähme man nun einfach an, diese Zeitangabe bedeute dasselbe, was wir heutzutage unter einem Jahr verstehen, so müsste sich das Ereignis vor rund 11.500 Jahren zugetragen haben. Damit befände man sich aber in jener Epoche, in der ein bedeutender Teil Europas noch unter gewaltigen Gebirgen aus Eis begraben lag. Damals gab es mit Sicherheit noch keine städtische Zivilisation, da nur eiszeitliche Jäger die Gebiete im Süden Europas rings ums Mittelmeer bevölkerten.

Vielleicht war dem Philosophen selbst nicht bewusst, dass er uns den Schlüssel zur Deutung seiner Zeitangaben an einer anderen Stelle seines Textes vermittelt: Er erzählt nämlich, die Gründung der Stadt Saïs habe 8.000 „JAHRE“ vor dem Besuch Solons stattgefunden. Da aus der ägyptischen Frühgeschichte mit großer Genauigkeit bekannt ist, dass die wichtigsten Stadtgründungen im Gebiet des Nildeltas nicht lange vor dem Beginn der I. Dynastie um das Jahr -3200 erfolgten, und da sich Solon gegen -570 in Ägypten aufhielt, lässt sich leicht ausrechnen, welchen Zeitraum die Angabe 1 „JAHR“ tatsächlich umfasste. Es muss nämlich gelten:

1 „JAHR“ = 365 x (3200 - 570) : 8.000 Sonnenjahre = 120 Tage, sofern man bei dieser Berechnung für ein Sonnenjahr eine Dauer von 365 Tagen zu Grunde legt. Das heißt, dass die Zeitangabe der ägyptischen Priester sich zwar auf ein „JAHR“ bezog, damit jedoch nicht ein Sonnenjahr von 365 Tagen Dauer, sondern ein kürzerer Zeitabschnitt von nur 120 Tagen gemeint war. Er entspricht exakt der Länge von einer der drei Jahreszeiten, in die das altägyptische Landwirtschaftsjahr unterteilt wurde.

Somit errechnet sich für den Untergang von Atlantis, der sich 9.000 „JAHRE“ vor Solons Besuch ereignet haben soll, nach unserem heutigen Zeitmaß das Kalenderjahr -3528 = {(-3200 + 570) x (9.000 : 8.000)} - 570 und damit ein Zeitpunkt ungefähr in der Mitte des 4. Jahrtausends vor unserem Kalenderbeginn.

Abb. 3 Das ägyptische "Landwirtschafts-" oder "Saisonjahr" richtete sich nach den Erntezeiten, die sich nach den periodischen Nil-Überschwemmungen ausrichteten.

Platons Text ist zu entnehmen, dass auch die anderen quantitativen Aussagen solche Maße wiedergeben, die in jener Epoche am Nil in Gebrauch waren, als die ägyptischen Aufzeichnungen entstanden. Nach Platon sah sich Solon gezwungen, Personennamen in den Ausführungen des Priesters in solche Ausdrücke zu übertragen, die den Griechen in seiner Heimat bekannt waren. In gleicher Weise dürfte Solon mit den ägyptischen Maßangaben umgegangen sein, die er in Längenangaben übertrug, die in seiner Heimat Griechenland verständlich waren. Vermutlich setzte Solon die ägyptische Einheit 1 KHET = 100 Ellen mit dem griechischen Längenmaß 1 STADION gleich. Wegen der Relation 1 STADION 1 3½ KHET liefert eine Umrechnung von Maßangaben der Einheit STADION in metrische Maße erheblich zu große Abmessungen. Wie bei den Zeitangaben mit der Ersetzung von „JAHREN“ durch Jahreszeiten, so löst sich dieses Problem aber auch bei den Längenangaben in einfacher Weise, wenn man statt eines STADION die Längeneinheit KHET mit annähernd 50 Metern Länge verwendet. Durch Solons Umdeutung der ägyptischen Maß- und Zeitangaben wurden Nachforschungen bisher offenbar in eine falsche Richtung gelenkt.

Das bedeutsamste Missverständnis hängt allerdings mit der Umdeutung des ägyptischen Namens für das untergegangene Inselreich zusammen. Die Ägypter nannten die Insel Sizilien wegen des Vulkans Ätna Keftiu. Hier befand sich eine der vier Säulen, die nach jungsteinzeitlicher Überlieferung den Himmel trugen. Im Tempel von Medinet Habu findet sich sogar ein Hinweis auf den Untergang einer großen Insel, die von Völkern aus dem Norden Ägyptens bewohnt gewesen war. Dort heißt es: „Die Macht des Weltmeers brach aus und verschlang in einer großen Woge ihrer Städte und Dörfer. Das Haupt ihrer Städte ist untergegangen. Ihr Land ist nicht mehr.

Andere alte Völker am Mittelmeer besaßen ebenfalls ein Wissen vom Untergang einer Insel im Westen des Meeres, die unter dem Namen Kaphtor die Heimat der Philister gewesen sein soll.

Abb. 4 Atlas, der Titan, stützt in der Mythologie den Himmel. Die meisten antiken Abbildungen zeigen ihn fälschlicherweise mit dem Globus auf seinen Schultern.

Solon bezog die ägyptische Bezeichnung Keftiu allerdings nicht auf die Insel Sizilien, sondern brachte sie in Verbindung mit dem griechischen Mythos vom Titanen Atlas, weil auch dieser den Himmel stützte. Er gab der Insel mit der Weltsäule deshalb den griechischen Namen Atlantis in der Bedeutung Insel des Atlas. Damit war aus der ägyptischen Bezeichnung Keftiu eine völlig unbekannte Landschaft geworden, nämlich die der untergegangenen Insel Atlantis. Das geschah, obwohl die Insel Sizilien den Hellenen zu Solons Lebzeiten natürlich wohlbekannt war, weil es dort zahlreiche griechische Kolonien gab.

Auffällig ist, dass auch Platon gleichsam den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Er selbst war mehrfach in Sizilien gewesen und musste daher eigentlich merken, dass mit der Insel Atlantis, die nach dem Bericht des Solon zwischen Süditalien und Nordafrika gelegen haben sollte, nur Sizilien gemeint sein konnte, das er selbst gut kannte.

Es gibt jedoch eine Erklärung für Platons Unverständnis: Der Philosoph wusste natürlich, dass die Welt nicht bei Sizilien endete und dass dort nicht der Okeanos floss, sondern dass sich das Meer dort überhaupt nicht unterschied von jenem in seiner Heimat Griechenland. Sizilien konnte deshalb nicht Atlantis sein! Alles Wissen um eine ehemals bestehende jungsteinzeitliche Gesellschaft im westlichen Mittelmeer war für die Hellenen längst mythisch verklärt und der Philosoph verband diese Mythen keinesfalls mit einem realen, historischen Hintergrund. Warum sollte er das auch tun, wo er doch nichts davon wusste, dass die Zeitangaben im Manuskript des Solon auf einer anderen Einteilung des Jahres beruhten. Die Ereignisse lagen damit gar nicht so weit zurück und waren zudem vielleicht gar nicht so unglaubwürdig, wie es ihm erscheinen musste.

Der Mythos von Herakles zeigt, dass die Insel des Sonnengottes bei Sizilien lag, wo sich auch der Garten der Hesperiden befand. Wie man aus der „Odyssee“ erfährt, galt die Insel Sizilien zur Zeit der Entstehung des Epos einerseits noch als Insel des Sonnengottes und zugleich auch schon als Insel der Seligen, in deren Mitte der Zugang zur Welt der Toten lag. Hier stützte der mythische Atlas das Himmelsgewölbe. Für die Protogriechen war dort noch die bekannte Welt zu Ende und dort floss auch der Urstrom Okeanos.

Abb. 5 Atlantischer Kulturkreis gegen -3500 mit Kolonien und vermutlich Fluchtwegen von Sizilien über See nach Kreta, Ägypten und Syrien. (Karte: A. Hausmann)

Sofern wir Platon Glauben schenken, lag die Insel Atlantis im ausgehenden Neolithikum zwischen Mittelitalien und dem heutigen Libyen, also irgendwo im Umfeld von Sizilien. Dort muss man suchen, wenn man das untergegangene Reich der Frühzeit wiederfinden will. Wenn Solons Auskünfte richtig sind, dann muss hier, lange bevor es ein Volk der Hellenen gab, das Zentrum einer frühen Zivilisation gelegen haben. Deren Bewohner beherrschten dem Text zufolge lange vor dem Beginn der Bronzezeit ein großes Gebiet rings um das westliche Mittelmeer. Sie besaßen Kolonien im Westen und Norden Europas sowie in der Ägäis.

Die archäologische und baugeschichtliche Untersuchung der megalithischen Rundgräber im Westen Europas mit Hilfe des Systems der „Heiligen Zahlen“ zeigt, dass es seit dem 5. Jahrtausend eine fortschreitende Besiedlung der Küstenregionen Spaniens, Frankreichs, Englands und Irlands gegeben hat, die von Sizilien ausging und in der Mitte des 4. Jahrtausends abrupt abbrach. Danach lassen sich in Kreta, Zypern, Ägypten und Syrien über See einwandernde Volksgruppen nachweisen.

Mit großer Wahrscheinlichkeit kann man auf Grund dieser Argumentation Sizilien mit Atlantis und die Atlanter mit den Megalithbauern des westeuropäischen Kulturkreises sowie den Pelasgern der Ägäis gleichsetzen, deren kulturelles Zentrum um -3500 zu bestehen aufhörte. Die Flucht nach Osten erfolgte dabei wahrscheinlich nicht ins Unbekannte hinein, da die südliche Ägäis zum Kulturraum der Atlanter gehörte.

Abb. 6 Atlantische Krieger im Kampf - Schlucht von Gasulla (Ostspanien) - 5. Jahrtausend (Archiv A. Hausmann)

Die Ortsangabe „bei den Säulen des Herakles“ verweist auf die nordafrikanische Küste gegenüber von Sizilien. Solon wusste allerdings nicht, wo diese Landschaft lag und verlegte sie infolgedessen in den äußersten Westen der den Griechen bekannten Welt an. Solons mangelhaftes geografisches Wissen bewirkte so, dass die Hellenen die Insel Atlantis samt ihrer Lagebeschreibung bei den Säulen des Herakles mit der sagenhaften Insel der Seligen gleichsetzten und beide Eilande an den äußersten westlichen Rand der bewohnten Welt verlegten. Auch bei kritischer Betrachtung stimmen meine Interpretation der Orts- und Zeitangaben in Platons Büchern mit den geografischen Gegebenheiten und zugleich mit unserem heutigen Wissen über die Vorgeschichte der Menschheit im Mittelmeerraum überein.

Nachdem ich zusätzlich eine nachprüfbare geophysikalische Erklärung für den Untergang des Inselreiches Atlantis gefunden hatte, wurden mit einem Male viele vorher unklare Passagen in Platons Text verständlich. Es war so, als wenn man bei einem Puzzle plötzlich erkennt, welches Bild da zusammengesetzt werden muss. Mit diesem Wissen als Leitfaden wurde es immer einfacher, erfolgreich nach den Überresten der im Meer versunkenen Zivilisation von Atlantis zu suchen.

Vor wenigen Jahren gelang Geologen [1] im Schwarzen Meer der Nachweis, dass der Spiegel des Mittelmeers vor rund 6.000 Jahren in kurzer Zeit um mehr als hundert Meter angestiegen sein muss. Das war eine Spätfolge der durch die Eiszeit veränderten Struktur des Mittelmeers.

An seinem westlichen Ausgang bei Gibraltar unterbrach seit der Zeit der maximalen Vereisung eine Nehrung aus Sand die Verbindung zum offenen Atlantik, so dass ein Binnenmeer entstand, das teilweise austrocknete. Zahlreiche Landbrücken verbanden Europa mit Afrika und Asien und eine große Ebene erhob sich im Südosten von Sizilien über den damaligen Wasserspiegel. Dieser Zustand überdauerte noch einige Jahrtausende das Abschmelzen des Eises am Ende der letzten Eiszeit.

Abb. 7 Auch das Schwarze Meer erhielt vermutlich erst mit der rezenten Flutung des Mittelmeerbeckens seine heutige Gestalt.

Gegen Mitte des 4. Jahrtausends durchlebte das teilweise trockengefallene Binnenmeer eine äußerst labile Phase. Der Wasserspiegel des Atlantiks war nach dem Abtauen des Eises rund 200 m über den des Mittelmeeres angestiegen und drohte den Damm zu überfluten. Vermutlich wurde die Katastrophe durch eine sehr seltene Konstellation der Planeten unseres Sonnensystems ausgelöst. Zum einen herrschte an diesem Tag Neumond und zum anderen standen zusätzlich noch die Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn so, dass sie von der Erde aus betrachtet annähernd eine Linie mit dem Mond und der Sonne bildeten. Eine solche Konstellation nennen die Astronomen eine große Konjunktion der Himmelskörper, die stets mit einer starken Springflut verbunden ist.

Nachdem die hohen Wellen des Atlantik die ersten Breschen in das Bollwerk geschlagen hatten, überschwemmten die Wogen den Sperrriegel aus Sand bald vollends. Nun stürzten die Wassermassen in das tiefer liegende Meeresbecken, wobei sie die Öffnung im Damm noch weiter aufrissen. Die Strömung entwickelte einen starken Sog, der den Sand des Dammes mit sich in die Tiefe riss. Der ohrenbetäubende Lärm des gigantischen Wasserfalls übertönte rasch das Heulen des Sturms und ließ die nachtschwarze Erde erzittern. Die Erschütterungen des Meeresbodens durch den Aufprall der Wassermassen dürften einem Erdbeben sehr ähnlich gewesen sein.

Schon nach wenigen Stunden war das Loch im Damm auf eine Breite von rund 10 Kilometern und auf eine Tiefe von fast 200 Metern angewachsen, durch das nun die Fluten ins Mittelmeer strömten. Man kann leicht ausrechnen, dass die Geschwindigkeit, mit der die Wellen nach dem Auftreffen des herabstürzenden Wassers über das Meer nach Osten liefen, anfangs mehr als 150 km/h betrug. Täglich ergossen sich so fast 13.000 Kubikkilometer Wasser in das Mittelmeerbecken. Es dauerte knapp zwei Monate, bis dort der Wasserstand dieselbe Höhe erreicht hatte wie bei den übrigen Weltmeeren. Täglich stieg der Meeresspiegel um rund 4 Meter an.

Abb. 8 Nach dem vermuteten Dammbruch bei Gibraltar dürfte es nur etwa 25 Stunden gedauert haben, bis die erste Flutwelle die Ostküste des Mittelmeers erreicht hatte.

Bei einer Geschwindigkeit von 150 km/h dauerte es nur 25 Stunden, bis die erste Flutwelle die Ostküste des Mittelmeers in einer Entfernung von 3.750 km von Gibraltar erreicht hatte. An einem einzigen Tag und in einer einzigen Nacht veränderten sich rings um das Mittelmeer die Küstenlinien grundlegend, da das Festlandsschelf überflutet und alle küstennahen Siedlungen dadurch vernichtet wurden. Bevor die zerstörerischen Wellen im Osten ankamen, waren sie schon als ein wahrhaftiges Gebirge aus Wasser gegen die Westküsten von Sizilien, Sardinien und Korsika geprallt. Noch Hunderte von Metern oberhalb des Meeresspiegels hatten sie dort das Land verwüstet, bevor sie auch gegen die Küsten Italiens brandeten. Schon nach wenigen Tagen wurde die Straße von Messina überflutet und Sizilien war zu einer Insel geworden, die beidseitig von einer reißenden Strömung umflossen wurde. Die Insel lag nun tatsächlich in der Mündung eines gewaltigen Stromes.

Nach etwa sechs Wochen hatte sich bei den Dardanellen durch den Anstieg des Wassers eine Wasserstraße gebildet, die Europa und Kleinasien voneinander schied. Die weiten Ebenen im Norden Griechenlands waren zu seitlichen Armen des Ägäischen Meers geworden und trennten die Finger der Halbinsel Chalkidike: Das Meer hatte die Berge Thessaliens gespalten. Westlich von Attika überflutete das Wasser die Ebene, die heute den Meeresboden des Saronischen Golfes bildet.

Dieses Szenario vom Volllaufen des Mittelmeers beschreibt genau, was sich nach Aussage der ägyptischen Priesterschaft zugetragen haben soll. Unter anderem gilt das auch für eine Taumelbewegung der Erdachse, die sich als Reaktion der Erde auf die Verlagerung einer großen Wassermenge aus dem Atlantik ins Mittelmeer ergab. Die scheinbare Spiralbewegung des Himmelspols beeindruckte die Menschen so sehr, dass die Abbildung der Spirale nach der Mitte des 4. Jahrtausends gleichsam zu einem Fingerabdruck des atlantischen Kulturkreises wurde.

Abb. 9 Spiralen mit Paddelboot auf einem astronomischen Spiegel. Insel Syrus, Ende 4. Jahrtausend. (Archiv A. Hausmann)

Da die Ebene von Atlantis im Meer versunken ist, können wir nicht erwarten, heute noch ohne weiteres Überreste der untergegangenen Kultur in Sizilien zu finden, da das ursprüngliche Atlantis heute von annähernd 100 Metern Wasser bedeckt ist.

Folgen wir den geografischen Angaben des Textes, so müssen wir im Süden von Sizilien nach einer großen Ebene suchen, die sich heute jedoch unter dem Meeresspiegel befindet. Es gibt sie tatsächlich im Süden von Sizilien, wo sie nahe der Stadt Siracusa (Syrakus) beginnt und sich von der Südostecke Siziliens über mehr als hundert Kilometer Länge ins offene Meer erstreckt; im Südwesten reicht sie hinüber nach Malta. An ihrem Rande fällt diese Ebene, das so genannte „Plateau von Malta“, überall steil ab und die Wassertiefe beträgt schon wenige Kilometer weiter östlich mehr als 1.000 Meter. Es handelt sich also bei diesem ebenen Terrain offenkundig um einen überfluteten Teil des Schelfgebiets von Sizilien.

Im Durchschnitt beträgt die Wassertiefe heute 135 Meter, wobei die versunkene Ebene von Süden her langsam um rund 30 Meter nach Norden zu ansteigt, so dass dort die Tiefe zur Zeit etwa 100 Meter beträgt. Als einst der Meeresspiegel mehr als 200 Meter tiefer lag, erhob sich diese Ebene mit einer steil aufsteigenden Küstenlinie aus dem Meer, genau so wie es der Atlantisbericht behauptet. Im Norden wird diese Ebene von den Bergen im Süden Siziliens begrenzt, die das Land gegen Nordwinde abschirmen. Obwohl die Insel Sizilien seit der Antike abgeholzt ist, gibt es immer noch einige kleinere Flüsse, die von den Bergen nach Süden ins Meer fließen. In noch viel stärkerem Maße müssen sie einst Wasser geführt haben, als noch ausgedehnte Wälder das Land bedeckten und die Niederschläge speicherten, die aus den an den Bergen aufsteigenden Wolken niedergingen.

In ihrer Nordsüdausdehnung misst die oben genannte Ebene ungefähr 150 km, in Ost-West-Richtung hingegen rund 100 km. Berücksichtigt man den Umrechnungsfaktor von 180 / 50 1 3½ bei den Längenangaben der Ebene im Atlantisbericht, so ergibt sich eine geradezu verblüffende Übereinstimmung zwischen dem Text Platons und der Ausdehnung des Plateaus von Malta. Diese Ebene wurde durch ein kunstvolles Grabensystem künstlich bewässert, von dem sich Überreste auf der Insel Malta erhalten haben.

Abb. 10 Die Großinsel Sizilien-Malta mit der vermuteten Ebene von Atlantis vor der Flut. Karte: A. Hausmann

Wenn wir den Hauptort der Insel Atlantis finden wollen, dann müssen wir nach einer kreisförmigen Struktur am Rande der atlantischen Ebene im Südosten Siziliens suchen. Bei den Koordinaten 36°45‘ Nord - 15°18‘ Ost erhebt sich tatsächlich recht genau im Zentrum der sizilianischen Ostküste eine kreisförmige Formation, deren Abmessung mit den Angaben bei Platon übereinstimmten, sofern man die Ausdehnung Siziliens vor der Überflutung der großen südöstlichen Ebene zu Grunde legt. Die Stadt war demnach ringförmig von Wassergräben umgeben, die als astronomisches Observatorium zur Messung des Sonnenstandes sowie zur Festlegung des Kalenders benutzt wurden.

Die Atlanter waren ein Ableger der jungsteinzeitlichen Gesellschaft von Ackerbauern, die seit dem 8. Jahrtausend auf dem nördlichen Balkan entstanden war. Durch ein schnelles Bevölkerungswachstum bedingt, mussten von Beginn an immer neue Gruppen von Bauern ihre Heimat auf der Suche nach Siedlungsland verlassen. Im 6. Jahrtausend wurde auch die atlantische Ebene im Süden von Sizilien besiedelt. Hier wurde die Bewässerungslandwirtschaft erfunden, die es ermöglichte zwei Ernten pro Jahr einzubringen. Dadurch nahm die Produktion von Nahrungsmitteln zu, bevor das Bevölkerungswachstum auf der Insel erneut an seine Grenzen stieß. Unter dem Druck der Überbevölkerung gründeten die Atlanter außerhalb ihrer Heimatinsel Kolonien. Zu diesem Zweck bauten sie hochseetüchtige Boote, mit denen sie alle Länder rings um das westliche Mittelmeer erreichen konnten. Sie drangen auf ihren Expeditionen über See bis nach Irland, Britannien und Südschweden vor.

In der atlantischen Ackerbaugesellschaft entwickelte sich während der Jungsteinzeit zum ersten Mal eine in Kasten von Kriegern, Priestern, Handwerkern und Bauern gegliederte Gesellschaft. An deren Spitze stand ein Priesterkönig als Stellvertreter des Himmelsgottes. Die Atlanter schufen erstmals eine Schrift und eine einfache Mathematik als Grundlage einer Buchhaltung für die Tempelwirtschaft. Außerdem existierte in Atlantis schon eine differenzierte Vorstellung vom Wesen der Götter.

Abb. 11 Die Stadt Atlantis im Norden des Plateaus von Malta. Küstenlinie vor dem Wiederanstiegs des Meeresspiegels. Karte: A. Hausmann

Eine wesentliche Stütze meiner Atlantishypothese stellt die Annahme dar, zahlreichen Atlantern sei es zu Beginn der Überflutung der atlantischen Ebene auf hochseetüchtigen Schiffen gelungen, über das Meer zu entkommen. Wenn diese Überlegung richtig ist, dann müssen diese Boote nach Osten gefahren sein, da Meerwasser von Westen her als starke Strömung um Sizilien herum ins östliche Becken des Mittelmeers einfloss. Falls die Flucht gelang, konnten die Atlanter nur in Kreta, Ägypten oder Syrien an Land gegangen sein. Ich durfte daher annehmen, dass in diesen Regionen möglicherweise noch Überreste dieses Unternehmens zu finden wären.

Eine Untersuchung neolithischer Abbildungen in Oberägypten und auf Santorin [2] deckt dazu erstaunliche Einzelheiten auf. Zu sehen sind dort große, hochseetüchtige Boote mit Besatzungen von mehr als hundert Seeleuten. Die Schiffe wurden durch Paddel angetrieben und zeigen einen Schiffstyp mit hochgezogenem Bug und Heck. Die abgebildeten Szenarien erzählen von der Flucht aus Atlantis und von der Invasion fremder Krieger in Ägypten.

Mit dem Diskus von Phaistos (Abb. 13) gelangte wahrscheinlich das älteste erhaltene Schriftdokument der Menschheit mit atlantischen Flüchtlingen nach Kreta. Durch Piktogramme wird darauf der Befehl eines Priesterkönigs verkündet, nach dem sich die Bevölkerung auf die Flucht mit Schiffen vorbereiten soll. Die Schriftzeichen zeigen eine starke Verwandtschaft mit Bildzeichen aus den Anfängen der ägyptischen und sumerischen Hieroglyphenschrift vom Ende des 4. Jahrtausends.

Abb. 12 Flucht aus Atlantis. Fries im Westhaus von Akrotiri/Santorin. (Archiv A. Hausmann)

Zahlreiche pelasgische Kultbecher sowie goldene Schmuckstücke aus Grabfunden bilden ab, was Platon von Atlantis erzählt und Felsbilder aus Ostspanien und aus Nordafrika aus jener Epoche zeigen uns die überlegene Militärtechnik der Atlanter.

Unvermittelt und zeitgleich traten nach der Mitte des 4. Jahrtausends in Ägypten und im Zweistromland neue Kulturstufen mit einer Erweiterung der bis dahin vorhandenen Techniken ins Licht der Geschichte. Das äußerte sich unter anderem in der Einführung einer piktografischen Schrift, im Wandel des Totenkultes, im Auftreten von Rollsiegeln sowie in der Einführung der sich schnell drehenden Töpferscheibe und des Ackerbaus auf bewässerten Feldern. Die plötzliche Verwandlung der Gesellschaft folgte in Mesopotamien dem gleichen Schema wie in Ägypten.

Abb. 13 Auf beiden Seiten des "Diskus von Phaistos" (Kreta, vermutl. 4. Jahrtausend v. Chr.) wurden Bildzeichen eingeprägt.

Fachgelehrte schreiben diesen Strukturwandel der Einwanderung neuer Völker zu. Im Irak werden die Einwanderer als Sumerer bezeichnet, nach ihrem Siedlungsgebiet Sumer am Zusammenfluss der Flüsse Euphrat und Tigris. Die Volksgruppe gehörte nicht zu den Semiten, die als Nomaden die angrenzenden Steppengebiete besiedelten, sondern kam ganz eindeutig als Einwanderer in das Land zwischen den beiden großen Strömen. Bisher konnte man allenfalls darüber spekulieren, woher diese Menschen ursprünglich stammten. Nach allem, was ich bisher für die Existenz eines atlantischen Volkes und seinen Exodus über das Mittelmeer angeführt habe, kann der Leser die Vermutung wahrscheinlich nachvollziehen, dass es sich bei den Sumerern ebenfalls um eine Gruppe von Boots-Flüchtlingen aus Sizilien gehandelt haben dürfte.

Zahlreiche Mythen aus Nordeuropa, Irland, Mesopotamien, Griechenland und Ägypten berichten von der Erinnerung der Menschheit an den Untergang der atlantischen Kultur auf Sizilien. Solche Mythen finden sich unter anderem in der Edda, der Odyssee, der Argonauten-Sage, der griechischen Göttergeschichte oder der Herakles-Sage. Sie wurden in den Gebieten überliefert, die als Kolonien während der Blütezeit von Atlantis abhängig waren. Erst durch die großen Völkerwanderungen in Europa, die am Ende des 3. Jahrtausends einsetzten, gingen der atlantische Kulturkreis in Westeuropa sowie die Kultur der Pelasger in der Ägäis endgültig unter.

Der Anstieg des Wasserspiegels im Mittelmeer löste als Folgewirkung um -3400 Vulkanausbrüche im Mittelmeerraum, in Anatolien und im Kaukasusgebirge aus. Heftige Schlammregen gingen daraufhin nieder, überfluteten Mesopotamien und zerstörten die sumerischen Städte. Diese Naturkatastrophe schlug sich im Bericht von der Sintflut nieder.

Ich bin sicher, dass man Atlantis östlich von Syrakus finden wird. Zum ersten Mal liegt mit meiner Atlantistheorie nämlich ein Konzept vor, das nicht nur in völliger Übereinstimmung mit Platons Text steht, sondern durch materielle Objekte, durch schriftliche Überlieferung in Ägypten und Griechenland sowie durch den Inhalt zahlloser europäischer Mythen bestätigt wird.


Anmerkungen und Quellen

  1. Fleming, Burkhard: Der Spiegel, Heft Nr. 50, 2000
  2. Hausmann, Axel: Der Diskus von Phaistos, Norderstedt 2002


Bild-Quellen

(1) http://www.paleologos.com/malta.htm

(2) http://de.geocities.com/anubiscly/

(3) http://www.thewaterpage.com/photos/sudan-Nile%20Confluence.jpg (nicht mehr online)

(4) http://www.ddg.com/LIS/InfoDesignF97/car/Plato1b.htm

(5) Archiv Axel Hausmann

(6) ebd.

(7) http://plato-dialogues.org/tools/images/bigmaps/east_med.gif

(8) http://www.mgm.musin.de/projekte/elba/mittelmeer/karte_g.jpg (nicht mehr online)

(9) Archiv Axel Hausmann

(10) ebd.

(11) ebd.

(12) ebd.

(13) http://www.antikefan.de/kulturen/Minoisch.html