Bernstein

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von Tony O’Connell

Abb. 1 Baltischer Bernstein im Naturzustand

Bernstein (Abb. 1) war bei den alten Griechen als Elektron bekannt, und ein alter Mythos besagt, dass er geschaffen wurde, als Phaëton über den Himmel fuhr. [1] In den germanischen Sprachen bedeutet sein Name „brennender Stein“. Seit dem Altertum wurde er aus Nordeuropa ins Gebiet des Mittelmeers gebracht. Jürgen Spanuth [2] war überzeugt, dass Bernstein tatsächlich dar Oreichalkos war, von dem Plato behauptete, es habe die Mauern von Atlantis geschmückt. Die Theorie von Spanuth basiert u.a. auf der Tatsache, dass Bernstein auch im Baltikum in großen Mengen gesammelt wurde sowie bei Eiderstedt, gegenüber Helgoland, wo, wie er überzeugt war, Atlantis zu finden sei. In der Antike stand Bernstein nach Gold gleich an zweiter Stelle. Obwohl die Standorttheorie von Spanuth sorgfältig diskutiert und anfangs gut aufgenommen wurde, hat sie in den letzten Jahren immer weniger Unterstützung erhalten.

Abb. 2 Eine Karte der Bernstein-Fundstätten in Europa

Meine anfängliche Reaktion auf die Vorstellung, dass Bernstein der Oreichalkos sei, war von Unglauben geprägt, aber dies wurde etwas gedämpft, als ich den folgenden Kommentar in Helen O’Clerys Buch The Pegasus Story of Atlantis las: „Den Alten war bekannt, dass Bernstein durch Hitze verflüssigt werden kann, und dass er durch Zugabe von Öl als Farbe verwendet werden kann“. [3]. Auch Spanuth vermerkte diese Verwendung von flüssigem Bernstein [4].

Ellis Peterson bemerkt [5], eine ägyptische Grabinschrift verzeichne, dass um 1500 v. Chr. die Haunebu, von denen er behauptet, sie seien die (Nord-) Seevölker, Thutmosis III. ein Geschenk von 8943 Pfund Bernstein geschickt haben. Es gab eine Reihe von Bernstein-Handelsrouten zwischen der Ostsee und dem Mittelmeer, die bis in die Mitte des vierten Jahrtausends v. Chr. zurückreichen. Bernstein-Perlen wurden in pharaonischen Gräbern gefunden. [6] Der Verkehr verlief offenbar in beide Richtungen, da 3.400 Jahre alte ägyptische Perlen in Dänemark entdeckt wurden, von denen man annimmt, dass sie "aus der Werkstatt stammen, welche die blauen Perlen herstellte, die mit dem berühmten Jungkönig Tutanchamun begraben wurden". [7]

Abb. 3 Ein Bernstein-Collier der Hallstatt-Kultur, das im heutigen Baden-Württemberg entdeckt wurde

Bernstein ist nicht nur an der Ostsee zu finden, sondern er kommt auch in Amerika, im Libanon, in Sibirien, in Australien und in Japan vor [8]. In der Dominikanischen Republik findet sich ein hoch geschätzter blau getönter Bernstein [9]. Während die baltischen Bernsteinvorräte zurückgegangen sind, wurde berichtet, dass dominikanische Bergleute 1966 unter nicht gerade idealen Bedingungen jeden Monat 4.000 Pfund Bernstein abbauten [10]. Heute ist Myanmar (Burma) die führende Bernsteinquelle, wo unter noch entsetzlicheren Bedingungen jedes Jahr 10 Tonnen davon gewonnen werden.

Abb. 4 Eine Bernstein-Kette aus dem alten Ägypten

Frank Joseph behauptet bei einem Versuch, seine Spekulationen über die mythische Elektra zu stützen [11], dass die Atlantikinseln der Azoren, Madeiras und der Kanaren eine der beiden Hauptquellen für Bernstein seien. Dies ist offensichtlich unzutreffend, wie eine umfassende Webseite [12] von Dr. Susan Ward Aber, einer Mineralogin an der Emporia State University, Kansas, zeigt. Bernsteinquellen weltweit sind dort aufgeführt, aber keine im Atlantik. Herr Joseph hat hierzu einigen Erklärungsbedarf.

Im August 2018 lieferte ein bei Plos One veröffentlichtes Papier der Universität Cambridge Beweise dafür, dass in Iberien gefundener Bernstein aus Sizilien stammte, und dies schon zweitausend Jahre bevor baltischer Bernstein ans Mittelmeer gelangte. Es zeigte sich auch, dass der sizilianische Bernstein nicht direkt nach Iberien kam, sondern über Nordafrika dorthin gelangte. [13]

Ein Bericht aus dem Jahr 2010 besagt, dass das 3.550 Jahre alte Skelett eines Teenagers, das 5 km von Stonehenge entfernt entdeckt wurde, mit einer Bernsteinkette geschmückt war, was auf seinen hohen Status hinweist. Vielleicht genauso interessant war, dass eine Untersuchung seiner Zähne ergab, dass er aus dem Mittelmeer-Raum stammte [14].

Über dreitausend Jahre später übereignete der König von Preußen Peter dem Großen von Russland ein Bernsteinzimmer, das schließlich aus 100.000 Einzelstücken im Katharinenpalast in Puschkin bei Sankt Petersburg installiert wurde. Es wurde während des II. Weltkrieges von den Nazis geplündert und ging schließlich verloren, wobei noch immer angenommen wird, dass es irgendwo in Deutschland ist. Trotzdem wurde eine Nachbildung konstruiert und nach 25 Jahren 2003 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Für die Reproduktion des einst als „Achtes Weltwunder“ bezeichneten Prunksaals waren umgerechnet 11 Millionen US-Dollar erforderlich.


Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Tony O’Connell (©) wurde seiner atlantologischen Online-Enzyklopädie Atlantipedia.ie entnommen, wo er am 03. Januar 2010 unter dem Titel "Amber" erstveröffenlicht wurde. Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung nach dem Stand vom 17. Mai 2020 durch Atlantisforschung.de.

Fußnoten:

  1. Red. Anmerkung: Zum besseren Verständnis sei angefügt, dass Phaëton, der Sohn des Sonnengottes Helios, der Mythe zufolge beim dem Versuch abstürzte und starb, den Sonnenwagen seines Vaters über den Himmel zu lenken. Seine Schwestern, die Heliaden, waren untröstlich. Ihre Tränen wurden zu Bernstein, und auch nachdem sie in Bäume verwandelt wurden, schwitzten diese noch goldene Tropfen aus.
  2. Siehe: Jürgen Spanuth, "Atlantis - Heimat, Reich und Schicksal der Germanen", Osnabrück (Otto Zeller Verlag), 1982, S. 353-356 (Der Oreichalkos) und S. 357-360 (Der Bernstein); online bei Archive.org
  3. Siehe: Helen O’Clery, "The Pegasus Story of Atlantis, London (Denis Dobson), 1971, S. 52
  4. Siehe: Jürgen Spanuth, "Atlantis: The Mystery Unravelled", London (Arco), 1956, S. 92 (Englischsprachige Fassung von: Derselbe, "Das Enträtselte Atlantis", Stuttgart, 1953)
  5. Siehe: Ragnar Storyteller, "Hidden History Part 8 Amber and Ancient Egypt - Amber and Our Viking Ancestors", 13. Januar 2008, bei HIDDEN HISTORY SECRETS (abgerufen: 17. Mai 2020)
  6. Siehe: Amber Artisans, unter: "Baltic Amber Trade Routes" (abgerufen: 17. Mai 2020)
  7. Quelle: Philippe Bohstrom, "Beads Found in 3,400-year-old Nordic Graves Were Made by King Tut's Glassmaker", 09. März 2016, bei haaretz.com (abgerufen: 17. Mai 2020)
  8. Siehe: Mary Sibierski, "Amber: an ancient treasure that grew on trees", 19. September 2006, bei IOL (abgerufen: 17. Mai 2020)
  9. Siehe: Wikipedia - The Free Encyclopedia, unter: "Blue amber" (abgerufen: 17. Mai 2020)
  10. Siehe: Katharine Gammon, "The Human Cost of Amber - Fossils preserved in sap offer an astonishingly clear view of the distant past, but they come at a high price", 02. August 2019, bei theatlantic.com (abgerufen: 17. Mai 2020)
  11. Siehe; Frank Joseph, "Atlantis and Other Lost Worlds", London (Arcturus), 2008, S. 109; sowie: Derselbe, "The Atlantis Encyclopaedia" New Jersey (New Page Books), 2005, S. 106
  12. Susie Ward Aber, "Welcome to the World of Amber" (abgerufen: 17. Mai 2020)
  13. Siehe: Universität Cambridge, "Sicilian amber in western Europe pre-dates arrival of Baltic amber by at least 2,000 years", 29. August 2018, bei EurekAlert.org (abgerufen: 17. Mai 2020)
  14. Siehe: Paul Rincon, "Stonehenge boy 'was from the Med'", 28. September 2010, bei BBC News (abgerufen: 17. Mai 2020)

Bild-Quellen:

1) Lämpel (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Bernstein auf Granit.jpg (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung 3.0 nicht portiert“)
2) Johannes.Richter in der Wikipedia auf Englisch bei Wikimedia Commons, unter: File:Amber sources in Europe.jpg (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“)
3) Flominator (Urheber) / Sting (Bearbeitung) bei Wikimedia Commons, unter: File:Magdalenenberg collier.jpg (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“)
4) Original-Quelle unbekannt; nach: Jeannie's Jams, unter: ancientegyptmoberly / Ancient Egyptian Fashion Legacy