Cesare Emiliani

Aus Atlantisforschung
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Vorbemerkung

(red) Der aus Italien stammende, US-amerikanische Geologe und Paläontologe Dr. Cesare Emiliani (*8 Dez. 1922 – †20 Juli 1995) (Abb. 1) gilt in Fachkreisen als einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler des 20. Jahrhunderts sowie als Begründer der heutigen Paläozeanographie und Isotopenstratigraphie bzw. der erdgeschichtlichen Skalierung in Sauerstoff-Isotopenstufen. Geflissentlich unterschlagen wird bei wissenschaftsgeschichtlichen oder enzyklopädischen Würdigungen dieses Ausnahme-Forschers zumeist die Tatsache, dass C. Emiliani auch ein Befürworter der Atlantis-Theorie war - eine Überzeugung, zu der er sich ganz offen bekannte, wobei er auch 'Kollegenschelte' billigend in Kauf nahm.


Dr. Cesare Emiliani - Leben und Werk

Abb. 1 Dr. Dr. C. Emiliani

Cesare Emiliani kam 1922 im norditalienischen Bologna zur Welt. An der dortigen Universität studierte er zunächst Geologie und erwarb 1945 seinen ersten Doktorgrad auf dem Gebiet der Mikropaläontologie. Nach seiner Graduierung arbeitete er zwischen 1956 und 1948 in diesem Forschungsbereich für die Società Idrocarburi Nazionali in Florenz. 1948 wurde ihm ein Rollin D. Salisbury-Stipendium der Geologischen Fakultät an der University of Chicago angeboten, das er annahm. Seine postdoktoralen Studien in Chicago schloss Emiliani 1950 mit einer zweiten Dissertation und der Erlangung eines zusätzlichen Doktor-Grades (der Isotopischen Paläoklimatologie) ab. Von 1950 bis 1956 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Harold Urey’s Geochemistry Laboratory des Enrico Fermi Institute for Nuclear Studies an der Chicagoer Universität tätig. Während dieser Zeit lernte er auch seine spätere Ehefrau Rosita kennen, die er am 28. Juni 1951 heiratete. Aus ihrer Ehe gingen zwei Kinder, Sandra und Mario, hervor.

Im Jahr 1957 begann Cesare Emiliani damit, sich intensiver mit Foraminiferen (mikroskopisch kleine Protisten, deren Überreste in großen Massen in maritimen Sedimenten zu finden sind) zu befassen, und er entwickelte ein besonderes Interesse an den enormen Klimaschwankungen während des Pleistozäns. Emiliani war sich sicher, dass die Relikte dieser winzigen Lebewesen wichtige Hinweise zur Beantwortung offener Fragen zu paläoklimatischen Vorgängen liefern können. Aus diesem Grund begann er nach einer neuen Wirkungsstätte su suchen, wo ihm das entsprechende Kapital, Personal und Equipment zur Verfügung stand, um auch auf hoher See Feldforschung betreiben und für seine Studien Proben des Meeresbodens der Tiefsee sammeln zu können. Auf eine Empfehlung hin entschied er sich für das Institute of Marine Science (heute: Rosenstiel School of Marine and Atmospheric Sciences) der University of Miami, wo ihm all dies geboten wurde. Im Jahr 1967 wurde er dort Leiter (Chairman) der Abteilung für Geologie und Geophysik des Instituts, und er (re-?)organisierte die Geologische Fakultät der University of Miami. Die Funktion als Chairman übte er bis 1993 aus, als er in Pension ging. Nur zwei Jahre später verstarb er in seiner Alters-Residenz in Palm Beach Gardens, Florida.


Cesare Emiliani und Atlantis

Abb. 2 Die massenhaften Funde der Überreste von Süßwasser-Diatoméen in Bohrkernen aus maritimen Sedimenten durch R.W. Kolbe et al. (1948/1949) dürften entscheidend zu Cesare Emilianis Haltung in Bezug auf das Atlantis-Problem beigetragen haben, da er selber ein ausgewiesener Experte für Meeres-Sedimente war. (Bild: Diatomées, aus: La Nature, 1873)

Cesare Emiliani war sicherlich kein Atlantisforscher im engeren Sinne [1], aber sein besonderes Interesse am Thema 'Atlantis' lässt sich schon an der erstaunlichen Tatsache erkennen, dass dieser hochkarätige und wohl kaum 'unterbeschäftigte' Wissenschaftler sich die Zeit nahm, das von seinem Kollegen Zdeněk Kukal verfasste Buch "Atlantis in the Light of Modern Research" ins Englische zu übersetzen [2] (das Werk erschien in dieser Sprache 1984). Erstaunen muss aber auch die Tatsache, dass Dr. Emiliani diese Arbeit übernahm, obwohl er offenbar in wesentlichen Punkten ganz anderer Ansicht war als Kukal, welcher z.B. die Möglichkeit rigoros ausschloss, im Atlantik könne während rezenter Perioden der Erdgeschichte eine größere Landmasse versunken sein.

Emiliani hatte jedenfalls schon im Jahr 1975 einen spektakulären Bericht über seine Untersuchungen an Bohrkernen veröffentlicht, die dem Meeresboden im Golf von Mexiko entnommen worden waren. Die Ergebnisse seiner Analysen zeigten einen schockierend rapiden Anstieg der globbalen Meeresspiegel um ca. 100 m (325 Fuß) — bei einer Zunahme von mehreren Metern pro Dekade! — vor etwa 11.600 Jahren an. [3] Diese Ergebnisse machten deutlich, dass mit dem abrupten Ende der Eiszeit in der Tat ungeheure Landstrecken (Inseln und Küstengebiete) von den anschwellenden Ozeanen verschlungen worden sein müssen. Dr. Emilianis eher beiläufige Bemerkung, dass dies genau der Zeitpunkt gewesen sei, den Platon für den Untergang von Atlantis genannt habe, sorgte umgehend für wütende Kommentare aus seiner Kollegenschaft.

Ganz 'von ungefähr' scheint Emilianis Verweis auf den Autor des Atlantisberichts und das verschollene Inselreich allerdings nicht gekommen zu sein, denn aufgrund seiner spezifischen Forschungsschwerpunkte und als exzellentem Kenner der Materie müssen ihm die Ergebnisse der schwedischen Expedition zur Erkundung der Tiefsee (1947-1949) [4], von Maurice Ewings Feldforschung (1948 und 1949) [5] und der nachfolgenden Expeditionen des Lamont-Doherty Earth Observatory [6] bestens bekannt gewesen sein. Diese ozeanographischen und meeresgeologischen Expeditionen hatten mit der Entdeckung versunkener Sandstrände und fossiler Süßwasser-Diatoméen im Bereich des Mittelatlantischen Rückens harte Evidenzen dafür erbracht, dass inmitten der Weiten des Atlantischen Ozeans noch in der jüngsten erdgeschichtlichen Vergangenheit größere Landgebiete über der Wasseroberfläche gelegen haben - unbequeme, 'sperrige' und der herrschenden Lehrmeinung zuwiderlaufende Daten also, wissenschaftliche hot potatoes, die von den Verteidigern des geologischen Status quo so schnell wie möglich 'zu den Akten gelegt' wurden und schon bald so gründlich in Vergesenheit gerieten, das nachfolgende Forscher-Generationen bereits nichts mehr mehr von der Existenz dieser problematischen Funde wussten und wissen.

Cesare Emiliani scheint als herausragender Experte für Relikte diverser Protisten in marinen Sedimenten in dieser Beziehung ein besseres Gedächtnis als die meisten seiner Kollegen gehabt zu haben, und schlichtweg unideologisch und ergebnisoffen mit dem Atlantis-Problem umgegangen zu sein. Obwohl wir leider nicht genau wissen, welche konkreten Vorstellungen er in Bezug auf Atlantis als historisch-geographische Entität entwickelte, ist jedenfalls davon auszugehen, dass er weiter reichende Überlegungen dazu anstellte. In einem Gespräch mit dem Journalisten und Schriftsteller Peter Tompkins [7] erlärte Dr. Emiliani nämlich, dass vermutete Atlantis-Stätten wie die Azoren, Spanien und Örtlichkeiten vor der Ostküste der USA womöglich alle Bestandteil eines vormaligen Atlantier-Imperiums gewesen sein könnten. [8]


Anmerkungen und Quellen

Vorwiegend verwendetes Material:

Einzelverweise:

  1. Anmerkung: Zumindest wurde offenbar nie eine Abhandlung von Cesare Emiliani zu diesem Thema veröffentlicht.
  2. Quelle: Earth Science Reviews Vol. 21, nach: Tony O’Connell, "Emiliani, Cesare (a)", bei: Atlantipedia.ie
  3. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de auch: "Abrupter Klimawechsel vor 11 000 Jahren" von Andrew Collins
  4. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de z.B.: "Dr. René Malaise - Eine kleine Hommage für eine fast vergessene Persönlichkeit der Atlantisforschung (bb)
  5. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de z.B.: "Die Fakten sprechen FÜR Atlantis" (rmh)
  6. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de z.B.: "Geologische und ozeanographische Evidenzen für Atlantis" von R. Cedric Leonard
  7. Wie Tony O’Connell an anderer Stelle anmerkt, war Tompkins der Verfasser des des Vorworts der englischsprachigen Ausgabe von Otto Mucks Buch "Alles über Atlantis". Emilianis Forschungsarbeit betrachtete Tompkins als wichtigen Beitrag zur Stützung von Mucks Thesen. Siehe das Stichwort "Tompkins, Peter (a)" bei Atlantipedia.ie
  8. Quelle: J. Douglas Kenyon, "Forbidden History", Bear & Co., Rochester, VT, 2005; nach: Tony O’Connell, op. cit.

Bild-Quellen:

1) Tony O’Connell, "Emiliani, Cesare (a)", bei: Atlantipedia.ie]
2) Wikimedia Commons, unter: File:La Nature - 1873 - Diatomées - p014.png (Bildbearbeitung durch Atlantisforschung.de)