Ein bronzezeitliches Atlantis bei Cadiz

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Die Thesen von Werner Wickboldt und Rainer W. Kühne

Abb. 1 Satelliten-Aufnahme des Areals der von Wickboldt und Kühne vermuteten Ruinen-Stätte bei Cádiz. Die Überreste von Atlantis? (Bild: Archiv Werner Wickboldt)

(red) Nachdem bereits Ende der 1990er Jahre Jürgen Hepke sein Szenario eines bronzezeitlichen Atlantis bei Cádiz präsentierte (siehe: Puerto de Santa Maria - Atlantis II in Iberien) stellten in den Jahren 2003 / 2004 auch Werner Wickboldt und Rainer W. Kühne ihre Thesen zu einem iberischen Atlantis der Bronzezeit vor.

Als eigentlichen Urheber dieser neuen Cádiz-These dürfen wir den Braunschweiger "Hobby-Archäologen" [1] W. Wickboldt betrachten, der sich bereits seit ca. 25 Jahren mit dem Atlantis-Komplex beschäftigt. Dabei wandelt der Braunschweiger Berufsschullehrer - aus atlantologie-historischem Blickwinkel [2] - auf den Spuren Adolf Schultens und Jürgen Spanuths, deren Arbeiten er wesentliche Komponenten seines Modells entnommen hat.

Während er bei seiner Lokalisierung der Atlantier-Metropolis weitgehend Schulten folgt, der die versunkene Hauptstadt des legendären Reiches im Mündungsgebiet des Guadalquivir vermutete und suchte, entlehnt er bei Jürgen Spanuth (und bei Spyridon Marinatos et al. die Annahme der Identität von 'Seevölker-Kriegen" und dem 'Großen Krieg', der in der Atlantida geschildert wird. Allerdings nimmt Wickboldt dabei einschneidende Revisionen vor: Er verwirft Spanuths Annahme, bei diesen 'Seevölkern' habe es sich zum großen Teil um Flüchtlinge aus Nordwesteuropa gehandelt. Stattdessen interpretiert er sie als iberisch-westmediterrane Völker und vermutet ihr kulturelles Zentrum an der iberischen Atlantikküste bei Cádiz.

Bereits 1996 kam W. Wickboldt in den Besitz von Satelliten-Bildern (Abb. 1 u. 2), die seine These stützen könnten, da sie möglicherweise Reste alter Bausubstanz in genau dem Gebiet erkennen lassen, dass er zur Atlantis-Lokalisierung ins Auge gefasst hat, und Sommer 1997 präsentierte er sein Konzept erstmalig in Utersum/Föhr in Nordfriesland. Danach dauerte es noch etwa sieben Jahre, bis der Forscher sich zur breiteren Popularisierung seiner diesbezüglichen Ideen entschloss. Als Forum dafür wählte er zunächst eine Bildungs-Veranstaltung des Braunschweigischen Landesmuseums, Abt. Ur- und Frühgeschichte, wo er am 08. 01. 2003 als Referent zunächst seinen Vortrag zum angekündigten Thema "Seevölker - Zerstörung von Troja und Hattuascha" hielt, um dann - zur Überraschung von Veranstalter und Auditorium - seine These zu präsentatieren: "Für mich steht fest, dass diese Seevölker die Bewohner von Atlantis waren". [3]

Abb. 2 W. Wickboldt und W. Kühne sind der Meinung, dass sich auf der Satelliten-Aufnahme (oben) die Spuren konzentrischer Ringe (unten) erkennen lassen, wie sie in Platons Atlantisbericht beschrieben werden. (Bilder: Werner Wickboldt)

Ein journalistisches Echo fand er mit dieser Eröffnung allerdings zunächst nur in der örtlichen Braunschweiger Zeitung, die in ihrem Lokalteil zwei Berichte über die Thesen des Atlantologen veröffentlichte. In der Folge wurde jedenfalls der Physiker Dr. Rainer W. Kühne durch diese beiden Artikel von Frank Wöstmann (siehe unten) auf Wickboldts Arbeit aufmerksam und nahm Kontakt mit ihm auf. [4] Dann veröffentlichte er zunächst im Internet, bei Mysteria 3000, alleine einen Beitrag im Rahmen seiner eigenen Atlantis-Interpretation (siehe: Atlantis bei Cádiz - zur Bronzezeit), um danach - gemeinsam mit Wickboldt - eine größere Öffentlichkeit zu suchen. [5]

Mit einer gemeinsamen Presse-Meldung im Juni 2004 lösten Kühne und Wickboldt nun allerdings ein internationales Echo in den Medien aus (siehe z.B. den Online-Bericht der BBC), aber es bleibt weiterhin abzuwarten, ob sich ihre Interpretation der gezeigten Satelliten-Bilder als richtig herausstellt - womit ihre These stellt und fällt. Außerdem ist natürlich auch die Möglichkeit denkbar, dass es sich bei den vermuteten Ruinen nicht um Platons Atlantis, sondern tatsächlich um Überreste der (bisher unentdeckten) Iberer-Metropole Tartessos handeln könnte, deren Spuren in dem, von den beiden Atlantisforschern fokussierten, Gebiet zu finden sein müssten.

Sachlich und fachlich unrichtig ist zumindest eine zentrale Aussage Wickboldts, die er der BBC gegenüber traf: "Dies ist der einzige Ort, der zu Platons Beschreibung zu passen scheint." ([6] Zudem sind Wickboldts und Kühnes vermutete Relikte (die sich gegebenenfalls auf dem iberischen Festland befinden) mit Sicherheit NICHT identisch mit den vermutlich weitaus älteren Ruinen, die bereits 1973 von der amerikanischen Atlantologin Maxine Asher weit vor der heutigen Küste der Halbinsel von Iberien, zwischen Gibraltar und Cádiz, entdeckt und als Atlantis-Überreste identifiziert wurden.

Team Atlantisforschung.de


Beiträge zu diesem Thema:

Atlantis bei Cádiz - zur Bronzezeit (Rainer W. Kühne)

"Atlantis lag in Südwest-Spanien" - Wolfenbüttel: Vortrag im Landesmuseum nahm eine Überrachende Wendung (Frank Wöstmann - Braunschweiger Zeitung, 10. Jan. 2003)

Forscher meldet: Atlantis gefunden (Frank Wöstmann - Braunschweiger Zeitung, 19. Februar 2003)


Siehe auch:

Neues zu Atlantis & Tartessos - Spanische Wissenschaftler auf der Suche in Andalusien (red)


Anmerkungen und Quellen

Fußnote:

  1. Anmerkung: Wir ZITIEREN hier diese, nach unserem Verständnis durchaus verniedlichend und abwertend wirkende, Charakterisierung lediglich nach der Berichterstattung in der Braunschweiger Zeitung und in diversen Online-Publikationen, die dort offenbar abgeschrieben haben. Wir stellen dazu ausdrücklich fest, dass autodidaktisch im Selbststudium gebildete Archäologen und Historiker keineswegs weniger qualifiziert - und erfolgreich - sein müssen als ihre "hauptberuflichen" Kollegen. Ihrer Wortwahl folgend war ansonsten auch Heinrich Schliemann ein "Hobby-Archäologe"! Charles Darwin war demzufolge ein "Hobby-Biologe", und Charles Lyell war ein "Hobby-Geologe"!
  2. Vergl. dazu die Rubrik: Atlantologie-Historik - Beschäftigung mit der Geschichte der Atlantisforschung
  3. Quelle: BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG / (Regionalteil / Wolfenbüttler Zeitung u. Anzeiger), Fr. 10. Januar 2003
  4. Anmerkung: Adolf Schulten ging von einer Identität von Atlantis und Tartessos aus, konnte allerdings keine harten Evidenzen vorlegen, um diese These zu belegen.
  5. Anmerkung: Von Rainer W. Kühne waren bereits zuvor zwei atlantologische Veröffentlichungen erschienen: in Ancient Skies 13, 1 (1989) 3-8 und in Independent Science 2, 1 (1993) 4-5.
  6. Quelle: übersetzt nach BBC NEWS / WORLD EDITION, Satellite images show >Atlantis<, online unter: http://news.bbc.co.uk/1/hi/sci/tech/3766863.stm (Last Updated: Sunday, 6 June, 2004, 14:25 GMT 15:25 UK)

Bild-Quelle:

1) BBC, online unter: http://news.bbc.co.uk/1/hi/sci/tech/3766863.stm
2) ebd.