Anomalistik als 'Hilfswissenschaft' der Atlantisforschung

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Abb. 1 Roger W. Wescott (1925-2000), von Beruf Anthropologe und ein überzeugter Anhänger des Katastrophismus, prägte 1973 den Begriff 'Anomalistik', die er als "ernste und systematische Untersuchung von allen Phänomenen" definierte, "welche nicht in unser Bild von der Wirklichkeit passen, wie es uns [...] die bekannten Wissenschaften vermitteln."

(bb) Gleich in doppelter Hinsicht als 'Hilfswissenschaft' [1] von Atlantisforschung, Primhistorik und anderen verwandten, zumindest in Teilen oder Aspekten als grenzwissenschaftlich (oder präziser formuliert: als kryptowissenschaftlich) einzuordnenden Forschungsgebieten darf die junge, transdisziplinäre Forschungsrichtung der Anomalistik gelten.

So stellt die moderne, ebenfalls transdisziplinär operierende, Atlantologie sich nicht zuletzt durch den für sie charakteristischen Lehrmeinungs- und Theorienpluralismus sowie aufgrund ihrer paradigmatischen Diversität im Vergleich zu universitären 'Normalwissenschaften' als veritable Anomalie dar, zu deren differenzierter Betrachtung und Untersuchung die Anomalistik weitaus eher qualifiziert erscheint, als jede einzelne der zahlreichen, paradigmatisch "nivellierten", universitären Fachwissenschaften (etwa Geschichtswissenschaften/Archäologie, Geologie, Ethnologie, Paläo-Anthropologie etc.), die sich mit atlantologischer Forschung thematisch überschneiden.

In fachwissenschaftlichen Kreisen sehen deren Angehörige sich leider nicht selten in einem - de facto - Konkurrenzverhältnis [2] zur Atlantologie, und tendieren dazu, sie mit einer Mischung aus "Konservativismus und Hyper-Kritizismus, oder [...] auf geringer Datenlage und den theoretischen Vorstellungen einer einzelnen Fachwissenschaft, oder sogar nur einer Schule von Forschern basierend", zu betrachten, wie der sowjetische Atlantologe Dr. Nikolai Zhirov 1970 feststellte, der zu dem Ergebnis kam: "Sehr regelmäßig werden in Forschungen oder Schlußfolgerungen dieser Art Fakten, die widersprechen könnten, vorsätzlich oder unabsichtlich ignoriert." [3]

Die Anomalistik hingegen, für welche die, sine ira et studio erfolgende, vorurteilsfreie Beschäftigung mit Phänomenen, "welche nicht in unser Bild von der Wirklichkeit passen, wie es uns [...] die bekannten Wissenschaften vermitteln" [4], eine zentrale Grundvoraussetzung für die systematische Untersuchung von Anomalien jeder Art darstellt, steht nicht nur in keinem derartigen 'Konkurrenzverhältnis' zu alternativen Ausformungen der Erd-, Menschheits- und Zivilisations-Geschichtsforschung (Atlantisforschung, Krypto-Anthropologie, Primhistorik, Paläo-SETI-Forschung etc.), sondern diejenigen, die sie betreiben, sind - da sie unabhängig von den Lehrmeinungen und Paradigmata der in unserem Kontext involvierten Fachwissenschaften agieren - weitaus weniger gefährdet, dem akademischen Atlantis-Mythos aufzusitzen, der seit inzwischen mehr als einhundert Jahren zur Diskreditierung und Ausgrenzung atlantologischer Forschung aus dem universitären Bezirk gedient hat.

Neben der Bedeutung, die konstruktive, explizit anomalistische Atlantologie-Kritik für den Entwicklungs- und Professionalisierungs-Prozess der Atlantisforschung (und zwar gleichermaßen in ihrer konventionellen, schulwissenschaftlichen wie auch in ihrer kryptowissenschaftlichen Ausformung) einnehmen kann, ist die Anomalistik aber auch in Bezug auf einzelne Forschungsbereiche und -probleme der Atlantologie als 'Hilfswissenschaft' von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Als wichtiges Beispiel sei hier nur die Krypto-Archäologie genannt, ein grenzüberschreitendes Forschungsgebiet, das sich - je nach Standort des Beobachters - sowohl als anomalistisches Spezialgebiet als auch als eines der alternativen, devianten Ur- und Frühgeschichtsforschung betrachten lässt.

Dabei kommt gerade Anomalistikern wie Charles Hoy Fort (dem "Vater der Anomalistik", 1874 - 1932) und später William R. Corliss (1926 - 2011) das Verdienst zu, zumindest außerhalb des wissenschaftlichen Establishments ein 'Problembewusstsein' dafür geschaffen zu haben, dass zahlreiche anomale archäologische Fundobjekte - so genannte 'archäologische Problematica' oder 'out of place objects' - existieren, die sich im Rahmen schulwissenschaftlicher Lehrmeinungen und Paradigmata nicht schlüssig erklären lassen. Jedenfalls erfüllen sowohl die Anomalistik als auch die grenzwississenschaftliche Krypto-Archäologie in dieser Beziehung die Funktion eines dringend notwendigen Korrektivs zur universitären, vordringlich an der Stützung und Untermauerung etablierter Lehrmeinungen und angeblich "gesicherter Erkenntnisse" orientierter, Vergangenheitsforschung. Dass eine Interaktion hier für beide Seiten - AnomalistikerInnen und alternative VergangenheitsforscherInnen - fruchtbar und hilfreich sein kann, erscheint nahe liegend, womit man nach Ansicht des Verfassers die Überschrift dieses Artikels auch durchaus umkehren könnte, um Atlantisforschung ergänzend als (mögliche) 'Hilfswissenschaft' der Anomalistik zu charakterisieren.


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Literaturhinweis

Daraus online:


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Nach der Definition von wissen.de / Bildung handelt es sich bei einer Hilfswissenschaft um "eine Wissenschaft, deren Ergebnisse und Methoden Hilfsmittel für eine andere Wissenschaft sind." Quelle: http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/bildung/studium/index,page=1122370.html
  2. Anmerkung: Wobei erschwerend hinzu kommt, dass Atlantisforscher, wie die Erfahrung zeigt, von Fachwissenschaftlern offenbar häufig als 'illegitime' und 'nicht zünftige' Konkurrenten, quasi als 'Wilderer' im eigenen Forschungsraum, betrachtet werden, mit denen man sich keinesfalls 'auf gleicher Augenhöhe' auseinandersetzen will.
  3. Quelle: Nikolai Zhirov, "Atlantis - Atlantology: Basic Problems", Progress Publishers, Moskau, 1970, S. 13
  4. Quelle: Roger W. Wescott, zitiert nach: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: Anomalistik (Stand: 01.05.2010)

Bild-Quelle:

1) The Velikovsky Encyclopedia, unter: Roger W. Wescott