Die Etrusker

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von Tony O’Connell

Abb. 1 Eine Karte des etruskischen Siedlungsgebiets zwischen ca. 750. v.Chr. und 500 v.Chr.

Die Etrusker waren ein altertümliches Volk Etruriens (Abb. 1) (zum großen Teil die heutige Toskana) in Italien. Vom 8. Jahrhundert v.Chr. besiedelten sie ein Gebiet, das ungefähr zwischen Rom und Florenz lag, bis sie im 2. Jahrhundert v.Chr. dem Römischen Imperium einverleibt wurden.

Es wird angenommen, dass sie ursprünglich vor 800 v.Chr. aus Kleinasien kamen, eine Vermutung, die auf Herodot zurückgeht. Diese Ansicht erfuhr kürzlich (2007) Unterstützung durch die Resultate von DNS-Studien, die an der Universität Pavia durchgeführt wurden. Eine weitere Studie etruskischer mtDNA veranschlagte, "dass die genetischen Verbindungen zwischen der Toskana und Anatolien mindestens 5000 Jahre zurückdatieren, was stark darauf schließen lässt, dass die etruskische Kultur sich lokal entwickelte, und nicht als unmittelbare Folge einer Immigration von den Küsten des östlichem Mittelmeers." [1]

Stefan Anitei unterstützt einen anatolischen oder genauer gesagt lydischen Ursprung der Etrusker, wobei er "eine kürzliche DNS-Analyse" erwähnt, die zeigt, "dass das Hausrind (Bos Taurus) in Mittelitalien seinen Ursprung in der Tat in der heutigen Türkei und im Mittleren Osten gehabt zu haben scheint. Da es keine Verbindung zwischen diesen Rindern und solchen aus anderen europäischen Regionen gibt, müssen sie übers Meer auf die Halbinsel gekommen sein." [2] Vor einigen Jahrzehnten unterstützte auch Professor Licino Glori einen ostmediterranen Ursprung der Etrusker. [3] Allerdings behauptete er auch einen gemeinsamen Ursprung der Völker Amerikas und Europas, unter ihnen auch die Etrusker, ohne deren gemeinsamen Vorfahren zu identifizieren. [4] Es ist zudem nahegelegt worden, die etruskische Kultur habe deutliche indische Einflüsse aufgewiesen. [5]

Abb. 2 Die moderne Rekonstruktion des etruskischen Tempels von Alatri (Villa Giulia, Rom)

Bis ihre Schriftsprache übersetzt werden kann, werden sie in einen Schleier des Geheimnisvollen gehüllt bleiben. Aber selbst dann ist es auf Grund des Mangels an zugänglichem Material in ihrer Sprache wahrscheinlich, dass nur wenig herauszubekommen ist. Mark Cartwrights exzellente Webseite "Etruscan Language" bietet weitere Informationen über die etruskische Schrift und viele Artikel über verschiedene Aspekte der etruskischen Kultur. [6] Ein Bericht aus dem Jahr 2016 [7] meldete die Entdeckung einer Stele, auf der sich mindestens 70 lesbare etruskische Buchstaben und Interpunktions-Zeichen befinden. Dies wird hoffentlich zu Fortschritten bei der Übersetzung dieser Sprache beitragen.

Die Örtlichkeit der alten Stadt Chiusi wird von vielen für die Stätte gehalten, wo sich einst Clusium befand, die Hauptstadt des Etruskerkönigs Lars Porsenna. Diese Annahme basiert auf der Tatsache, dass beide Namen das selbe bedeuten, nämlich 'verschlossen'. Prof. Giuseppe Centauro meint allerdings, er habe das wahre Clusium in der Nähe von Florenz gefunden, wo er konzentrische Wälle mit einem Umfang von zehn Meilen identifizierte. [8] Diese ausgedehnten Wälle liefern einen Nachklang zu Platos Beschreibung von Atlantis. Sollte er richtig liegen, dann war Clusium einst die größte Stadt Italiens. Vor einiger Zeit hat Centauro sich um eine Grabungsgenehmigung bemüht.

Abb. 3 Die Ruinen der etruskischen Anlage von Ara della Regina bei Tarquinia, nördliches Latium, an der Küste des Tyrrhenischen Meeres

Bei Orvieto, knapp 100 km nördlich von Rom, untersucht Prof. Simonetta Stopponi einen möglichen Fundort des Fanum Voltumnae, wo sich die Führer der etruskischen Stadtstaaten jedes Jahr trafen, um ihre Politik zu diskutieren. Dieses Treffen liefert gewissermaßen einen Widerhall der regelmäßigen Zusammenkünfte der Könige der atlantischen Föderation. Es ist wert hervorgehoben zu werden, dass Tyrrhenien, der griechische Name für Etrurien, [...] von Plato (Kritias 114c und Timaios 25b) als Grenzgebiet des Atlantier-Territoriums erwähnt wird. Es ist daher realistisch anzunehmen, dass südlich von Etrurien auf dem italienischen Festland möglicherweise Überbleibsel von Atlantis zu finden sind.

In seinem jüngsten Buch [9] bwzeichnet Richard W. Welch zu seiner Zufriedenheit die Etrusker als "die letzten Atlantier, über die wir viel wissen." Frank Joseph stößt ins selbe Horn und schreibt, dass "die Etrusker selber nichts anderes waren als die späten Atlantier, die Westitalien kolonisierten, sodass das, was von ihrer materiellen Kultur übrig geblieben ist, uns einen flüchtigen Eindruck von Atlantis auf seinem kulturellen Höhepunkt vermittelt." [10] Bereits 1962 hatte der französische Linguist Maurice Guignard behauptet [11], er habe die etruskische Sprache entziffert, und ebenfalls nahegelegt, sie stammten von Atlantis. [...]

Der umstrittene italienische Forscher Dr. Mario Gattoni Celli (Bild) [12], der in den 1960er Jahren publizierte, schlug vor, dass die Etrusker nach Südamerika gereist seien [13], wobei er seine Meinung auf linguistische und andere kulturelle Evidenzen gründete. Gestützt wird seine Ansicht offenbar auch durch Diodorus Siculus [14], der darauf hinwies, die 'Tyrrhenier' hätten auf einer Insel mit befahrbaren Flüssen, weit entfernt von der bewohnten Welt, eine Kolonie aufgebaut. [15] [...] Der exotischste Vorschlag in Hinsicht auf die Etrusker stammt jedenfalls von Xavier Séguin, der behauptet hat, sie und die Yoruba in Westafrika hätten gemeinsame Vorfahren und stammten beide aus Atlantis! [16] Zur Bekräftigung dieser Behauptung zitiert Séguin aus dem Werk von Leo Frobenius, wobei er die Bedeutung der Zahl Sechzehn in beiden Kulturen hervorhebt.



Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Tony O’Connell (©) wurde von ihm erstmals online veröffentlicht am 25. Mai 2010 unter dem Original-Titel "Etruscans" bei Atlantipedia.ie. Bei Atlantisforschung.de erscheint er - leicht gekürzt - im August 2017 in eigener Übersetzung ins Deutsche und redaktioneller Bearbeitung.

Fußnoten:

  1. Quelle: Silvia Ghirotto, Francesca Tassi, Erica Fumagalli, Vincenza Colonna, Anna Sandionigi, Martina Lari, Stefania Vai, Emmanuele Petiti, Giorgio Corti, Ermanno Rizzi, Gianluca De Bellis, David Caramelli und Guido Barbujani, "Origins and Evolution of the Etruscans’ mtDNA", 6. Februar 2013, bei PLOS ONE (abgerufen: 14. August 2017)
  2. Quelle: Stefan Anitei, "The Origins of the Etruscans - From Troy to Atlantis and Italy", 09. Mai 2007, bei SOFTPEDIA NEWS (abgerufen: 14. August 2017)
  3. Siehe: St. Petersburg Times, 25. November 1957
  4. Siehe: o.A., "Sur quelques similitudes entre les peuples précolombiens et étrusques", ohne Datierung, bei inmysteriam.fr (abgerufen: 14. August 2017)
  5. Siehe: Neeta Raina, "THE RAMAYANA AND THE ROOTS OF PRE-CHRISTIAN CIVILIZATION OF ITALY", 10. Mai 2014, bei Vedic Cafe (abgerufen: 14. August 2017)
  6. Red. Anmerkung: Lobende Erwähnung findet bei Tony O’Connell auch die sehr umfangreiche Webseite THE MYSTERIOUS ETRUSCANS. Sie liefert, wie er bemerkt, "einen guten Überblick [zum Wissensstand] über die Etrusker einschließlich einer wertvollen Bibliographie und einer Sammlung zugehöriger Links."
  7. Siehe: o.A., "Text in lost language may reveal god or goddess worshipped by Etruscans at ancient temple", 29. März 2016, bei ScienceDaily.com (abgerufen: 14. August 2017)
  8. Siehe: o.A., "Scientific treasure hunters - Archaeologists may have found what was once the biggest city in Italy", 23. November 2004, bei Daily News (Archiv) (abgerufen: 14. August 2017)
  9. Siehe: Richard W. Welch, "Roots of Cataclysm: Geopulsation and the Atlantis Supervukcano", New York (Algora Publishing), 2009
  10. Quelle: Frank Joseph, "Atlantis - And Other Lost Worlds", London (Arcturus Publishing), 2008, S. 21
  11. Siehe: Maurice Guignard, "Comment j'ai dechiffré la langue étrusque" (Wie ich die etruskische Sprache entzifferte), Selbstverlag des Autors, 1962
  12. Red. Anmerkung: Dr. Gattoni Celli gehörte auch zu den Kontributoren von Egerton Sykes’ Journal 'Atlantis'.
  13. Red. Anmerkung: In der Wochenzeitung ZEIT hieß es dazu am 12. November 1965: "Nun sollen es die Etrusker gewesen sein, die Amerika entdeckt haben – 1100 Jahre vor Christi Geburt. Professor Mario Gattoni Celli, ein italienischer Gelehrter, der sich vornehmlich mit dem Studium der etruskischen Kultur beschäftigt hat, erklärte kürzlich, er habe herausgefunden, daß die Etrusker in ihren religiösen Riten die gleichen Symbole benutzt hätten wie die Akawayo-Indianer in Guinea. Zum Beispiel seien Darstellungen von Menschen mit Flügeln an den Schultern in religiösen Bildern sowohl der Etrusker wie der Akawayos zu finden. Überdies müsse es in den Sprachen der beiden Volksstämme ähnliche Wörter gegeben haben, wovon noch heute die Verwandtschaft etwa des akawayoschen Ausdrucks „cala“ mit dem italienischen Wort „scala“ zeuge, was in beiden Sprachen „Treppe“ bedeutet. Celli meint, es könne keinen Zweifel daran geben, daß so tüchtige Seefahrer wie die Etrusker die südamerikanische Küste hätten erreichen können. " (Quelle; abgerufen: 15. August 2017)
  14. Siehe: Diodorus Siculus, Bibliotheca historica, Buch V, 19+
  15. Siehe auch: Egerton Sykes (Hrsg.), Atlantis Vol. 19.1 - Februar/März 1966
  16. Siehe: Xavier Séguin, "The Yoruba and the Etruscans", 4. März 2010, bei eden saga - An other history of mankind (abgerufen: 14. August 2017)

Bild-Quellen:

1) NormanEinstein (Urheber); derivative work: Maximilian Dörrbecker (Chumwa) bei Wikimedia Commons, unter: File:Etruscan civilization map-de.png
2) dalbera (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Temple étrusque 1.jpg
3) Robin Iversen Rönnlund (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Ara della Regina Tarquinia.jpg